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Alt 23.02.2017, 16:30   #1   Druckbare Version zeigen
DerMarc  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 4
Wie findet man das richtige Lösungsmittel?

Hallo zusammen,

ich habe mich hier neu angemeldet und möchte mich mal als interessierter Laie ins Sachen Chemie bezeichnen.

Mich beaschäftigt zur Zeit das Thema Lösungsmittel. Wie kann man ein geeignetes Lösungsmittel für einen Stoff finden? Konkret geht es mir im Moment um ein geeignetes Lösungsmittel für einen Klebstoff auf "Urethanmethacrylat"-Basis. Jetzt würde mich interessieren ob es anhand dieser Bezeichnung schon möglich ist ein geeignetes Lösungsmittel auszuwählen, wie man da systematisch vorgeht bei der Auswahl eines geeigneten Stoffs und gerne auch ein paar Hintergrundinformationen bzw. lesenswerte Texte oder Links.

Vielen Dank, Gruß Marc
DerMarc ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.2017, 20:47   #2   Druckbare Version zeigen
kaliumcyanid Männlich
Mitglied
Beiträge: 18.569
AW: Wie findet man das richtige Lösungsmittel?

Wenn man so gar keine Ahnung von der Materie hat, wird das ein wirklich schwieriges Unterfangen. Die Löslichkeit ist eine spezifische Stoffeigenschaft, die sich nicht einfach an der Formel ablesen lässt. Mit entsprechendem Hintergrundwissen kennt man geeignete Lösungsmittel oder kann anhand der Substanzklasse mögliche Lösungsmittel abschätzen. Bei ausgehärteten Klebern, Bauschäumen und dergleichen könnte es schwierig bis unmöglich werden, ein Lösungsmittel zu finden. Manche Verbindungen gehen nach der Polymerisation nicht mehr in Lösung.

Das Lösungsmittel hängt auch von der Menge, vom Ort der Anwendung etc. ab. In geeigneter Umgebung kann man so ziemlich jedes Lösungsmittel handhaben, z.B. wenige mL im Labor. Im großen Produktionsmaßstab verbieten sich bestimmte Lösungsmittel: Gesundheitsschutz, Arbeitssicherheit, Handhabungsverbot.

Am besten sucht man sich also einen Experten oder recherchiert selbst. Ich selbst könnte hier nur raten - ich komme aus der Pharma-Branche, Klebstoff-Chemie kenne ich nur vom Hörensagen. Die üblichen Verdächtigen wie Dichlormethan, Toluol, Ethylacetat, Aceton, THF etc. sorgen vermutlich für gleichmäßige Sauerei, mal abgesehen davon, dass gerade erstgenannte Lösungsmittel gesundheitlich recht bedenklich sind.

Was konkret soll denn zu welchem Zweck in welchen Mengen passieren? Welche Ausbildung hat derjenige, der das Lösungsmittel handhaben wird?
kaliumcyanid ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.2017, 22:48   #3   Druckbare Version zeigen
Cyrion Männlich
Mitglied
Beiträge: 4.580
AW: Wie findet man das richtige Lösungsmittel?

Ich weiß nicht, wie verwandt der Klebstoff zu einem "normalen" Polyurethan ist. Polyurethane sind meines Wissens unlöslich. Natürlich kann man dann mit konzentrierter Schwefelsäure und ähnlichem "zaubern". Die Wahrscheinlichkeit, dass gerade ein Laie hier ohne massiven Kollateralschaden herausgeht, ist nicht gering. Und für das Material entspricht das der berühmten Fleckenschere.
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Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim: Allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.

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Cyrion ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.02.2017, 08:49   #4   Druckbare Version zeigen
Muzmuz  
Mitglied
Beiträge: 5.459
AW: Wie findet man das richtige Lösungsmittel?

Das Beste ist, zunächst ein Lastenheft zu erstellen.
Was muss das Lösungsmittel können ? Was soll es können ? Was kann es zusätzlich können ?
An Hand dieses Heftes kann man dann nach potentiellen Kandidaten suchen. Entweder in vorgefertigen Tabellenwerken, oder aber man muss selbst noch einige Experimente machen.
Muzmuz ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 24.02.2017, 09:34   #5   Druckbare Version zeigen
DerMarc  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 4
AW: Wie findet man das richtige Lösungsmittel?

Hallo,

erstmal vielen dank für die Antworten. Die Sache scheint ja um einiges komplizierter zu sein als ich angenommen habe.

Ich schildere mal das Problem, vielleicht können wir die Herangehensweise daran exemplarisch aufzeigen.

Ich habe hier eine größere Anzahl Beschleunigungsaufnehmer von einem abgeschlossenen Projekt übernommen. Dabei handelt es sich um komplett gekapselte, zylindrische Geräte in der Größe eines Fingerhuts. Die Gehäuse bestehen aus verschweissten Aluminium und sind eloxiert. Für den Versuchsaufbau wurden die Sensoren in ein Stahlgehäuse mit entsprechenden Bohrungen eingeklebt. Das Gehäuse besteht aus Stahl. Der verwendete Klebstoff wurde bereits genannt. An der Servicehotline des Herstellers erhielt ich nur wenig kompetente Ratschläge. Ein Lösen mit Wärme scheidet aufgrund der Elektronik im Sensor aus, Säuren und Laugen würden das (sehr sehr dünnwandige) Alugehäuse zerstören. Deshalb suche ich nach einem anderen Lösungsmittel.

Ich suche also nach einem Stoff der:
Urethanmethacrylat löst und nicht mit Aluminium reagiert. Die nötige Einwirkzeit ist relativ unkritisch, die Teile können theoretisch eingelegt werden. Die Handhabung würde ich unserem Labor überlassen. Hier könnte ich auch etwas exotischere Lösungsmittel beziehen falls das nötig ist. Auch wenn der Schwerpunkt der Kollegen eher die Anwendungstechnik ist, ist das Arbeiten unter einem Abzug usw. möglich.

Gruß Marc
DerMarc ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 24.02.2017, 10:29   #6   Druckbare Version zeigen
Cyrion Männlich
Mitglied
Beiträge: 4.580
AW: Wie findet man das richtige Lösungsmittel?

Generell kannst Du einen entsprechenden Klebstoff kaufen, ihn irgendwo aufbringen und dann diverse Lösungsmittel daran ausprobieren.

Ich persönlich sehe da aber schwarz, dass auch nur ein Lösungsmittel irgend etwas auf die Reihe kriegt.

Aber vielleicht wrd der Klebstoff so weit eingeweicht, dass Du die Dinge voneinander reißen kannst.
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Cyrion ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.02.2017, 12:09   #7   Druckbare Version zeigen
mib777 Männlich
Mitglied
Beiträge: 305
AW: Wie findet man das richtige Lösungsmittel?

Ist zwar auch nicht ganz mein Gebiet, aber dicht dran.

Besteht vielleicht die Mglichekit, noch etwas mehr über den Klebstoff zu erfahren?

Generell wird es bei 2K-Klebern richtig schwierig, da nach der Reaktion die Ketten nur noch sehr schwer zu durchdringen sind.
Eine richtige Lösung wird man vermutlich soweiso nicht erreichen, sondern nur eine Art Weichmachung. Das würde aber auch reichen, da dann die meisten Kleber ihre Haftwirkung deutlich verringern oder verlieren. Der Rest lässt sich dann leicht mechanisch entfernen.

Bei der Bezeichnung Urethanmetacylat würde ich zunächst mal einen 1K-Kleber vermuten, also erstmal mit den üblichen Verdächtigen wie Ethylacetat, Butanol oder Toluol versuchen. Wie gesagt, wird sich nicht sofort eine Wirkung einstellen, sondern es wird eine Einwirkzeit erforderlich sein (aufpassen, dass das LM nicht wieder verdunstet, sonst fängt man von vorne an ).
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Michael

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mib777 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.02.2017, 14:56   #8   Druckbare Version zeigen
DerMarc  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 4
AW: Wie findet man das richtige Lösungsmittel?

Super, das hilft mir schon richtig weiter. Übrigens ist es ein 1K-Klebstoff. Loctite 638. Es gibt dazu auch ein tech. Datenblatt im Netz. Eine verwegene Idee wäre sonst noch den Kleber mit Ozon zu behandeln. Einen Ozongenerator habe ich, aber leider ist ja die Kontaktfläche sehr klein, sodass das wenn überhaupt in Jahrzehnten wirkt, oder?
DerMarc ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.02.2017, 15:04   #9   Druckbare Version zeigen
mib777 Männlich
Mitglied
Beiträge: 305
AW: Wie findet man das richtige Lösungsmittel?

Laut Datenblatt empfohlen ist der Einsatz von firmeneigenen Lösemitteln zum anquellen und mechanischer Entfernung, also etwa so wie ich beschrieben habe.

Da auch Loctite nicht zaubern kann, einfach die genannten Lösemittel probieren

Ozon glaube ich nicht, dass es hilft. Dass kann zwar Molekülketten spalten, aber ob man damit so einen Kleber entfernt? Eher nicht.
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Michael

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mib777 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2017, 12:30   #10   Druckbare Version zeigen
DerMarc  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 4
AW: Wie findet man das richtige Lösungsmittel?

Hallo,

die erste Versuchsreihe ist durch. Getestet wurden die drei Lösungsmittel Ethylacetat, Butanol und Toluol. Nach einer Einwirkzeit von 72 h sah das Ergebnis so aus:

Ethylacetat: Flüssigkeit verfärbte sich grünlich (Farbe des Klebers), Klebstoff leicht angelöst.

Butanol: ganz leichte grünliche Färbung Festigkeit des Klebstoffs unverändert

Toluol: keine Wirkung.

Kann man aus diesem Ergebnis Rückschlüsse für weitere Versuche ziehen?

Wäre nett wenn ich noch ein paar Ratschläge bekomme.

Gruß Marc
DerMarc ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2017, 12:59   #11   Druckbare Version zeigen
chemiewolf Männlich
Mitglied
Beiträge: 18.744
AW: Wie findet man das richtige Lösungsmittel?

ich würde mal Dichlormethan testen
__________________
The State Senate of Illinois yesterday abandoned its Committee on Efficiency and Economy for reasons of 'efficiency and economy'.
De Moines Tribune, 6 February 1955
chemiewolf ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2017, 16:13   #12   Druckbare Version zeigen
mib777 Männlich
Mitglied
Beiträge: 305
AW: Wie findet man das richtige Lösungsmittel?

Dichlormethan sollte den Job gut machen, ist nur etwas "biestig" in der Anwendung, aber wenn ein Labor dabei ist, sollte das gehen.

Ansonsten Benzylalkohol, der wird in vielen Farbentfernern verwendet.
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Michael

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