Analytik: Instrumentelle Verfahren
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Analytik: Instrumentelle Verfahren Funktion und Anwendung von GC, HPLC, MS, NMR, IR, UV/VIS, etc.

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Alt 09.02.2017, 03:28   #1   Druckbare Version zeigen
ardosvn  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 17
Definition von Mehrfachmessung bei Methodenvalidierung

Hallo liebe Community,

ich habe eher banale Fragen und hoffe daher auf Antworten von den vielen Fachexperten unter uns.
Und zwar soll ich eine HPLC-Methode zur quantitativen Arzneistoffanalyse (in Hinsicht auf Stabilität) validieren. Hierbei sind mir beim Lesen der Guidelines oder auch Kromidas-Schriften folgende Fragen aufgekommen:


1. Was versteht Ihr unter Doppelbestimmung oder Mehrfachmessung? Heißt das, dass ich die selbe Probe/Standard mehrfach (Messpräzision) vermesse? Oder bezieht man sich dabei auf die Methodenpräzision (von Einwaage bis Vermessung, für jede Messung durchführen).

2. Darf ich eine Kalibriergerade mit reinem Wirkstoff (kein Referenzstandard) vermessen und dann punktuell mit Referenzlösungen "gegenprüfen"? Wie oft würdet Ihr rekalibrieren, wenn überhaupt?
--> Grund: Referenz ist sehr teuer und instabil (Photosensibilität, Stabilität in Lösung keine Literaturangaben vorhanden)

3. Warum ist es statthaft eine Kalibriergerade mit reiner Analytenlösung zu vermessen? Wäre es nicht richtiger immer reale Probe bzw. Matrix + Analyt in Lösun vermessen, um evtl. Matrixeffekte auszugleichen?

4. Und zu letzt, wie hoch ist eurer Meinung nach der Einfluss des Solvents bei der Probenaufbereitung auf den Peak? Laut Kromidas spielt das kaum eine Rolle...vielleicht hat ja jemand Erfahrungswerte?
--> Grund: Für den Arzneistoff benötige ich verschiedene Methoden, da mit verschiedenen Matrixen/Grundlagen gearbeitet wird. Ich möchte aber nicht jede Probe neu ansetzen, nur weil vielleicht das Verdünnungsmittel (Fließmittel) sich unterscheidet.
Falls ich ausschließlich Parameter der Methode ändere, wäre hier sogar eine Verifizierung denkbar?

Vielleicht kann mir ja einer von euch helfen? Freuen würde ich mich allemale!

LG
ardosvn ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.02.2017, 11:36   #2   Druckbare Version zeigen
Lucas76 Männlich
Mitglied
Beiträge: 526
AW: Definition von Mehrfachmessung bei Methodenvalidierung

Hallo

zu 1) entweder eine Doppelbestimmeung: wie du geschrieben hast: 2 separate Proben-Vorbereitungen, ob dan diese beiden Proben-Vorbereitungen mehrfach gemessen werden, ist recht unterschiedlich (ich halte es wenn möglich so..Doppelbestimmung und jeweils Doppelmessung jeder Probenpräparation.

2) Ich würde behaupten dass dies zulässig ist. Aber wenn die Substanz dermassen labil ist, muss man sehr vorsichtig sein, da auch die zertifizierte Referenzsubstanz halt abbaut. Wie lange du diese benutzen kannst, resp. wie oft du die Referenzsubstanz gegenprüfst musst du wohl experimentell bestimmen, wenn keine Infos vorhanden. (Stabi. "Studie"). Halt falls möglich in einem -80°C-er lagern...

3) Das wäre immer die beste Variante, ist aber recht aufwendig.

4) Das Lösemittel kann v.a. bei HPLC eine Rolle für die Peakform und Auflösung haben und v.a. bei HILIC/HIC einen erheblichen Einfluss haben. Bei grossen Injektionsvolumina kann das auch bei RP/NP-Chrom. einen Einfluss haben, muss aber nicht. Das müsstest du auch experimentell bestimmen.

Gruss
Lucas
Lucas76 ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 09.02.2017, 23:43   #3   Druckbare Version zeigen
ardosvn  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 17
AW: Definition von Mehrfachmessung bei Methodenvalidierung

Hey Lucas,

vielen Dank für deine hilfreiche Antwort! Die hat mir wirklich geholfen.
Ich hätte noch einen Nachtrag, vielleicht weißt du auch darauf guten Rat:

1. Ich würde bei der externen Kalibrierung gerne eine Stammlösung mit 50µg/100ml ansetzen. Aliquote hieraus ergeben durch Verdünnung dann die verschiedenen Referenzstandards. Wie hoch ist deiner Meinung nach der Verschleppungsfehler bei diesem Vorgehen im Vergleich zum unabhängigen Einwiegen einer jeden Standardlösung aus festen Referenzstandards? Ist dieses Vorgehen deiner Meinung nach überhaupt richtlinienkonform, hierzu habe ich verschiedene Statements gelesen...

2. Experimentell konnte ich zu Punkt 4 keine gravierende Änderungen des Peaks feststellen, bei einem Injektionsvolumen von 10µl? Was ist deiner Meinung nach ein "großes" Injektionsvolumen?

Solvent 1 war MetOH:wässrige Lsg. im Verhältnis 20:80 und geringe Menge THF zum Lösen des Analyten
Solvent 2 war MetOH:wässrige Lsg. im Verhältnis 40:60 und geringe Menge THF zum Lösen des Analyten

3. WIe gehe ich zu 3. am besten vor, wenn ich mit Lösungen aus Matrix+Referenz kalibrieren möchte? Ich stehe gerade vor dem Henne-Ei-Problem...
Möchte ich die Matrix miteinbeziehen, dann muss diese vor der Messung aufbereitet werden. Arbeite ich die Lösung aber auf, dann muss die Wiederfindungsrate meines Analyten 100% sein. Das setzt aber wiederum Richtigkeit und Präzision meiner Methode. Letztere beide aber wiederum setzen die Überprüfung durch eine Referenzlösung und eine richtige Kalibrierung voraus, welche mit wieder an den Anfang dieses Problemes bringen.

Vielen Dank im Voraus!

Beste Grüße
ardosvn ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.02.2017, 10:09   #4   Druckbare Version zeigen
Alchymist Männlich
Mitglied
Beiträge: 3.129
AW: Definition von Mehrfachmessung bei Methodenvalidierung

Ahoi ardosyn,

zunächst mal eine Rückfrage: nach welcher Guideline arbeitest du? Die Antwort auf einige deiner Fragen hängt davon ab.
Zweite Rückfrage: wenn du im pharmazeutischen Bereich arbeitest, muss du dich dann für deine Bestimmung an eine Monographie (DAB, PhEur) halten?

Zu deinem ersten Fragenkomplex:
- eine Doppelbestimmung ist eine Doppelbestimmung (incl. Probenvorbereitung), sonst ist es nur eine Mehrfachinjektion. Für die Methodenvalidierung müssen i.d.R mindestens 5 Bestimmungen auf jedem Validierungslevel gemacht werden.
- wenn du deinen Wirkstoff gegen den Referenzstandard misst, hast du damit deinen Wirkstoff an die Referenz "angeschlossen" und kannst ihn künftig als Standard verwenden. Beachte, dass dafür eine einzelne Einwaage und Messung (wahrscheinlich, abhängig von dem Regularium) nicht ausreicht.
- Matrixkalibrierung ist Standard und macht nicht allzu großen Aufwand. Kalibrierung über das Gesamtverfahren ist recht aufwändig und lohnt sich nur in speziellen Fällen. Die Lösung zum Ansetzen der Matrixstandards erhältst du, indem du eine Blank-Formulierung (Formulierung ohne Wirkstoff) genauso aufarbeitest wie deine Probe. Davon machst du dir eine etwas größere Menge und benutzt diesen Extrakt zum Ansetzen der Standards
- Ob das Injektionslösungsmittel deinen Peak beeinflusst, hängt von der Flussrate und der Retentionszeit ab (bei höherem Fluss kannst du mehr injizieren, frühe Peaks werden stärker in Mitleidenschaft gezogen als späte)
- das Verdünnen der Standards aus einer Stammlösung ist das übliche Vorgehen. Wie willst du aber 50 µg abwiegen? Wir setzen meist als erste Stammlösung 1000 mg/l (10 mg auf 10 ml) an. Beachte die Mindesteinwaage deiner Waage - auf einer 5stelligen sind das ca. 10 mg, auf einer 6stelligen 1 mg.
__________________
Schöne Worte sind nicht wahr.
Wahre Worte sind nicht schön.
(Laotse)
Alchymist ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.02.2017, 16:35   #5   Druckbare Version zeigen
ardosvn  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 17
AW: Definition von Mehrfachmessung bei Methodenvalidierung

Hallo Alchymist,

vielen Dank für dein Feedback. Zu deinen Rückfragen:

Welche Guideline liegt zu Grunde?
--> Ich orientiere mich an der ICH-Guideline Q2(R1) und der Analytical Method Validation Instruction der EDQM. Leider bietet weder GMP noch andere europäische/nationale Vorschrift genauere Kriterien an. Ausgenommen habe ich die Leitlinie des Umweltbundesamtes und GTFCh, welche meiner Meinung nach nicht zu meiner Thematik passen?

Orientiere ich mich an pharmazeutische Vorschriften?
--> Ja, das hast du richtig erkannt. Langsfristig möchte ich die Stabilität eines Arzneistoffes in verschhiedenen Grundlagen über die Zeit unter verschiedenen Lagerbedingungen untersuchen. Hierzu muss ich für jede Grundlage eine Methode für die Gehaltsbestimmung erarbeiten bzw. validieren. Es soll jeweils seperate Methoden entstehen, weil die Matrixeffekte ja sperat bestimmt werden sollen.
Für zwei Grundlagen gibt es ähnliche Vorschriften, die ich in Parameter anpassen und revalidieren muss (?)
Nachtrag: Da du dich offensichtlich auskennst, weißt du warum in den Prüfvorschriften immer so viel Lösungsmittel verbraucht wird? Ein Beispiel:
100 mg Probe zu 50 ml THF (Solvent) lösen, davon 5 ml zu 50 ml mobile Phase (Methanol+Wasser) verdünnen. Da Mobile Phase kein THF enthält, wäre es mir - allein aus ressourcengründen - lieber 100 mg Probe zu 5-10 ml THF lösen und dann mit mobiler Phase auf Endkonzentration verdünnen. Übersehe ich hier etwas oder würde mir hierzu jemand zustimmen?

Zu deinen vielen Antworten:
zu 1. vielen Dank!

zu 2. wenn ich jetzt richtig verstehe, kann ich mit meinem Referenzstandard und meinem bestellten reinen Wirkstoff eine externe Kalbrierung durchführen. Wenn beide Kurven einander statistisch gleichen, dann gelten sie als vergleichbar bzw "angeschlossen"? (Wording: "angeschlossen" kannte ich noch gar nicht ) Also kann ich zukünftig meine Substanz als Standard verwenden? (Voraussetzung: gleiche Charge, bei unterschiedlichen Chargen muss ich wohl nochmal nachprüfen?) Da ich möglichst resourcensparend arbeiten möchte und meine Refernz einmal "Luft rangelassen" instabil wird, kannst du sicher verstehen, dass mir dieser Punkt sehr wichtig wäre. Der reine Analyt kostet in der Anschaffung nämlich nur ein Bruchteil

zu 3. Vielen Dank! Daran habe ich noch gar nicht gedacht, dass ich mein Solvent direkt mit Matrix aufarbeiten sollte Wenn ich das richtig verstehe, bedeutet das auch, dass bei einer Wiederfindungsrate von 100%ich mir aber die Matrixkalibrierung sparen könnte?
-->Nachtrag: Da ich meine Lösung mit aufgearbeiteter Matrix filrieren muss, wollte ich fragen, ob ich erst Standard mit Matrix-Lösung verdünne und dann filtrieren kann oder muss ich unbedingt die Filtration vorher ansetzen? DIe Filtration wäre normalerweise finaler Bestandteil der Aufarbeitung. (Vermessungsmethode soll HPLC-DAD sein)
Grund ist, dass ich keine Möglichkeit habe große Menge Lösung mit 0,2µm Filter aus regenerativer Cellulose zu filtrieren (Spritzenaufsatz+Einmalspritze)

zu 4. bei Flußrate von 1ml/min und Retentionszeit bei 6-7 min denke ich, dass der Fehler vertretbar sein sein.

zu 5. Mein Fehler, ich meinte 50mg/100ml, die Endmenge an Analyt in meiner letzten Verdünnung beträgt 50µg Ich möchte also 50 mg Referenz einwiegen und in 100 ml Lösungsmittel verdünnen. Wir haben hierfür aber auch eine Hochpräzisionswaage die notfalls bis 10 µg sicher messen kann.

LG ArdosVN

Geändert von ardosvn (10.02.2017 um 16:40 Uhr)
ardosvn ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.02.2017, 12:56   #6   Druckbare Version zeigen
Alchymist Männlich
Mitglied
Beiträge: 3.129
AW: Definition von Mehrfachmessung bei Methodenvalidierung

Ahoi Ardosvn,

zunächst zu meinem Background: ich arbeite unter GLP, allerdings im Bereich von PSM-Rückständen. Dementsprechend nach anderen Guidelines, z.B. SANCO/3029, SANCO/825/00.

Zitat:
Zitat von ardosvn Beitrag anzeigen
Hallo Alchymist,

vielen Dank für dein Feedback. Zu deinen Rückfragen:

Welche Guideline liegt zu Grunde?
--> Ich orientiere mich an der ICH-Guideline Q2(R1) und der Analytical Method Validation Instruction der EDQM. Leider bietet weder GMP noch andere europäische/nationale Vorschrift genauere Kriterien an. Ausgenommen habe ich die Leitlinie des Umweltbundesamtes und GTFCh, welche meiner Meinung nach nicht zu meiner Thematik passen?
So weit ich das sehe, ist die ICH-Guideline etwas dürftig und auch die EDQM-Interpretation nicht wirklich ausreichend für die Praxis. Ggf. könntest du dich an der EMEA-"Guideline on bioanalytical method validation" orientieren, auch wenn du ja keine bioanalytische Methode entwickelst. Aber da ich nicht aus dem Pharmabereich komme, kann ich auch nicht 100%ig sagen, welche Richtlinien hier eingehalten werden MÜSSEN. Du kannst natürlich auch mal in Standardwerke zur analytischen Methodenvalidierung schauen, wie Kromidas "Validierung in der Analytik".

Zitat:
Zitat von ardosvn Beitrag anzeigen
Orientiere ich mich an pharmazeutische Vorschriften?
--> Ja, das hast du richtig erkannt. Langsfristig möchte ich die Stabilität eines Arzneistoffes in verschhiedenen Grundlagen über die Zeit unter verschiedenen Lagerbedingungen untersuchen. Hierzu muss ich für jede Grundlage eine Methode für die Gehaltsbestimmung erarbeiten bzw. validieren. Es soll jeweils seperate Methoden entstehen, weil die Matrixeffekte ja sperat bestimmt werden sollen.
Für zwei Grundlagen gibt es ähnliche Vorschriften, die ich in Parameter anpassen und revalidieren muss (?)
Eigentlich braucst du nur eine Methode, die du dann aber für deine zwei unterschiedlichen Matrices validierst?
Zitat:
Zitat von ardosvn Beitrag anzeigen
Nachtrag: Da du dich offensichtlich auskennst, weißt du warum in den Prüfvorschriften immer so viel Lösungsmittel verbraucht wird? Ein Beispiel:
100 mg Probe zu 50 ml THF (Solvent) lösen, davon 5 ml zu 50 ml mobile Phase (Methanol+Wasser) verdünnen. Da Mobile Phase kein THF enthält, wäre es mir - allein aus ressourcengründen - lieber 100 mg Probe zu 5-10 ml THF lösen und dann mit mobiler Phase auf Endkonzentration verdünnen. Übersehe ich hier etwas oder würde mir hierzu jemand zustimmen?
Ich sehe darin kein Problem. Wenn sich denn 100 mg Wirkstoff tatsächlich in 5-10 ml THF lösen lassen. Könnte ja sein, dass die Löslichkeit zu gering ist.


Zitat:
Zitat von ardosvn Beitrag anzeigen
zu 2. wenn ich jetzt richtig verstehe, kann ich mit meinem Referenzstandard und meinem bestellten reinen Wirkstoff eine externe Kalbrierung durchführen. Wenn beide Kurven einander statistisch gleichen, dann gelten sie als vergleichbar bzw "angeschlossen"? (Wording: "angeschlossen" kannte ich noch gar nicht ) Also kann ich zukünftig meine Substanz als Standard verwenden? (Voraussetzung: gleiche Charge, bei unterschiedlichen Chargen muss ich wohl nochmal nachprüfen?) Da ich möglichst resourcensparend arbeiten möchte und meine Refernz einmal "Luft rangelassen" instabil wird, kannst du sicher verstehen, dass mir dieser Punkt sehr wichtig wäre. Der reine Analyt kostet in der Anschaffung nämlich nur ein Bruchteil
Zum Wording des "Anschlusses": das stammt aus ISO 17025, danach müssen Messmittel an nationale oder internationale Normale angeschlossen sein. D.h. die verwendeten Messmittel müssen gegen die Normale (ggf. über Zwischenstufen) verglichen worden sein. Analog kann man auch mit Referenzsubstanzen verfahren. Du hast einen zertifizierten Standard und einen (nichtzertifizierten) Reinstoff. Wenn du die beiden gegeneinander misst, hast du die Reinheit deiner Substanz bestimmt und sie ist damit auf den zertfizierten Standard rückführbar. Vorausgesetzt du hast die Bestimmung richtig durchgeführt. Ich würde (mindestens) drei unabhängige Einwaagen der Substanz gegen eine Kalibrierung mit Referenzstandard messen.

Zitat:
Zitat von ardosvn Beitrag anzeigen
zu 3. Vielen Dank! Daran habe ich noch gar nicht gedacht, dass ich mein Solvent direkt mit Matrix aufarbeiten sollte Wenn ich das richtig verstehe, bedeutet das auch, dass bei einer Wiederfindungsrate von 100%ich mir aber die Matrixkalibrierung sparen könnte?
-->Nachtrag: Da ich meine Lösung mit aufgearbeiteter Matrix filrieren muss, wollte ich fragen, ob ich erst Standard mit Matrix-Lösung verdünne und dann filtrieren kann oder muss ich unbedingt die Filtration vorher ansetzen? DIe Filtration wäre normalerweise finaler Bestandteil der Aufarbeitung. (Vermessungsmethode soll HPLC-DAD sein)
Grund ist, dass ich keine Möglichkeit habe große Menge Lösung mit 0,2µm Filter aus regenerativer Cellulose zu filtrieren (Spritzenaufsatz+Einmalspritze)
Ich fürchte das habe ich nicht ganz verstanden. Natürlich erstellst du dir den Matrixblank inklusiver aller Aufarbeitungsschritte, auch Filtration. Wenn du feststellst, dass der Matrixeinfluss zu vernachlässigen ist (100% WF gibt es fast nie, setzt dir realistische Grenzen), kannst du auch mit reinem Lösungsmittel kalibrieren. Die Beurteilung des Matrixeinflusses ist ja Bestandteil der Validierung.

Zitat:
Zitat von ardosvn Beitrag anzeigen
Wir haben hierfür aber auch eine Hochpräzisionswaage die notfalls bis 10 µg sicher messen kann.
Das ist ein Irrtum, auf den ich dich aufmerksam machen wollte. Eine Waage, die 1 µg anzeigen kann ist deshalb noch lange nicht dazu geeignet 10 µg abzuwiegen. Minimum ist das ca. 1000fache der Auflösung, in dem Fall also 1 mg!

Da ich nur sporadisch hier im Forum bin, kann eine Antwort durchaus mal ein paar Tage dauern. Aber frag ruhig weiter, wenn etwas unklar ist.

Viele Grüße vom Alchymisten
__________________
Schöne Worte sind nicht wahr.
Wahre Worte sind nicht schön.
(Laotse)
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Alt 17.02.2017, 01:14   #7   Druckbare Version zeigen
ardosvn  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 17
AW: Definition von Mehrfachmessung bei Methodenvalidierung

Hallo Alchymist,

vielen Dank für das Angebot und vor allem deine wirklich hilfreichen Antworten. Ich habe deine bisherigen Ratschläge diese Woche produktiv umsetzen können und bin einen Quantensprung vorausgehüpft

Ich hätte noch zwei Fragen, welche aber eher allgemeiner Natur sind:

1.
Zitat:
Ich fürchte das habe ich nicht ganz verstanden. Natürlich erstellst du dir den Matrixblank inklusiver aller Aufarbeitungsschritte, auch Filtration. Wenn du feststellst, dass der Matrixeinfluss zu vernachlässigen ist (100% WF gibt es fast nie, setzt dir realistische Grenzen), kannst du auch mit reinem Lösungsmittel kalibrieren. Die Beurteilung des Matrixeinflusses ist ja Bestandteil der Validierung.
Hier habe ich mich tatsächlich zu kompliziert ausgedrückt. Ich wollte fragen, wie ich theoretisch möglichst mit wenig Blank-Lösung arbeiten könnte. Diese wird hergestellt, indem ich meine THF-Probenlösung in Mobile Phase überführe. Sie fällt beim Verdünnen mit Mobiler Phase aber stark aus und macht damit eine Gewinnung via Filtration in größeren Mengen problematisch.
--> 1 Filter 30mm Durchmesser für etwa 1,5ml Blank-Lösung

2. Wenn meine absoluten Retentionszeiten (8,2 min) stark von den Literaturwerten (rel. Retentionszeiten 6,5min) abweichen. Gibt es hierfür Gründe? Verwendete Parameter sind nahezu identisch. Referenzsubstanz gibt auch 8,2 an. Nur wieso weiß keiner im Labor.

Viele Grüße und Danke nochmal!
ardosvn ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.02.2017, 13:10   #8   Druckbare Version zeigen
Alchymist Männlich
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Beiträge: 3.129
AW: Definition von Mehrfachmessung bei Methodenvalidierung

Zitat:
Zitat von ardosvn Beitrag anzeigen
Hallo Alchymist,
Ich hätte noch zwei Fragen, welche aber eher allgemeiner Natur sind:

1.

Hier habe ich mich tatsächlich zu kompliziert ausgedrückt. Ich wollte fragen, wie ich theoretisch möglichst mit wenig Blank-Lösung arbeiten könnte. Diese wird hergestellt, indem ich meine THF-Probenlösung in Mobile Phase überführe. Sie fällt beim Verdünnen mit Mobiler Phase aber stark aus und macht damit eine Gewinnung via Filtration in größeren Mengen problematisch.
--> 1 Filter 30mm Durchmesser für etwa 1,5ml Blank-Lösung
Wenn du nachweisen kannst, dass die Aufarbeitung keinen Einfluss (bzw. einen vertretbaren Einfluss) auf das Ergebnis hat, kannst du auch mit Lösungsmittel-Standards kalibrieren.

Wie wäre es mit zentrifugieren? Dann kannst du dir das Filtrieren entweder ganz sparen oder bekommst mehr durch einen Filter?

Zitat:
Zitat von ardosvn Beitrag anzeigen
2. Wenn meine absoluten Retentionszeiten (8,2 min) stark von den Literaturwerten (rel. Retentionszeiten 6,5min) abweichen. Gibt es hierfür Gründe? Verwendete Parameter sind nahezu identisch. Referenzsubstanz gibt auch 8,2 an. Nur wieso weiß keiner im Labor.

Viele Grüße und Danke nochmal!
Absolute Retentionszeiten sind nie reproduzierbar. Die hängen u.a. vom Totvolumen von deinem System ab. Säulen altern und verändern ihre Eigenschaften. Geringe Abweichungen bei der Gradientenmischung wirken sich aus. Wenn du zwischen zwei Läufen auf demselben Gerät eine Schwankung zwischen 6,5 und 8,2 min hättest, könntest du dir Sorgen machen. So ist alles in Ordnung. Wichtig ist nicht die RT, sondern die Trennung von anderen Peaks.

Viele Grüße vom Alchymisten

Edit: habe gerade die zweite Frage noch einmal gelesen: du hast also bei der Referenzsubstanz eine RT von 8,2 min und bei der Probe von 6,5? Das ist merkwürdig. Wie kannst du dann sicher sein, dass es sich in deiner Probe um die gesuchte Substanz handelt und nicht um ein Abbauprodukt?
__________________
Schöne Worte sind nicht wahr.
Wahre Worte sind nicht schön.
(Laotse)
Alchymist ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.2017, 18:55   #9   Druckbare Version zeigen
ardosvn  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 17
AW: Definition von Mehrfachmessung bei Methodenvalidierung

Hallo Alchymist,

mittlerweile bin ich zum zentrifugieren übergegangen. Ich wollte das eigentlich vermeiden, weil durch die Aufkonzentrierung meines Zentrifugates eine Auskristallisation möglich gewesen wäre.

--> glücklicherweise kann ich so niedrig zentrifugieren, dass keine Auskristallisation stattfand

Ebenso habe ich das Problem mit den Retentionszeiten erkannt. Anscheinend haben Bestandteile der Matrixgrundlage eine beschleunigende Wirkung.
Ohne Matrix läuft mein Wirkstoff komplett normal. Eine Frage die sich mir daraus aber erschießt ist, wie stabil meine Kalibrierung damit wäre...

Eine praxisorientierte Frage an dich, wie häufig rekalibriert ihr bekannte Verfahren bei euch im Labor - wenn du darüber sprechen darfst? Momentan injektere ich vor jeder Messung 3 Niveaus an Standardlösung, um Änderungen feststellen zu können.

Viele Grüße!
ardosvn ist offline   Mit Zitat antworten
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