Ich hab selbst eine Ausgabe von Linus Paulings "Grundlagen der Chemie" vom Dezember '69 und ich kann dir ein Paar Unterschiede zur aktuellen Literatur nennen...
Darin steht z.B. "Die Elemente der Gruppe IIIb, Gallium, Indium und Thallium, sind selten und haben kaum praktische Bedeutung" <- haha
So sind auch Darstellungsverfahren von einigen Elementen nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand (dennoch korrekt).
So wird z.B. die Anwendung von Quecksilber(II)-chlorid (ca. 0,1%) als Desinfektionsmittel beschrieben. Dabei ist es relativ giftig und wurde dementsprechend durch andere Verbindungen ersetzt.
Ebenso wird im Kapitel zur Biochemie zu künstlichen Anreicherung von Vitaminen in der Nahrung geraten, weils die Symptome typischer Mangelerscheinungen verhütet...
Auch werden Teilchenbeschleuniger anno 1969 mit max. 100 GeV beziffert. Das schafft heutzutage ein CRT-Fernseher made in China (!) ok nicht ganz
1977er Ausgabe
- Rechnungen hauptsächlich mit nicht-SI-Einheiten (obwohl diese schon Mitte der 60er von der IUPAC verabschiedet wurden), also Kalorie, Angström, Grad Celsius ...
- Veraltetes Periodensystem der Elemente (Hauptgruppen+Nebengruppen, )
- Eventuell nicht mehr aktuelle Tabellenwerte
- Nicht mehr zeitgemäße Aussagen/Behauptungen/Begriffe
- enthält Fehler
2000er Ausgabe
- enthält auch Fehler
- SI-Einheiten werden verwendet
- Tabellenwerte abgeschrieben aus anderen Büchern, dafür einigermaßen aktuell
- Angelehnt an heutigen Wissensstand auch was die Gefährlichkeit der Stoffe betrifft
- Verwendung der aktuellen IUPAC-Nomenklatur, Reaktionsgleichungen, ...
Fazit: Ich schlage vor, du besorgst dir das Buch aus einer Bibliothek, bevor du 90 Euro in den Sand setzt.
Ich habe mal den Fehler gemacht und mir ein Buch für knapp 78 Euro gekauft, hab einmal reingeschaut, danach nie wieder. Ähnlich ist es mit den Lehrbüchern. Du kannst nicht immer daraus lernen, du benutzt es höchstens zum Nachschlagen oder zum Vertiefen des Stoffes. D.h. du besorgst dir die Informationen die du brauchst, danach liegt das Buch nur noch herum.
Also alte Literatur lohnt sich nur, wenn sich inhaltsmäßig kaum noch was ändert. So könnte man z.B. elementare Mathematik (Arithmetik, Geometrie) mit der Literatur aus den 1960ern Jahren locker lernen, während Spezialliteratur (z.B. über Laser, Halbleiter) meistens geschätzt alle ~20-30 Jahre generalüberholt wird.