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Biologie & Biochemie Ein Forum für Molekularbiologie, Genetik, Gentechnik und andere biologische sowie biochemische Themen.

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Alt 29.07.2010, 11:06   #1   Druckbare Version zeigen
Kropi Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 396
Bindungsspezifität von Antikörpern

Hi, nimmt die Bindungspezifität von Antikörper zum entsprechenden Antigen mit steigender Temperatur zu oder ab? Anders herum gefragt, wenn ich die Temperatur erniedrige, ist die Gefahr dann größer, dass sich der Antikörper irgendwo dran heftet als bei Raumtemperatur?

Kann man das mit zwei DNA Einzelsträngen vergleichen, wo bei optimaler Temperatur ja auch nur eine Paarung bei 100%iger Homologie stattfindet und bei tieferen Temperaturen von nicht komplett homologen Sequenzen.
Kropi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.07.2010, 12:12   #2   Druckbare Version zeigen
Birs Männlich
Mitglied
Beiträge: 34
AW: Bindungsspezifität von Antikörpern

Mit steigender Temperatur nimmt die Spezifität ab, das ist tatsächlich ähnlich wie bei der PCR. Bei uns wird zum Biespiel öfter mal über nach bei 4°C inkubiert.

MfG, Birs
Birs ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.07.2010, 13:55   #3   Druckbare Version zeigen
Kropi Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 396
AW: Bindungsspezifität von Antikörpern

naja, bei der PCR nimmt die Spezifität mit steigender Temperatur doch aber eher zu oder? Je niedriger bei der PCR die Temperatur, umso unspezifischer lagern sich die DNA-Einzelstränge zusammen.
Kropi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.07.2010, 16:15   #4   Druckbare Version zeigen
Birs Männlich
Mitglied
Beiträge: 34
AW: Bindungsspezifität von Antikörpern

Stimmt, bei der PCR ist's andersrum. Sorry, hab mich da vertan.

MfG, Birs
Birs ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.07.2010, 20:16   #5   Druckbare Version zeigen
Kropi Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 396
AW: Bindungsspezifität von Antikörpern

Gibts für dieses Paradoxon eine physikalisch vernünftige Erklärung? Schließlich sind die Kräfte zwischen den DNA Basen und zwischen Epi- und Paratop doch gleich (H-Brücken), und diese sollten schwächer werden, je wärmer die Umgebung (höhere Molekülbewegung) ist, so dass nur noch Moleküle mit größerer Homologie paaren können...
Kropi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.07.2010, 23:34   #6   Druckbare Version zeigen
LordVader Männlich
Mitglied
Beiträge: 1.731
AW: Bindungsspezifität von Antikörpern

Zitat:
Schließlich sind die Kräfte zwischen den DNA Basen und zwischen Epi- und Paratop doch gleich
Das sehe ich anders. Ein AK ist in seiner Struktur doch recht starr, wohingegen DNA als kettenförmiges Molekül munter Schlaufen etc. bilden kann. Bei der DNA ist deshalb erst bei höheren Temperaturen soviel Energie vorhanden, die Kette solange "durchzuschütteln", bis alles am richtigen Platz sitzt. Das Lösen durch die Bewegung wird durch die immer größer werdenden Kräfte durch richtige Paarbildung überkompensiert. Deshalb steigt ja auch die Schmelztemperatur mit zunehmender Kettenlänge kontinuierlich an.
__________________
Born stupid? Try again!
LordVader ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 29.07.2010, 23:38   #7   Druckbare Version zeigen
Kropi Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 396
AW: Bindungsspezifität von Antikörpern

mmmh... naja, dass die Schmelztemperatur mit steigender Kettenlänge zunimmt habe ich bisher lediglich auf die höhere Anzahl an H-Brücken zwischen den beiden DNA-Molekülen zurückgeführt...
Kropi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.07.2010, 16:35   #8   Druckbare Version zeigen
zarathustra Männlich
Moderator
Beiträge: 8.520
AW: Bindungsspezifität von Antikörpern

Ich habe das Gefühl, dass hier einige Sachen durcheinander gehen.

Natürlich kann es innerhalb eines einzelnen DNA-Stränges zu Interaktionen kommen, sofern die Temperatur niedrig genug ist und hinreiched komplementäre Sequenzen innerhalb der DNA vorhanden sind. Solche Sekundärstrukturen sind aber praktisch weniger bedeutsam.

Bei PCR-Reaktionen geht man ja meist von doppelsträngiger DNA als template aus. Dieses wird auf 95°C (teilweise 98°C) erhitzt und die komplementären Stränge aufgetrennt. Selbst wenn von man einzelsträngige DNA (z.B. einzelsträngige cDNA) ausgeht hat man diesen Erhitzungsschritt. Dann wird die Temperatur erniedrigt, um ein Zusammenlagern von komplementären Sequenzen zu erreichen. Dieser Anneling-Schritt findet größenordnungsmäßig bei 60°C statt. Es mag DNA-Stücke mit sehr langen komplementären Sequenzen innerhalb des gleichen Stranges geben, bei denen es auch bei 60°C noch zu Seundärstrukturen kommt, die Regel ist das aber sicherlich nicht.

Zur Temperatur und Spezifität:
Manchmal geht man nicht von einer definierter template-DNA aus, sondern hat genomische DNA oder cDNA-Mischungen hat. Im Prinzip kann ein Primer dann nicht nur an den gewünschten Bereich binden, sondern auch an andere Bereiche, die eine ähnliche (aber nicht identische) Sequenz aufweisen. Da man aber innerhalb eines solchen Bereiches auch unterschiedliche Basen hat, ist die Paarung nicht perfekt, es können nicht so viele H-Brücken ausgebildet werden. Damit muss man weniger Kraft aufwenden, um den Primer vom "falschen" Bereich zu lösen, als um ihn von dem Bereich zu lösen, wo er perfekt passt. Anders gesagt ist die Schmelztemperatur für eine perfekte Paarung höher, als bei einer nicht-perfekten Paarung (an einen nicht ganz komplementären Bereich).
Wenn man nun die Anneling-Temperatur hoch genug wählt, kann ein Primer nur an den genau richtigen Bereich binden und man amplifiziert genau diesen Bereich selektiv. Auf der anderen Seite muss die Temperatur natürlich niedrig genug sein, damit der Primer überhaupt binden kann.

Zitat:
Mit steigender Temperatur nimmt die Spezifität ab, das ist tatsächlich ähnlich wie bei der PCR. Bei uns wird zum Biespiel öfter mal über nach bei 4°C inkubiert.
Das hat ganz andere Ursachen.
Wenn man ein PCR-Produkt z.B. für eine Klonierung braucht, wird es ja nach der PCR aufgereinigt und dann meist direkt verwendet oder eingefroren. Da es aber nicht immer bequem ist, auf seine PCR zu warten und die am Ende aufzuarbeiten, setzt man ans Ende der PCR einen Schritt von 4°C, bei der Temperatur ist die DNA stabil und die Polymerase macht auch keinen Unsinn. Die Maschine kühlt das Reaktionsgemisch auf 4°C und hält das so lange, bis man was anderes einstellt. Damit kann man abends noch PCRs pipettieren, wenn die Reaktion fertig ist bleibt alles bei 4°C und am nächsten Morgen kann man die Proben aus der Maschine nehmen. Das hat also nichts mit Spezifität zu tun, sondern ist nur bequem für den Experimentator.

Gruß,
Zara
__________________
Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.07.2010, 22:46   #9   Druckbare Version zeigen
Birs Männlich
Mitglied
Beiträge: 34
AW: Bindungsspezifität von Antikörpern

Zitat:
Zitat von zarathustra Beitrag anzeigen
Zitat:
Mit steigender Temperatur nimmt die Spezifität ab, das ist tatsächlich ähnlich wie bei der PCR. Bei uns wird zum Biespiel öfter mal über nach bei 4°C inkubiert.
Das hat ganz andere Ursachen.
Wenn man ein PCR-Produkt z.B. für eine Klonierung braucht, wird es ja nach der PCR aufgereinigt und dann meist direkt verwendet oder eingefroren. Da es aber nicht immer bequem ist, auf seine PCR zu warten und die am Ende aufzuarbeiten, setzt man ans Ende der PCR einen Schritt von 4°C, bei der Temperatur ist die DNA stabil und die Polymerase macht auch keinen Unsinn. Die Maschine kühlt das Reaktionsgemisch auf 4°C und hält das so lange, bis man was anderes einstellt. Damit kann man abends noch PCRs pipettieren, wenn die Reaktion fertig ist bleibt alles bei 4°C und am nächsten Morgen kann man die Proben aus der Maschine nehmen. Das hat also nichts mit Spezifität zu tun, sondern ist nur bequem für den Experimentator.

Gruß,
Zara
Ich bezog mich mit den 4°C auf die eigentliche Frage von Kropi, ob die Spezifität des Antikörpers bei niedriger Temperatur abnimmt. Und das ist nicht so. Bei 4°C lassen sich hervorragende Ergebnisse ohne starke Hintergrundfärbung erzielen. Und mit den 4°C bei der PCR hat das natürlich nichts zu tun, darauf wollte ich mich auch nicht beziehen.
Zugegeben, in meinem ersten Post hab ich was verwechselt, die Spezifität der PCR sinkt natürlich bei zu nierdriger Annealling-Temperatur, also wenn man beispielsweise statt 55°C nur 50°C einstellt. Auf die Kühlung zum Schutz des PCR-Produkts hab ich mich nicht bezogen. Nur um das klarzustellen.

lg, Birs
Birs ist offline   Mit Zitat antworten
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