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Alt 06.01.2007, 15:33   #1   Druckbare Version zeigen
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Beiträge: n/a
Kupferacetylid

Beim Gasschweißen mit Acetylen sind ja Kupferlegierungen mit mehr als 70% Cu aus Sicherheitsgründen verboten.
Nun finde ich ja wenig zu Cu2C2. Wie schnell und unter welchen begünstigten Bedingungen bildet sich denn dieses? Eigenschaften und Gestalt? Worin ist die Substanz löslich? Praktische Verwendung? Sollte doch mit Silber, Gold oder Quecksilber auch so ablaufen oder?

Wäre nett wenn mir jemand genaueres sagen könnte!
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Alt 06.01.2007, 15:57   #2   Druckbare Version zeigen
FK Männlich
Moderator
Beiträge: 60.898
AW: Kupferacetylid

Die Haupteigenschaft von Cu2C2 ist die Explosivität (Gleiches gilt für Ag2C2).
Löslich ist es in Säuren, wobei es sich aber zersetzt.

Gruß,
Franz
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Alt 06.01.2007, 18:11   #3   Druckbare Version zeigen
buba Männlich
Mitglied
Beiträge: 18.460
Praktische Anwendung (von Kupferalkinen allgemein): Glaser-Kupplung
buba ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.01.2007, 00:37   #4   Druckbare Version zeigen
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Beiträge: n/a
AW: Kupferacetylid

Zitat:
Zitat von hw101 Beitrag anzeigen
Beim Gasschweißen mit Acetylen sind ja Kupferlegierungen mit mehr als 70% Cu aus Sicherheitsgründen verboten.
Nun finde ich ja wenig zu Cu2C2. Wie schnell und unter welchen begünstigten Bedingungen bildet sich denn dieses?
Offensichtlich bildet sich Cu2C2 sehr leicht. Der Kontakt von gasförmigem Acetylen mit metallischem Kupfer oder mit oberflächlichen Oxidationsprodukten, wie Grünspan, reicht dafür schon aus, wobei Kupferacetylid wohl nach der Stöchiometrie C2H2 + 2 Cu => Cu2C2 + H2 entsteht, sofern kein anderes Oxidationsmittel für das metallische Kupfer zur Verfügung steht. Diese leicht ablaufende Reaktion hat in den frühen 50-er Jahren (1952?) bei der BASF im Fabrikationskomplex der "Reppe-Synthese" zu einem schweren Explosionsunglück geführt, in dem ein grosser Teil der Fabrikationsanlagen, die gasförmiges Acetylen enthielten, zerstört wurde. Grund für diese schwere Explosion: Acetylen an sich ist eine endotherme Verbindung und kann explosionsartig zerfallen. Die Detonation der in den Leitungssystemen angesammelten Kupferacetylid-Depots hat ausgereicht, das gesamte in den Anlagen vorhandene Acetylen mit hochgehen zu lassen.
Im Labor kann Cu2C2 aus wässrigen, ammoniakalischen Kupfersalzlösungen, Acetylen und ev. einem Reduktionsmittel (Red. zu Cu(I)) hergestellt werden. Es fällt aus als schwer löslicher, kupferroter Niederschlag, der auch in nassem Zustand auf Druck und Stoss hin spontan hochgehen kann.

Zitat:
Praktische Verwendung? Sollte doch mit Silber, Gold oder Quecksilber auch so ablaufen oder?
Noch leichter wird Silberacetylid gebildet. Es reicht, durch eine wässrige Silbernitratlösung, die sogar sauer sein kann, gasförmiges Acetylen zu leiten. Dabei fällt ein anfänglich farbloser, käsiger Niederschlag, ähnlich Silberchlorid, nur etwas voluminöser. Weiter kann Silberacetylid entstehen, wenn Silberlösungen und Lösungen von Alkalisalzen der Acetylendicarbonsäure oder der Propiolsäure (Acetylenmonocarbonsäure) zusammen gegeben werden. Die anfänglich gebildeten Niederschläge der Silbercarboxylate decarboxylieren, und zurück bleibt Silberacetylid als Festkörper. Wie Kupferacetylid, ist Silberacetylid hochexplosiv.

Kupferacetylid katalysiert die Anlagerung von 1 oder 2 Mol Formaldehyd an Acetylen, wobei Propargylalkohol und 1,4-Butindiol entstehen (BASF; Reppe-Synthese). Beide Alkohole sind wertvolle, reaktive Zwischenprodukte, da in beiden Molekülen die C-C-Dreifachbindung des Acetylens immer noch vorhanden ist. Aus ihnen werden durch anodische Oxidation Propiolsäure (aus Propargylalkohol) und Acetylendicarbonsäure (Butindisäure), ebenfalls wertvolle Synthesebausteine, hergestellt.
In ähnlicher Weise katalysieren Quecksilbersalze das Anlagern von Wasser oder anderer X-H-funktioneller Verbindungen an die 3-fache C-C-Bindung des Acetylens, wobei aus Acetylen selbst und Wasser Acetaldehyd entsteht.

Gruss

freechemist
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Alt 07.01.2007, 00:53   #5   Druckbare Version zeigen
FK Männlich
Moderator
Beiträge: 60.898
AW: Kupferacetylid

Die Silbersalze der Propiolsäure oder Butindisäure brauchen nicht zu decarboxylieren, weil sie selber schon explosiv sind, wie (vielleicht) unerwarteterweise auch Silberoxalat z. B.

Gruß,
Franz
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Alt 07.01.2007, 10:48   #6   Druckbare Version zeigen
ehemaliges Mitglied  
nicht mehr Mitglied
Beiträge: n/a
AW: Kupferacetylid

Danke für die AW! Da lobe ich mir das Forum - eine echte Quelle...

@freechemist
Danke für Deine wirklich ausführliche und umfangreiche AW!

@CO-*
Nach der zweiten AW gestern blieb meine AW wie so oft nach dem Absenden auf der Strecke - stört langsam doch... Da tippt man mühsam Zeile für Zeile, schickt den Beitrag ab und der taucht dann im Forum nie mehr auf...
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Alt 07.01.2007, 13:16   #7   Druckbare Version zeigen
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Beiträge: n/a
AW: Kupferacetylid

deswegen kopiert man seinen beitrag vor jedem abschicken auch schnell mit STRG + A, STRG + C . für den fall der fälle
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Alt 02.09.2007, 16:40   #8   Druckbare Version zeigen
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nicht mehr Mitglied
Beiträge: n/a
AW: Kupferacetylid

Weiß jemand, ob sich auch mit handelsüblichen Kupferrohren und gasförmigem Ethin nennenswerte Mengen an Kupferacetylid bilden können?

Unter handelsüblichen Kupferrohren verstehe ich Kupferrohre, die DIN EN 1057 erfüllen (DIN-Normen sind leider nicht kostenfrei einzusehen, da können für eine Norm schnell mal 100€ flöten gehen), vielleicht weiß ja jemand zufällig, welche Zusammensetzung diese Rohre haben oder kann es abschätzen.
Unter nennenswerten Mengen verstehe ich Mengen, die fähig wären, eine sicht- und hörbare Explosion zu produzieren.

Und: Nein, ich will es nicht ausprobieren!
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Alt 02.09.2007, 16:44   #9   Druckbare Version zeigen
FK Männlich
Moderator
Beiträge: 60.898
AW: Kupferacetylid

Ja, kann. Deswegen ist die Verwendung von Kupfer und Kupferlegierungen in Kontakt mit Acetylen verboten. Übrigens weniger, weil das Cu-Acetylid die Anlage in Stücke zerlegen würde, sondern, weil es das Acetylen zur Detonation anregen kann, wenn es explodiert.

Gruß,
Franz
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