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Allgemeine Chemie Fragen zur Chemie, die ihr nicht in eines der Fachforen einordnen könnt, gehören hierher.

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Alt 02.08.2006, 13:29   #1   Druckbare Version zeigen
Thierfie  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 6
Edelstahl

Hallo.

Wieso rostet in der Regel Edelstahl nicht?

danke
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Alt 02.08.2006, 13:50   #2   Druckbare Version zeigen
Thierfie  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 6
AW: Edelstahl

also so wie bei aluminium?
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Alt 02.08.2006, 13:59   #3   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
Beiträge: 6.935
Blog-Einträge: 41
AW: Edelstahl

Hm... da Edelstahl aber auch gegen nichtoxidieren Säuren wie HCl beständig ist (die ja eigentlich eine passivierende Oxidschicht abzulösen imstande sein sollten) und die Menge der zulegierten Stoffe recht gering ist (zu gering, als daß sie in der Lage sein sollten, an der Oberfläche eine zusammenhängende passivierende Oxidschich zu bilden), würde ich eher einen viel komplexereren Grund in der Veränderung der elektronischen Struktur und damit der elektrochemischen Potentiale suchen. Aber sicher bin ich mir nicht darüber, weiß auch keine Literatur. Nur hab ich mir die Frage auch schon mal gestellt, warum eigentlich das Zulegieren schon relativ geringer Mengen an Cr oder Mo die chemischen Eigenschaften von Fe so dramatisch verändern. Der Anteil an zulegierten Stoffen liegt in der Regel zwischen 15 und 18% für typische, haushaltsübliche Edelstähle, die chemischen Eigenschaften verändern sich aber schon bei wenigen % Zulegierung sehr deutlich.
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Vor dem Gesetz sind alle Katzen grau

Geändert von Tino71 (02.08.2006 um 14:06 Uhr)
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Alt 02.08.2006, 14:47   #4   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
Beiträge: 6.935
Blog-Einträge: 41
AW: Edelstahl

Zitat:
Zitat von ehemaliges Mitglied
Andererseits sind beim Edelstahl die Anteile von Cr mit >= 18% und Nickel >= 8% recht hoch, so dass die Oxidschicht des Edelstahls von der des Eisens stark verschieden ist.
Das ist sicherlich richtig und die elektronische Änderung, die ich vermuten würde, ist mit Sicherheit von der, die bei Dotierungen auftritt, verschieden. Aber Sie haben ja oben das Beispiel von Aluminium in Anwesenheit von Hg genannt: da reicht schon ganz ganz wenig Hg und alles Alu verbrennt spektakulär, weil sich ein kleinstes Lokalelement oder eine kleinste Verletzung der Passivierungsschicht schon fatal auswirken kann. Und für eine dichte Passivierungsoberfläche durch Chromoxid oder Nickeloxid oder Ähnliches ist mir der Legierungsanteil selbst in hochlegierten Edelstählen einfach zu gering.
__________________
Vor dem Gesetz sind alle Katzen grau
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Alt 02.08.2006, 16:26   #5   Druckbare Version zeigen
Edgar Männlich
Mitglied
Beiträge: 4.044
AW: Edelstahl

Zitat:
Zitat von Tino71
Hm... würde ich eher einen viel komplexereren Grund in der Veränderung der elektronischen Struktur und damit der elektrochemischen Potentiale suchen. Aber sicher bin ich mir nicht darüber, weiß auch keine Literatur.
Schau dir vielleicht mal das an:
e-collection.ethbib.ethz.ch/diss/sg/163_e.html
Ist 'ne ETH-Dissertation (Diss. ETH Nr. 11962) die u. a. die Bildung des Passiv-Films beschreibt.
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Alt 02.08.2006, 16:39   #6   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
Beiträge: 6.935
Blog-Einträge: 41
AW: Edelstahl

Au prima, das sieht ganz interessant aus. Ich dachte mir schon, daß man da auch noch das Gefüge berücksichtigen muß... das wird noch etwas komplexer als angenommen...

EDIT:
Ein erster Blick läßt vermuten, daß es durch Segregation tatsächlich gerade an den Oberflächen eine so hohe Konzentration der Legierungsbestandteile gibt, daß die Passivierung der bestimmende Effekt bei Edelstählen ist. Ok... Loch- und Spaltkorrosion sind aber auch nicht zu vermeiden, vor allem, so ist zu lesen, bei chloridhaltigen Lösungen. Also gut. Wieder was dazugelernt!
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Vor dem Gesetz sind alle Katzen grau

Geändert von Tino71 (02.08.2006 um 16:54 Uhr)
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Alt 02.08.2006, 17:05   #7   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
Beiträge: 6.935
Blog-Einträge: 41
AW: Edelstahl

Daß Edelstahl - wie andere Stähle auch - austenitisch ist, hat keinen Einfluß auf die Korrosion. Es bedeutet aber, daß bei Wärmebehandlung Segregationsprozesse auftreten (ausseigern), die u.A. die Konzentrationen der zulegierten Stoffe an Grenzflächen (Korngrenzen, Oberfläche) erhöhen. Dort wirken die dann als Korrosionsschützer.
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Alt 02.08.2006, 18:25   #8   Druckbare Version zeigen
Hühnerhof  
Mitglied
Beiträge: 106
AW: Edelstahl

Zitat:
Zitat von Tino71
Hm... da Edelstahl aber auch gegen nichtoxidieren Säuren wie HCl beständig ist (die ja eigentlich eine passivierende Oxidschicht abzulösen imstande sein sollten)
Bist du dir sicher? Ich hab mal hkonz HCl in einen Edelstahl-Ausguss geschüttet und es gab hässliche schwarze Flecken, genau so wie wenn eine nicht rostfreie Messerklinge anläuft. Es gibt ja auch viele Edelstahlarten, vllt gibt es manche, wo die Oxidschicht der eines "hochgeglühten" Oxids entspricht, bei dem die Säure nichts auszurichten vermag?
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Alt 03.08.2006, 08:57   #9   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
Beiträge: 6.935
Blog-Einträge: 41
AW: Edelstahl

Ja, in der verlinkten Doktorarbeit ist ein hochinteresssanter Vergleich von verschiedenen Korrosionsarten in einerseits sulfat- und abdererseits chloridhaltigen Lösungen. Das mit dem Chlorid scheint auch für Edelstahl ein ersnthaftes Problem zu sein - je nahc Konzentration natürlich. Konz ist eh blöd im Ausguß...
Das mit dem "hochgeglüht" - könnte man mir mal erklären, was damit gemeint sein soll? Mir ist keine Hochtemperaturmodifikation von Fe2O3 oder so bekannt.
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Alt 03.08.2006, 09:16   #10   Druckbare Version zeigen
rudflodur Männlich
Mitglied
Beiträge: 12
AW: Edelstahl

@Tino71: Die Beständigkeit von Edelstahl gegen Chloride allgemein ist gering, hier tritt schnell Lochfraßkorrosion auf. Weiterführende Informationen dazu finden sich übrigens auf den recht guten Seiten der Informationsstelle Edelstahl Rostfrei (http://www.edelstahl-rostfrei.de/).

Rudolf
rudflodur ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.08.2006, 12:13   #11   Druckbare Version zeigen
ehemaliges Mitglied  
nicht mehr Mitglied
Beiträge: n/a
AW: Edelstahl

Zitat:
Zitat von Tino71
Vergleich von verschiedenen Korrosionsarten in einerseits sulfat- und abdererseits chloridhaltigen Lösungen. Das mit dem Chlorid scheint auch für Edelstahl ein ersnthaftes Problem zu sein
Nicht wenn man Edelstahl der Qualität V4A(chloridfest) verwendet. Edelstahl V2A(übrigens magnetisch was bei V4A-Stahl nicht zu beobachten ist) ist nicht seewasserfest... Ich hatte einmal eine Motorhalterung an meinem Kat. an die unser hiesger Schlosser ein kleines Edelstahlblech angeschweißt hatte... "...ja, ja ist Chemiestahl und salzwasserfest!". Nur 30 Tage später an der Adria war auf dem kleinen Blechstück Flugrost zu sehen...
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Alt 07.08.2006, 18:08   #12   Druckbare Version zeigen
Hühnerhof  
Mitglied
Beiträge: 106
AW: Edelstahl

Zitat:
Zitat von hw101
Nur 30 Tage später an der Adria war auf dem kleinen Blechstück Flugrost zu sehen...
...vermutlich dadurch verstärkt, dass der restliche Kahn aus seewasserfestem Edelstahl war... Die Opferanoden kannst du dir in dem Falle schenken.
Hühnerhof ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.08.2006, 18:12   #13   Druckbare Version zeigen
Hühnerhof  
Mitglied
Beiträge: 106
AW: Edelstahl

Zitat:
Zitat von Tino71
Mir ist keine Hochtemperaturmodifikation von Fe2O3 oder so bekannt.
Mir auch nicht. Ich geb auch zu dass ich mich da nicht so auskenne, bin schließlich erst am Vordiplom-Basteln. Ich meine halt, das wasser- und säureunlösliche Oxid, im Gegensatz zum Hydroxid/Oxid-Hydrat bzw. was auch immer...
Hühnerhof ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.08.2006, 19:37   #14   Druckbare Version zeigen
FK Männlich
Moderator
Beiträge: 60.898
AW: Edelstahl

Zitat:
Zitat von Tino71
Das mit dem "hochgeglüht" - könnte man mir mal erklären, was damit gemeint sein soll?
Das ist als Gegenteil zu "frisch gefällt" (oder bei niedriger Temperatur erzeugt) zu sehen.
Das kennt man von diversen Oxiden, wie MgO, Fe2O3 oder Cr2O3.
Die Löslichkeit (in Säuren und sonst...) nimmt nach der Wärmebehandlung stark ab.
Aber wem erzähl ich das?

Mir sind im Labor auch schon Edelstahlgeräte vergammelt; waren wohl eher zum Angucken als zum Gebrauch geeignet.

Afaik enthalten chloridbeständige Edelstähle zusätzlich Molybdän.

Gruß,
Franz
__________________
Gib einem Mann einen Fisch, und Du ernährst ihn für einen Tag.
Lehre ihn das Fischen, und Du ernährst ihn für sein ganzes Leben.

Nichts, was ein Mensch sich auszudenken in der Lage ist, kann so unwahrscheinlich, unlogisch oder hirnrissig sein, als dass es nicht doch ein anderer Mensch für bare Münze halten und diese vermeintliche Wahrheit notfalls mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen wird.

Stellt bitte Eure Fragen im Forum, nicht per PN oder Email an mich oder andere Moderatoren! Ich gucke nur ziemlich selten in meine PNs rein - kann also ein paar Tage dauern, bis ich ne neue Nachricht entdecke...

www.gwup.org

Und vergesst unsere Werbepartner nicht!
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Alt 07.08.2006, 22:06   #15   Druckbare Version zeigen
rettich Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.305
Blog-Einträge: 1
AW: Edelstahl

Um Edelstahl gegen Oberflächenkorrosion zu schützen sollte man eine passivierung vornehmen. Es gibt dafür einige Mittelchen
die aber auf Grund ihrer Zusammensetzung nicht ganz harmlos sind.
Wenn ich mich recht erinnere, basieren sie z.B. auf Fluoridbasis.
mfg : rettich
__________________
mfg: rettich

Man kann gar nicht so dämlich denken wie
andere Handeln.
Speziell im Strassenverkehr und im Labor.

Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens.
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