Allgemeine Chemie
Buchtipp
Wörterbuch Labor / Laboratory Dictionary
T.C.H. Cole
49.95 €

Buchcover

Anzeige
Stichwortwolke
forum

Zurück   ChemieOnline Forum > Naturwissenschaften > Chemie > Allgemeine Chemie

Hinweise

Allgemeine Chemie Fragen zur Chemie, die ihr nicht in eines der Fachforen einordnen könnt, gehören hierher.

Anzeige

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 18.10.2005, 17:34   #1   Druckbare Version zeigen
ehemaliges Mitglied  
nicht mehr Mitglied
Beiträge: n/a
Unglücklich Zinnpest

Guten Tag,
mehr durch Zufall bin ich im Internet auf ihre Homepage gestoßen. Ich habe ein Problem und ich hoffe sehr, dass Sie mir helfen können. Ich bin leidenschaftlicher Sammler von historischen Zinnfiguren und stelle auch selber Zinnfiguren her. Leider habe ich nun von einem Sammlerfreund erfahren, dass dessen Figuren durch die sogenannte „Zinnpest“ befallen sind. Äußerst beunruhigt habe ich nun im Internet recherchiert und bisher einiges in Erfahrung bringen können. Leider sind aber viele gefundene Informationen zu diesem Problem sehr widersprüchlich. Ist die Zinnpest etwa für andere nicht befallene Figuren ansteckend?
Welche Legierungen sind zur Vermeidung einer Zinnpest erforderlich (Antimon, Wismut oder gar nur Blei)?
Wie hoch muss der jeweilige Anteil an Antimon, Wismut oder gar nur Blei sein?
Außerdem besitze ich Zinnfiguren, die seit fast dreißig Jahren zum großen Teil im kritischen Temperaturbereich von unter 13 Grad gelagert wurden und keinerlei Anzeichen der Zinnpest aufweisen. Wie ist dies zu erklären?
Ich wäre ihnen sehr dankbar, wenn ich von wissenschaftlicher Seite eine kompetente Auskunft bekommen könnte.
Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich schon im voraus.
Schöne Grüße
Stefan Merker (Smerker@t-online.de)
  Mit Zitat antworten
Alt 18.10.2005, 17:44   #2   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
Beiträge: 6.935
Blog-Einträge: 41
AW: Zinnpest

Die Zinnpest ist eine allotrope Umwandlung des weißen Zinns (metallisch) in das graue Zinn (nichtmetallisch, Diamantstruktur). Da dies eine rekonstruktive Umwandlung ist (bei der alle Atome im Festkörper ihre Bindungen und Plätze ändern müssen), ist sie erstens sehr langsam, weil kinetisch gehindert und zweitens mit einer kompletten Zerbröselung des Materials verknüpft. Das Zerbröseln wird dadurch noch verschärft, daß das graue Zinn ein um ca. 30% höheres Molvolumen hat als das weiße. Die Umwandlungstemperatur vom weißen ins graue Zinn liegt bei 13°C. Darunter ist das graue Zinn stabil, darüber das weiße. Die Umwandlung serfolgt aber nicht spontan, sondern mit z.T. erheblicher Verzögerung. Die Umwandlung sollte theoretisch zwar umkehrbar (reversibel) sein - aber das ist sie in der Praxis leider nicht. Das Fortschreiten der Zinnpest kann einfach unterbunden werden, in dem das Zinnwerkstück oberhalb von 13°C aufbewahrt wird. Oberhalb dieser Temperatur findet die Umwandlung nicht mehr statt.
Wie Beimischungen anderer Metalle die Umwandlung beeinflussen, weiß ich net - da müßte man mal die Zinnfigurensammler fragen...
__________________
Vor dem Gesetz sind alle Katzen grau
Tino71 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.10.2005, 17:44   #3   Druckbare Version zeigen
zarathustra Männlich
Moderator
Beiträge: 11.539
AW: Zinnpest

Bei Zinnpest handelt es sich halt um die Umwandlung einer weißen Zinn-Modifikation in eine graue Modifikation.
Soweit ich weiß, kann man graues Zinn durch Erhitzen in einem Wasserbad wieder in weißes Zinn überführen, könnte Deinen Figuren vielleicht helfen...

Gruß,
Zarathustra
__________________
Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.10.2005, 17:45   #4   Druckbare Version zeigen
bm  
Moderator
Beiträge: 54.171
AW: Zinnpest

-> Private Nachricht
bm ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.10.2005, 17:46   #5   Druckbare Version zeigen
peter5 Männlich
Mitglied
Beiträge: 10
AW: Zinnpest

Zinnpest - der Name ist ein bisschen irreführend. Tatsächlich gibt es eine metallische und eine brüchige Modifikation des Elementes Zinn, und der Übergang von der einen Form in die andere heißt Zinnpest. Auch spricht man von der brüchigen Modifikation selbst als Zinnpest. Von einer "Ansteckung" würde ich nicht sprechen. Allerdings halte ich es für möglich, dass durch einige Körnchen brüchiger Modifikation, die als Impfkristalle wirken können, sich die Zinnpest breit macht.
Wie es möglich ist, dass einige Deiner Figuren jahrelang trotz Temperaturen im kritischen Bereich nicht befallen sind? Nun, ich würde behaupten, diese "Zinn"-figuren sind gar nicht aus Zinn, sondern aus einer Zinnlegierung (vielleicht mit Blei; Löt"zinn" ist ja auch eine Legierung aus Zinn und Blei. Das war jetzt nicht allzu wissenschaftlich, dennnoch hoffe ich, Dir damit geholfen zu haben, und bitte die Moderatoren, mich zu berichtigen, falls ich Unsinn geschrieben habe.
peter5 ist offline   Mit Zitat antworten
Anzeige
Anzeige


Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 02:59 Uhr.



Anzeige