Allgemeine Chemie
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Alt 09.11.2004, 17:19   #1   Druckbare Version zeigen
Arsin  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 578
FeCl3 - Komplex oder nicht?

Hallo, habe mal ne Frage, sind die Metalhalogenide, mit denen man eine Substitutionen am Benzol macht, nun Komplexe oder nicht?
Normale Salze sind es ja nicht, denn zusammengehalten werden die Atome ja nicht durch ionische Anziehung sondern durch Elektronenpaarbindungen.
Demnach müsste es doch ein Komplex sein, oder irre ich mich?
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Alt 09.11.2004, 17:39   #2   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
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Blog-Einträge: 41
AW: FeCl3 - Komplex oder nicht?

In FeCl3 würde ich schon von weitestgehend ionischen Bindungen sprechen. Klar - die kovalenten Anteile sind recht hoch, das zeigt u. A. auch das Löslichkeitsverhalten, der Schmelz- und der Siedepunkt, das Sublimationsverhalten und der Dampfdruck. Die Struktur von FeCl3 ist aber eine Kugelpackung, wie man sie häufig für ionische Verbindungen antrifft. Wenn man FeCl3 erzählt bekommt, fällt sehr häufig das Wort "Koordinationspolymer". Ich finde es auch recht treffend. Das ist in dieselbe Reichtung wie "Komplex", aber treffender, find ich.
Ich versuch mal, die Struktur zu malen...
Witzig: das Zeug tritt sogar natürlich auf! An vulkanischen Fumarolen (Z.B. am Vesuv) und hat einen mineralogischen Namen: Molysit.
Sowas....
__________________
Vor dem Gesetz sind alle Katzen grau
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Alt 09.11.2004, 18:05   #3   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
Beiträge: 6.935
Blog-Einträge: 41
AW: FeCl3 - Komplex oder nicht?

Sodele.
FeCl3 ist eine typische Ionenpackungsstruktur. Die Chloridionen machen eine dichteste Packung (kubische Stapelfolge) und die Eisenionen besetzen ein Drittel der Oktaederlücken. Und zwar so, daß eine Oktaederschicht komplett leer bleibt und die nächste zu zwei Dritteln besetzt ist, sodaß ein Wabenmuster entsteht. Diese besetzten Schichten sind gemäß ABCABC übereinandergestapelt. Zwischen den Schichten bestehen nur van-der-Waals-Wechselwirkungen. Das erklärt die Eigenschaften recht gut: weich, schmierig, geringer Schmelzpunkt etc. Auch AlCl3 macht sowas.
Bildle: Grüne Kugeln: Chloridionen, Grüne Oktaeder: durch Fe besetzte Oktaederlücken. Ein Bildle zeigt die Elementarzelle mit den abwechselnd leeren und zu zwei Dritteln besetzten Schichten, ein Bildle die Aufsicht auf eine solche Schicht.
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg fecl3.jpg (34,5 KB, 36x aufgerufen)
Dateityp: jpg fecl3_schicht.jpg (20,2 KB, 29x aufgerufen)
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Alt 09.11.2004, 18:10   #4   Druckbare Version zeigen
Arsin  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 578
AW: FeCl3 - Komplex oder nicht?

Zitat:
Zitat von Tino71
In FeCl3 würde ich schon von weitestgehend ionischen Bindungen sprechen. Klar - die kovalenten Anteile sind recht hoch, das zeigt u. A. auch das Löslichkeitsverhalten, der Schmelz- und der Siedepunkt, das Sublimationsverhalten und der Dampfdruck. Die Struktur von FeCl3 ist aber eine Kugelpackung, wie man sie häufig für ionische Verbindungen antrifft. Wenn man FeCl3 erzählt bekommt, fällt sehr häufig das Wort "Koordinationspolymer". Ich finde es auch recht treffend. Das ist in dieselbe Reichtung wie "Komplex", aber treffender, find ich.
Ich versuch mal, die Struktur zu malen...
Witzig: das Zeug tritt sogar natürlich auf! An vulkanischen Fumarolen (Z.B. am Vesuv) und hat einen mineralogischen Namen: Molysit.
Sowas....
danke, aber eins verstehe ich dann noch nicht, warum malen die das im buch bei mir mit Elektronenpaarbindungen?
Ich meine: Natriumchlorid Schreibt man ja auch nicht so: Na-Cl, aber bei FeCl3 tut man dies, was mich eben zu der Frage bewegt hat, ob FeCl3 letztlich nicht doch ein Komplex ist, denn von interionischer Anziehung kann bei der Schreibweise meines Chemiebuches eher nicht mehr die rede sein. Deswegen frage ich, was es denn nun ist, und möchte es auch, aus neugierde halber schon wissen, zu was man den Verbnindungstyp zäjhlt. danke für deine Hilfe auf jeden fall schonmal.
Ach ja, wenn ich schon dabei bin:

FeCl3 kann doch Br2 heterolytisch spalten weil es ein Elektronenpaar zu wenig hat um das Oktet zu erreichen, oder?
Arsin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.11.2004, 18:13   #5   Druckbare Version zeigen
ehemaliges Mitglied  
nicht mehr Mitglied
Beiträge: n/a
AW: FeCl3 - Komplex oder nicht?

Das haben Lewis-Säuren so an sich.
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Alt 09.11.2004, 18:33   #6   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
Beiträge: 6.935
Blog-Einträge: 41
AW: FeCl3 - Komplex oder nicht?

Zitat:
Zitat von Arsin
danke, aber eins verstehe ich dann noch nicht, warum malen die das im buch bei mir mit Elektronenpaarbindungen?
Das weiß ich doch nicht ! Papier ist geduldig!
Zitat:
Ich meine: Natriumchlorid Schreibt man ja auch nicht so: Na-Cl, aber bei FeCl3 tut man dies, ...
Naja - Manchmal schreiben Organiker eben lustige Sachen, wenn sie um's Verrecken einen Reaktionsmechanismus auf das Klappen von Elektronenpaaren zurückführen wollen...
Zitat:
... was mich eben zu der Frage bewegt hat, ob FeCl3 letztlich nicht doch ein Komplex ist, denn von interionischer Anziehung kann bei der Schreibweise meines Chemiebuches eher nicht mehr die rede sein. Deswegen frage ich, was es denn nun ist, und möchte es auch, aus neugierde halber schon wissen, zu was man den Verbnindungstyp zäjhlt. danke für deine Hilfe auf jeden fall schonmal.
Also, wenn man den Festkörper und seine Struktur ankuckt, ist's ganz klar ne Ionenverbindung. Hat auch ne Bandlücke und allen Pipapo, der dazugehört. Aber wenn man n paar Eigenschaften ankuckt, ist es eben auch manchmal ein ziemlich molekulares Zeug. FeCl3 sitzt zwischen den Stühlen. Es gibt ja keine hundertprozentige Ionenbindung oder kovalente Bindung bei Verbindungen. Man ist eher das eine oder eher das andere. FeCl3 ist an sich ionisch, aber mit starken kovalenten Anteilen. Wenn man FeCl3 in einem unpolaren Medium löst (das geht ja), dann betont man den kovalenten Charakter. Wenn man es in einem polaren LM auflöst, dann betont man eher den ionischen.

Zitat:
FeCl3 kann doch Br2 heterolytisch spalten weil es ein Elektronenpaar zu wenig hat um das Oktet zu erreichen, oder?
Mit einem Kristall FeCl3 wird dir das nicht gelingen - dazu mußt Du das FeCl3 schon in etwas lösen und dann Br2 dazugeben. Dann bildet sich der [FeCl3Br]--Komplex, weil Eisen(III) eine gute Lewis-Säure ist. Das hat aber mit den Bindungsverhältnissen in FeCl3 erst mal gar nix zu tun.
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Vor dem Gesetz sind alle Katzen grau
Tino71 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.11.2004, 18:54   #7   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: FeCl3 - Komplex oder nicht?

Zitat:
Zitat von Tino71
Wenn man FeCl3 in einem unpolaren Medium löst (das geht ja), dann betont man den kovalenten Charakter. Wenn man es in einem polaren LM auflöst, dann betont man eher den ionischen.
at Tino71
Wie ist es eigentlich mit gasförmigem Eisen(III)chlorid. Bei AlCl3 sind es doch, wenn ich mich recht erinnere, Dimere Al2Cl6. Ist es denn bei FeCl3 auch so ? Vom Verhalten als Lewissäure her sind ja beide Substanzen auch sehr ähnlich.

gruss
ricinus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.11.2004, 19:19   #8   Druckbare Version zeigen
Alichimist Männlich
Mitglied
Beiträge: 4.979
AW: FeCl3 - Komplex oder nicht?

oh ja, das Eisenchlorid sublimiert so gut (man kann sich wunderschön Laboranlagen damit versauen)..
__________________
Kraft wird aus dem Zwang geboren und stirbt an der Freiheit.
Alichimist ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.11.2004, 23:57   #9   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: FeCl3 - Komplex oder nicht?

Falls es jem. interessiert : FeCl3 existiert in der Gasphase genau wie AlCl3 als Fe2Cl6 - verbundene Tetraeder.

gruss
ricinus ist offline   Mit Zitat antworten
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