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Alt 13.11.2012, 15:30   #1   Druckbare Version zeigen
Godwael Männlich
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Blog-Einträge: 12
Wie Schmelzwasser Grönlands Gletscher heizt - Klima und Umwelt

In der Nature-Ausgabe von letzter Woche gab es ein nettes kleines Paper (Harper et al.: Greenland ice-sheet contribution to sea-level rise buffered by meltwater storage in firn) über die porösen Schneeschichten auf dem grönländischen Eisschild und deren Einfluss auf den Meeresspiegelanstieg. Die Grundidee ist, dass die obersten Schichten des Eises noch aus mehr oder weniger kompaktiertem Schnee bestehen, dessen Hohlräume Schmelzwasser von der Oberfläche einfach aufsaugen. Das führt dazu, dass Grönland zwar schmilzt, aber das Schmelzwasser es zu einem beträchtlichen Teil nicht bis ins Meer schafft.

Die Details könnt ihr in diesem Artikel von Daniel auf Spektrum.de nachlesen (wenn ihr unser schönes Wochenmagazin abonniert habt, was ihr schleunigst tun solltet), es läuft darauf hinaus, dass die Eisschmelze auf Grönland nach den Berechnungen der beteiligten Forscher über Jahrzehnte hinaus weitaus weniger zum Meeresspiegelanstieg beitragen wird als vermutet. Der verfügbare Porenraum ist gigantisch - oben auf der Eiskappe ist der Firn bis in 60 Meter Tiefe porös.

Das ist auf den ersten Blick eine gute Nachricht, zumindest für alle Grundstücksbesitzer am Meer. Es gibt allerdings noch einen zweiten Aspekt, der in der Veröffentlichung leider nicht auftaucht, der aber langfristig möglicherweise sogar interessanter ist, und das nicht auf gute Weise. Das Schmelzwasser schleppt nämlich beträchtliche Mengen Energie ins Innere der Gletscher.

Entscheidend ist dabei keineswegs die Temperatur des Wassers - das ist mit null Grad sogar ziemlich kalt - sondern die Energie, die es beim Phasenübergang vom Eis zum Wasser aufgenommen hat. Und die ist ganz erheblich: Um ein Kilo Eis zu schmelzen, braucht man über 330 Kilojoule - mit der Energie könnte man die gleiche Menge flüssiges Wasser um knapp 80 Grad aufheizen.

Der Schnee schmilzt in der Sommersonne, das Wasser sickert anschließend in den Firn hinein und gefriert dort wieder: Die Forscher haben tatsächlich im verdichteten Schnee Schichten aus Eis gefunden, die auf gefrorenes Schmelzwasser zurückgehen. Das bedeutet aber, dass das Wasser die gesamten 330 Kilojoule pro Liter in Form von Wärme wieder an das umgebende Eis abgibt. Da Eis mit 2 Kilojoule pro Kilogramm eine relativ geringe Wärmekapazität hat, entspricht das einer beträchtlichen Temperaturerhöhung: Ein einziger Liter Schmelzwasser erwärmt 100 Kilogramm Eis um etwa 1,6 Grad.

Oder, um nochmal zu den Zahlen im Paper zurückzukommen: Das Team gibt als Kapazität des Porenraumes über den gesamten Eisschild größenordnungsmäßig 1000 Gigatonnen Wasser an. Das sind 3,3*1017 Kilojoule Sonnenenergie, die auf diese Weise in das Innere des Eisschildes transportiert werden, was wiederum - sofern ich mich nicht verrechnet habe - der Energie von knapp sechzigtausend Hiroshima-Explosionen entspricht. Ich überlasse es mal den Glaziologen, die langfristigen Folgen eines Wärmetransports dieser Größenordnung zu berechnen, ich persönlich habe aber meine Zweifel, dass das eine uneingeschränkt gute Nachricht ist.



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Quelle: Fischblog - Wissenschaft für alle
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