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Alt 16.08.2012, 22:40   #1   Druckbare Version zeigen
Godwael Männlich
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Wie der Wind Tsunami-Trümmer (und abgetrennte Füße) über den Pazifik treibt - Klima und Umwelt

Der Tsunami nach dem großen Erdbeben vor Japan am 11. März 2011 zerstörte nicht nur Küstenstädte und ein gewisses Atomkraftwerk, sondern riss auch unzählige Gegenstände und Trümmerteile ins Meer. Die japanische Regierung schätzt, dass etwa fünf Millionen Tonnen Trümmer im Meer landeten (pdf), von denen etwa 70 Prozent nahe der Küste im Meer versanken.

Die restlichen etwa anderthalb Millionen Tonnen, darunter dem Vernehmen nach komplette Schiffe, treiben als gewaltiger Trümmerteppich mit dem nördlichen Arm des Nordpazifikwirbels langsam nach Osten, auf die Westküste Nordamerikas zu. Ich hatte diesen Strömungstransport ja schon mal beschrieben, im Zusammenhang mit abgetrennten Füßen an nordamerikanischen Stränden. Lest euch den Beitrag kurz durch, ich erwarte auch diesmal wieder abgetrennte Füße. Der Punkt ist, dass Treibgut aus dem Westpazifik dank dieser Strömung eine gute Chance hat, irgendwann an der amerikanischen Westküste zu landen. Die interessante Frage ist halt nur, wann und wo.

Experten haben deswegen auch nicht vor etwa Anfang 2013 mit den ersten Trümmerteilen gerechnet: Der Wirbel ist mehr eine Drift als eine echte Strömung, so dass es schon mal zwei Jahre dauern kann, bis das Wasser den großen Ozean überquert hat. Aber das hat sich als Fehleinschätzung erwiesen: Schon im Januar 2012 berichteten die ersten Strandgutsammler von losgerissenen Fischerbojen, im April fand man einen Fußball an der Südküste von Alaska und im Juni tauchte dann sogar ein losgerissener Ponton vor Oregon auf - mehr als ein halbes Jahr vor der erwarteten Ankunftszeit.

Der Grund dafür ist der Wind: Sie schwimmen gut und ragen über die Wasseroberfläche auf - damit bieten sie gute Angriffsfläche für die Westwinde dieser Breiten. Und das kann einen erheblichen Unterschied machen, wie diese Animation von Nikolai Maximenko und Jan Hafner von der Universität Hawaii zeigt.



Zum Vergrößern klicken. Quelle: Nikolai Maximenko & Jan Hafner, Universität Hawaii



Die Prozentzahlen beschreiben, nach allem was ich herausfinden konnte, den Anteil der Gesamtoberfläche des Treibguts, auf die der Winddruck wirkt. Die roten Punkte haben etwa fünf Prozent Fläche im Wind oder mehr, die violetten sind nahezu vollständig unter Wasser. So eine luftgefüllte Fischerboje ragt ein ganzes Stück aus dem Wasser, so dass grob geschätzt bis zu einem Viertel der Oberfläche als Segel wirkt, während ein Stück Treibholz weniger aus dem Wasser guckt und, sagen wir, ein Schuh mit abgetrenntem Fuß darin praktisch gar nicht. Fünf Prozent klingt nach verdammt wenig, aber anscheinend reichen diese Unterschiede reichen aus, um die Trümmer auf ihrem Weg über den Ozean effektiv zu sortieren.

Die Animation zeigt denn auch ganz deutlich, dass der Wind nicht nur die Geschwindigkeit beeinflusst, sondern auch den Ort, wo das Treibgut ankommt. Die leichtesten und schnellsten Objekte bilden sogar einen separaten Wirbel vor der Küste von Alaska - je tiefer allerdings ein Gegenstand im Wasser liegt, desto stärker ist der Einfluss der Strömung, und die biegt anders als der Wind vor der Küste nach Süden ab. Je später also die Trümmer an der Küste ankommen, desto weiter südlich tauchen sie auf.

Ich hatte ja in meinem Beitrag über die abgetrennten Füße die Hypothese aufgestellt, dass einige von ihnen von aufs Meer hinausgezogenen Tsunami-Opfern des Jahres 2004 stammen. Entsprechend vermute ich, dass auch in der Folge des japanischen Tsunamis solche makaberen Funde auftauchen werden. Allerdings ragen Füße in Turnschuhen kaum allzu weit über die Wasseroberfläche hinaus, so dass ich mit solchen Meldungen tatsächlich erst etwa Anfang 2013 rechnen würde - irgendwo in Oregon oder Nordkalifornien.

(Gefunden bei Deep Sea News)



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Quelle: Fischblog - Wissenschaft für alle
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