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Alt 21.04.2012, 12:30   #1   Druckbare Version zeigen
Godwael Männlich
Moderator
Themenersteller
Beiträge: 12.173
Blog-Einträge: 12
Kein katastrophaler Methanausbruch in der Arktis - Klima und Umwelt

Seit ein paar Jahren beobachten Wissenschaftler mit einiger Sorge hohe Methankonzentrationen in der Luft und im arktischen Ozean über dem Sibirischen Kontinentalschelf. Das Gas stammt aus fossilen Permafrostböden aus der letzten Eiszeit, die vom Meer überflutet wurden und nun dank des Klimawandels langsam auftauen. Einige Forscher befürchten allerdings, dass neben dem langsamen Entgasen der Tauzone ein gigantischer Methanausbruch mit potentiell katastrophalen Folgen droht.

Demnach lagern unter der obersten Permafrostschicht enorme Mengen Methan und Methanhydrat unter Überdruck, die ausperlen wie Kohlensäure aus einem Softdrink, sobald der schützende Deckel verschwunden ist. Natalia Shakova von der Universität of Alaska in Fairbanks erklärt das in diesem Video zu einem Paper von 2010 (ab Minute 1:40).



2008 hat Shakova auf einer Konferenz der European Geophysical Union eine mögliche Menge von 50 Gigatonnen Methan in den Raum geworfen, die auf einen Schlag freiwerden könnten. Das würde die Methankonzentration in der Atmosphäre mehr als verzehnfachen, und da Methan ein weitaus potenteres Treibhausgas ist als Kohlendioxid, hätten wir dann sehr schnell ein sehr großes Problem.

Nun zeigen die aktuellen Daten des NASA-Satelliten AIRS, dass die Methankonzentration über der Ostsibirischen See und der Laptevsee im März gegenüber dem Februar deutlich angestiegen ist, gut zu erkennen am besorgniserregenden roten Fleck in der grafischen Darstellung. Das hat einige Spekulationen ausgelöst, dass es möglicherweise soweit sein könnte, zumal Forschungsschiffe schon vor Jahren nicht nur gelöstes Methan, sondern ganze Blasenwolken im arktischen Ozean vorgefunden haben. Ist der große Ausbruch also schon im Gange?



Atmosphärische Methankonzentrationen über der Arktis. Links: Februar 2012. Rechts: März 2012. Gemessen von AIRS, Abbildungen via Tamino

Tamino von Open Mind hat sich gestern des Problems einmal angenommen und die Daten der Methanmessungen weltweit im Jahr 2000 ausgewertet. In diesen Zeitreihen, die u.a. von Messstationen aus Alaska und Japan stammen, würde sich der befürchtete Ausbruch auf zwei Arten zeigen: Einerseits müsste die globale Methankonzentration immer schneller steigen und zweitens würde man an der Quelle, also in der Arktis, einen stärkeren Anstieg sehen als an den restlichen Stationen. Beides ist nicht der Fall. Tatsächlich scheint die Methankonzentration in niedrigen Breiten momentan stärker zu steigen als in der Arktis.



Atmosphärische Methankonzentrationen an fünf Messstationen, um saisonale Schwankungen bereinigt. Graph von Tamino.

Es gibt auch einige gute Argumente dafür, dass der befürchtete Methanausbruch gar nicht stattfinden wird. Klimadaten früherer Eiszeiten sprechen dagegen, insbesondere des Eem-Interglazials vor etwa 120000 Jahren, das noch ein paar Grad wärmer war als das gegenwärtige Klima. Eiskerndaten geben keinen Hinweis darauf, dass es damals irgendwann einmal einen explosiven Methanausbruch in der befürchteten Größenordnung gegeben hätte. Und viel anders als heute sah die Welt damals nicht aus.

Auch das schon erwähnte Methan-Geblubber vor Norwegen folgt einem Muster das gegen dieses Szenario spricht. Wenn tatsächlich der Deckel über dem hypothetischen Methanlager langsam zerbröseln würde, dann sollten die Blasenwolken uneinheitlich verteilt über Rissen und Schwächezonen entstehen, quasi als Vorboten des großflächigen Kollaps. Stattdessen folgen die Blasenwolken der Linie der Methanhydrat-Stabilität am Meeresboden, die sich langsam in tiefere Gewässer verlagert, je wärmer das Meer wird. Das entspricht eher einem geordneten Rückzug vom Rand her als einer katastrophalen Rückkopplung.

Insgesamt ist das Methan aus dem arktischen Ozean überschätzt. Im Arktischen Ozean wird zwar mehr Methan frei als im gesamten Rest des Weltmeeres zusammen, aber im Vergleich zu den Kontinenten sind die Meere eine eher kleine Methanquelle. Das allermeiste Methan kommt aus den Feuchtgebieten der Kontinente, unter anderem Reisfeldern. Abgesehen davon hat Methan eine im Vergleich zum Kohlendioxid sehr geringe Lebensdauer in der Atmosphäre, so dass sein Anteil am Klimawandel relativ gering ist, zumindest gemessen an den langfristigen Auswirkungen des Kohlendioxids.

Außer natürlich wenn doch mal 50 Gigatonnen Methan auf einen Schlag in die Atmosphäre gelangen sollten. Wie wahrscheinlich so ein Ereignis wirklich ist weiß heute niemand.



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Quelle: Fischblog - Wissenschaft für alle
Godwael ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.07.2012, 11:45   #2   Druckbare Version zeigen
Dreistein Männlich
Mitglied
Beiträge: 47
AW: Kein katastrophaler Methanausbruch in der Arktis - Klima und Umwelt

Von Dreistein, 25.7.12:
Interessiert bei Methan hierzu jemanden die folgende - künstliche Reaktion?
CO2 + 4 H2O --> CH4 + 2H2O [dH° = - 165 kJ/ mol] läuft bei 16 bar u. 280°C ab; so könnte u. will man (z.B. Autohersteller AUDI) das ungeliebte CO2 in Methan verwandeln u. im Motor verbrennen.
Frage: Wieviel Energiezuführung ist das in kJ/ mol? Zum Fahren (Verbrennen im Ottomotor) erhalten wir ja, wenn wir CH4 dann haben, 165 kJ/ mol; aber, wieviel muß ich vorher reinstecken?
Dreistein ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.07.2012, 08:56   #3   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
Beiträge: 6.935
Blog-Einträge: 41
AW: Kein katastrophaler Methanausbruch in der Arktis - Klima und Umwelt

Zitat:
2008 hat Shakova auf einer Konferenz der European Geophysical Union eine mögliche Menge von 50 Gigatonnen Methan in den Raum geworfen
Wow.. diese russischen Kugelstoßerinnen... Also ich hätte mir da mindestens die Schulter ausgekugelt!
__________________
Vor dem Gesetz sind alle Katzen grau
Tino71 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2012, 13:44   #4   Druckbare Version zeigen
Greaper87  
Mitglied
Beiträge: 1
AW: Kein katastrophaler Methanausbruch in der Arktis - Klima und Umwelt

Zitat:
Zitat von Tino71 Beitrag anzeigen
Wow.. diese russischen Kugelstoßerinnen... Also ich hätte mir da mindestens die Schulter ausgekugelt!
Da wurde mir mit meiner Antwort vorgegriffen .. Das war auch genau mein Gedankengang, als ich den Artikel gelesen habe.

Zu Unterschätzen ist Methan aber nicht .. Und 50Kilotonnen sind auch nicht ohne
__________________
1. Semesterpraktikum bei der Firma Barthel in Hamburg. Spezialist für Gestra Armaturen
Greaper87 ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 19.11.2012, 14:10   #5   Druckbare Version zeigen
Dreistein Männlich
Mitglied
Beiträge: 47
AW: Kein katastrophaler Methanausbruch in der Arktis - Klima und Umwelt

@Mr. Tino71: würden wir bitte alle solche smalltalks unterlassen, um ellenlange threads um Nichts zu vermeiden?
Das Forum ist kein Stammtisch, sondern -hoffentlich - ein Wissenschaftstisch!
1 Zahl (50 kt) sagt nichts; man braucht eine andere dazu,
a) z.B. wieviel t Ch4 stossen weltweit die Kühe (und 7 Mrd. Menschen) im Jahr aus?
b) Der Treibhauseffekt [greenhaouse effect] ist wieviel mal mehr, als bei CO2 ?(Angaben 20 fach bis 400 fach, was stimmt?) Das wollen "Chemiker" hier sein ?
c) Sollten wir endlich die Geburtenraten beschränken? Die UN schreiben jedes Jahr: 100 Millionen Frauen wollen die Ant-Baby-Pille, bekommen sie aber nicht!
d) 1 Mensch erzeugt ca. 260- 300 kg CO2/ Jahr. 1 Pferd fast 3000 kg CO2/a.
1 VW Golf Diesel, 4 L/ 100km, bei 12000 km c= 1267 kg CO2.[1 L Diesel = 2,64 kg CO2].
D.h.: Die Reiter glauben, wie nahe sie an der Natur sind (Ich bin auch Reiter) aber 1 Pferd emittiert also im Jahr soviel, wie 2,4 VW-Golf;
@Miss suny: I`m not remotely interested in reading "thanks" here - without any informations! Don`t aimless extend the thread! * For instance: I`d be interested in knowing how many cows (and people) produce as much CH4 a year!
* The discussion forum shouldn`t wander off topic to a cracker barrel. 19.Nov.2012, Dr.No
Dreistein ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.11.2012, 12:22   #6   Druckbare Version zeigen
Frank Schaller Männlich
Mitglied
Beiträge: 335
AW: Kein katastrophaler Methanausbruch in der Arktis - Klima und Umwelt

Ach Dreistein, deine tollen Kommentare haben mir gefehlt - wo warst du denn die letzten drei Monate?
__________________
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Frank Schaller ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.11.2012, 03:49   #7   Druckbare Version zeigen
Dreistein Männlich
Mitglied
Beiträge: 47
AW: Kein katastrophaler Methanausbruch in der Arktis - Klima und Umwelt

Oy yes, Mister Schaller,
bin wieder da u. ich sehe, dass meine Reaktion da oben inzwischen noch keine Sau interessiert hat! D.h. zugleich auch keinen der Ignoranten, obwohl es hierbei ja total um Öko ginge!
2)Es werden in Dtl. 917 Mio t CO2/ annum freigesetzt u. es wäre wohl interessant, die Wirksamkeit für den Treibhausefffekt zu vergleichen.
Annahme: 1 t CH4 = wirksam wie 100 t CO2
Also 917 Mio t CO2 = wirksam wie 9,17 Mio t CH4
500 Mio t CO2 = " " 50 Gigatons CH4
3) Also: Dieser Vulkanausbruch (50 Gt CH4), ist insofern so treibhaus-wirksam, wie
500 Mio t CO2, also so sehr, wie die CO2- Menge in Dtl. (=500/917) die in 199 Tagen freigesetzt wird.
4) D.h. wenn demnächst der Permafrost in Russland taut, und das CH4 herausperlt, wird es teuflisch !
Any ideas ?
Irgendwie CH4 auffangen und in die Pipelines leiten ?
Große Plastikplanen, um das CH4 aus dem Boden aufzufangen u. abbrennen?
21.Nov.12,Dreistein


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Zitat:
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Ach Dreistein, deine tollen Kommentare haben mir gefehlt - wo warst du denn die letzten drei Monate?
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