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Alt 11.03.2012, 01:20   #1   Druckbare Version zeigen
Godwael Männlich
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Blog-Einträge: 12
Bricht der Vulkan Laacher See 2012 aus? - Klima und Umwelt

Ich muss mich mal mit dem Unfug befassen, der gerade im Netz über den Laacher See verbreitet wird. Der Laacher See nimmt die Caldera eines Vulkans ein, der vor knapp 13000 Jahren das letzte Mal ausgebrochen ist und es innerhalb der nächsten paar tausend Jahre wohl auch wieder tun wird, wie Vulkane das halt so machen.

Nun haben wir ja jetzt gerade das Weltuntergangsjahr 2012 und dürfen uns auf tonnenweise hirnrissige Katastrophenszenarien in allen möglichen Medien freuen. Die Daily Mail macht heute den Anfang und schreibt, der Laacher See stünde kurz vor einem Ausbruch. Das Blatt bezeichnet die Caldera als Supervulkan und behauptet, er würde regelmäßig alle zehn- bis zwölftausend Jahre ausbrechen. Demnach sei der nächste Ausbruch überfällig und könne im Prinzip schon morgen passieren und ganz Europa unter Asche begraben.

Das ist natürlich völliger Blödsinn. Nun ist der Laacher See ein formidabler Vulkan, dessen letzter Ausbruch etwa dem des Pinatubo 1991 entsprochen haben dürfte, aber er ist einmal kein Supervulkan, und er ist schon gar nicht überfällig. Vulkanausbrüche können nicht "überfällig" sein, dazu sind die Intervalle zwischen Ausbrüchen zu unregelmäßig. Man gibt bei regelmäßig ausbrechenden Vulkanen gerne mal ein mittleres Intervall zwischen zwei Ausbrüchen an, das man aus der Eruptionsgeschichte berechnet. Die Aussagekraft solcher Zahlen für zukünftige Ausbrüche geht gegen Null. Die ganze Debatte haben wir seit Jahren beim Yellowstone-Supervulkan, der in Presseberichten mit schöner Regelmäßigkeit auch als überfällig bezeichnet wird. Ist er aber nicht. Niemand kann sagen, wann ein ruhender Vulkan als nächstes ausbricht, es sei denn man hört ihn schon grummeln.

Grummelt der Laacher See nun, d.h. zeigt er die bekannten Anzeichen für eine bevorstehende Eruption? Tut er nicht. Die Mail beruft sich zwar darauf, dass aus dem Seeboden vulkanisches Kohlendioxid herausblubbert. Das ist allerdings ziemlich normal und geschieht seit Jahrhunderten, weil das Magma unter der Eifel langsam ausgast. Es steigt derzeit auch keineswegs mehr Gas auf, wie man das erwarten würde, wenn frisches Magma auf dem Weg an die Erdoberfläche wäre. Außerdem verursacht aufsteigendes Magma typische Erdbeben, die schon lange vorher Hinweise auf zukünftige Eruptionen geben. Auch dafür gibt es momentan keine Anzeichen.

Es ist nicht so ganz klar, wie die Daily Mail auf die Idee kommt, der Laacher See könnte in absehbarer Zeit etwas anderes tun als entspannt vor sich hin zu eutrophieren. Experten oder seriöse Quellen zitieren die jedenfalls nicht. Wahrscheinlich entspringt die ganze Geschichte eher der diesjährigen 2012-Weltuntergangs- und Katastrophenhysterie, mit der wir den Rest des Jahres sicherlich noch viel Spaß haben werden.



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Quelle: Fischblog - Wissenschaft für alle
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