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Alt 02.06.2010, 21:18   #1   Druckbare Version zeigen
anmig  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 12
Graphitlösung und Öl

Hallo zusammen

bei uns in der Firma verwenden wir Graphitlösung (z.B. Zetatherm, Delta Forge) welche mit einer Mischung von 1:7 mit Wasser verdünnt wird. Diese Flüssigkeit kommt gemischt mit Ölresten in ein Sammelkeller. Von diesem Sammelkeller haben wir über einen Ölabscheider in das Kanalnetz eingeleitet. Wir haben einen Grenzwert von 20mg/l Kohlenwasserstoff einzuhalten. Dieser Grenzwert wurde nun mit dem 5-fachen Grenzwert überschritten (in der Vergangenheit auch schon) und ich habe den Abscheider stilllegen lassen. Ist es so, dass sich die Graphitlösung mit Ölresten verbindet (Graphit mit einer großen Oberfläche wodrauf sich Öl absetzt und dort haften bleibt) und somit nach unten absackt und dementsprechend über den Abscheider nicht abgeschieden wird? Oder verbinden sich die beiden Sachen gar nicht? Die gezogene Probe ist auf jedenfall schwarz und es setzt sich nichts ab. Besteht die Möglichkeit, das Öl und Graphit mit einen Demulgator o.ä. zu trennen? Was könnte noch eine Ursache für den erhöhten Kohlenwasserstoffgehalt sein?
Ich bin von Beruf Elektriker und daher habe ich nicht soviel Ahnung von der Chemie. Es wäre super, wenn man mier hier Tipps geben könnte.

Danke im voraus.
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Alt 02.06.2010, 22:50   #2   Druckbare Version zeigen
pleindespoir Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.106
AW: Graphitlösung und Öl

Für was braucht man das und wie entsteht diese Abfallmischung?

Ich vermute mal es geht um kühlende Schmiermittel.
Deine Vermutung, dass sich die verschiedenen Stoffe vermischen bzw. emulgieren halte ich für naheliegend. Ein Ölabscheider ist ein sehr einfaches Gerät zur Trennung von Stoffen und erfordert eine klare Phasentrennung zur einwandfreien Funktion.

Habr ihr schon mal darüber nachgedacht, den Schmierstoffabfall zu recyceln, anstelle ihn teuer zu entsorgen?

Um einen Vorschlag zur besseren Trennung zu machen, müsste man erstmal ziemlich genau wissen, aus was die Mischung sich zusammensetzt.
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Alt 03.06.2010, 08:32   #3   Druckbare Version zeigen
anmig  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 12
AW: Graphitlösung und Öl

Die Graphitlösung ist für den Schmiedeprozess notwendig, damit sich das gefertigte Stück wieder vom Gesenk löst. Mit dem Recyceln ist sicher mal ein Ansatzpunkt. Ich werde nochmal eine Probe ins Labor senden um es genau zu analysieren. Ist denn aber so, dass sich Ölteilchen an das Graphit haften und sich nur mit speziellen Verfahrensweisen trennen lassen? Führt Graphit dazu, dass sich der Kohlenwasserstoffgehalt erhöht? Oder ist das anhaftenden Öl dafür verantwortlich?
anmig ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.06.2010, 13:16   #4   Druckbare Version zeigen
pleindespoir Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.106
AW: Graphitlösung und Öl

Graphit ist reiner Kohlenstoff.
http://de.wikipedia.org/wiki/Graphit

Öl besteht (unter anderem) aus Kohlenwasserstoffen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenwasserstoff

Die Vermutung, dass Ölbestandteile am Graphitstaub anhaften, führt sicher auf die richtig Spur. Vermutlich könnte der Blick durch ein Mikroskop schon mal ohne grosse Laborkosten einen Hinweis auf die Richtigkeit (oder eben auch nicht) der Hypothese geben.

Der mechanische Ölabscheider trennt nach spezifischem Gewicht. Reine Ölphase bleibt oben.

Graphitstaub fällt nach unten und nimmt Ölpartikel mit, die somit in der Wasserphase landen. Einfache Lösung wäre eventuell, einen weiteren (oder eine Kombination) Abscheider nachzuschalten, in welchem sich das Pulver absetzen kann und nur die oberste pulverarme Wasserschicht ins Abwasser läuft.

(Um welche Mengen geht es eigentlich?)

Den Graphitschlamm könnte man gelegentlich entnehmen und trocknen - das wäre der erste Recyclingschritt.

Ein anderer wirklich "billiger Trick" bestünde darin, das Abwasser mit entsprechender Menge Frischwasser zu verdünnen, um auf die geforderten Grenzwerte zu kommen.
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Alt 03.06.2010, 19:46   #5   Druckbare Version zeigen
anmig  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 12
AW: Graphitlösung und Öl

Wir reden hier von ca. 2m³ / Arbeitstag. Die derzeitige Entsorgung beläuft sich auf 105€/t. Nicht der wirklich günstige Spass. Mit der Verdünnung kam auch schon einmal ins Gespräch. Da müsste dann aber eine Onlinemessung installiert sein, die den Kohlenwasserstoffgehalt regelmäßig online misst und dementsprechend den Frischwasserzulauf regelt.

Mit dem Absetzen vorab ist auch schon eine Idee, die wir hatten. Bei einer Beobachtung in einen Glas konnten wir bei der Probe jedoch nicht annähernd ein Absetzverhalten beobachten. Es ist eine sehr homogene Masse / Flüssigkeit. Nach ca. 3 Wochen konnte ich eine leichte Ölschicht sehen. Feststoffe habe sich auch nur sehr wenige abgesetzt.Die Farbe der Flüssigkeit blieb schwarz!
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Alt 03.06.2010, 20:06   #6   Druckbare Version zeigen
pleindespoir Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.106
AW: Graphitlösung und Öl

Was soll denn da ein Ölabscheider tun, wenn sich erst nach drei Wochen das Öl absetzt?

Eine Zentrifuge könnte das eventuell beschleunigen - aber ist sicher für den Anlagen Massstab zu teuer. Müsste ja auch erst mal im Labor getestet werden, ob das überhaupt was bringt. Aber so wie es sich anhört, ist mit mechanischer Trennung hier nicht mehr viel zu wollen.
Jetzt wäre mal ein wenig Brainstorming zu starten, welche Möglichkeiten es gibt, Graphit in einer Emulsion koagulieren oder sonstwelche Fällungsreaktionen laufen zu lassen...

*grübel*
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Alt 03.06.2010, 20:41   #7   Druckbare Version zeigen
DrGeorg Männlich
Mitglied
Beiträge: 848
AW: Graphitlösung und Öl

Das Problem könnte evtl per Flotation gelöst werden.
Aber das ist anspruchsvoll, nichts für einen Amateur.
Gibt es keine Berater, die kleinen/mittleren Firmen
helfen?
Georg
DrGeorg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.06.2010, 11:10   #8   Druckbare Version zeigen
anmig  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 12
AW: Graphitlösung und Öl

Was bedeutet Flotation?
anmig ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.06.2010, 11:27   #9   Druckbare Version zeigen
bm  
Moderator
Beiträge: 54.171
AW: Graphitlösung und Öl

http://de.wikipedia.org/wiki/Flotation
bm ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.06.2010, 11:40   #10   Druckbare Version zeigen
Tiefflieger Männlich
Moderator
Beiträge: 5.444
AW: Graphitlösung und Öl

Ich würde in Richtung Filtration gehen. Hiermit müsste sich das Graphit mit dem anhaftenden Öl abtrennen lassen.
__________________
Vernünftig ist, dass die politischen Spitzen, wenn sie miteinander sprechen, darüber sprechen, wie mit der Sache umzugehen ist, wie ernst Vorwürfe zu nehmen sind und wie man damit umgeht, Vorwürfe zu besprechen, zu klären, zu verifizieren oder aus der Welt zu schaffen. (2013 Regierungssprecher Seibert)
Tiefflieger ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.06.2010, 11:44   #11   Druckbare Version zeigen
pleindespoir Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.106
AW: Graphitlösung und Öl

Um zu testen, ob das überhaupt geht (mit der Flotation), ohne den Jahresgewinn des Unternehmens einer Beraterfirma zu überlassen, kannst du in einem Fachgeschäft für Meerwasseraquarien eine Abschäumervorrichtung (Skimmer), eine Luftpumpe und ein 100l-Becken holen und mal schauen, ob sich was mit der Dreckbrühe tut, indem Du alle Stunde eine Probe vom Beckenwasser und vom "Abschaum" ziehst.

Ein billiges Schülermikroskop mit Digitalkamera reicht um die Proben vorab zu untersuchen.

Das ist sicher noch nicht der Stein der Weisen vom Stand der Verfahrenstechnik her gesehen, aber zumindest mal ein bezahlbarer Modellversuch, um herauszufinden, ob die Flotationstechnik grundsätzlich ein machbarer Lösungsansatz wäre.

Chemisch sehe ich keine Chance, Graphit in einer wirtschaftlichen Weise aus der Mischung rauszuholen, aber vielleicht hat noch jemand anderes hier eine Idee?
pleindespoir ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.06.2010, 12:50   #12   Druckbare Version zeigen
DrGeorg Männlich
Mitglied
Beiträge: 848
AW: Graphitlösung und Öl

Filtration dürfte zwischen gar nicht und schawierig liegen.
Die Teilchengröße und Form der Graphitflocken dürfte dem entgegenstehen.
Außerdem würde ich bei "geeignetem" Öl/Graphitverhältnis
die Bildung einer sperrenden Schleimschicht auf der
Filteroberfläche erwarten.
Man kann derartigen öligen Schmand adsorbieren. 3M verkaufte
früher "Filtermatten" und Flocken aus PP-Mikrofasern.
Der Markenname fällt mir nicht mehr ein.
Und selbst Heu könnte pfunktionieren :=)
http://www.wimp.com/solutionoil/
Gruß
Georg
DrGeorg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.06.2010, 21:05   #13   Druckbare Version zeigen
pleindespoir Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.106
AW: Graphitlösung und Öl

Heureka für BP?
pleindespoir ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.06.2010, 21:20   #14   Druckbare Version zeigen
bm  
Moderator
Beiträge: 54.171
AW: Graphitlösung und Öl

Zitat:
Zitat von pleindespoir Beitrag anzeigen
Heureka für BP?
BP hat eine neue Strategie: Das Ölreservoir wird kontrolliert ins Meer entleert und über den Golfstrom entsorgt.

Wie sagten doch die alten Dichter? Die Geister, die ich ruf..
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg 226.jpg (13,5 KB, 9x aufgerufen)
bm ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.06.2010, 21:23   #15   Druckbare Version zeigen
pleindespoir Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.106
AW: Graphitlösung und Öl

Endlich mal ein sozialer Gedanke seitens eines kapitalistischen Konzerns!

Den Ölreichtum gleichmässig auf der gesamten Erde verteilen ...
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