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Alt 12.04.2010, 17:30   #1   Druckbare Version zeigen
Godwael Männlich
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Beiträge: 12.173
Blog-Einträge: 12
Der Sonderweg der Katze - Verhaltensforschung

Mehrere Seiten Katzencontent enthält die aktuelle Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft - Forscher haben die Abstammung aller modernen Hauskatzen auf eine einzige Population im Nahen Osten zurückgeführt. Doch über das Verhältnis von Mensch und Katze werfen die Ergebnisse werfen mehr Fragen auf als sie beantworten - wie kam der Maunzterrorist zum Menschen?

Eine Tierart, die zum Haustier des Menschen wird, ist meistens domestiziert - durch menschlichen Einfluss verändert, quasi nach seinem Bildnis und seinen Bedürfnissen geformt. Doch es ist fraglich, ob das für die Katze auch gilt. Nicht wenige Katzenbesitzer vermuten vielmehr insgeheim, dass es sich genau umgekehrt verhält und der Mensch in der Beziehung die domestizierte Art sei. Katzen, heißt es, haben keine Besitzer, sondern Personal. Aber auch abseits der hochgradig pathologischen modernen Mensch-Tier-Beziehung gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Katzen und anderen Haustierrassen. Das Verhältnis von Katze und Mensch ist nach wie vor rätselhaft.

Ob Rind, Schwein oder Hund, sie alle sind morphologisch inzwischen weit von ihren wildlebenden verwandten entfernt. Alle klassischen Haustiere tragen deutliche Zeichen intensiver Zucht - menschlicher Selektion von Körperbau und Verhalten - über die Jahrtausende hat der Mensch ihnen in Gefangenschaft diverse nützliche Eigenschaften angezchtet.



All das trifft auf Katzen so nicht zu. Es gibt bei ihnen keine extremen Größen- und Formunterschiede zwischen unterschiedlichen Rassen (und schon gar keine nützlichen Eigenschaften). Sie sind, wenn die Fellzeichnung stimmt, der Wildkatze bis heute zum Verwechseln ähnlich geblieben und das, obwohl die Tiere wohl schon seit fast zehntausend Jahren mit dem Menschen zusammenleben, wie der Fund einer vor 9500 Jahren zusammen mit einem Menschen bestatteten Katze auf Zypern zeigt. Hauskatzen jagen bis heute instinktiv Wildtiere (die sie an den unmöglichsten Orten verstecken) und können so auch in freier Wildbahn überleben.

Verräterische Veränderungen
Allerdings hat auch bei der Katze der Kontakt mit dem Menschen deutliche Spuren hinterlassen. Bestes Zeichen dafür ist die aktuelle in Spektrum besprochene Untersuchung, nach der Hauskatzen eine inzwischen auch genetisch gut unterscheidbare Unterpopulation aller Katzen bilden. Der bemerkenswerteste Unterschied zur Wildkatze: Das Gehirn der Hauskatze ist kleiner, was ein fast universelles Merkmal menschlicher Kontrolle ist (beziehungsweise durch menschliche Pflege induzierter Dekadenz). Der Einfluss des Menschen zeigt sich auch im Verhalten: Hauskatzen gelten zwar als unabhängig und unkontrollierbar, im Unterschied zu ihren wilden Vorfahren suchen sie allerdings menschliche Nähe und sind durchaus ziemlich sozial. Diese Anpassung an den Menschen geht sogar so weit, dass Katzen mit einer speziellen Frequenz maunzen, die für Menschen nur schwer zu ignorieren ist. Insofern haben Katzen sogar einen weiteren Weg zurückgelegt als Hunde, die von Anfang an soziale Tiere waren.

Bemerkenswert ist, dass Mensch und Katze wohl von Anfang an sehr gut zueinander gepasst haben: Wissenschaftler haben Hinweise darauf gefunden, dass alle Hauskatzen auf ein regional begrenztes Domestizierungsereignis zurückgehen. Das lässt sich am einfachsten so erklären, dass Katze und Mensch sehr früh und schnell zueinander gefunden haben. Das ist ungewöhnlich, denn unter allen potentiellen Gefährten des Menschen haben Tiere, die in sozialen Organisationen mit Leittier leben, die besten Karten.

Wildkatzen gehören nicht dazu, und deswegen betätigten sie sich wahrscheinlich zuerst als klassische Kulturfolger: Mit der Entstehung des Ackerbaus und zunehmender Vorratshaltung siedelte sich die Hausmaus im Umfeld des Menschen an, wie Funde aus Mesopotamien zeigen. Die Katze folgte ihrer sprichwörtlichen Nahrung. Dabei blieb es aber nicht, denn wie der Katzenfund von Kreta zeigt, war die Katze schon fester Teil des Gesamtpakets, als sich der Ackerbau von den allerersten Anfängen im fruchtbaren Halbmond her ausbreitete. Wie kam es dazu?

Wer wählte wen?
Zweifellos haben die frühen Bauern sehr schnell gemerkt, dass die Gegenwart von Katzen die Schäden durch Mäuse deutlich reduzierte, und sie haben sicher auch versucht, sich die Katze Untertan zu machen. Es ist allerdings kaum vorstellbar, dass die Menschen damals geschafft haben Katzen in echter Gefangenschaft zu halten - Wildkatzen fehlt jegliches Rudel- oder Herdenverhalten, das andere Haustierarten auszeichnet und ihre Domestizierung erleichtert. Und da abgerichtete Katzen auch nicht besser jagen als so schon, wäre der Versuch auch wenig sinnvoll gewesen.

Unter diesen Umständen ist es für den Menschen am sinnvollsten, dafür zu sorgen dass sich die Gäste wohlfühlen und sie ansonsten in Ruhe zu lassen. Deswegen kann man die Katze eigentlich kaum als domestizierte Art betrachten - der Mensch hatte weder die Möglichkeit noch die Motivation, Katzen wirklich in Gefangenschaft zu halten und konsistenten Selektionsdruck auszuüben.

Warum aber ist die Katze trotzdem so schnell und effektiv zu einem Teil menschlicher Gemeinschaften geworden? Sie muss sich dazu entschieden haben. Vor über zehntausend Jahren haben die ersten Katzen in urtümlichen Kornspeichern Mäuse gejagt. Den Besitzern der Kornspeicher war das wohl so recht, dass sie die Tiere mit Futter angelockt und in ihren Wohnungen toleriert haben. Den Katzen scheint es gefallen zu haben - sie sind immer noch hier.



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Quelle: Fischblog - Wissenschaft für alle

Geändert von Godwael (12.04.2010 um 17:46 Uhr)
Godwael ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.04.2010, 09:31   #2   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
Beiträge: 6.935
Blog-Einträge: 41
AW: Der Sonderweg der Katze - Verhaltensforschung

Zitat:
Das Gehirn der Hauskatze ist kleiner, was ein fast universelles Merkmal menschlicher Kontrolle ist (beziehungsweise durch menschliche Pflege induzierter Dekadenz).
Das erklärt einige der Veränderungen, die ich an mir feststelle, seit ich in einer langjährigen Beziehung lebe.
__________________
Vor dem Gesetz sind alle Katzen grau
Tino71 ist offline   Mit Zitat antworten
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