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Alt 31.12.2009, 19:55   #16   Druckbare Version zeigen
rsommer Männlich
Mitglied
Beiträge: 2.168
AW: Lösungsvorgänge immer endotherm ?

Zitat:
Zitat von Bitti Beitrag anzeigen
Ich kann jetzt nur mal aus dem Riedel zitieren:

Nach der Beschreibung kann man es also doch als Salz sehen.

Gruß Daniel
@ricinus:

Ich habe nicht behauptet, dass Alumiumchlorid in fester Form nicht salzartig ist. Schließlich ist Aluminium im Gegensatz zum Bor ganz eindeutig ein Metall. Die Verbindung AlCl3 hat aber dennoch einen stark kovalenten Charakter, was sich in den genannten physikalischen Eigenschaften, aber auch in der Chemie ausdrückt. Welches typisch anorganische Salz löst sich schon in organischen Lösungsmitteln? Der Übergang zwischen rein kovalenten Bindungsverhältnissen und ionischen ist fließend, das wissen Sie sicher auch. Die Ausbildung eines bestimmten Kristallgitters ist alleine kein "Beweis" dafür, dass es sich bei einer Verbindung um einen salzartigen Stoff handelt oder nicht. Auch organische Verbindungen bilden charakteristische Kristallgitter aus und haben zuweilen mehr oder weniger starken polaren Charakter. Leider ist in den Naturwissenschaften nicht immer Alles schwarz und weiß. Es gibt noch viele Schattierungen dazwischen.

Mit Wikipedia-Zitaten sollte man übrigens ganz vorsichtig sein. Da steht auch, dass Aluminiumchlorid aus Wasser als Hexahydrat kristallisiert. Das gibt vielleicht die Stöchiometrie wieder, nicht aber die Bindungsverhältnisse.
__________________
Gruß,
rsommer
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Alt 31.12.2009, 20:07   #17   Druckbare Version zeigen
rsommer Männlich
Mitglied
Beiträge: 2.168
AW: Lösungsvorgänge immer endotherm ?

Zitat:
Zitat von ricinus Beitrag anzeigen
Natürlich ist es ein ionisches Salz.

Als Anhang eine Tabelle mit Hydratationsenthalpien einiger Ionen.
Wie man unschwer erkennen kann, liegt Al3+ unter den Spitzenreitern.

EDIT Die Tabelle stammt aus W.E. Dasent, Inorganic Energetics, 2nd ed., Cambridge University Press.
Das wundert mich überhaupt nicht, sondern bestätigt nur, was ich gesagt habe. Das sind berechnete Werte, denn "nackten" Al3+ gibt es nicht (außer vielleicht unter extremen physikalischen Bedingungen). Beim "Auflösen" von AlCl3 in Wasser entstehen Al-O-Bindungen. Das ist eine chemische Reaktion, die unter sukzessivem Bruch der Al-Cl-Bindungen stattfindet. Im Unterschied dazu findet beim Auflösen von Natriumnitrat o.ä. Salzen tatsächlich die Dissoziation des Kations aus dem Kristallgitterverbund statt.
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Gruß,
rsommer
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Alt 31.12.2009, 20:45   #18   Druckbare Version zeigen
bm  
Moderator
Beiträge: 54.171
AW: Lösungsvorgänge immer endotherm ?

Fassen wir es zusammen:

In festem, kristallinen Zustande besteht AlCl3 aus einer kubisch dichten Packung von Chlorid. 2/3 der oktaedrischen Lücken sind mit Al3+ besetzt. Festes AlCl3 leitet den elektrischen Strom, was für ein rein ionisches Gitter ungewöhnlich ist.

Bei 182,7°C sublimert AlCl3. Bis ca. 800°C kann man durch Dampfdichtemessungen zeigen, dass AlCl3 überwiegend aus (AlCl3)2 = Dimeren besteht. Ab 800°C AlCl3 liegen überwiegend Monomere vor.

Erhitzen wir AlCl3 unter erhöhtem Drucke (1700 mm Hg) schmilzt es bei 192,6°C. Beim Schmelzvorgang schwindet die Leitfähigkeit. Auch das ist eine für ein Salz atypische Eigenschaft.
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Alt 01.01.2010, 00:00   #19   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: Lösungsvorgänge immer endotherm ?

Die in einem Born-Haber Zyklus gemessene Gitterenergie des AlCl3 beträgt 5492 kJmol-1. Berechnet man diese Grösse indem man eine reine Ionenbindung zugrunde legt, erhält man 5376 kJmol-1, das sind 97.9% des tatsächlichen Wertes.

Die gemessene Gitterenergie des NaCl (Schulbeispiel einer ionischen Verbindung) beträgt 786 kJmol-1, berechnet 769 kJmol-1 (97.8% des tatsächlichen Werts).

So müsste eigentlich verständlich werden, warum ich mich mit der Sichtweise, der Bindungscharakter in AlCl3 sei "weitgehend kovalent", nicht so recht anfreunden kann.

lg

EDIT Datenquelle : CRC Handbook of Chemistry and Physics, 77th ed.

EDIT bis : noch was zur Hydratationsenthalpie des Al3+ Ions - den Einwand, dass darin Anteile an kovalenten Bindungsenthalpien (Bruch der Al-Cl und Zustandekommen einer Al-O Bindung) eingeflossen wären, kann man nicht gelten lassen. Wer sagt denn, dass diese Hydratationsenthalpie allein mithilfe von Aluminiumchlorid bestimmt worden sind ? Es gibt ja auch noch Aluminiumsulfat, Aluminiumnitrat, Aluminiumperchlorat und dergleichen Salze mehr, deren ionischen Charakter doch wohl niemand ernsthaft bestreiten will ?!
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Geändert von ricinus (01.01.2010 um 00:07 Uhr)
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Alt 01.01.2010, 00:41   #20   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: Lösungsvorgänge immer endotherm ?

Ja, Gitterenergien sagen nicht absolut alles aus. Ich erinnere mich an eine Examensfrage in meinem ersten Studienjahr : dort sollte mit Hilfe einer der bekannten GLeichungen (Born-Landé & Co.) die Gitterenergie des hypothetischen Salzes Li+Li- berechnet werden. Es stellte sich heraus, das die derart berechnete Gitterenergie sich ziemlich exakt mit der angegebenen experimentellen Sublimationsenergie von Li, bereinigt um die Ionisierungsenergie und Elektronenaffinität von Li, deckte Anschliessend war man gebeten, dieses Ergebnis zu kommentieren. Kann mich leider nicht mehr entsinnen was ich denn damals schrieb...
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Alt 01.01.2010, 13:40   #21   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: Lösungsvorgänge immer endotherm ?

Zitat:
Zitat von ehemaliges Mitglied Beitrag anzeigen
Aber mehr als Ihren damaligen Lösungsversuch würde mich die "Musterlösung" interessieren.
Es war ja ein Examen, d.h. eine Musterlösung habe ich auch nie zu Gesicht bekommen. Es drängt sich ja der Schluss auf, dass es, zumindest beim Li, keinen Unterschied macht, ob man die Valenzelektronen als delokalisiert (Metallbindung), oder als auf Anionen lokalisiert, betrachtet. Warum das so sein kann und warum Lithium in dieser Hinsicht besonders ist, weiss ich bis heute nicht.
Zitat:
Kann ich davon ausgehen, dass man den Abstand zwischen den als Punktladung angenommenen Ionen Li+ und Li- gleichgesetzt hat mit dem Abstand der Li - Atome im Gitter des festen Lithiums ?
Das weiss ich nicht mehr - ich müsste mal nach der Originalaufgabe "graben".
Ich glaube, es waren lediglich die Radien von Li+ und Li- angegeben, die man zur Berechnung der Gitterenergie ja braucht.

lg
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Alt 01.01.2010, 19:05   #22   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: Lösungsvorgänge immer endotherm ?

Zitat:
Zitat von ehemaliges Mitglied Beitrag anzeigen
Im Übrigen wüsste ich nicht, wie man zu einem seriösen Wert für das Li- - Ion kommen sollte.
Naja, ich habe bis heute geglaubt, dass es wohl Verbindungen geben muss, in denen dieses Ion existiert, und dass sich dessen Radius also bspw kristallographisch ermitteln lässt, sonst wäre er ja nicht angegeben gewesen. Vielleicht bin ich auch nur zu leichtgläubig.
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Alt 01.01.2010, 22:18   #23   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: Lösungsvorgänge immer endotherm ?

Zitat:
Zitat von ehemaliges Mitglied Beitrag anzeigen
Kann es nicht sein, dass Sie sich in dieser Beziehung geirrt haben ?
Es kann sein, ja.
Zitat:
Denn wenn ich der Ionenradius des Li- aus der Elektronenaffinität zu berechnen versuche und dabei die effektive Kernladungszahl um 1 niedriger annehme als im Li - Atom, dann bekomme ich ein Radienverhältnis heraus, bei dem der Radius des Anions das 5 - fache des Kationenradius beträgt. Was dann zur Folge hätte, dass die Gitterenergie auf jeden Fall weniger als (1/3) der Ionisierungsenergie betragen würde, was seinerseits zur Folge hätte, dass die Sublimationsenergie negativ würde....
Ich hoffe, die Frage bereitet Ihnen nicht noch schlaflose Nächte...
Zitat:
Kurzum: Kann es nicht doch so gewesen sein, dass man vom Gitter des festen Li ausgegangen ist und man sich dort lediglich die eine Hälfte der Gitterplätze durch Li+ und die andere Hälfte durch Li- ersetzt denken sollte ?
Es liegt doch aber auf der Hand, dass die Elementarzelle des hypothetischen Li+Li- andere Dimensionen haben müsste als die vom metallischen Li, selbst wenn man ein gleiche Struktur voraussetzt.

Ich sehe schon, ich werde doch noch nach dem alten Fragebogen wühlen müssen
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