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Alt 10.08.2009, 23:00   #1   Druckbare Version zeigen
Godwael Männlich
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Eine molekulare Verbindung zwischen Grippe und Alzheimer

Schon seit langem ist bekannt, dass der Erreger der Grippe, das Influenza-Virus, nicht nur die Atemwege befällt, sondern manchmal auch andere Organe wie zum Beispiel das Gehirn. Dementsprechend zeigt ein Teil der Erkrankten auch neurologische Symptome, die von Verwirrtheit bis zum Koma reichen können. Dieses bereits seit dem 15. Jahrhundert bekannte Phänomen wurde 1957 im Detail beschrieben, damals als sehr seltene Komplikation, die bei mehreren Tausend Patienten nur in einer Handvoll Fälle auftrat.

Allerdings schwankt dieser Anteil zwischen verschiedenen Virenstämmen sehr stark, denn in einer Fallstudie in Taiwan von 2002 bis 2007 traten neurologische Symptome in über zehn Prozent der Fälle auf. Doch so schwerwiegend diese Komplikationen in einigen Fällen sein können, ungleich dramatischer noch sind möglicherweise die langfristigen Folgen. Es gibt Hinweise darauf, dass Influenza mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer in Verbindung steht.



Das erste Indiz dafür, dass Influenza mit neurodegenerativen Krankheiten im Zusammenhang stehen könnte, tauchte bereits im Jahr 1919 auf, als nach der großen Pandemie eine spezielle Hirnhautenzündung überdurchschnittlich häufig auftrat. Doch die Verbindung bleibt bis heute rätselhaft, unter anderem weil die zeitliche Abfolge wegen unzureichender Daten nicht geklärt ist und das Virus selbst in den Gewebeproben der Erkrankten nicht (mehr) auftaucht.

Versuche an Mäusen zeigen jetzt allerdings, dass eine Influenza-Infektion Symptome auslösen kann, die neurodegenerativen Erkrankungen zumindest ähnlich sehen. Parkinson und Alzheimer hängen mit Proteinopathien zusammen, mit unnatürlichen Ansammlungen körpereigener Eiweiße, die Nerven schädigen. Bei Parkinson heißen diese Proteinansammlungen Lewy-Körper, und sie bestehen unter anderem aus dem Protein alpha-Synuclein. Bei diesem Eiweiß führt eine bestimmte chemische Veränderung, nämlich eine Phosphorylierung an einem Serinrest, zu dieser typischen Verklumpung.

Auch bei Alzheimer spielt alpha-Synuclein eine Rolle, es ist Bestandteil der amyloiden Plaques, die bei der Krankheit im Gehirn auftauchen. Wie sich herausstellte, gibt es eine weitere Krankheit, die dieses Molekül verklumpen lässt – die Grippe.

Die Forscher infizierten Mäuse mit einem hochvirulenten H5N1-Grippevirus, das in etwa zwei Dritteln der Tiere neurologische Symptome verschiedener Schwere auslöste. Etwa die Hälfte der Tiere überlebte und zeigte nach der Genesung keine Symptome mehr. Allerdings entdeckten die Forscher, dass in den Tieren die Veränderung des alpha-Synucleins besonders häufig auftrat – und zwar nur in Gewebestrukturen, die mit H5N1 infiziert waren. Eine Grippeinfektion verursacht also in Nervenzellen eine chemische Veränderung, die für Parkinson typisch ist und auch bei Alzheimer auftaucht.

Die Ursache scheint nicht das Influenzavirus selbst zu sein, sondern vielmehr eine körpereigene Entzündungsreaktion im Zentralnervensystem. Die Forscher beschreiben, dass während der Infektion im Gehirn Immunzellen aktiviert wurden, die auch nach Abklingen der Infektion weiter aktiv blieben – eine weitere Parallele zur Parkinson’schen Krankheit.

Noch ist vieles an diesen Ergebnissen rätselhaft und vorläufig. Doch wenn sich das Ergebnis bewahrheiten sollte, wäre es eine Sensation ersten Ranges. Eine kausale Verbindung zwischen zwei der häufigsten und nach wie vor geheimnisvollsten Krankheiten unserer Zeit: Grippe und Alzheimer.

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Quelle: Fischblog - Naturwissenschaft und mehr
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