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Alt 11.05.2009, 07:50   #1   Druckbare Version zeigen
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Chelidonin aus Schöllkraut

Suche eine Vorschrift zur Extraktion von Chelidonin aus Schöllkraut.

Frohne nennt nur den spez. mikroskopischen Nachweis nach Ramsted als gelben Filz mit 20%iger KOH. Hier: http://www.amazon.de/Giftpflanzen-Handbuch-Apotheker-Toxikologen-Biologen/dp/3804720609/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1242021090&sr=8-1

Im Gattermann findet sich nur ein kurzer Satz, Organikum schweigt sich ebenso aus wie der gute Beyer. Im Römpp gibt es nur allgemeine Info ebenso wie im Hunnius.

Hat jemand geeignetere Literaturtipps - speziell in Richtung Extraktion?
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Alt 11.05.2009, 09:22   #2   Druckbare Version zeigen
kaliumcyanid Männlich
Mitglied
Beiträge: 18.824
AW: Chelidonin aus Schöllkraut

Gesundes Zeug...eine klassische Säure-Base-Extraktion auf den Grundlageninfos von Römpp und co lässt sich doch realisieren?

Eine konkrete Vorschrift habe ich leider nicht...ich werd aber mal sehen, ob ich was auftreiben kann.
kaliumcyanid ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2009, 11:08   #3   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: Chelidonin aus Schöllkraut

Die Vorschrift findest du in Gilkinet, A. Traité de chimie pharmaceutique, Liège, 1885, auf S. 939.
Ist allerdings auf Französisch.

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"Old geochemists never die, they merely reach equilibrium." (Antonio C. Lasaga ?)
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Alt 11.05.2009, 11:28   #4   Druckbare Version zeigen
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AW: Chelidonin aus Schöllkraut

Zitat:
Zitat von ricinus Beitrag anzeigen
Die Vorschrift findest du in Gilkinet, A. Traité de chimie pharmaceutique, Liège, 1885, auf S. 939.
Ist allerdings auf Französisch.

Egal - Du hast die Seite nicht zufällig in Kopie?

...denn €100 für eine Seite ist doch beachtlich: http://www.abebooks.de/search/sortby/3/an/Alfred+Gilkinet+/tn/+Chimie+Pharmaceutique
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Alt 11.05.2009, 13:55   #5   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: Chelidonin aus Schöllkraut

Siehe da, die "Librairie Yves Deprins" in Redu. Die kenne ich sogar sehr gut. Redu ("Le village du livre") ist einen Besuch wert.

Hier mal das, was Herr Gilkinet zu Chelidonin sagt :

"Chélidonine : C19H17N3O3. Elle existe à côté de la chélérythrine dans les différentes parties du Chelidonium majus, et notamment dans les racines. On l'obtient en traitant les racines par de l'eau acidulée d'acide sulfurique; on sursature le liquide par un excès d'ammoniaque, puis on lave le précipité qui s'est formé, on le presse entre des feuilles de papier filtre et on le dissout dans de l'alcool acidulé d'acide sulfurique. On volatilise l'alcool, on précipite une seconde fois la chélidonine par l'ammoniaque, on dessèche le précipité et on le traite par l'éther, afin de le débarasser de la chélérythrine, puis on dissout encore le résidu dans l'eau acidulée d'acide sulfurique, et l'on précipite la chélidonine à l'état de chlorhydrate par l'acide chlorhydrique. Le chlorhydrate de chélidonine est peu soluble dans l'eau, il est insoluble dans l'acide chlorhydrique. La chélidonine cristallise en tables incolores, brillantes, inodores, d'une saveur amère, qui renferment 2 mol. d'eau de cristallisation; elle fond à 130°. Elle est insoluble dans l'eau et peu soluble dans l'alcool et l'éther.
La chélidonine ne paraît pas être toxique."

Quelle siehe oben.
Ich hab' noch weiteres Material in diesem Zusammenhang, wenn Du mir deine email via PN mitteilst.

lg
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Alt 11.05.2009, 14:01   #6   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: Chelidonin aus Schöllkraut

Als Entdecker des Chelidonins gilt ein gewisser Godefroid :
Godefroid, Journ. de Pharmacie 1824, 10, 635
Das Journal ist frei zugänglich im Internet, auf der Seite der Bibliothèque Nationale de France; ich habe dauernd versucht da durchzukommen, aber deren Server scheint gegenwärtig überlaufen zu sein...

lg
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Alt 11.05.2009, 14:13   #7   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: Chelidonin aus Schöllkraut

Wie man sehen kann, hat sich die Formel des Chelidonins im Laufe der Zeit verändert : http://de.wikipedia.org/wiki/Chelidonin
Wikipedia liefert die gleiche Formel, die Carl Roth auf ihrem Chelidonin angibt. Weiter gilt Chelidonin heute als "sehr giftig", entgegen der Behauptung von Gilkinet.

lg
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Alt 11.05.2009, 15:53   #8   Druckbare Version zeigen
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AW: Chelidonin aus Schöllkraut

Danke für die Vorschrift und den Tipp - ging schon an meine kleine Schwester...
Ich leiste mir immer wieder gerne den 'Luxus' eines kostenlosen dafür prof. Dolmetschers und Übersetzers - so praktisch auch - stelle ich immer öfters fest.

Mit Internetproblemen kämpfe ich seit Mittag auch schon die ganze Zeit und schaffe es nun endlich wieder ans Netz zu gehen.

Adresse kommt gleich...

Als letale Dosis las ich etwas von ~35mg/kg. Im Hamerslag fand ich auch nur eher allgemeinen Text zur Gruppe.

Soll ja wirklich nicht die große Extraktion werden - einige Kristallkrümel zum Abschmelzen in der Ampulle (wie z.B. beim Piperin u.a.) zur späteren Betrachtung reichen ja schon.
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Alt 14.05.2009, 15:32   #9   Druckbare Version zeigen
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AW: Chelidonin aus Schöllkraut

Danke allen für die Antworten und umfassenden Infos!
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Alt 16.06.2009, 13:38   #10   Druckbare Version zeigen
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AW: Chelidonin aus Schöllkraut

Zitat:
Ich soll in meinem OC-Praktikum auch einen Naturstoff extrahieren und mich würde interessieren wie genau du das jetzt hingekriegt hast, falls du es hingekriegt hast^^ Aber da du nichts weiter geantwortet hast, gehe ich mal davon aus...
Da dies nicht ganz so hingenommen werden soll, mache ich mir nach langer Zeit einmal die Mühe für reichlich Text...

Da es hier auch immer wieder Fragen nach - in Grundpraktika nicht so allgemein üblichen Vorschriften und deren 'langweiligen Präparaten' mit teils untauglichen Ideen gibt, die leider oft in Richtung Betäubungsmittel gehen, bringe ich hier einfach eine kleine Alternative.
Chelidonin ist ein Mitosegift aber schwächer als das stark giftige Colchicin – soll gegen Fieberblasen an den Lippen(Herpes labialis) wirken.

Nach der Durchsicht einiger alter Schriften und neuerer Werke habe ich mit Interesse von den verdienten Herren Selle, Henschke, Tyrer und König gelesen, die sich schon früh experimentell mit Chelidoniumbasen beschäftigt haben. Ein Herr Dr.Wintgen hat etwas später diese Arbeiten aufgegriffen und selbst Extraktions- und Fällungsversuche unternommen.

Dabei wurde vor allem untersucht, welche Säuren und Basen die besten Ergebnisse und höchsten Ausbeuten liefern. Teilweise kamen sogar kostbare Gold- und Platinsalze als Fällungsmittel zum Einsatz.

Jedenfalls erwies sich offenbar die klassische Säure-Basen-Extraktion als am besten geeigneten wobei neben zahlreichen org. bzw. anorg. Säuren 10%ige HCl, und 1 N NaOH der Vorzug eingeräumt wurde.

Soweit ich dies richtig runtergerechnet habe, geht der Vorgenannte von einem Extraktionsverhältnis von 2g Schöllkrautwurzel auf 20ml ~10%iger HCl aus.

Dieser Ansatz wurde demnach 3h unter Rückfluss gekocht, abfiltriert und das Prozedere noch 2 Mal wiederholt. Im Anschluss wurde der Rückstand noch 4 Mal mit jeweils 10ml 10%iger HCl je 1 Stunde ausgekocht, und die vereinigten Filtrate unter Vakuum auf ca. 40% Volumen eingeengt.
Der eingeengte Extrakt wurde dann mit 2 N NaOH deutlich alkalisch gemacht und im Scheidetrichter 3 Mal mit je 20ml Chloroform ausgeschüttelt.

Da es hier um keine kostbaren Substanzen geht die nicht vollständig abgeschöpft werden soll, habe ich einmal eine kleine Vorprobe mit geänderten Vorgaben gemacht.

Diese 'Anleitung' stelle ich hier nun gerne zur Verfügung und hoffe ein künftiger Praktikant findet damit die nötigen Anregungen zu eigenen Überlegungen und Versuchen.

Chelidonin aus Schöllkrautwurzeln

In einem 500ml Stehkolben werden 240ml ~10%ige HCl vorgelegt und über einen Pulvertrichter werden die 23,2g fein gemahlenen Schöllkrautwurzeln aus der Waagschale überführt.
Der Ansatz wird am Magnetrührer eine Stunde lang unter Rückfluss am gelinden Sieden gehalten und dann heiß über einen Schwarzbandfilter filtriert. Der Filterkuchen wird mit weiteren 240ml HCl wieder in den Kolben gespült und in der vorgenannten Weise insgesamt so 3 Mal ausgekocht.

Das an dieser Stelle nun übliche Ausschütteln mit einem org. LM zur Abtrennung unerwünschter lipophiler Substanzen habe ich nicht gemacht da eine spätere Aufreinigung ohnehin ansteht.

Das Einengen mangels Rotavapor konnte ich nur mittels einfacher Brücke bei Normaldruck realisieren – ging dafür aber nur bis auf ein Volumen von knapp 50% des ursprünglichen Extrakvolumens.

Es folgt die Alkalisierung mit von mir freimütig erhöhter Laugenkonzentration nämlich 10 N NaOH bis auf einen pH-Wert von ca.12 -13. Dann wurde die Mischung über Nacht im Kühlschrank gelagert.

Statt des widerlichen Chloroforms setze ich alternativ gerne Ether ein, was aber in diesem Fall praktisch keinen Einfluss auf das Ergebnis haben dürfte. Kommt Ether zu Einsatz dann bitte immer an mögliche Peroxide denken und erst prüfen - sowie alle Flammen und Zündquellen löschen!

Der stark basische Extrakt wurde dann in drei Chargen je 3 Mal mit 50ml Ether und 1 Mal mit 30ml Ether ausgeschüttelt. Bei Ether das Hahnküken am Scheidetrichter besonders gut festhalten(
der Kollege nebenan hat selber eins...) und öfters vorsichtig lüften!
Über einen mit dem Extraktionsmittel vorgefeuchteten Papierfilter wird der vereinigte org. Extrakt filtriert und damit die letzten größeren Wassereinschlüsse die aus dem Scheidetrichter mitgerissen wurden, abgetrennt.

Auf dem Wasserbad wird der org. Extrakt dann auf ca. 50ml Gesamtvolumen eingeengt – was bei Ether rasch und bequem klappt(
Vorlage dabei im Eisbad halten).

Leitet man (
aufwändiger in der Durchführung) trockenen Chlorwasserstoff im Überschuss ein, sollte das Hydrochlorid der Alkaloide gleich als kristall. ND ausfallen.

Ich habe dagegen nur 5ml 0,5 N HCl einpipettiert und das Ergebnis sieht dann so wie im Bild unten aus. Im Bild nicht erkennbar ist der winzige, schmutzigweiß gefärbte, feinkörnige ND unter den orange gefärbten Flocken. Wie groß die Ausbeute an Chelidonin letztendlich in Bezug auf die eingesetzte geringe Menge Extraktionsgut ist, kann nur erahnt werden und dürfte max. im einstelligen Milligrammbereich bzw. darunter liegen…

Den Kolben mit dem Rohextrakt und den Etherresten zur späteren Aufarbeitung nicht im Kühlschrank lagern – außer der Schrank ist ‚EX’ – geschützt!

Zur Aufarbeitung des Rohextraktes melde ich mich vielleicht später einmal – vielleicht gibt es da auch schon eine DC mit ‚
Dragendorffs Bestätigung

ALLEN VIEL ERFOLG JEDENFALLS!
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Alt 16.06.2009, 15:26   #11   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: Chelidonin aus Schöllkraut


Referenzmaterial folgt. Bin noch nicht zur Post gekommen

Ich weiss nicht, welches FM Du für die DC genommen hast. Wenn man es so macht, wie im Stahl/Schild für Berberis beschrieben, dann funktioniert es und du bekommst eine saubere Trennung von anderen, in kleinen Mengen vorhandenen Alkaloiden wie z.B. Chelerythrin.

lg
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ricinus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.06.2009, 19:58   #12   Druckbare Version zeigen
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AW: Chelidonin aus Schöllkraut

Zitat:
Zitat von ricinus Beitrag anzeigen
...

Ich weiss nicht, welches FM Du für die DC genommen hast. Wenn man es so macht, wie im Stahl/Schild für Berberis beschrieben, dann funktioniert es und du bekommst eine saubere Trennung von anderen, in kleinen Mengen vorhandenen Alkaloiden wie z.B. Chelerythrin.

lg
Danke für den Tipp - einstweilen noch kein FM. 50 seit Ostern noch verbliebene Laufmeter serbische Fichten einer 'Hecke' wollte ich zuvor noch um 3-4m kürzen, da die 'warme Kompostierung' zur Sommersonnenwende in diesem Jahr noch ein letztes Mal erlaubt ist...
Brauchst Du keinen hübschen Weihnachtsbaum - habe die im Duzend gratis abzugeben!

In den guten Stahl habe ich heute gesehen - Berberin fand ich da aber nicht - nur Barbaloin welches aber mit Alkaloide ja sehr wenig gemein hat.
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Alt 18.06.2009, 21:10   #13   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.863
AW: Chelidonin aus Schöllkraut

Zitat:
Zitat von hw101 Beitrag anzeigen
In den guten Stahl habe ich heute gesehen - Berberin fand ich da aber nicht.
Stimmt auffallend
Ich weiss jetzt, was ich da durcheinandergebracht habe : Berberis ist nicht im Stahl monographiert, dafür aber Chelidonium. Die DC von Berberis habe ich mit dem FM für Chelidonium gemacht, nicht umgekehrt. Eben weil Berberin in beiden Drogen vorkommt. Ist schon etwas her und mein Gedächtnis offenbar nicht mehr so gut...
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