Allgemeine Chemie
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Allgemeine Chemie Fragen zur Chemie, die ihr nicht in eines der Fachforen einordnen könnt, gehören hierher.

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Alt 28.04.2009, 20:08   #1   Druckbare Version zeigen
nadine_s weiblich 
Mitglied
Themenerstellerin
Beiträge: 26
Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Hallo,
kann mir jemand sagen wo ich Informationen über das Verhalten im Gefahrenfall und über die Entsorgung von Chemikalien bekomme?

Liebe Grüße
Nadine
nadine_s ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 28.04.2009, 20:10   #2   Druckbare Version zeigen
Joern87 Männlich
Mitglied
Beiträge: 7.390
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Hast du schonmal einen erste Hilfe Kurs besucht?
__________________
mfg Jörn
Chemiker haben für alles eine Lösung!

Was macht Salz, wenn es pleite ist? Es geht in-Solvenz
Joern87 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.04.2009, 20:11   #3   Druckbare Version zeigen
jag Männlich
Mitglied
Beiträge: 17.611
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Um was für eine Einrichtung handelt es sich denn?

Gruß

jag
jag ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.04.2009, 21:28   #4   Druckbare Version zeigen
nadine_s weiblich 
Mitglied
Themenerstellerin
Beiträge: 26
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Ja, einen erste Hilfe Kurs habe ich schon mal gemacht, allerdings sind wir da nicht so weit ins Detail gegangen.
Ich studiere Chemie und ich soll für sämtliche Chemikalien, die ich benutze, das Verhalten im Gefahrenfall und die Entsorgung genau kennen und in mein Protokoll schreiben.
Dabei reichen die R- und S-Sätze nicht aus, denn die müssen vorher schon alle erwähnt werden.
Ich hab absolut keine Ahnung, was ich da hin schreiben soll.
nadine_s ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.04.2009, 21:45   #5   Druckbare Version zeigen
jag Männlich
Mitglied
Beiträge: 17.611
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Aus den S-Sätzen kann man sich das Verhaten im Gefahrfall ableiten, z. B. bei gasförmigen Giften mit geeignetem Atemschutz arbeiten, Abzug benutzen, bei Unfällen lüften, Verletzten an die Luft bringen etc. Genaueres erfährt man, wenn man die Sicherheitsdatenblätter (SDS oder MSDS) ließt; für zahlreiche Stoffe gibt es diese frei verfügbar im Netz (z. B. Merck ChemDat, alle Hersteller/Vertreiber von Laborchemikalien, GESTIS Datenbank der Berufsgenossenschaft).

In jedem Labor gibt es einen Flucht- und Rettungswegeplan, wo z.B. die Fluchtwege und die Brandschutzeinrichtungen (Wo ist der Brandmelder, wo der (geeignete) Feuerlöscher oder die Löschdecke)beschrieben sind. Wo befindet sich der nächste Erste-Hilfe-Kasten. Auch dies kann man berücksichtigen.

In jedem Labor gibt es spezifische Schutzeinrichungen, z. B. Labordusche, Augenwaschflaschen. Auch diese besonderen Einrichtungen sollte man berücksichtigen.

Bei der Entsorgung kann man beschreiben, in welche Abfallbehltnisse die Abfälle hinein müssen und/oder ob es Möglichkeiten gibt, die Stoffe vorher ungefährlich zu machen.

Die allgemeinen Sicherheitsratsschläge für ein Labor (Schuhwerk, Kleidung, Schutzbrille) erspare ich mir jetzt mal.

Vielleicht mal am Beispiel einer 37%igen HCl alles aufschreiben.

Über diese Themen kann man aber seitenweise Ausführungen machen...

Gruß

jag
jag ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.04.2009, 22:01   #6   Druckbare Version zeigen
zarathustra Männlich
Moderator
Beiträge: 11.536
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Für die Entsorgung einfach mal informieren, wie das bei Euch im Labor geregelt ist. Bei uns trennen wir:

- organische, halogenfreie Kohlenwasserstoffe (z.B. Heptan)
- organische, halogenhaltige Kohlenwasserstoffe (z.B. Chloroform)
- wässrige, saure Schwermetallsalz-Lösungen
- wässrige Säuren und Basen

Dazu kommen ein paar speziellere Sachen wie biologisches Material (das autoklaviert wird), Ethidiumbromid, radioaktiven Abfall usw.

Zitat:
Zitat von nadine_s
Verhalten im Gefahrenfall
Was ist eigentlich ein Gefahrenfall? Wenn eine Substanz ausläuft? Und wenn ja, in welchen Mengen? Ein paar Tropfen Schwefelsäure kann man auch noch mit einem nassen Papiertuch aufwischen. Wenn Dir eine Flasche mit 2.5 Litern konz. Schwefelsäure runterfällt und zerspringt, ist das schon problematischer...
__________________
Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.04.2009, 22:42   #7   Druckbare Version zeigen
nadine_s weiblich 
Mitglied
Themenerstellerin
Beiträge: 26
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Ich denke mit Gefahrenfall ist gemeint, ob man z.B. bei Hautkontakt mit Wasser spülen darf oder beim Verschlucken einer Chemikalie das Erbrechen einleiten sollte...

Vielen Dank für die vielen Antworten!
nadine_s ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.04.2009, 23:00   #8   Druckbare Version zeigen
jag Männlich
Mitglied
Beiträge: 17.611
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Das sind typische Hinweise zur Ersten Hilfe, die sich Gliedern in Einatmen, Verschlucken, Hautkontakt, Augenkontakt. Algemeine Hinweise wären z.B.:

Einatmen. Verletzten sofort in die frische Luft bringen und ggf. stabil lagern. Wenn als Notfallausrüstung vorhanden: Sauerstoff über Maske zuführen. Bei Kreislaufinstabilität Notarzt rufen. Ansonsten nach Bessern der Symtome Notaufnahme aufsuchen.

Bei Hautkontakt gilt eigentlich immer: Mit viel Wasser spülen (ca. 5 bis 10 Minuten kalt fließend), erst danach evtl. erforderlich spezifische Maßnahmen einleiten. Ausnahme: Verätzungen mit HF (Dann sollte Calciumgluconatlösung im Verbandskasten sein). Bei Verätzungen mit potentiellen Spätfolgen während des Spülvorganges zur nächsten Notaufnahme gehen.

Beim Verschlucken: Mundhöhle ein- bis zweimal mir 100 bis 200mL Wasser ausspülen; danach schluckweise 200 bis 300mL Wasser in 1 bis 2 Minuten trinken. Kein Erbrechen auslösen! Ohne ärztliche Anweisung keine spezifischen Antidots oder ähnliches geben.

Augenkontakt: Sofort mit Wasser spülen (Augendusche oder Augenwaschflasche verwenden, es geht auch fließendes Wasser). Unter Spülen (z. B. Spritzflasche) sofort zur Notaufnahme (nicht zum Augenarzt oder Augenklinik).

Immer gilt: Benetzte Kleidung ausziehen (auch an Unterwäsche denken). (Es lohnt sich,Ersatzkleidung für solche Notfäle parat zu haben). Verletzte Person nur in Begleitung zur Notaufnahme (nächstes Krankenhaus mit Notaufnahme muss im Aushang "Erste Hilfe" drin stehen) bringen bzw. beim Notarztwagen abgeben. Nicht zum Betriebsarzt oder sonstigen Arzt gehen, da geht nur unnötig Zeit rauf. Immer genaue Informationen zum Gefahrstoff mitführen, damit der Arzt sich informieren kann.

Bei Verletzungen, die üblicherweise keine wesentlichen Spätfolgen (z.B. Verätzungen unkritischer Hautareale, die nach der ersten Hilfe höchsten gerötetet sind) haben, muss man nicht zur Notaufnahme. Man sollte den Unfall dann aber im Verbandbuch dokumentieren. Augenverletzungen gehören m.E. immer in einer zeitnahe ärtzliche Behandlung sowie alle Lungenverletzungen mit bekanntermaßen lungentoxischen Gasen (Latente toxische Wirkung möglich, z. B. Lungenödem).

Gruß

jag

Geändert von jag (28.04.2009 um 23:11 Uhr)
jag ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.04.2009, 07:40   #9   Druckbare Version zeigen
nadine_s weiblich 
Mitglied
Themenerstellerin
Beiträge: 26
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Vielen Dank für die Antworten.

Liebe Grüße
Nadine
nadine_s ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.04.2009, 08:28   #10   Druckbare Version zeigen
Tobee Männlich
Mitglied
Beiträge: 3.500
Blog-Einträge: 4
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Hallo!


SICHERHEITSDATENBLATT !

Zitat:
Gefahrstoffverordnung §7:
(BGBl. I S. 1246), zuletzt geändert durch Artikel 11 Nr. 20 des Gesetzes vom 30. Juli 2004 (BGBl. I S. 1950), hat der Arbeitgeber zunächst festzustellen, ob die Beschäftigten Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchführen oder ob Gefahrstoffe bei diesen Tätigkeiten entstehen oder freigesetzt werden. Ist dies der Fall, so hat er alle hiervon ausgehenden Gefährdungen für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten unter folgenden Gesichtspunkten zu beurteilen:
1. gefährliche Eigenschaften der Stoffe oder Zubereitungen,
2. Informationen des Herstellers oder Inverkehrbringers zum Gesundheitsschutz und zur Sicherheit insbe-sondere im Sicherheitsdatenblatt nach § 6,
Ob das allerdings für die Uni gilt oder ob man sich daran hält ist die Frage.

Grüße
Tobee ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.04.2009, 09:47   #11   Druckbare Version zeigen
ehemaliges Mitglied  
nicht mehr Mitglied
Beiträge: n/a
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Hallo

mit http://www.eusdb.de/index.php findet man (fast) alle Sicherheitsdatenblätter.
Gruß
  Mit Zitat antworten
Alt 29.04.2009, 10:26   #12   Druckbare Version zeigen
jag Männlich
Mitglied
Beiträge: 17.611
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Ob das allerdings für die Uni gilt oder ob man sich daran hält ist die Frage.

Naja, ein Student ist a priori kein Arbeitnehmer. Daher gelten die gesetzlichen Regelungen dort nicht bzw. eingeschränkt. Und dann gibt es die Ausnahmen für Forschungslaboratorien. Kompliziert wirds, wenn keine Sicherheitsdatenblätter vorhanden sind.

Eine "Gefährdungsbeurteilung" mit den erforderlichen Betriebsanweisungen müsste aber (theoretisch) da sein, da ja die Assis Arbeitnehmer sind...

Komplex das Thema.

Gruß

jag
jag ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.04.2009, 10:51   #13   Druckbare Version zeigen
Tiefflieger Männlich
Moderator
Beiträge: 5.444
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Zitat:
Zitat von jag Beitrag anzeigen
...Naja, ein Student ist a priori kein Arbeitnehmer. Daher gelten die gesetzlichen Regelungen dort nicht bzw. eingeschränkt. ...
Das ist definitiv falsch, siehe GefStoffV
§3 Begriffsbestimmungen
...
(5) Dem "Arbeitgeber" stehen der Unternehmer ohne Beschäftigte sowie der Auftraggeber und Zwischenmeister im Sinne des Heimarbeitsgesetzes gleich. Den "Beschäftigten" stehen die in Heimarbeit Beschäftigten sowie Schüler, Studenten und sonstige Personen, insbesondere an wissenschaftlichen Einrichtungen Tätige, die Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchführen, gleich. Für Schüler und Studenten gelten die Regelungen dieser Verordnung über die Beteiligung der Personalvertretungen nicht. Wird in dieser Verordnung die männliche Sprachform verwendet, so gilt die weibliche Sprachform als mit erfasst.

Auch wenn das so manche Hochschule nicht einsehen möchte ist somit die Gefahrstoffverordnung auch für Studenten gültig.
=> Betriebsanweisungen müssen zugänglich sein und vorliegen.
Zugang zu Sicherheitsdatenblättern ist zu gewähren. usw.



Nachtrag: Wohin ist mein Beitrag verschwunden, den ich heute Morgen zu diesem Thema verfasst habe?
__________________
Vernünftig ist, dass die politischen Spitzen, wenn sie miteinander sprechen, darüber sprechen, wie mit der Sache umzugehen ist, wie ernst Vorwürfe zu nehmen sind und wie man damit umgeht, Vorwürfe zu besprechen, zu klären, zu verifizieren oder aus der Welt zu schaffen. (2013 Regierungssprecher Seibert)
Tiefflieger ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.04.2009, 10:57   #14   Druckbare Version zeigen
Tobee Männlich
Mitglied
Beiträge: 3.500
Blog-Einträge: 4
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Hallo!


Wenn was Schlimmeres passiert, wird man höchstwahrscheinlich einen Verantwortlichen finden.

Wer ist der "Betriebsleiter"?

Man könnte schriftlich nach dem Verantwortlichen fragen und auf die Verordnung hinweisen. Diese Vorgehensweise führt bei uns in den Betrieben in der Regel schnell zur Nachfrage nach Hilfe zur Gefährdungsbeurteilung der Gefahrstoffe. Allerdngs sollte bei euch im Labor die Fachkenntnis dazu vorhanden sein.

Grüße
Tobee ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.04.2009, 11:15   #15   Druckbare Version zeigen
jag Männlich
Mitglied
Beiträge: 17.611
AW: Verhalten im Gefahrenfall und Entsorgung

Stimmt. Hab ich als Praktiker übersehen. Jetzt gehts in die Feinheiten, insbesondere Begriffsbestimmungen und Ausführungsinterpretationen, des Gefahrstoffsrechts und deren praktischer Umsetzung. Das geht über die Intention des Themenerstellers hinaus.

Der Verantwortlich einer Hochschule ist im Zweifel der höchste Verwaltungsbeamte (im weiteren Zweifel der zuständige Minister), der müsste vor der Duchführung von Praktika eine nach den Vorschriften der GefStoffVO und anderer Arbeitsschutzgesetze definierte Gefährdungsermittlung durchführen, eine normiert gestaltete Betriebsanweisung erstellen und eine Unterweisung durchführen.

Und genau da wird es dann komplex, weil andere Arbeitsschutzbestimmungen den Gültigkeitsbereich nicht auf Schüler und Studenten ausdehnen. Deshalb wird zuweilen auch die Anwendbarkeit der GefStoffVO wegen der juristischen Hierarchie gegenüber Gesetzen in Teilen diskutiert.

Gruß

jag

P.S.: Buchstabengetreue Umsetzung der Arbeitsschutzvorschriften an der Uni bedeuted praktisch die Unmöglichkeit der chemischen (Grundlagen-) Forschung.

P.P.S.: "schriftlich anfragen" - Immer dran denken, man möchte ja auch noch seinen Praktikumsschein erhalten...

Geändert von jag (29.04.2009 um 11:28 Uhr)
jag ist offline   Mit Zitat antworten
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