Allgemeine Chemie
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Alt 25.01.2008, 17:53   #1   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Themenersteller
Beiträge: 23.863
Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Hallo

ich habe Flussediment untersucht, das aus mit Antimon kontaminierten Bächen stammt. Die Ursache der Kontamination liegt darin, dass Abwasser aus einer Antimonmine sich unbehandelt in diese Bäche ergiesst.

Der Gehalt an Gesamtantimon im Sediment ist stark korreliert mit dem Gehalt an Blei und dem Gehalt an Aluminium. Der Gehalt an Al beträgt i.d.R. mehrere hundert ppm, der Gehalt an Pb wenige ppm bzw noch weniger, Sb ebenfalls in der Grössenordnung von einigen ppm.

Die Mine selbst enthält keinerlei Pb- Minerale, sondern praktisch reines Sb2S3 als Gangfüllung in Schiefergestein. Zwischen Sb und Fe und Mn gibt es keinerlei Korrelation (was ich eher erwartet hätte, da bekannt ist, dass Sb vornehmlich an amorphe Fe und Mn Oxidhydrate adsorbiert wird).
Nun meine Frage : warum Korrelation ausgerechnet mit Pb und Al ? Die Elemente Sb, Pb und Al unterscheiden sich doch ziemlich in ihrer Mobilität in der Umwelt.

lg
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"Old geochemists never die, they merely reach equilibrium." (Antonio C. Lasaga ?)
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Alt 27.01.2008, 13:12   #2   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Themenersteller
Beiträge: 23.863
AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Ich habe jetzt zumindest mal herausgefunden, dass jemand einen ähnlichen Befund in Bodenproben publiziert hat (starke Korrelation zwischen Sb und Al) :

Sterckeman et al. (2004) Appl. Geochem. 19, 89-103

Eine Erklärung für diese Beobachtung liefert aber auch dieses Paper nicht

lg
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Alt 28.01.2008, 09:54   #3   Druckbare Version zeigen
bahrmann  
Mitglied
Beiträge: 40
AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Hallo ricinus,

leider messen wir Sb erst seit 2 Jahren routinemäßig in unseren Bodenproben (Rheinland-Pfalz). Daher haben wir noch keine ausreichende statistische Basis um abgesicherte Aussagen über geogene Hintergrundgehalte und die typischen Korrelationen zwischen bodenphysikalischen und bodenchemischen Parametern machen zu können.
Der Startschuss für unsere Sb-Analytik war ein Alt-Bergbaugebiet (Mittelalter) in unserem Bundesland, in dem der Verdacht der Grund- und Oberflächenbelastung durch die Abraumhalden bestand. Es hat sich jedoch gezeigt, dass speziell Sb hier unbedeutend war. Eine zusätzlich vergebene Diplomarbeit hat hier auch keine wesentlichen Erkenntnisse gebracht. Die Korrelationen war allgemein schwach.
Wir untersuchen unsere Bodenproben i. A. mit 2 Extraktionsmethoden: Die mobilisierbaren Anteile mit NH4NO3-Extraktion und die "quasi-Gesamtgehalte" mit Königswasserextraktion. Weitere Abstufungen oder Speziesbestimmung machen wir nur sehr selten. Da ich weiß, dass du so etwas machst, wäre meine Frage, wie du deine Gehalte bestimmt hast, die du in Korrelation setzt.
Meine Idee/Frage ist: Wenn es sich um eine sulfidische Vererzung handelt, welches ist dann die richtige Extraktionsmethode? Bzw. in welcher Form werden die Sb-haltigen Abwässer eingeleitet? Stammen die Al- und Pb-Anteile, die du gefunden hast aus dem selben Ausgangsmaterial? Kann es tatsächlich zu der von dir erwarteten Absorption kommen oder sind die Plätze schon lange belegt. Für Al zumindest würde ich erwarten, dass es in einem Fließgewässer mit stark wechseldem Redoxpotential chemisch recht aktiv ist, indem es zunächst gelöst wird und dann wieder Hydroxide, Silikate und andere Mischformen bildet. Dabei kann es gerne mal ein Sb mit einbauen.
Du könntest mal stromaufwärts oberhalb der Einleitung die Varabilität und die Bindungsformen der potentiellen und der gefundenen Korrelationspartener sowohl im Wasser als auch in Schichten des Sedimentkörpers untersuchen. Ganz wichtig: Ich würde bei solchen Untersuchungen auch immer die Korngrößenverteilung der Sedimentproben berücksichtigen. Noch besser wäre natürlich die Tonmineralzusammensetzung.
Wenn du die Mittel und die Möglichkeiten hast, könntest du auch eigene Versuche anstellen, indem du unbelastete Sedimene nimmst und sie mit Sb in der Form wie es aus der Mine kommt kontaminierst. Danach könnte man mit Speziesbestimmung die tatsächlichen Bindungspartener feststellen.
Die Form in der wir mit Korngrößenanalytik, NH4NO3- und KöWa-Extraktion solche Fragestellungen angehen, ist immer nur ein Vergleich von Summenparametern. Solche Summenparameter sind manchmal sehr hilfreich, um extrem komplexe Vorgänge in der Natur zu erfassen. Ob sie für spezielle, kleinräumige Fragestellungen immer geeignet sind, wage ich zu bezweifeln.

P.S. Wenn du im deutschsprachigen google "Sb Antimon hintergrund geogen" eingibst, bekommst du einige Treffer, die auch Schiefervererzungen behandeln.

Ich freue mich auf eine spannende Diskussion,
Peter
bahrmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.01.2008, 12:13   #4   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Themenersteller
Beiträge: 23.863
AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Korngrössenanalyse u dgl fällt leider flach, weil nur sehr sehr wenig Material zu finden ist. Es handelt sich um Bäche mit starkem Gefälle, die sehr schnell fliessen. Daher wurde für die Extrakion die gesamte Fraktion unter 0,5 mm genommen. Das angewandte Schema ist das der BCR Extraktion (1. Fraktion Essigsäure, 2. Fraktion Hydroxylammoniumchlorid, 3.Fraktion H2O2, die 4. (Residual-)Fraktion wurde nur ausgewogen und aufbewahrt, aber nicht weiter analysiert). Die Gehalte, die für die Korrelation herangezogen worden sind, sind die Summen aus den 3 Fraktionen. Sowohl Sb als auch Al sind zum allergrössten Teil in der Fraktion 2 angereichert. Die Sb Gehalte in den einzelnen Fraktionen wurden polarographisch bestimmt, die Al Gehalte mittels ICP.
Sb Gehalte im Sediment 0.x bis max. 5 ppm. Ich habe einen ausgedehnten Literaturvergleich gemacht, mit meinen Gehalten liege ich im unteren Bereich für kontaminierte Sedimente. Die Al Gehalte streuen von ein paar hundert bis zu über 2000 ppm.

Die Korrelation Sb:Al ist wirklich sehr deutlich (r ca 0.98)

Zur Form der Einleitung. Das Grubenabwasser ist sehr leicht basisch mit einem pH zwischen 7 und 8 und ist gut gepuffert und oxisch. Unter diesen Bedingungen überwiegt Sb(V) in Form von [Sb(OH)6]- neben wenig Sb(III) in Form von Sb(OH)3. Der Gesamtgehalt an Sb am Einleitungsort liegt bei 0.5-1 ppm. Der Bach führt allerdings schon flussaufwärts vom Einleitungsort ein wenig Sb (ein paar ppb), wahrscheinlich weil sich die Sb Mineralisation bis ins Einzugsgebiet hin erstreckt und Abraum aus der Mine bis in dieses Gebiet hin verstreut ist.
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Geändert von ricinus (28.01.2008 um 12:31 Uhr)
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Alt 28.01.2008, 12:32   #5   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
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AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Hm... die Korrelation mit Al ist mir auch unklar, aber die mit Pb ist ganz einfach darin begründet, daß Pb mit Sb vergesellschaftet. Denk ich mal. Wenn Du jetzt reinen Grauspießglanz in Deiner Mine hast, ist natürlich diese Korrelation nicht gegeben. Das ist aber ja auch recht selten - meistens hat man halt eher mehr Bleiglanz.
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Alt 28.01.2008, 13:24   #6   Druckbare Version zeigen
bahrmann  
Mitglied
Beiträge: 40
AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Zitat:
Zitat von ricinus Beitrag anzeigen
Sb Gehalte im Sediment 0.x bis max. 5 ppm. Ich habe einen ausgedehnten Literaturvergleich gemacht, mit meinen Gehalten liege ich im unteren Bereich für kontaminierte Sedimente.
Sehe ich auch so.

Zitat:
Zitat von ricinus Beitrag anzeigen
Die Al Gehalte streuen von ein paar hundert bis zu über 2000 ppm.
Das ist auch soweit normal. Ohne die Geologie zu kennen, kann ich dazu nichts sagen.

Zitat:
Zitat von ricinus Beitrag anzeigen
Die Korrelation Sb:Al ist wirklich sehr deutlich (r ca 0.98)
Kannst du mal nicht so gut korrelierenden Wertepaare raussuchen? Welche sind das? Solche mit besonders hohen/niedrigen Al-Werten? Oder das gleiche mit Sb?
Ich will damit sagen, auch eine negative Korrelation könnte Hinweise geben.

Zitat:
Zitat von ricinus Beitrag anzeigen
Zur Form der Einleitung. Das Grubenabwasser ist sehr leicht basisch mit einem pH zwischen 7 und 8 und ist gut gepuffert und oxisch. Unter diesen Bedingungen überwiegt Sb(V) in Form von [Sb(OH)6]- neben wenig Sb(III) in Form von Sb(OH)3. Der Gesamtgehalt an Sb am Einleitungsort liegt bei 0.5-1 ppm. Der Bach führt allerdings schon flussaufwärts vom Einleitungsort ein wenig Sb (ein paar ppb), wahrscheinlich weil sich die Sb Mineralisation bis ins Einzugsgebiet hin erstreckt und Abraum aus der Mine bis in dieses Gebiet hin verstreut ist.
Also da kommt wieder meine Idee mit dem Al-Verhalten in einem schnell fließenden Bach ins Spiel. Ich vermute, der Bach ist soweit pH-neutral bis leicht sauer und er hat eine gute Sättigung mit Luft. Wenn er schnell fließt, hat er neben gelösten Ionen auch eine Menge Schwebfracht. Bei genug Energie kann das auch das komplette Sedimentspektrum sein. Das Spektrum wird nahezu perfekt homogenisiert und dispergiert vorliegen.
Wenn nun leicht basisches Grubenwasser eingeleitet wird, können dadurch alle möglichen Al-Verbindungen (Al-Hydroxy-Komplexe, Si-Al-Tonminerale) reagieren. Das Al reagiert dabei immer deutlich schneller als das Silicat. Nach ein paar Metern sinkt der pH-Wert wieder auf normales Bachniveau und es bilden sich wieder die im leicht saueren typischen Si-Al-Ca-Mg-AlOH-AlO Minerale (so was wie Vermiculit). Und darein kann man auch ein paar Sb-Ionen einbauen, wenn sie nur punktuell in ausreichender Konzentration vorliegen. Und genau diese Verbindungen wird dein Stufen-Extraktionsverfahren auch sehr gut aufschließen.

Peter
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Alt 28.01.2008, 16:37   #7   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Themenersteller
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AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Zitat:
Zitat von Tino71 Beitrag anzeigen
Hm... die Korrelation mit Al ist mir auch unklar, aber die mit Pb ist ganz einfach darin begründet, daß Pb mit Sb vergesellschaftet. Denk ich mal. Wenn Du jetzt reinen Grauspießglanz in Deiner Mine hast, ist natürlich diese Korrelation nicht gegeben. Das ist aber ja auch recht selten - meistens hat man halt eher mehr Bleiglanz.
Tja, so einfach ist die Sache leider nicht. Das Grauspiessglanzvorkommen ist nahezu perfekt monomineralisch. Alle Elemente, mit denen Sb normalerweise vergesellschaftet ist, fehlen hier. Es gibt ein klitzekleinbisschen Jamesonit (ein Blei-Fe(II)-Antimonsulfid) aber das ist von verschwindender Bedeutung... Das Grubenwasser führt auch nicht mehr oder weniger Blei als sonst ein Bach in der Umgebung. Jedenfalls gibt meine Mine kein Blei ab.

lg
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Alt 28.01.2008, 16:47   #8   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Themenersteller
Beiträge: 23.863
AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Zitat:
Zitat von bahrmann Beitrag anzeigen
Kannst du mal nicht so gut korrelierenden Wertepaare raussuchen? Welche sind das? Solche mit besonders hohen/niedrigen Al-Werten? Oder das gleiche mit Sb?
Ich will damit sagen, auch eine negative Korrelation könnte Hinweise geben.
Ja, es gibt zwei Wertepaare, die nicht in die Korrelation passen. Das ist zum einen das Sediment aus dem Entwässerungsstollen der Mine selbst. Das fällt aus dem Rahmen, weil die Antimonkonzentration mit 25 ppm sehr hoch ist, und die Al Konzentration besonders niedrig ist (275 ppm). Zum anderen das Sediment aus dem Bach, den das Grubenwasser nach dem Verlassen des Stollens bildet und der durch ein kleines Waldstück fliesst und nach ca 200 m in einen anderen Bach mündet. Dieses Sediment hat immerhin noch 5.8 ppm Sb und 1110 ppm Al.
Beide anomale Sedimente haben also "zuviel" Sb um in die Korrelation zu passen.
Zitat:
Also da kommt wieder meine Idee mit dem Al-Verhalten in einem schnell fließenden Bach ins Spiel. Ich vermute, der Bach ist soweit pH-neutral bis leicht sauer und er hat eine gute Sättigung mit Luft. Wenn er schnell fließt, hat er neben gelösten Ionen auch eine Menge Schwebfracht. Bei genug Energie kann das auch das komplette Sedimentspektrum sein. Das Spektrum wird nahezu perfekt homogenisiert und dispergiert vorliegen.
Wenn nun leicht basisches Grubenwasser eingeleitet wird, können dadurch alle möglichen Al-Verbindungen (Al-Hydroxy-Komplexe, Si-Al-Tonminerale) reagieren. Das Al reagiert dabei immer deutlich schneller als das Silicat. Nach ein paar Metern sinkt der pH-Wert wieder auf normales Bachniveau und es bilden sich wieder die im leicht saueren typischen Si-Al-Ca-Mg-AlOH-AlO Minerale (so was wie Vermiculit). Und darein kann man auch ein paar Sb-Ionen einbauen, wenn sie nur punktuell in ausreichender Konzentration vorliegen. Und genau diese Verbindungen wird dein Stufen-Extraktionsverfahren auch sehr gut aufschließen.
Das heisst, du gehst davon aus, dass sich regelrechte Al Mineralspecies (mit Einbau von Sb) bilden ? Warum wird dann Sb quasi selektiv in die Al-Minerale eingebaut und nicht in Fe oder Mn Species ? Meines Wissens nach ist die Affinität von kolloidalen Fe und Mn Oxidhydraten für Sb grösser als die von Al.

lg
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Alt 28.01.2008, 17:26   #9   Druckbare Version zeigen
bahrmann  
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Beiträge: 40
AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Zitat:
Zitat von ricinus Beitrag anzeigen
Ja, es gibt zwei Wertepaare, die nicht in die Korrelation passen. Das ist zum einen das Sediment aus dem Entwässerungsstollen der Mine selbst. Das fällt aus dem Rahmen, weil die Antimonkonzentration mit 25 ppm sehr hoch ist, und die Al Konzentration besonders niedrig ist (275 ppm). Zum anderen das Sediment aus dem Bach, den das Grubenwasser nach dem Verlassen des Stollens bildet und der durch ein kleines Waldstück fliesst und nach ca 200 m in einen anderen Bach mündet. Dieses Sediment hat immerhin noch 5.8 ppm Sb und 1110 ppm Al.
Beide anomale Sedimente haben also "zuviel" Sb um in die Korrelation zu passen.
OK, mit der Begründung kannst du diese Werte aus der Berechnung nehmen. Damit wärst du dann bei r2=1,0 ?
Zitat:
Zitat von ricinus Beitrag anzeigen
Das heisst, du gehst davon aus, dass sich regelrechte Al Mineralspecies (mit Einbau von Sb) bilden ? Warum wird dann Sb quasi selektiv in die Al-Minerale eingebaut und nicht in Fe oder Mn Species ? Meines Wissens nach ist die Affinität von kolloidalen Fe und Mn Oxidhydraten für Sb grösser als die von Al.
Wenn du das so in der Literatur gefunden hast, werde ich das nicht anzweifeln.

Du hast bisher nicht verraten, wie viel Fe und Mn du in deinen Proben hast (oder ich habe es überlesen). Wenn Al einfach einfach dominiert?
Bei Bodenproben bin ich mir sicher, dass die Mobilität und Verfügbarkeit von Mn bis heute nicht richtig geklärt ist. Die üblichen Abhängikeiten von Korngrößenzusammensatzung, pH-Wert und anderen Haupt- und Spurenbestandteilen funktioniert ziemlich häufig nicht. Wir vermuten, dass ein großer Teil des Mn in organischen Bindungen vorliegt. Diese werden von unseren Extraktionsmethoden zwar ganz gut erfasst, verhalten sich bodenchemisch aber total anders. Wir vermuten einen ziemlich kompakten Kreislauf vom Wurzelraum in die Pflanzen und über die Streu zurück in den mineralischen Oberboden.
Ich habe keine Vorstellung in welcher Form Mn (und auch Fe) in deinem Bach vorliegt, zu dem Zeitpunkt in dem es mit dem Sb in Kontakt kommt.
Hast du denn eine Vorstellung oder Vermutung wo die Kontamination des Sediments mit dem Sb erfolgt? Geschieht dies unmittelbar im Wasser (wie ich es mir mit dem Al vorstelle) oder geschieht das erst später auf dem Bachgrund, wenn das Sediment zum Liegen gekommen ist?
Dabei kommt mir eine Idee: Du hast kolloidale Verteilung ins Spiel gebracht. Und du sagtest, dass es schwierig ist überhaupt Sediment zu finden. Kann es sein, dass der Bach durch seine Fließgeschwindigkeit eine starke Sortierung nach spez. Gewicht vornimmt? Dann hätten die typischen Al-haltigen Partikel des Bachs die selbe Dichte bzw. die selbe Korngröße wie die eingeleiteten Sb-haltigen Partikel bzw. die Partikel, die aus dem basischen Sb-Wasser ausfallen. Nur so'ne Idee.

Peter
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Alt 28.01.2008, 18:44   #10   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Themenersteller
Beiträge: 23.863
AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Zitat:
Zitat von bahrmann Beitrag anzeigen
OK, mit der Begründung kannst du diese Werte aus der Berechnung nehmen. Damit wärst du dann bei r2=1,0 ?
Nein, die beiden hatte ich schon vorher rausgenommen. Dennoch ist r=0.98 mehr als ein Wink mit dem Zaunpfahl, wenn man bedenkt, dass es ja auch noch sowas wie Analysenfehler gibt.
Zitat:
Wenn du das so in der Literatur gefunden hast, werde ich das nicht anzweifeln.
Mein Gott, Literatur ist auch nicht das Evangelium. Man findet halt oft die Angabe, dass Sb(III) in der Reihenfolge MnOOH, FeOOH, AlOOH adsorbiert wird.
Mir fällt grad' auf, dass es da um Sb(III) geht. Ich frage mich, wie die Reihenfolge für Sb(V) aussieht. Aber Sb(V) gibt es fast nichts. Dabei ist das die in der Umwelt relevante weil dominierende Species.

Ich hätte hinzusagen sollen, dass Sb(tot) und Mn(tot) bzw Fe(tot) keine Korrelation ergeben. ABER : Der prozentuale Anteil des Gesamtantimon, das sich in der Fraktion 2 (Hydroxylamin, reduzierbare Fraktion) befindet, korreliert sehr stark mit der Summe Mn+Fe, so dass man davon ausgehen kann, dass wenn denn Sb vorhanden ist, es tatsächlich mehrheitlich an Mn,Fe und Al gebunden ist. Denn auch Al wird in dieser Fraktion angereichert !

Zitat:
Du hast bisher nicht verraten, wie viel Fe und Mn du in deinen Proben hast (oder ich habe es überlesen). Wenn Al einfach einfach dominiert?
Das ist kein Geheimnis. Die Gehalte variieren von 819 ppm Fe (im Bach im Wald) bis zu 2420 ppm. Bei Mn : 700 ppm (wieder der Ausfluss der Mine in den Wald) bis 2120 ppm im Entwässerungsstollen selbst)
Zitat:
Ich habe keine Vorstellung in welcher Form Mn (und auch Fe) in deinem Bach vorliegt, zu dem Zeitpunkt in dem es mit dem Sb in Kontakt kommt.
Hast du denn eine Vorstellung oder Vermutung wo die Kontamination des Sediments mit dem Sb erfolgt? Geschieht dies unmittelbar im Wasser (wie ich es mir mit dem Al vorstelle) oder geschieht das erst später auf dem Bachgrund, wenn das Sediment zum Liegen gekommen ist?
Keine Ahnung !
Zitat:
Dabei kommt mir eine Idee: Du hast kolloidale Verteilung ins Spiel gebracht. Und du sagtest, dass es schwierig ist überhaupt Sediment zu finden. Kann es sein, dass der Bach durch seine Fließgeschwindigkeit eine starke Sortierung nach spez. Gewicht vornimmt? Dann hätten die typischen Al-haltigen Partikel des Bachs die selbe Dichte bzw. die selbe Korngröße wie die eingeleiteten Sb-haltigen Partikel bzw. die Partikel, die aus dem basischen Sb-Wasser ausfallen. Nur so'ne Idee.
Das ist keine dumme Idee. Die Korrelation Al/Sb wäre demnach eine Art "Sortierungsartefakt" ? Nur wie kann ich das weiter ergründen ?

Danke schon mal soweit, deine Beiträge sind von unschätzbarem Wert...
lg
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ricinus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.01.2008, 09:40   #11   Druckbare Version zeigen
bahrmann  
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Beiträge: 40
AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Zitat:
Zitat von ricinus Beitrag anzeigen
Das ist keine dumme Idee. Die Korrelation Al/Sb wäre demnach eine Art "Sortierungsartefakt" ? Nur wie kann ich das weiter ergründen ?
lg
Also ich habe in Bachsedimenten (Bohrkerne) und auch in Böden (Kolluvien) schon oft sehr kleinräumige/feingliedrige Sortierungen gesehen.
Aber wenn es in deinem Bach nur sehr wenig Sediment gibt, ist eine optische Einordnung kaum möglich.
Keine Ahnung wie viel Zeit und welche Mittel/Möglichkeiten du für dieses Projekt hast. Aber mir würden 2 unterschiedliche Ansätze einfallen, die auch noch in andere Richtungen ausbaufähig wären.
1) Der analytische Ansatz: Wenn du zu wenig Material für eine normale Korngrößenanalyse per Sediementationsanalyse (Köhn) hast, könntest du eine Probe wenigstens unter dem Bino sortieren. Ich würde nach Größe und nach Aussehen/Farbe usw. sortieren. So was machen unsere Präparatoren manchmal für Schwermineralanalytik. Reine Geduldsfrage. Sturheit siegt!
Die gewonnenen Fraktionen könntest du wieder chemisch analysieren bzw. sie vorher mineralogisch ansprechen.
2) Der experimentelle Ansatz: Funktioniert nur wenn du offiziellen Zugang zu dem Bach hast. Du könntest an geeigneter Stelle den Bach absperren bzw. umleiten um im Bachbett einen richtigen Aufschluss anzulegen. Da kannst du dann alles ansprechen und umfangreich beproben.
Mit etwas weniger baulichem Aufwand aber mehr Zeiteinsatz könntest du an einer Stelle parallel zum Bach eine Sedimentationsstrecke aufbauen. Du leitest ein Teil des Wasser aus und lässt es durch einen künstlichen Kanal laufen. Am Boden kannst du ein Riffelbrett o. ä. anbringen um Sediemntfraktionen zu sammeln. Am Ende kannst du ein ruhiges Sedimentationsbecken anbringen um die Feinfraktion zu gewinnen. Den Überlauf kann man nochmal durch großflächige Papierfilter leiten. Auch hier würde ich die gewonnenen Fraktionen zunächst optisch/mineralogisch ansprechen und danach aufschließen und analysieren.

Für alle Proben, egal wie sie gewonnen wurden, wäre natürlich auch eine Röntgendiffraktometrie gut, um mehr über die Tonminerale zu erfahren. Aber ich glaube das hatten wir schon mal. Du hast keinen Zugang zu Xdiff, oder?

Peter
bahrmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.01.2008, 16:33   #12   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
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AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Beide Vorschläge sind durchaus praktikabel.
Zitat:
Zitat von bahrmann Beitrag anzeigen
1) Der analytische Ansatz: Wenn du zu wenig Material für eine normale Korngrößenanalyse per Sediementationsanalyse (Köhn) hast, könntest du eine Probe wenigstens unter dem Bino sortieren. Ich würde nach Größe und nach Aussehen/Farbe usw. sortieren. So was machen unsere Präparatoren manchmal für Schwermineralanalytik. Reine Geduldsfrage. Sturheit siegt!
Die gewonnenen Fraktionen könntest du wieder chemisch analysieren bzw. sie vorher mineralogisch ansprechen.
Es gibt ja dann zwei Möglichkeiten : entweder ich finde das Al und das Sb in zwei verschiedenen Fraktionen, oder aber in derselben. Dann müsste man die Fraktionen mineralogisch identifizieren, aber welche Schlussfolgerungen könnten sich daraus ergeben ?
Ausserdem sehe ich da ein praktisches Problem : meine Proben sind allesamt feine braune Pulver, mit dem blossen Auge zumindest kann man keine unterschiedlich gefärbten oder unterschiedlich grosse Teilchen erkennen.
Zitat:
2) Der experimentelle Ansatz: Funktioniert nur wenn du offiziellen Zugang zu dem Bach hast. Du könntest an geeigneter Stelle den Bach absperren bzw. umleiten um im Bachbett einen richtigen Aufschluss anzulegen. Da kannst du dann alles ansprechen und umfangreich beproben.
Was genau meinst du mit "alles ansprechen" - meinst du einfach, dass ich auf dem gesperrtem Abschnitt mehr Material finde und dann wieder ggf unter dem Bino sortiere ?
Zitat:
Für alle Proben, egal wie sie gewonnen wurden, wäre natürlich auch eine Röntgendiffraktometrie gut, um mehr über die Tonminerale zu erfahren. Aber ich glaube das hatten wir schon mal. Du hast keinen Zugang zu Xdiff, oder?

Peter
Mit etwas Glück werde ich demnächst wieder Zugang zur XRD haben, ja.

lg
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ricinus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.01.2008, 16:40   #13   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
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AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Zitat:
Zitat von ricinus Beitrag anzeigen
Zugang zur XRD
*fuchtel*
*wink*
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Tino71 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.01.2008, 16:59   #14   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
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AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Zitat:
Zitat von Tino71 Beitrag anzeigen
*fuchtel*
*wink*
Ist das einladend oder eher abwehrend zu verstehen ?

Ich geh' mal davon aus, du hast auch besseres zu tun, als 20 Sedimentproben zu röntgen...
lg
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ricinus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.01.2008, 17:03   #15   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
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AW: Elementkorrelationen Sb/Pb/Al in Sediment

Pulverproben von luftstabilem Zeug? Das mißt sich doch von selbst... Schick ruhig rüber, wenn Du willst!
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