Lebensmittel- & Haushaltschemie
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Lebensmittel- & Haushaltschemie Zur Lebensmittel- und Haushaltschemie gehören die Herstellung, die Funktion sowie die Ermittlung und Überwachung (un)erwünschter Bestandteile von Lebensmitteln, Kosmetika, Reinigern usw.

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Alt 13.06.2018, 00:04   #1   Druckbare Version zeigen
Aggressionszustand  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 2
Dichtungsring Schaddstofffrei

Hallo, ich bin auf der Suche nach Schadstofffreien Dichtungsringen (O-Ring). Ich will sie für Lebensmittel und medizinische Anwendungen benutzen. Sie kommen in Kontakt mit Lebensmitteln und auch den Atemwegen (Inhalation). Sie werden auch erhitzt, bis ca. 100-130°C. Deshalb ist eine gute Verträglichkeit und Schadstofffreiheit besonders wichtig! Es wäre sehr nett, wenn mich jemand beraten kann, der sich wirklich mit dem Thema auskennt. Ich bin da auf NBR (Acrylnitril-Butadien-Kautschuk) und auf HNBR (Hydrierter Acrylnitrilbutadien-Kautschuk) gestoßen. Leider habe ich bei der Recherche herausgefunden, dass das Acrylinitril sehr giftig sein soll. Wie schätzt Ihr das ein? Desweiteren habe ich noch Dichtungsringe aus Silikon gefunden. Doch dort sind auch einige schädliche Stoffe drinnen. u.a. VOC (Flüchtige organische Verbindungen), oder Zwischenorpdukte von Silikonen wie Dichlordimethylsilan, Trichlormethylsilan, Tetrachlorsilan usw. Da ich mich mit dem Thema nicht so gut auskenne, hoffe ich das mir jemand weiter helfen kann. Gibt es da bessere Alternativen? Wenn nicht, ist das HNBR oder das Silikon unschädlicher? Vielen Dank im Voraus für Eure Hilfe!
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Alt 13.06.2018, 04:56   #2   Druckbare Version zeigen
imalipusram  
Mitglied
Beiträge: 6.483
AW: Dichtungsring Schaddstofffrei

Acrylnitril ist giftig. Solange das Polymer nichts davon abspaltet, isses aber kein Problem. Wichtig ist, daß die Produkte Deiner Sehnsüchte für die beabsichtigten Anwendungen zugelassen sind. -> Am besten beim Hersteller fragen.
__________________
I solemnly swear that I'm up to no good!
伍佰 (WuBai - Run run run!) (ein Musikvideo mit dem Bambushaus und dem imalipusram unter den Statisten)
Noch ein nettes Video (nerdy, ein LIHA-Robot)
Und so gehts hier manchmal zu (sowas Ähnliches wie Fronleichnam, hier wird TuDiGong, dem Erdgott, tüchtig eingeheizt!) Oder so (auch ungeeignet für Gefahrstoffphobiker) und so und so.
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Alt 13.06.2018, 06:06   #3   Druckbare Version zeigen
jag Männlich
Mitglied
Beiträge: 18.068
AW: Dichtungsring Schaddstofffrei

Dichtungen für den lebensmittel bzw. pharmazeutischen Bereich sind entsprechend geprüft und zertifiziert. Sie spalten unter normalen Bedingungen nichts ab und sind eben verträglich. Temperaturen im genannten Bereich dürften kein Problem sein, da sollte man bzgl. der Haltbarkeit mal in die Datenblätter reinschauen.

Polymere enthalten keine der (meist sehr reaktiven) Monomere mehr (Tetrachlorsilan zersetzt sich z.B. in feuchter Luft schon in Sekunden). Die verwendeten Weichmacher (soweit vorhanden) und/oder Additive sind geprüft/zugelassen (also nach heutigen Kriterien in Ordnung).

Für den geannten Zweck sind beide Materialien geeignet.

Gruß

jag
__________________
Die Lösung auf alle Fragen ist "42".
Aus gegebenem Anlass: Alle Rechnungen überprüfen, da keine Gewähr. - Fragen bitte im Forum stellen.
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Alt 13.06.2018, 08:18   #4   Druckbare Version zeigen
Cyrion Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.495
AW: Dichtungsring Schaddstofffrei

Dichtungsringe in Kontakt mit den Atemwegen? Sicher?

Gold sollte relativ verträgich sein.

Davon abgesehen solltest Du für eine derartige Anwendung ausschließlich zertifizierte Wae verwenden. Du gibst dem Hersteller an, was Du machen brauchst (Maße, pH-Bereich, Lösungsmittel, Temperatur, Temperatuurgradienten, Druck etc.) und der Hersteller sagt Dir, was für Dichtungsringe Du über welche Zeiträume nehmen kannst.

Es kann durchaus sein, dass Du je nach Anwendung unterschiedliche Materialien in der Anlage verwenden musst. Evtl. schließen sich sogar gewisse Anwendungen aus.

Alles in allem also nichts für einen Anfänger. Besonders, wenn es nicht für den Eigenbedarf ist.
__________________
Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim: Allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.

Erfahrung: Wenn es so einfach wäre, hätte es schon längst jemand gemacht
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Alt 13.06.2018, 08:43   #5   Druckbare Version zeigen
vincentkafka Männlich
Mitglied
Beiträge: 39
AW: Dichtungsring Schaddstofffrei

Zu dem Thema gibt es Richtlinien und unterschiedliche Anlaufstellen. Auf Seiten der EU und Deutschland, gibt es die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 und die Empfehlungen des Bundesamtes für Risikobewertung. Sie schlagen bzw. geben dir vor, welche Materialen du zur Herstellung von Kunststoffen benutzen darfst, damit diese für Kontakt mit Lebensmittel geeignet sind. Einige Substanzen haben SMLs (Substance Migration Limits), die eine Migrationsgrenze auf die Lebensmittel definieren.

Verordnung (EU) Nr. 10/2011: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32011R0010&from=DE
BfR Kunststoffempfehlungen: https://bfr.ble.de/kse/faces/DBEmpfehlung.jsp

Beide Regulatorien regeln den Einsatz und die Verwendung relativ gut. Was hier die medizinische Seite betrifft, kenne ich mich nicht aus.

Auf der anderen Seite des Atlantiks gibt es die FDA (Food and Drug Administration). Da ist das ganze unübersichtlicher dargestellt, jedoch wird auch der medizinische Bereich abgedeckt.

Medizinischer Bereich: https://www.fda.gov/MedicalDevices/default.htm
Lebensmittelkontakt: https://www.fda.gov/Food/IngredientsPackagingLabeling/PackagingFCS/default.htm


Es muss aber gesagt sein, dass es ohne eine Prüfung in einem dafür akkreditierten Labor sehr schwierig sein wird so ein Produkt an die Leute zu bringen. Schließlich will ja nicht jeder unbedingt Acrylamid an den Pommes haben, aber als Superabsorber am Hintern von Babys wäre das natürlich in Ordnung, falls da was rausmigrieren sollte
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Alt 13.06.2018, 09:29   #6   Druckbare Version zeigen
HansC Männlich
Mitglied
Beiträge: 331
AW: Dichtungsring Schaddstofffrei

Ein sehr sensibles Thema.
In Ergänzung zu Vor-Postings ein paar Hinweise:

Unbedingt lesen, auch wenn die VO 1935/2004 nur ein allgemeiner Rahmen ist:
Verordnung (EG) Nr. 1935/2004, die so genannte Rahmenverordnung.
Web-Seiten:
www.efsa.europa.eu/
www.bfr.bund.de/
Deutschland: „Empfehlungen im Rahmen des Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände und Futtermittelgesetzbuches (LFGB), Datenbank „BfR-Empfehlungen zu Materialien für den Lebensmittelkontakt (ehemals Kunststoff-Empfehlungen)“
Andere EU-Länder haben z.T. zusätzliche Verordnungen.

Verordnung (EU) Nr. 10/2011, Positivliste der Monomeren und Zusatzstoffe fest, die zur Herstellung von Materialien und Gegenständen aus Kunststoff für den Lebensmittelkontakt verwendet werden dürfen.

Das ist ken Freibrief, es gelten noch:
Stoffspezifische Grenzwerte der Migration,
Gesamtmigrationsgrenzwerte
Mengenbeschränkungen im Kunststoff,
sensorische Forderungen

Ist also ein Gebiet für Profis.
Unbedingt:
Am besten einen erfahrenen Kunststoff-/teile-Hersteller aussuchen und dessen Produkte nutzen, möglichst diesen um Meinung fragen zum geplanten Einsatz seiner Produkte.
HansC ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.06.2018, 14:23   #7   Druckbare Version zeigen
Aggressionszustand  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 2
AW: Dichtungsring Schaddstofffrei

Hallo, Danke für Eure ganzen Hinweise und Links! Ihr habt mir sehr weiter geholfen. Ich werde auf die Zertifikate wie FDA usw. achten. Ich denke, damit bin ich auf der sicheren Seite. Nochmals vielen Dank! Noch eine ganz andere Frage: Weiß jemand, warum bei mir die Zeilenumbrüche nicht berücksichtigt werden?
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Stichworte
dichtungsring, nbr, o-ring, schadstoffe, silikon

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