Biologie & Biochemie
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Alt 07.01.2018, 14:04   #1   Druckbare Version zeigen
lisa_ weiblich 
Mitglied
Themenerstellerin
Beiträge: 1
Hypericine

Hi Leute ,
ich wollte mal fragen, wie ich das Hypericin aus dem Johanniskraut isolieren kann. Ich will herausfinden, ob sich der Hypericinanteil bei dem Kraut bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen ändert. Reicht es wenn ich ein Johanniskrautextrakt herstelle und dann mithilfe der Dünnschichtchromatographie schaue, ob es unterschiede gibt (das Hypericin ist ja auch für die rote Farbe verantwortlich)? Oder was wären denn andere Möglichkeiten? Außerdem will ich noch die phototoxische Wirkung zeigen, die ich ja schlecht auf echter Haut zeigen kann ... gäbe es da auch andere Möglichkeiten wie ich das testen könnte?
lisa_ ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.01.2018, 14:27   #2   Druckbare Version zeigen
pleindespoir Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.316
AW: Hypericine

"die phototoxische Wirkung"

ist das nicht ein etwas zu starker Begriff für die extrem seltene Nebenwirkung, die möglicherweise auftritt, nachdem der Proband einen Liter Hypericintinktur auf ex getrunken und sich anschließend 12 Stunden nackt auf einem äquatorialem Strand in der Sonne gebraten hat ?

Mal im Ernst: gibt es eine überzeugende Studie, welche die Photosensibilität der menschlichen Haut auf Hypericin nachweist?
__________________
Schach is voll langweilig:
Immer die gleiche Map und die Charakter kann man auch nicht modden.
pleindespoir ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.01.2018, 20:29   #3   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.613
AW: Hypericine

Zitat:
Zitat von pleindespoir Beitrag anzeigen
Mal im Ernst: gibt es eine überzeugende Studie, welche die Photosensibilität der menschlichen Haut auf Hypericin nachweist?
Ich glaube nicht, dass man das systematisch an Menschen getestet hat, aber wenn man Hyperizismus bei Tieren beobachtet hat, Phototoxizität in diversen Zellmodellen und Versuchstieren beobachten kann, dann sollte man mit dem Zeug halt vorsichtig sein.

Zitat:
Zitat von lisa_
Reicht es wenn ich ein Johanniskrautextrakt herstelle und dann mithilfe der Dünnschichtchromatographie schaue, ob es unterschiede gibt (das Hypericin ist ja auch für die rote Farbe verantwortlich)? Oder was wären denn andere Möglichkeiten?
Theoretisch könnte es hier sein, die Dünnschichtchromatographie-Platte quantitativ auszuwerten. Ich bezweifle allerdings, dass dir das ohne Anleitung und Erfahrung gelingen wird.

Da Hypericin rot ist, liegt eine photometrische Messung nah. Das Problem, wie auch bei der DC ist allerdings, dass du wirklich alles an Hypericin aus dem Pflanzenmaterial extrahieren musst und die Probe dann sauber/klar gekommen musst. Dazu findest du hier eine Anleitung:
http://www.chemieonline.de/forum/showthread.php?t=193191
Schwierig dabei ist, dass sich die Absorptionseigenschaften von Hypericin deutlich unterscheiden, wenn du bspw. unterschiedliche Wasser/Methanol-Gemische vergleichst.

Zitat:
Zitat von lisa_
Ich will herausfinden, ob sich der Hypericinanteil bei dem Kraut bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen ändert.
Was ist denn deine Hypothese, wie der Effekt auf die Hypericin-Biosynthese ist? Hast du denn tatsächlich größere Mengen an Johanniskraut-Pflanzen und die Möglichkeit, diese über längere Zeit unter unterschiedlichen, definierten Lichtbedingungen zu halten? Denk daran, dass du mehrere Proben machen müsstest, also mindestens 3-4 Pflanzen pro Bedingung halten und analysieren müsstest. Wie groß erwartest du denn den Unterschied in der Hypericin-Konzentration und wie genau meinst du, bekommst du die Analytik hin?
__________________
Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.01.2018, 22:33   #4   Druckbare Version zeigen
pleindespoir Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.316
AW: Hypericine

Zitat:
Zitat von zarathustra Beitrag anzeigen
sollte man mit dem Zeug halt vorsichtig sein.
Es gibt keine belastbare Studie bezüglich der "phytotoxischen Wirkung". Es dürfte auch nicht zu den Weltneuheiten zählen, dass biochemische Prozesse im Reagenzglas oder an Tieren nicht unmittelbar auf den Menschen übertragbar sind. Die menschliche Haut ist ja nun wohl kaum mit der eines Schweines oder Nacktmulls zu vergleichen.

Hypericismus tritt bei Weidetieren auf, die entsprechende Pflanzen tonnenweise unkontrolliert in sich hineinfressen und ununterbrochen unbekleidet in der Sonne stehen.

Eine Auswirkung beim Menschen ist vielmehr tradiert, als wissenschaftlich beweisen. Etwa wie das Eisen im Spinat, weil vor siebzig Jahren ein Gärtner seine Hacke im Beet hat liegenlassen, die dort verrostet ist und generationenlang für das Gerücht gesorgt hat, im Spinat sei besonders viel Eisen.

Insbesondere unter Betrachtung der derben Nebenwirkungen chemischer-industrieller Antidepressiva dürfte ein Sonnenbrand bei phytotherapeutischer Behandlung durchaus zu "verschmerzen" sein - so er denn überhaupt auftritt. Heutzutage schmiert sich ja fast jeder Lichtschutzfaktor 99 in die Visage, sobald die Wolkendecke leicht ausdünnt.

Ich will aber nicht sagen, dass Hyperici keinerlei Auswirkung auf die Prozesse der menschlichen Haut bezüglich der Lichtverwertung hat. Eine "Nebenwirkung" ist die Steigerung der Vitamin-D-Produktion, die wiederum einen positiven Effekt auf die Stimmungslage haben kann.

Wichtig ist bei allen Therapien (egal ob psychisch oder physisch; ob Mensch oder Tier) die kontinuierliche Beobachtung und kontrollierte Verabreichung. Völlig kontraproduktiv ist es eine sinnlose Panik vor einer Nebenwirkung aufzubauen, die noch nie in einem wissenschaftlich kontrolliertem Verfahren festgestellt wurde.
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pleindespoir ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.01.2018, 22:47   #5   Druckbare Version zeigen
cg Männlich
Mitglied
Beiträge: 1.264
AW: Hypericine

Hi Lisa,

mehrfach habe ich schon Johanniskraut klassisch mit Olivenöl an sonnigen Orten digeriert. Es dauert 6 Wochen, bis die Färbung des Öls nicht mehr stärker wird. Dann drücke ich die Pflanzenteile aus und erhalte nach Filtration eine klare Lösung. Ob aus Blütenblättern oder Kelchblättern oder von verschiedenen Standorten oder von verschiedenen Böden in etwa gleich stark gefärbt. Da Johanniskraut nur an sonnigen Standorten gut gedeiht wirst Du vermutlich nur unwesentliche Unterschiede feststellen können.
Phototoxizität konnte ich nicht beobachten. Allerdings verwende ich es nur äußerlich bei leichtem Sonnenbrand und wunden Nasenflügeln bei Schnupfen. So eine einzige Stichprobe bedeutet jedoch gar nichts. Aussagekräftige Kohortenstudien erfordern ärztliche Begleitung.

Freundliche Grüße und alles Gute im neuen Jahr
cg
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Alt 07.01.2018, 22:53   #6   Druckbare Version zeigen
cg Männlich
Mitglied
Beiträge: 1.264
AW: Hypericine

Hi pleindespoir,

es war keine liegengebliebene Hacke im Spinat - es war ein Analysefehler, der zu dem viel zitierten Ergebnis führte.

Freundliche Grüße und alles Gute im neuen Jahr
cg
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Alt 07.01.2018, 23:03   #7   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.613
AW: Hypericine

Zitat:
Zitat von pleindespoir Beitrag anzeigen
Es gibt keine belastbare Studie bezüglich der "phytotoxischen Wirkung". Es dürfte auch nicht zu den Weltneuheiten zählen, dass biochemische Prozesse im Reagenzglas oder an Tieren nicht unmittelbar auf den Menschen übertragbar sind. Die menschliche Haut ist ja nun wohl kaum mit der eines Schweines oder Nacktmulls zu vergleichen.
Das ist aber natürlich ein Todschlagargument, zumal wohl niemand das Geld in eine Humanstudie zu Johanniskraut stecken wird. Bestrahlt man Hypericin mit UV-Licht, so entstehen Reaktive Sauerstoffspezies, da düfte es egal sein, ob die Haut einem Menschen, Schwein und Nacktmull gehört.

Zitat:
Zitat von pleindespoir Beitrag anzeigen
Hypericismus tritt bei Weidetieren auf, die entsprechende Pflanzen tonnenweise unkontrolliert in sich hineinfressen und ununterbrochen unbekleidet in der Sonne stehen.
Wobei unsere typischen Weidetiere komplett mit Fell "bekleidet" sind, aber den Punkt mit der aufgenommenen Menge sehe ich absolut so wie du.

Zitat:
Zitat von pleindespoir Beitrag anzeigen
Insbesondere unter Betrachtung der derben Nebenwirkungen chemischer-industrieller Antidepressiva dürfte ein Sonnenbrand bei phytotherapeutischer Behandlung durchaus zu "verschmerzen" sein - so er denn überhaupt auftritt. Heutzutage schmiert sich ja fast jeder Lichtschutzfaktor 99 in die Visage, sobald die Wolkendecke leicht ausdünnt.
Ich bekomme zwar immer die Krise, wenn Leute "pflanzlich" oder "natürlich" synonym für "unschädlich" verwenden und "Chemie" als "gefährlich" ansehen, aber auch hier stimme ich dir völlig zu. Es gibt sicherlich deutlich gefährlichere Antidepressiva und ich sehe Johanniskraut(extrakt) als ein sinnvolles Arzneimittel mit niedrigem Nebenwirkungspotential.

Zitat:
Zitat von pleindespoir Beitrag anzeigen
Eine Auswirkung beim Menschen ist vielmehr tradiert, als wissenschaftlich beweisen.
[...]
Völlig kontraproduktiv ist es eine sinnlose Panik vor einer Nebenwirkung aufzubauen, die noch nie in einem wissenschaftlich kontrolliertem Verfahren festgestellt wurde.
Ich glaube, der große Unterschied in unserer Sichtweise ist einfach, dass ich einen Begriff wie "phototoxisch" gar nicht als negativ und panikmachend ansehe. Eine Substanz wie Hypericin hat zumindest im Tierversuch entsprechende Wirkung und kann prinzipiell auch für photodynamische Therapie eingesetzt werden (ich weiß nicht, wie da der Stand ist), eben aufgrund seiner phototoxischen Wirkung.
Das bedeutet aber nicht, dass Johanniskraut zwangsläufig zu gefährlichen Nebenwirkungen führt, dass man nur noch vollverschleiert rumlaufen kann oder es nicht gut angewendet werden kann.
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Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.01.2018, 17:01   #8   Druckbare Version zeigen
HNIW Männlich
Mitglied
Beiträge: 3.598
AW: Hypericine

Zitat:
Zitat von lisa_ Beitrag anzeigen
... wie ich das Hypericin aus dem Johanniskraut isolieren kann. Ich will herausfinden, ob sich der Hypericinanteil bei dem Kraut bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen ändert. ...
DC und Isolationsverfahren hier, bzw. in der dort (als Fußnoten) angegebenen Originalliteratur:
http://nopr.niscair.res.in/bitstream/123456789/8123/1/NPR%204%285%29%20368-381.pdf
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"Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen."
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HNIW ist offline   Mit Zitat antworten
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Stichworte
hypericine, isolation, johanniskraut, nachweis

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