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Alt 13.04.2019, 18:16   #1   Druckbare Version zeigen
Manuel Jenni Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 9
Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Hallo zusammen,

bin immer noch an der Planung meiner Abschlussarbeit.

Kurze Zusammenfassung: Ich kultiviere Toluol(C7H8)-abbauende Bakterien und möchte prüfen, wie sich die Vermehrung von ebendiesen beschleunigen lässt.
Das mit dem Kultivieren sollte kein grosses Problem darstellen, dafür hab' ich einen bewährten Versuchsaufbau, der funktionieren sollte.

Jetzt stellt sich mir aber die Frage: Welchen Faktor soll ich prüfen, ob er die Vermehrung beschleunigt? Soll ich z.B. bei einer Probe reinen Sauerstoff dazugeben? Eine andere Probe luftdicht verschliessen? Irgendwas mit Stickstoff oder Dünger?

(Die Versuche finden mithilfe einer Anreicherungskultur statt; d.h. ich habe einen Erlenmeyer mit einer flüssigen Probe und da drin ein Reagenzglas mit ein bisschen Toluol drin. Das Reagenzglas hat ein Loch - folglich wird das Toluol in Gasform da durch in den Erlenmeyer gelangen. Erlenmeyer und RGlas sind mit Watte verschlossen. Vielleicht finde ich noch eine Skizze...)

Danke an alle Leser für die Mühe!
Grüsse, Manuel
Manuel Jenni ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 12:35   #2   Druckbare Version zeigen
Fulvenus Männlich
Mitglied
Beiträge: 22.141
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Du weißt,daß es verschiedene Arten von Bakterien gibt,die Toluol abbauen,teils auf verschiedenen metabolischen Wegen?
Zum Wachstum allg mal hier lesen(Material & Methods):
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC92264/ .
Welche Parameter du variieren willst,hängt von dem Ziel deiner Versuche ab.
Was ist der Hintergrund oder die genaue Aufgabenstellung?
Da sollte man vorher recherchieren,was da schon bekannt ist.
Mehr Infos wären hilfreich.

Fulvenus!
Fulvenus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 13:24   #3   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.667
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Im Endeffekt ist das Problem doch, dass du offenbar kein Ziel bzw. keine klare Aufgabenstellung hast.

Das Verfahren zur Anreicherung ist tatsächlich nur eine Anreicherung und keine Isolation der entsprechenden Bakterien. Insofern wäre nach der Anreicherung ein Ausstrichverfahren auf Agar sinnvoll, um nur die betreffenden Bakterien zu isolieren und dann weiter kultivieren zu können.

Hinsichtlich der Fragestellung musst du überlegen, ob du die "Vermehrung" der Bakterien optimieren möchtest oder einen optimalen Toluolabbau haben willst.
Generell kannst du davon ausgehen, dass du deinen Bakterien zumindest eine Kohlenstoffquelle und eine Stickstoffquelle anbieten musst. Zur Isolierung würdest du nur Toluol als Kohlenstoffquelle anbieten, für ein optimales Wachstum der (zuvor isolieren) Bakterien wäre eine andere Kohlenstoffquelle vermutlich hilfreich. Als Stickstoffquellen verwendet man in der Mikrobiologie häufig mit Enzymen "vor-verdaute" Proteine, i.d.R. Tryptone oder Peptone.
Andere Parameter um deine Bakterien glücklich wachsen zu lassen wären die Temperatur und die Durchlüftung. Im Idealfall hast du dafür einen Schüttler bzw. Schüttelinkubator. Die Verwendung von sog. Schikanekolben kann eine noch bessere Durchlüftung und damit besseres Wachstum hervorrufen. Die Frage ist aber auch, was du dafür überhaupt an Geräten zur Verfügung hast.

Grüße,
zarathustra
__________________
Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 13:28   #4   Druckbare Version zeigen
Manuel Jenni Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 9
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Danke für deine Antwort @Fulvenus.

Meine Versuche haben folgenden Hintergrund:
Es findet ja in der Natur ein natürlicher Abbau von Erdöl statt. D.h. bei Oel-Katastrophen setzt nach einer bestimmten Zeit ein (zwar sehr langsamer, aber doch vorhandener) Abbau des ausgetretenen Oels durch Mikroorganismen ein. Diesen Prozess versucht man zu beschleunigen, indem man den Baskterien und Co. irgendwelche Stoffe zusetzt, welche das Wachstum von diesen fördert (/fördern soll).
Diese Situation versuche ich im Labor zu rekonstruieren (Toluol wird aus Erdöl hergestellt) und ich möchte irgendeinen Stoff finden, der das Wachstum irgendwie beschleunigen kann.

Mein Betreuer meinte, dass Toluol v.a. von aeroben Bakterien metabolisiert wird. Dabei wird Toluol zu Benzoesäure und danach zu Brenzkatechin umgewandelt.
In jedem Schritt wird wieder Sauerstoff benötigt - wäre dies einen variierbarer Parameter?

Grüsse
Manuel Jenni ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 14:12   #5   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.667
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Meines Erachtens müsste man zunächst überlegen, was es überhaupt an Strategien gäbe, die realistisch sind.

Natürlich werden Bakterien besser wachsen, wenn man ihnen mehr Nährstoffe und Sauerstoff gibt und das Wachstumsmedium erwärmt. Aber kann man in einem Ökosystem, das nunmal feste Parameter hat, diese verändern? Ist es realistisch, nach einem Tankerunglück die Temperatur der Nordsee um 10°C zu erhöhen? Wäre es praktikabel, eine bessere Durchlüftung hinzubekommen? Wäre es sinnvoll, riesige Mengen Dünger in die Nordsee zu kippen, damit bestimmte Bakterien (und nicht alle anderen) sich besser vermehren können?

Gesellschaftlich wird das vermutlich kaum akzeptiert werden, aber man könnte tatsächlich größere Mengen der entsprechenden Bakterien in Fermentern hochziehen und diese speziell in erdölverseuchte Gebiete einbringen. Dazu müsste man tatsächlich wissen, wie die idealen Wachstumsbedingungen für die jeweiligen Bakterien im Labor sind.

Spannend wäre auch zu wissen, wie genau der Toluol-Abbau in den Bakterien an sich reguliert ist (auch Ebene von Transkriptionsfaktoren). Wichtiger noch wäre, ob es vielleicht Quorum Sensing Systeme gibt, so dass die Bakterien nur ab einer bestimmten Bakteriendichte mit dem Abbau des Toluols beginnen. In der Richtung könnte man dann wirklich überlegen, ob es chemische Substanzen gibt, die den Abbau induzieren können.
__________________
Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 14:14   #6   Druckbare Version zeigen
Manuel Jenni Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 9
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

@zarathustra ich möchte die "Vermehrung" der Bakterien optimieren.
Das mit dem Ausstreichen auf Agar ist eine gute Idee, den sollte ich auch selber herstellen können.
Schüttler und Inkubator sind vorhanden (Schullabor).
Wäre es eine Möglichkeit, zum Beispiel:
- eine Probe über einen längeren Zeitraum schütteln zu lassen
- und eine andere gar nicht
oder
- eine Probe bei Raumtemperatur
- die andere bei 30 Grad C.
- und die andere bei 50 Grad C.
wachsen zu lassen?

Grüsse
Manuel Jenni ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 14:15   #7   Druckbare Version zeigen
imalipusram Männlich
Mitglied
Beiträge: 6.959
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Auf welchem Niveau soll die Studie laufen: Gymnasium/Facharbeit, Dissertation, Hobby/JugendForscht, Industrieprojekt / Startup?
Ich würde nach Möglichkeit mit einem reinen und wenigstens halbwegs charakterisierten Stamm arbeiten und dann nach Cofaktoren suchen, die den Viechern beim Wachsen und bei der Arbeit helfen. Dazu solltest Du ergründen, welche Stoffwechselwege beim Tolualabbau eine Rolle spielen, ob eventuelle Cofaktoren limitierend sein könnten (vielleicht Eisen/Cytochome?) und was die Bakterienfamilie an sich als Futter gerne hat.

Zu untersuchen gibts dann vieles: Sauerstoffpartialdruck, essentielle Aminosäuren etc., Temperatur, pH, Salinität/Osmolarität (zB Kochsalzgehalt). Man kann sich da austoben und Daten ohne Ende generieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang natürlich, zu wissen, was schon bekannt ist.

Für eine praktische Anwendung sollte der einzusetzende Stamm an die am Einsatzort vorherrschenden Bedingungen möglichst gut angepaßt sein und nicht umgekehrt. Dazu macht man Mutations- und Selektionsexperimente sowie gene editing, wenn man glaubt zu wissen, an welchen Schrauben man drehen könnte.

Ist der Approach mit einem Toluoloxidierer gegen oil spills praktikabel? Paßt mE aber gut in das Themengebiet green(er) Chemistry.
__________________
I solemnly swear that I'm up to no good!
伍佰 (WuBai - Run run run!) (ein Musikvideo mit dem Bambushaus und dem imalipusram unter den Statisten)
Noch ein nettes Video (nerdy, ein LIHA-Robot)
Und so gehts hier manchmal zu (sowas Ähnliches wie Fronleichnam, hier wird TuDiGong, dem Erdgott, tüchtig eingeheizt!) Oder so (auch ungeeignet für Gefahrstoffphobiker) und so und so.

Geändert von imalipusram (14.04.2019 um 14:31 Uhr)
imalipusram ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 14:17   #8   Druckbare Version zeigen
Manuel Jenni Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 9
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Das ist meine Abschlussarbeit fürs Gymnasium (sowas muss jeder in der Schweiz machen). Daher Equipment = Schullabor und der Umfang der Arbeit sollte so um die 30 Seiten sein.
Manuel Jenni ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 14:54   #9   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.667
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Zitat:
Zitat von Manuel Jenni Beitrag anzeigen
Das ist meine Abschlussarbeit fürs Gymnasium (sowas muss jeder in der Schweiz machen). Daher Equipment = Schullabor und der Umfang der Arbeit sollte so um die 30 Seiten sein.
Okay, ich bin bisher davon ausgegangen, dass es sich um eine Bachelor- oder Master-Arbeit handelt, zumal du von einem "Betreuer" und "im Labor rekonstruieren" geschrieben hast. Aber dann nehme ich alles zurück, was ich bisher geschrieben habe.

Zitat:
Zitat von Manuel Jenni Beitrag anzeigen
Wäre es eine Möglichkeit, zum Beispiel:
- eine Probe über einen längeren Zeitraum schütteln zu lassen
- und eine andere gar nicht
oder
- eine Probe bei Raumtemperatur
- die andere bei 30 Grad C.
- und die andere bei 50 Grad C.
wachsen zu lassen?
Du brauchst Parameter, die physiologisch sinnvoll sind. Die wenigsten Bakterien überleben bei 50°C, warum also eine solche Temperatur? Ein Bakterium, das bspww. in der Nordsee lebt, wird nie einer solchen Temperatur ausgesetzt sein. Im Labor könntest du Temperaturen wie 15°C, 20°C, 25°C und 30°C austesten. Dafür musst du aber eine Möglochkeit haben, die Bakterien überhaupt wachsen zu lassen und ihr Wachstum zu verfolgen. Und zunächst einmal benötigst du einen sinnvollen Bakterienstamm.

Zitat:
Zitat von imalipusram
Ich würde nach Möglichkeit mit einem reinen und wenigstens halbwegs charakterisierten Stamm arbeiten und dann nach Cofaktoren suchen, die den Viechern beim Wachsen und bei der Arbeit helfen.
Das alleine ist für eine Arbeit in der Schule mehr als ausreichend.
Ich unterrichte gerade u.a. einen Kurs im Jahrgang 11 an einer Schule, bei dem die Schüler erstmal lernen sollten, wie man überhaupt halbwegs steril arbeitet. Danach haben wir verschiedene Mikroorganismen isoliert und mikroskopisch charakterisiert.
Du musst nicht nur einfach einen Agar gießen, sondern dir eine Zusammensetzung raussuchen, den Agar ansetzen (ggf. vorher Substanzen dafür organisieren), sterilisieren, sterilen Arbeiten lernen und dann die Bakterien in ein oder zwei Schritten vereinzeln und wachsen lassen.
Anschließend solltest du zumindest eine Methylenblau-Färbung und Mikroskopie machen, um die Morphologie der Bakterien beschreiben zu können. Ideal wäre eine Gramfärbung, die ist aber nicht ganz einfach und aufgrund der verwendeten Chemikalien zumindest in Deutschland nicht mehr als Schülerversuch erlaubt...
Wenn du anschließend nochmals testest, ob der isolierte Bakterienstamm wirklich in der Lage ist, mit Toluol als einziger Kohlenstoffquelle zu wachsen, hast du eigentlich genug für eine Abschlussarbeit...
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Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 14:58   #10   Druckbare Version zeigen
imalipusram Männlich
Mitglied
Beiträge: 6.959
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Fall PubMed nicht bekannt ist: Eine "unerschöpfliche" Informationsquelle! zB https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=toluene+bacteria
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imalipusram ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 15:30   #11   Druckbare Version zeigen
Manuel Jenni Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 9
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Zitat:
Zitat von zarathustra Beitrag anzeigen
Okay, ich bin bisher davon ausgegangen, dass es sich um eine Bachelor- oder Master-Arbeit handelt, zumal du von einem "Betreuer" und "im Labor rekonstruieren" geschrieben hast.
Oh, da hätte ich mich vielleicht klarer ausdrücken müssen.
Zeitrahmen: Abgabetermin ist Ende Oktober, die Versuche sollten Ende Juli abgeschlossen sein.

Verstehe ich das richtig:
1. Zuerst soll ich einen einzelnen Bakterienstamm aus meiner Wasserprobe (Probe aus dem Klärbecken einer Kläranlage, da haben Vorversuche ergeben, dass solche Bakterien in grosser Zahl dort vorzufinden sind) isolieren. Dies geschieht mithilfe meiner Anreicherungskultur, das mit dem Toluol im RG.
2. Danach übertrage ich diesen Stamm auf meine Agarplatte, welche keine Kohlenstoffquelle enthält (dafür soll ja das Tolol genutzt werden).
3. Diese Agarplatten setze ich dann verschiedenen Faktoren aus, also unterschiedlichen Temperaturen etc.
4. Nach einer bestimmten Zeit färbe ich dann die Bakterien ein und mikroskopiere diese. Dies dient einerseits zur Bestimmung der Anzahl Kolonien (nennt man das so?) und zur Beschreibung der Morphologie (also z.B. Kokken oder so).
5. Im letzten Schritt stelle ich die Platte noch einmal mit Toluol in einen Inkubator (ohne andere C-Quelle) und schaue, ob die Bakterien noch weiter wachsen (quasi als Ueberprüfung).

Könnte das so funktionieren?
Danke vielmals für euer Engagement, hätte nicht damit gerechnet!
Dann setze ich mich jetzt mal an das Proposal...

Grüsse
Manuel Jenni ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 15:49   #12   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.667
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Zitat:
Zitat von Manuel Jenni Beitrag anzeigen
1. Zuerst soll ich einen einzelnen Bakterienstamm aus meiner Wasserprobe (Probe aus dem Klärbecken einer Kläranlage, da haben Vorversuche ergeben, dass solche Bakterien in grosser Zahl dort vorzufinden sind) isolieren. Dies geschieht mithilfe meiner Anreicherungskultur, das mit dem Toluol im RG.
Das ist tatsächlich der erste Schritt. Du isolierst dabei aber keine Toluol-abbauenden Bakterien, sondern reicherst sie nur an. Damit hast du noch keinen Stamm, sondern eine Mischung von möglicherweise unterschiedlichen Bakterien.

[Wichtig: Mit deinem betreuenden Lehrer absprechen, ob Klärwerkswasser überhaupt erlaubt ist für Schülerexperimente. In Deutschland wäre das m.W. verboten, da Fäkalien-haltige Abwässer möglicherweise pathogene Keime enthalten.]

Zitat:
Zitat von Manuel Jenni Beitrag anzeigen
2. Danach übertrage ich diesen Stamm auf meine Agarplatte, welche keine Kohlenstoffquelle enthält (dafür soll ja das Tolol genutzt werden).
Bisher hast du eine wilde Mischung von Bakterien in einer Flüssigkultur. Ziel ist es, einzelne Kolonie zu bekommen. Das kannst du durch Ausstreichen auf einer Agarplatte mit einer Impföse oder Drigalskispatel erreichen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ausstrich_(Mikrobiologie)

Da du nur Toluol-abbauende Bakterien anreichern willst, musst du überlegen, wie du auf der Platte Toluol als Kohlenstoffquelle bereitstellen willst. Toluol löst sich kaum im Wasser, also ggf. als Dampf.

Wenn du einzelne Kolonie hast, würde ich diese nochmals auf eine Agarplatte ausstreichen. Also eine Kolonie mit einer Impföse entnehmen, auf neue Platte ausstreichen, wachsen lassen. Dafür würde ich sicherheitshalber 10-20 Kolonien jeweils auf eine neue Agarplatte ausstreichen. Hier kannst du Toluol oder eine andere Kohlenstoffquelle zugeben.

Zitat:
Zitat von Manuel Jenni Beitrag anzeigen
3. Diese Agarplatten setze ich dann verschiedenen Faktoren aus, also unterschiedlichen Temperaturen etc.
4. Nach einer bestimmten Zeit färbe ich dann die Bakterien ein und mikroskopiere diese. Dies dient einerseits zur Bestimmung der Anzahl Kolonien (nennt man das so?) und zur Beschreibung der Morphologie (also z.B. Kokken oder so).
Würde ich genau umgekehrt machen:
Im Idealfall hast du 10-20 Agarplatten mit Bakterienstämmen. Diese willst du zunächst beschreiben. Also nimmst du etwas Bakterien-Material von der Platte, streichst diese auf einen Objektträger und machst eine Färbung. Dann kannst du mikroskopisch beschreiben, was du siehst (Stäbchenm Kokken etc.) Da macht es sich gut, ein paar Fotos am Mikroskop aufzunehmen, zur Not mit dem Handy.

Anschließend hast du mehrere etwas beschriebene Stämme von Bakterien. Um deren Wachstum zu untersuchen, müsstest du in Flüssigkulturen abeiten und brauchst idealerweise ein Fotometer. Dann kannst du nämlich nach unterschiedlichen Zeitpunkten (z.B. Beginn, 1 h, 2 h, 3 h, 4 h, 6 h, 10 h usw.) Proben nehmen und das Wachstum aufgrund der Absorption bei 600 nm (OD600) verfolgen. Gibt am Ende schöne Wachstumskurven, die du bspw. mit Excel erstellen und in die Arbeit einfügen kannst.
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Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 16:25   #13   Druckbare Version zeigen
imalipusram Männlich
Mitglied
Beiträge: 6.959
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Zitat:
Zitat von Manuel Jenni Beitrag anzeigen
Zeitrahmen: Abgabetermin ist Ende Oktober, die Versuche sollten Ende Juli abgeschlossen sein.
impossible. Das Projekt hat, wenn es sinnvoll sein soll, den Umfang einer Doktorarbeit, also 2-6 Jahre, unter der Voraussetzung daß der Kandidat eine wirkliche Ahnung von Mikrobiologie und wissenschaftlichem Arbeiten hat. Alles andere ist wishful thinking.
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Alt 14.04.2019, 16:35   #14   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.667
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Zitat:
Zitat von imalipusram Beitrag anzeigen
impossible. Das Projekt hat, wenn es sinnvoll sein soll, den Umfang einer Doktorarbeit, also 2-6 Jahre, unter der Voraussetzung daß der Kandidat eine wirkliche Ahnung von Mikrobiologie und wissenschaftlichem Arbeiten hat. Alles andere ist wishful thinking.
Würde ich nicht so kritisch sehen. Es gab vor vielen Jahren mal einen Artikel in einer Biodidaktik-Zeitschrift mit einem erprobten Schulversuch, wie man Toluol-abbauende Bakterien aus Umweltproben anreichern kann. Ich gehe davon aus, dass Manuel diesen Artikel zur Verfügung hat (ich habe meine Kopie irgendwann verbummelt) und das mehr oder weniger nachkochen kann.
Wenn er jetzt noch einen Betreuer hat, der mikrobielles Arbeiten beherrscht, müsste das gut machbar sein.
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zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 17:05   #15   Druckbare Version zeigen
imalipusram Männlich
Mitglied
Beiträge: 6.959
AW: Vermehrung von Toluol-abbauenden Bakterien beschleunigen?

Zitat:
Zitat von zarathustra Beitrag anzeigen
Würde ich nicht so kritisch sehen. Es gab vor vielen Jahren mal einen Artikel in einer Biodidaktik-Zeitschrift mit einem erprobten Schulversuch, wie man Toluol-abbauende Bakterien aus Umweltproben anreichern kann.
Gut, dann hast Du mit etwas Glück irgendein Isolat, vielleicht sogar in Reinkultur. Gut, um ein paar Seiten Text zu produzieren für Deinen KPI und den Deines Supervisors vielleicht, aber ohne wirklichen wissenschaftlichen Wert. Der Spaß fängt danach erst an: Identifizierung und Charakterisierung.
Ich frag mich halt, wie man das Konzept einigermaßen kontrolliert umsetzen will. Mit etwas Glück bekommt man das Toluol im Nährmedium suspendiert, wenn die Konz nicht allzuhoch ist, zB durch den Zusatz von Albumin oder Casein, die binden fast alles. Dann die große Frage, ob das, was wächst, das Toluol überhaupt metabolisiert. Also ein kolorimetrischer Indikator für die Benzoesäure vielleicht. Wenigstens pH. Und wie überprüfen? Dazu brauchst Du ein GC (also Derivatisierung. Diazomethan? an der Schule?), idealerweise mit MS, vielleicht klappts auch direkt mit HPLC. Welche Schule hat das? Und das nötige Kleingeld? Alleine, bis die Methode steht, ist vermutlich Sommer. Ach ja, wie kriegt man das Toluol und die Metaboliten aus der Pampe reproduzierbar raus? Probenvorbereitung hätte ich fast vergessen.

Ich befürchte halt, daß der TES und vielleicht auch sein Betreuer mit großer Euphorie in was reinschlittern, was die Erwartungen nicht erfüllen wird. Und am Ende darf einer den Mist ausbaden. Richtig: Der Schüler, der nicht geliefert hat. Das Ganze ist zwar fürchterlich interessant, aber mE zwei Nummern zu groß für eine Facharbeit.
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Geändert von imalipusram (14.04.2019 um 17:20 Uhr)
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