Allgemeine Chemie
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Alt 15.05.2018, 14:47   #1   Druckbare Version zeigen
Area Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 228
Unbeabsichtigte Freisetzung von TMSH

Hallo alle zusammen,

mir ist heute eine Probe, versetzt mit dem Derivatisierungsreagenz TMSH, beim Transport auf dem Flur runtergefallen. Das Vial ist natürlich sofort zersprungen. Es hat sich weniger als 1 mL der 0.2 M TMSH Lösung in Methanol in dem Vial befunden. Das MeOH ist natürlich sofort verdunstet, ergo müsste das TMSH dann ja als Salz zurückgeblieben sein. Diese kleinen Mengen sieht man natürlich nicht auf dem Boden, aber als Methylierungsmittel sind ja auch die nicht besonders nett. Im Endeffekt habe ich nur die Scherben zusammen gekehrt und das wars. Wie hätte ich mich hier richtig verhalten sollen? Der genaue Ort der Kontaminatioln war nicht auszumachen.

Liebe Grüße
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Alt 15.05.2018, 17:37   #2   Druckbare Version zeigen
Adders Männlich
Mitglied
Beiträge: 469
AW: Unbeabsichtigte Freisetzung von TMSH

Ich kenne die Chemikalie nicht und kann daher nichts zum Saubermachen sagen, aber bei uns werden Chemikalien zwischen Labors zur Sicherheit nur in Eimern transportiert.
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Alt 15.05.2018, 19:57   #3   Druckbare Version zeigen
Fulvenus Männlich
Mitglied
Beiträge: 20.684
AW: Unbeabsichtigte Freisetzung von TMSH

TMSH ist schon recht giftig,auch beim Einatmen oder Hautkontakt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Trimethylsulfoniumhydroxid .
Die hier freigesetzte Menge ist jedoch schon relativ gering,also kein Grund für die Alarmierung von Rettungskräften.
Man hätte hier,unter Verwendung von geeigneter Schutzausrüstung,vorsichtig die Reste mit einem mit verd. Essigsäure getränkten Tuch aufnehmen und die Reste der gezielten Entsorgung zuführen können.
Transport in einem Eimer wäre hier aufgrund der Überdimensionierung sicherlich auch nicht hilfreich gewesen.
In Zukunft ruhig auch für öfter verwendete Chemikalien die Datenblätter wälzen und sich über solche Havarien Gedanken machen.

Fulvenus!
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Alt 15.05.2018, 20:53   #4   Druckbare Version zeigen
Area Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 228
AW: Unbeabsichtigte Freisetzung von TMSH

Moin Moin,

das hat auch schon ordentlich gestunken beim sauber machen. Allerdings glaube ich, dass der Geruch eher von Dimethylsulfid herrührt. TMSH ist ja ein Methylierungsmittel. Die Methylierung läuft insbesondere bei erhöhter Temperatur sehr gut ab, wobei dann Dimethylsulfid freigesetzt wird. Die Angaben im SDS (und auch die von Wikipedia) beziehen sich auf die Lösung in methanol. Daher sind die H- und P-Sätze diejenigen von Methanol. TMSH in reiner Form ist scheinbar gar nicht käuflich und laut ECHA nur hautreizend. TMSH ist ja ein Salz, ergo sollten da ja gar keine Dämpfe auftreten, oder liege ich da falsch? Die Frage ist nur, ob TMSH vielleicht sogar nur in der Lösung in Methanol stabil ist? Irgendeinen Grund muss es ja haben, dass ansonsten keine Daten von TMSH (wie Siedepunkt etc.) zu finden sind? Vielleicht kennt sich da ja einer von euch aus?

Liebe Grüße
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Alt 15.05.2018, 22:19   #5   Druckbare Version zeigen
FK Männlich
Moderator
Beiträge: 61.174
AW: Unbeabsichtigte Freisetzung von TMSH

Das herumliegende TMSH dürfte eher bloß lästig sein wg. Geruchs. Eine Gefahr dürfte es kaum darstellen. Außer, jemand fasst es an und reibt es sich in die Augen.
Die gefährlichen Eigenschaften rühren hauptsächlich vom Methanol her.
Ich schätze, dass der reine Stoff nur wenig stabil ist.

Gruß,
Franz
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Alt 15.05.2018, 22:41   #6   Druckbare Version zeigen
Area Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 228
AW: Unbeabsichtigte Freisetzung von TMSH

Naja, für gewöhnlich sollten Salze als Feststoff ja eher weniger in die Gasphase übergehen und von daher in größerer Entfernung nicht wirklich riechen... keine Ahnung, wie es zu dem Geruch kommt. Ich habe da ja nur eine Vermutung aufgestellt.Die Menge ist mit einigen Milligramm ja ziemlich gering, ergo sieht man das verschüttete TMSH ja gar nicht. Der mL Methanol ist gesundheitlich ja total unbedenklich. Da habe ich im Laufe der Zeit sicherlich schon mehr auf die Hände bekommen Das größere Problem ist wahrscheinlich das verschleppen über die Schuhe etc. in die Büros und co. ... also jedenfalls theoretisch, bei der geringen Menge endet das ja schnell bei einer unendlichen „Verdünnung“.
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Alt 15.05.2018, 23:37   #7   Druckbare Version zeigen
FK Männlich
Moderator
Beiträge: 61.174
AW: Unbeabsichtigte Freisetzung von TMSH

Das Kation und die Hydroxidionen reagieren zu Methanol und Dimethylsulfid. Kein Wunder, dass es möffelt.

Gruß,
Franz
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Alt 16.05.2018, 07:33   #8   Druckbare Version zeigen
jag Männlich
Mitglied
Beiträge: 17.896
AW: Unbeabsichtigte Freisetzung von TMSH

Nichtsdestotrotz sollten für solche Unfallsituationen geeignete Vorschriften/Maßnahmen routinemäßig vorhanden sein. Eine differenzierte Betrachtung ist nämlich nur dann möglich (und sinnvoll), wenn die verursachende Person sehr fachkundig ist.

Im konkreten Fall ist der Vorschlag Behandlung mit Säure (das Reaganz sollte dann schon reagieren) sinnvoll. Ansonsten sind geeignete andere Inaktivierungs- und Reinigungsmaßnahmen nebst einem kleinen Abfallkonzept sinnvoll. Solche kleinen Mengen stellen eigentlich keinen besonders überwachungspflichtigen Müll dar.

Gruß

jag
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Die Lösung auf alle Fragen ist "42".
Aus gegebenem Anlass: Alle Rechnungen überprüfen, da keine Gewähr. - Fragen bitte im Forum stellen.
jag ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.05.2018, 11:09   #9   Druckbare Version zeigen
Lucas76 Männlich
Mitglied
Beiträge: 604
AW: Unbeabsichtigte Freisetzung von TMSH

Ja, der Geruch rührt von abreagiertem TMSH her.
Nach Verdampfen von Methanol wird das TMSH recht schnell mit der Luftfeuchte abreagiert haben.

Wenn nicht jemand in die kleine Methelute-Reagens-Lache getreten ist, oder mit blossen Händen reingegriffen hat, sollte dies kein Problem darstellen.

Natürlich sind Methylierungsreagenzien sehr gesundheitsschädlich (mutagen/kanzerogen aufgrund von DNA- und Protein-Methylierung.
Lucas76 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.05.2018, 17:43   #10   Druckbare Version zeigen
Area Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 228
AW: Unbeabsichtigte Freisetzung von TMSH

Ich dachte, dass TMSH würde sich halt erst pyrolytisch im GC ab 250 °C zersetzen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es auch mit der Luftfeuchte reagiert.

Vielen Dank für deine Antwort!
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