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Schule/Ausbildungs- & Studienwahl Hier könnt ihr euch über verschiedene Möglichkeiten für eure Zukunft erkundigen oder eure Erfahrungen weitergeben.

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Alt 15.10.2017, 22:45   #1   Druckbare Version zeigen
nitinoca Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 13
Selbstständigkeit als Chemiker

Ich denke seit längerem darüber nach, dass ich später unabhängig und frei arbeiten möchte. Dies könnte ich als Freiberufler/Selbstständiger sicher besser als als angestellter Chemiker in der Industrie.
Durch Internetrecherche habe ich erfahren, dass es eine Berufsgruppe gibt die sich Handelschemiker nennt. Diese werden als Freiberufler gelistet. Kann mir jemand sagen ob es sich in der Chemie lohnt selbstständig zu werden und ob dies gut möglich ist? Auch würde ich gerne etwas über den Alltag von selbstständigen Chemikern erfahren.
Momentan studiere ich selbst Chemie.
nitinoca ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2017, 06:00   #2   Druckbare Version zeigen
imalipusram  
Mitglied
Beiträge: 6.303
AW: Selbstständigkeit als Chemiker

Direkt nach dem Abschluß ist schwierig, denke ich, obwohl, wenn man in der Diss zB Analytik gemacht hat (GC, HPLC, MS), kann man natürlich schon auch gleich selber loslegen. Ich halte es aber für recht unsicher, da man doch recht viel investieren muß und auch noch Akkreditierungen und Kunden braucht. Die parasitären Kosten (generelle technische Anforderungen ans Labor, egal, was man macht, Zwangsbeiträge zu IHK, GEZ und BG, Lohnnebenkosten, als Selbständiger in der (gesetzlichen) Krankenversicherung) in Deutschland sind hoch. Und sobald Du einen Investor mit im Boot hast, bist Du auch nicht mehr Dein eigener Herr.

Ich würde lieber erst mal praktische Erfahrungen im Real Life machen wollen und dann mit Unterstützung des Arbeitgebers oder eines guten Kunden ausgründen oder dann selbst loslegen, evtl. zunächst als zweites Standbein.

Ich finde es jedoch gut, sich frühzeitig Gedanken zu machen. Frag mal bei der Uni/der IHK/Gründerzentren an, was die so anbieten an Informationen, Support und Training für Gründer.
__________________
I solemnly swear that I'm up to no good!
伍佰 (WuBai - Run run run!) (ein Musikvideo mit dem Bambushaus und dem imalipusram unter den Statisten)
Noch ein nettes Video (nerdy, ein LIHA-Robot)
Und so gehts hier manchmal zu (sowas Ähnliches wie Fronleichnam, hier wird TuDiGong, dem Erdgott, tüchtig eingeheizt!) Oder so (auch ungeeignet für Gefahrstoffphobiker) und so und so.

Geändert von imalipusram (16.10.2017 um 06:07 Uhr)
imalipusram ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2017, 07:58   #3   Druckbare Version zeigen
jag Männlich
Mitglied
Beiträge: 17.957
AW: Selbstständigkeit als Chemiker

Davon gibt es nicht viele. Ob es sich lohnt (finanziell) ist immer so eine Frage. Man steht in Konkurrenz zu den vielen Institutionen, die Untersuchungen machen (oder zumindest so tun als ob, aber schönen Namen und Zertifikate verteilen) und zu etablierten Laboren (auch Lebensmittelchemiker und die stattlichen Labore, die auch private Aufträge annehmen). Der Markt ist eher begrenzt.

Von 0 anfangen halte ich für ein verwegenes Unterfangen. Man muss schließlich ein gut ausgestattetes Labor einrichten usw. Ausgründen/von Nebenberuflich auf hauptberuflich umstellen wie oben beschrieben ist da eher was.

Gruß

jag
__________________
Die Lösung auf alle Fragen ist "42".
Aus gegebenem Anlass: Alle Rechnungen überprüfen, da keine Gewähr. - Fragen bitte im Forum stellen.
jag ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2017, 11:01   #4   Druckbare Version zeigen
cg Männlich
Mitglied
Beiträge: 1.173
Hi nitinoca,

ja, das erfordert Ideen, Kunden, Mut, Startkapital, Ausdauer und Bescheidenheit. Besuche mal einen Gründerkurs bei der IHK. Erster Spruch des Vortragenden: "In einem Jahr gibt es die Hälfte Ihrer Unternehmungen nicht mehr und in zwei Jahren 3/4." Mit anderen Worten, man muss zwei Jahre durchhalten. Grundsätzlich ist alles doppelt so teuer und aufwändig wie man zunächst annimmt. Die Behörden sind unglaublich träge und abwehrend - Chemie ist was ganz Gefährliches, das wollen wir hier nicht. Die Banken geben keine Kredite und wenn das Startkapital verbraucht ist, weißt Du nicht mehr, wovon Miete, Futter, Versicherungen... bezahlen. Und wenn die Kunden das mitbekommen und Du Pech hast, drücken sie Dich aus wie eine Zitrone.
Durch diese Schule bin ich gegangen und lebe immernoch.
Der iron man ist nach 8 Stunden vorbei - die selbstständigen Chemiker brauchen mehr Kondition und haben weit mehr als drei Disziplinen.

Freundliche Grüße
cg
cg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2017, 12:34   #5   Druckbare Version zeigen
Cyrion Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.284
AW: Selbstständigkeit als Chemiker

Als erstes bräuchtest Du mal eine Idee, die Du auf den Markt werfen willst und die sich von den schon existierenden Ideen ausreichend unterscheidet. Ohne Mittel in einen Verdrängungsmarkt zu gehen halte ich für Harakiri.

Dann brauchst Du ein Konzept, wie Du das finanzieren willst. Und dann einen mit Geld, der das auch finanzieren will.

Als drittes braucht ein Unternehmen 2 Dinge: Einen der das kann, as verkauft werden soll und einen, der es verkaufen kann. Das ist in den seltensten Fällen die gleiche Person.

Um durchzuhalten brauchst Du ohne Ende Ausdauer und musst Deine Person hinten anstellen.

Einfach nur aus dem Gedanken heraus frei arbeiten zu können, sollte man sich nur dann selbständig machen, wenn man das Geld für einen Lebenslange Finanzierung und die Ausrüstung schon hat. Das haben aber wohl die wenigsten.
__________________
Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim: Allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.

Erfahrung: Wenn es so einfach wäre, hätte es schon längst jemand gemacht
Cyrion ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2017, 12:50   #6   Druckbare Version zeigen
chemiewolf Männlich
Mitglied
Beiträge: 21.223
AW: Selbstständigkeit als Chemiker

Zitat:
Zitat von Cyrion Beitrag anzeigen
Einfach nur aus dem Gedanken heraus frei arbeiten zu können, sollte man sich nur dann selbständig machen, wenn man das Geld für einen Lebenslange Finanzierung und die Ausrüstung schon hat. Das haben aber wohl die wenigsten.
dann kann man auch gleich Privatier werden... .
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The State Senate of Illinois yesterday abandoned its Committee on Efficiency and Economy for reasons of 'efficiency and economy'.
De Moines Tribune, 6 February 1955
einfach mal eine Fanta trinken
chemiewolf ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2017, 12:53   #7   Druckbare Version zeigen
imalipusram  
Mitglied
Beiträge: 6.303
AW: Selbstständigkeit als Chemiker

Zitat:
Zitat von Cyrion Beitrag anzeigen
Als erstes bräuchtest Du mal eine Idee, die Du auf den Markt werfen willst und die sich von den schon existierenden Ideen ausreichend unterscheidet. Ohne Mittel in einen Verdrängungsmarkt zu gehen halte ich für Harakiri.
Bettlektüre: Blue Ocean Strategy. Nicht das Maß aller Dinge, sollte man mE jedoch kennen.
https://en.wikipedia.org/wiki/Blue_Ocean_Strategy
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Alt 16.10.2017, 14:11   #8   Druckbare Version zeigen
Cyrion Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.284
AW: Selbstständigkeit als Chemiker

Sorry, Bettlektüre ist seit Jahren Lucky Luke. So 1-5 Seiten vor dem Einschlafen. Zu mehr Hirn und Wachphase reicht es in der Waagerechten nicht.
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Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim: Allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.

Erfahrung: Wenn es so einfach wäre, hätte es schon längst jemand gemacht
Cyrion ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2017, 20:50   #9   Druckbare Version zeigen
kaliumcyanid Männlich
Mitglied
Beiträge: 18.938
AW: Selbstständigkeit als Chemiker

Solange man auf das Geld anderer Menschen angewiesen ist, wird man immer für irgendjemanden arbeiten müssen. Ob man das nun als Arbeitskraft in einer Festanstellung tut oder als Freiberufler ... der Effekt ist der gleiche. Wenn du Geld möchtest, musst du dir von jemandem sagen lassen, was du tun musst. Mag sein, dass man als Selbstständiger dann mit dem Laptop am Strand arbeiten kann, aber trotzdem ist es Arbeit. Und den Aufenthalt am Strand muss man auch erst mal bezahlen.

Ein Verwandter hat sich mit seinem Hobby selbstständig gemacht. Konkret bedeutet das augenscheinlich, selbst und ständig zu arbeiten. Ein Auftrag jagt den nächsten, Arbeit von morgens früh bis abends spät, hohe finanzielle Belastungen, wenig Wochenende/Freizeit. Selbstständig? Ja. Weniger arbeiten? Nein. Frei? Ja. Unabhängig? Nein.

Im Gegensatz dazu für mich als Arbeitnehmer: ich habe eine Arbeit gefunden, die mir Spaß macht und ich muss mich keinen Kunden hinterher rennen. Ich bekomme monatlich Gehalt (auch wichtig: Arbeitgeberbeitrag), unabhängig davon, wie die Auftragslage ist. Wenn ich krank bin, genieße ich als Arbeitnehmer einen recht guten Schutz. 30 Tage bezahlter Urlaub. Arbeitszeit 37,5 Wochenstunden, Gleitzeitausgleich, flexible Arbeitszeit und wenn ich am Abend oder Wochenende nach Hause gehe, kann ich mir sicher sein, mich bis zum nächsten Morgen bzw. Montag nicht mehr mit der Arbeit befassen zu müssen.
Diese Annehmlichkeiten muss man sich als Selbstständiger erst mal erarbeiten.

Tauschen möchte ich mit o.g. Selbstständigkeit auf keinen Fall. Dafür muss man schon der Typ Mensch sein, der das möchte.

Schau dir doch erst mal an, welche Möglichkeiten dir mit dem Ende des Studiums zur Verfügung stehen. Sicherlich gibt es die Möglichkeit, mal ins klassische Arbeitsleben zu schnuppern und zu entscheiden, ob du das möchtest oder nicht.
kaliumcyanid ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2017, 22:44   #10   Druckbare Version zeigen
nitinoca Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 13
AW: Selbstständigkeit als Chemiker

Danke für die netten und sehr ausführlichen Antworten. Noch stehe ich relativ am Anfang meines Studiums, von daher war es für mich auch erst mal eine Interessensfrage. Ich denke es ist nicht schlecht sich mit den beruflichen Perspektiven des Studiums schon jetzt zu beschäftigen und da habe ich das Glück, dass ich durch euch in diesem Forum Informationen aus erster Hand erhalten kann. Dafür ein großes Dankeschön! Sicherlich ist es in der Chemie schwieriger den Sprung zur Selbstständigkeit zu schaffen als in der Pharmazie, wo man einfach eine Apotheke eröffnen kann. Wie würde denn eigentlich der typische Arbeitsablauf eines angestellten Chemikers aussehen?
nitinoca ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.10.2017, 07:45   #11   Druckbare Version zeigen
chemiewolf Männlich
Mitglied
Beiträge: 21.223
AW: Selbstständigkeit als Chemiker

Zitat:
Zitat von nitinoca Beitrag anzeigen
Wie würde denn eigentlich der typische Arbeitsablauf eines angestellten Chemikers aussehen?
es gibt so viele Jobs für Chemiker in der Forschung, Produktion, Produktentwicklung, Analytik etc., dass man das unmöglich generell beantworten kann.
__________________
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chemiewolf ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 17.10.2017, 08:36   #12   Druckbare Version zeigen
Cyrion Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.284
AW: Selbstständigkeit als Chemiker

Wenn Du noch am Anfang Deines Studiums bist, solltest Du Dir viele Wege offen halten. Das hat zwei Gründe:

Zum einen kannst Du Dir nur mit Top-Zeugnissen und einem Top-Auftreten den Job aussuchen, den Du haben willst. Ansonsten musst Du Kompromisse eingehen. Glücklich, wer dazu die Möglichkeiten hat. Es wäre also nicht gut, sich einen Weg absichtlich zu verbauen.

Zum anderen ist das Studium in einem Teilbereich der Chemie oft etwas ganz anderes als der Job. Wenn Dir z.B. organische Synthese im Studium Spass macht, dann heißt das noch lange nicht, dass sich ein Job in dem Bereich zufriedenstellt. Wenn Du dann in den anderen Bereichen von Tuten und Blasen keine Ahnung hast, sieht es tendenziell düstrer aus.

Das soll jetzt nicht heißen, dass Du dich nicht spezialisieren solltst (das musst Du sowieso). Du solltest Dich aber nicht auf einen Teilbereich fixieren und davon ausgehen, dass Du darin arbeiten wirst.
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Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim: Allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.

Erfahrung: Wenn es so einfach wäre, hätte es schon längst jemand gemacht
Cyrion ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.10.2017, 08:46   #13   Druckbare Version zeigen
HNIW Männlich
Mitglied
Beiträge: 3.569
AW: Selbstständigkeit als Chemiker

Zitat:
Zitat von nitinoca Beitrag anzeigen
Wie würde denn eigentlich der typische Arbeitsablauf eines angestellten Chemikers aussehen?
Wie schon von chemiewolf angegeben: es hängt von der konkreten Stelle ab.
Das Spektrum reicht von öde und totlangweilig bis zu hochinteressant. Wenn Du in der Forschung tätig bist und evnt. auch noch zeitweise selber präparativ arbeitest oder arbeiten kannst, kannst Du natürlich zu gewissem Grad auch eigene Ideen mit umsetzen. So ein Job ist dann optimal.
Es kann aber auch so aussehen, dass Du in einem Produktionsbetrieb arbeitest und vor langer Weile fast eingehst. Da ist dann absolut nichts los, was einen neugierigen Forschertyp auch nur ansatzweise befriedigen würde.
Dann eher als Analytiker arbeiten, aber nicht unbedingt im Klärwerk, sondern vlt. lieber in einem kriminaltechnischen Labor.
Das Spektrum ist also sehr groß. Letztendlich kommt es darauf an, was Dich interessiert (Das wäre bei Dir was?) und ob Du eine passende Stelle findest.
__________________
"Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen."
Kurt Tucholsky

"Nur wenige wissen, wie viel man wissen muss, um zu wissen, wie wenig man weiß."
Werner Heisenberg
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