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Alt 29.05.2016, 08:01   #1   Druckbare Version zeigen
quacksifax  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 13
Die didaktische Hand

Die didaktische Hand

Es existieren 2 Typen von fähigen Studenten mit guten Abschlüssen, ich nenne sie mal künstlich gute und natürlich gute. Man habe einen gegebenen Stoff, der auswendig gelernt und verstanden werden soll. Den überreiche man Studenten. Z.B. im Format eines didaktisch miserabel geschriebenen Lehrbuchs oder Manuskripts, das aber inhaltlich korrekt und vollständig sei. Der natürlich gute Student habe nur das, sonst nix:

• keine Vorlesung
• keine Lehrer
• keine Studenten, mit denen der Stoff diskutierend erarbeitet werden kann
• keine interaktive Lehr- und Lernumgebung
• kein e-Learning
• kein Internet
• keine Bibiliothek
• keine digitalen Lehrvideos (von beispielsweise Vorlesungen)
• keine Tutoren
• keinen Individualunterricht von Professoren
• kurz: nix

Der künstlich gute Student hingegen habe all das, in beliebigem Maße. Beide haben die gleiche Zeit, den gleichen Stoff. Sie bestehen die Prüfung mit Wissens- und Verständnisfragen beide gleich gut, nämlich sehr gut.

Dann ist der gute Abschluss des natürlich guten wertvoller als der des künstlich guten.

Individuen die sich Wissen und Fähigkeiten selbstständig aneigenen können (Stichwort: "intellektuelle Selbstständigkeit") sind billigerweise für einen job attraktiver als solche, die immer noch an der didaktischen Hand gehalten werden müssen, weil es ihnen nur durch Unterstützung, z.B. durch mindestens einen der oben gelisteteten Punkte oder auch allen zusammen gelingt Wissen und Fähigkeiten zu erlangen.
Sind die gute Fähigkeit und das Wissen erst einmal vorhanden, kann man allerdings durch eine Prüfung nicht mehr unterscheiden wie sie zustande gekommen sind. Wieso also genau dieser status quo an der Uni? Ganz einfach. Weil der output der "Lehre", den man mit Vorlesungen und Seminaren produziert, offenbar für alle so genügend ist, dass keiner ein Bedürfnis nach Verbesserung derselben hat.
D.h., man wählt den Weg des geringsten Aufwands ("comfort zone"), bietet möglichst schlechte Lehre, absichtlich oder unabsichtlich, liest Folien vor und kuckt dann, wer dennoch mit exzellent besteht. Das wären oder sind dann die natürlich Guten.
In der Industrie fangen diese dann sofort produktiv auf einem neuen job an ohne den vorher gross zu lernen. Sie machen den und arbeiten sich einfach ein. Und sind erfolgeich. Andere, die nicht so fähig sind, bekommen peer support, manche nur wenig, andere mehr, und wieder andere dauerhaften und fliegen zum Schluss raus.
So ist die Frage jetzt: Will man überhaupt den Lehrbetrieb an Schulen und Unis verbessern, und dann nur künstlich gute Leute produzieren, d.h., solche, die viel wissen und fähig sind, weil sie gute Lehrer hatten, oder verzichtet man an der Uni rigoros auf (gute) Lehre, weil man eben genau nur die will, die auch und gerade ohne didaktisch hochwertige Lehre gut und ausgezeichnet abschneiden?
Ich glaube, man begnügt sich heute mit Letzterem.
Ist das sinnvoll? Oder ist das Argument, das die universitäre Lehre rechtfertigt und rettet, daß Individuen, die schlechterdings bloss künstlich gute sind, nichtsdestoweniger allerbeste Voraussetzungen mitbringen sich von ihren Lehrern abzunabeln und im Laufe der Zeit natürlich gut werden, einfach so, und dann schliesslich fähiger und wissender als ihre Lehrer sind? Es täte mich mal interessieren, hier die Meinungen sind.
quacksifax ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.05.2016, 08:34   #2   Druckbare Version zeigen
chemiewolf Männlich
Mitglied
Beiträge: 21.577
AW: Die didaktische Hand

Zitat:
Zitat von quacksifax Beitrag anzeigen
Man habe einen gegebenen Stoff, der auswendig gelernt und verstanden werden soll.
Dinge, die man auswendig lernen soll, erfordern normalerweise kein oder kaum Berständnis. Das umgekehrte gilt natürlich auch.

Deiner Theorie kann ich nicht viel abgewinnen. Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte der gezeigten Extrempositionen.
Ob man später einen guten Job macht, hängt noch von vielem anderem ab, wie z.B. dem persönlichen Ehrgeiz und dem bzw. den Vorgesetzten. Um nur 2 vielen anderen Faktoren zu nennen.
__________________
The State Senate of Illinois yesterday abandoned its Committee on Efficiency and Economy for reasons of 'efficiency and economy'.
De Moines Tribune, 6 February 1955
einfach mal eine Fanta trinken
chemiewolf ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.05.2016, 11:37   #3   Druckbare Version zeigen
Kaaria  
Mitglied
Beiträge: 8
AW: Die didaktische Hand

Zitat:
Zitat von quacksifax Beitrag anzeigen
Die didaktische Hand

Es existieren 2 Typen von fähigen Studenten mit guten Abschlüssen, ich nenne sie mal künstlich gute und natürlich gute. Man habe einen gegebenen Stoff, der auswendig gelernt und verstanden werden soll. Den überreiche man Studenten. Z.B. im Format eines didaktisch miserabel geschriebenen Lehrbuchs oder Manuskripts, das aber inhaltlich korrekt und vollständig sei. Der natürlich gute Student habe nur das, sonst nix:

• keine Vorlesung
• keine Lehrer
• keine Studenten, mit denen der Stoff diskutierend erarbeitet werden kann
• keine interaktive Lehr- und Lernumgebung
• kein e-Learning
• kein Internet
• keine Bibiliothek
• keine digitalen Lehrvideos (von beispielsweise Vorlesungen)
• keine Tutoren
• keinen Individualunterricht von Professoren
• kurz: nix

Der künstlich gute Student hingegen habe all das, in beliebigem Maße. Beide haben die gleiche Zeit, den gleichen Stoff. Sie bestehen die Prüfung mit Wissens- und Verständnisfragen beide gleich gut, nämlich sehr gut.

Dann ist der gute Abschluss des natürlich guten wertvoller als der des künstlich guten.

Individuen die sich Wissen und Fähigkeiten selbstständig aneigenen können (Stichwort: "intellektuelle Selbstständigkeit") sind billigerweise für einen job attraktiver als solche, die immer noch an der didaktischen Hand gehalten werden müssen, weil es ihnen nur durch Unterstützung, z.B. durch mindestens einen der oben gelisteteten Punkte oder auch allen zusammen gelingt Wissen und Fähigkeiten zu erlangen.
Sind die gute Fähigkeit und das Wissen erst einmal vorhanden, kann man allerdings durch eine Prüfung nicht mehr unterscheiden wie sie zustande gekommen sind. Wieso also genau dieser status quo an der Uni? Ganz einfach. Weil der output der "Lehre", den man mit Vorlesungen und Seminaren produziert, offenbar für alle so genügend ist, dass keiner ein Bedürfnis nach Verbesserung derselben hat.
D.h., man wählt den Weg des geringsten Aufwands ("comfort zone"), bietet möglichst schlechte Lehre, absichtlich oder unabsichtlich, liest Folien vor und kuckt dann, wer dennoch mit exzellent besteht. Das wären oder sind dann die natürlich Guten.
In der Industrie fangen diese dann sofort produktiv auf einem neuen job an ohne den vorher gross zu lernen. Sie machen den und arbeiten sich einfach ein. Und sind erfolgeich. Andere, die nicht so fähig sind, bekommen peer support, manche nur wenig, andere mehr, und wieder andere dauerhaften und fliegen zum Schluss raus.
So ist die Frage jetzt: Will man überhaupt den Lehrbetrieb an Schulen und Unis verbessern, und dann nur künstlich gute Leute produzieren, d.h., solche, die viel wissen und fähig sind, weil sie gute Lehrer hatten, oder verzichtet man an der Uni rigoros auf (gute) Lehre, weil man eben genau nur die will, die auch und gerade ohne didaktisch hochwertige Lehre gut und ausgezeichnet abschneiden?
Ich glaube, man begnügt sich heute mit Letzterem.
Ist das sinnvoll? Oder ist das Argument, das die universitäre Lehre rechtfertigt und rettet, daß Individuen, die schlechterdings bloss künstlich gute sind, nichtsdestoweniger allerbeste Voraussetzungen mitbringen sich von ihren Lehrern abzunabeln und im Laufe der Zeit natürlich gut werden, einfach so, und dann schliesslich fähiger und wissender als ihre Lehrer sind? Es täte mich mal interessieren, hier die Meinungen sind.
Ich meine: Ob es Sinn macht, ob ein gezieltes (aber gewöhnlich nicht offiziell zugegebenes) Entmutigen und Herausprüfen der nicht natürlich guten Lernenden zweckmäßig ist, hängt davon ab, was man für Interessen und Ziele hat. Hier geht es um die triviale marxistische Wahrheit, dass die Interessen der potentiellen Arbeitgeber völlig andere sind als die der Studenten, die auf einen Job hoffen. Für die Firma ist jeder Mitarbeiter, den sie benötigt und daher (leider) anstellen muss, ein schwer kalkulierbarer Kosten- und Risikofaktor, den sie am liebsten durch einen intelligenten Computer/Roboter ersetzen würde. Für die künstlich guten Studenten hingegen ist es ein zentrales Bedürfnis, dass sie einen Job von ähnlicher Qualität bekommen wie die natürlich guten. Wenn also der Unterschied zwischen den beiden Typen von Lernenden durch optimale Uni-Didaktik verdeckt wird, ist das in höchstem Maße im Interesse der künstlich guten Studenten. Es ist aber gegen die Interessen der Firma, welche am liebsten der Uni den Auftrag gäbe, die künstlich guten Leute von vornherein herauszufiltern, herauszuprüfen oder zumindest beim Abschluss klar erkennbar als minderwertig zu markieren.


Nun kommt aber ein weiterer Faktor hinzu, nämlich der Personalbedarf der Branche. Dieser schwankt natürlich aus konjunkturellen und anderen Gründen, ist aber oft so groß, dass die Anzahl der natürlich guten Studenten eines Jahrgangs nicht ausreichen würde, ihn zu decken. Wenn also alle künstlich Guten von vornherein herausgefiltert und eliminiert würden, und zwar weltweit, hätte die Branche ein größeres Problem. Ihre Expansion wäre gehemmt und die relativ wenigen natürlich Guten hätten dann eine so starke Verhandlungsposition, dass sie für sich phantastische Konditionen durchsetzen könnten und verdienen würden wie Bankmanager. Die Firmen würden diese Leute dann auch gegenseitig ständig abwerben. Das wäre auch nicht im Interesse der Branche. Optimal wäre für die Wirtschaft, dass (1) das Angebot an Bewerbern die Nachfrage stark übersteigt, dass also die Uni möglichst viele Studenten zu einem erfolgreichen Studienabschluss bringt; (2) über jeden Bewerber von vornherein anhand der Noten oder anderer klarer Kriterien herausgefunden werden könnte, ob er natürlich oder künstlich gut ist. Dann könnte man den natürlich guten die wichtigsten Jobs geben und von den anderen so viele anstellen wie man braucht; der Rest wird arbeitslos und muss umschulen. Soweit die Interessen der Firma. Zu diesen sind die Interessen der meisten Studenten völlig konträr.


Es liegt im Interesse der natürlich guten Studenten, daß die künstlich guten im Studium scheitern oder zumindest deutlich schlechter benotet werden - dann ist die Konkurrenz bei der Jobsuche viel geringer und man hat eine entsprechend bessere Verhandlungsposition als Bewerber. Außerdem verliert man dann künftig weniger Zeit mit langweiligem peer support. Im Interesse der künstlich guten Studenten, d.h. der großen Mehrheit, liegt es hingegen, dass sie mit optimaler Didaktik zu einem möglichst guten Abschluss gebracht werden und dass der künftige Arbeitgeber erst nach der Anstellung merkt, dass sie nur künstlich gut sind. Die Interessen der Studenten sind also auch untereinander konträr.


Was ist also die Funktion einer optimalen Didaktik? Sie fördert die künstlich guten Lernenden, vertritt deren Interessen, zum Nachteil der natürlich guten, die dadurch mehr Konkurrenz haben und ihre Vorzüge weniger zur Geltung bringen können, und zum Schaden der Firmen, die über die wirkliche Qualität getäuscht werden und daher personelle Fehlentscheidungen treffen. Zwar sind die künstlich guten dann als Berufsanfänger besser ausgebildet, als sie bei schlechter Didaktik wären, aber das nützt der Firma wenig, denn die Aufgaben im Beruf haben ja wenig mit dem zu tun, was man im Studium gemacht hat. Zusammenfassend kann man also sagen: Optimale Didaktik fördert eine bestimmte Personengruppe zum Nachteil von zwei anderen Personengruppen.


Außerdem kann man fragen, ob es überhaupt im Interesse der künstlich guten ist, durch optimale Didaktik gefördert zu werden. Denn das führt dazu, dass sie Jobs oberhalb ihres Kompetenzniveaus erhalten. Das bedeutet dann ständigen Stress im Beruf, ständige Abwertungen in den Evaluationen, unzufriedene Chefs und herablassende Kollegen, überdurchschnittlicher Zeit- und Kraftaufwand für Fortbildungen, weit überdurchschnittliches Entlassungsrisiko und entsprechende chronische Angst. Als Freund eines künstlich guten würde ich ihm dringend raten, sich das nicht zuleide zu tun.


Ein weiterer Faktor, der diese Grundsituation noch verschärft, ist, dass Rechner immer intelligenter werden und die Innovation sich beschleunigt. Auch bei den Evaluationsmethoden ist künftig mit mehr Effizienz zu rechnen. Dadurch werden die Schwächen von künstlich guten Leuten künftig noch viel offensichtlicher sein als jetzt, ihre Überforderung wird deutlicher sein und damit ihr Stress größer. Die für sie geeigneten Arbeitsplätze werden zunehmend wegrationalisiert werden.


So gesehen kann zusammenfassend festgestellt werden: Das Endresultat von glücklichem Lernen kann durchaus in unglücklichem Arben bestehen. Ob man das will, ist Geschmacksfrage. Was mich betrifft, meine Antwort wäre ein klares Nein.


Nun kann man der Meinung sein, dass es humanere Selektionsmethoden geben könnte und sollte als eine schlechte Didaktik, an der die Lernenden verzweifeln. Das ist aber kein Problem der Wirtschaft, auch keines der Uni, sondern nur eines der Betroffenen; und ein Betroffener kommt gar nicht auf die Idee, dass es sich um ein Problem genereller Natur handeln könnte und nicht nur um seine persönliche Unzulänglichkeit, die außer ihm selbst niemanden interessiert.


Ich meine nicht, dass die gegenwärtige schlechte Didaktik vorsätzlich und planmäßig so schlecht gehalten wird, um "künstlich gute" Abschlüsse zu verhindern und "künstlich gute" Leute vom akademischen Arbeitsmarkt fernzuhalten. Ich traue den Entscheidungsträgern nicht zu, dass sie so weit, so umfassend und so zynisch denken und planen, und dass ihnen der Unterschied von guter und schlechter Didaktik so klar vor Augen steht. Das ist höchstens bei wenigen von ihnen der Fall. Vielmehr ist die Didaktik einfach deswegen traditionell schlecht, weil es keinen Anreiz zur Verbesserung gibt. Dass dadurch viele Studenten scheitern, ist ein Effekt dieses Zustands, der außer den Betroffenen niemanden stört und den die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Uni entweder erwünscht finden oder zumindest problemlos in Kauf nehmen und für völlig normal halten.

Kaaria ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 29.05.2016, 14:11   #4   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.617
AW: Die didaktische Hand

Zitat:
Zitat von quacksifax Beitrag anzeigen
Es existieren 2 Typen von fähigen Studenten mit guten Abschlüssen, ich nenne sie mal künstlich gute und natürlich gute.
Ich würde sagen, die Grundannahme ist schon falsch:
Es ist den Studenten m.E. nicht in die Wiege gelegt, ob sie sich selbständig Wissen aneignen können oder nicht, es ist eine Kompetenz die man erlangen kann.

Zitat:
Zitat von quacksifax Beitrag anzeigen
Der künstlich gute Student hingegen habe all das, in beliebigem Maße. Beide haben die gleiche Zeit, den gleichen Stoff. Sie bestehen die Prüfung mit Wissens- und Verständnisfragen beide gleich gut, nämlich sehr gut.

Dann ist der gute Abschluss des natürlich guten wertvoller als der des künstlich guten.
Deine Annahme scheint hier zu sein, dass beide Gruppen also auch genau so viel gelernt haben. Das würde ich nicht annehmen, selbst wenn sie am Ende die gleichen Ergebnisse in einer Prüfung erlangt hätten.

Zitat:
Zitat von quacksifax Beitrag anzeigen
Individuen die sich Wissen und Fähigkeiten selbstständig aneigenen können (Stichwort: "intellektuelle Selbstständigkeit") sind billigerweise für einen job attraktiver als solche, die immer noch an der didaktischen Hand gehalten werden müssen, weil es ihnen nur durch Unterstützung, z.B. durch mindestens einen der oben gelisteteten Punkte oder auch allen zusammen gelingt Wissen und Fähigkeiten zu erlangen.
Hier vertrittst Du die Annahme, dass in jeder Position immer auch ein selbständig denkender Mitarbeiter erwünscht ist. Es mag zynisch klingen - aber das ist nicht immer gewünscht.
Es gibt Jobs, in denen man zwar sein Wissen anwendet, aber v.a. Dinge abarbeiten muss. Und es gibt Leute, die genau solche Stellen suchen.
Wer nicht unbedingt super kreativ und eigenständig ist, wird der anderen Studenten-/Absolventengruppe aber auch nicht unbedingt einen Job wegnehmen, bei dem Selbständigkeit und Kreativität gefordert sind.

Zitat:
Zitat von quacksifax Beitrag anzeigen
Wieso also genau dieser status quo an der Uni? Ganz einfach. Weil der output der "Lehre", den man mit Vorlesungen und Seminaren produziert, offenbar für alle so genügend ist, dass keiner ein Bedürfnis nach Verbesserung derselben hat.
D.h., man wählt den Weg des geringsten Aufwands ("comfort zone"), bietet möglichst schlechte Lehre, absichtlich oder unabsichtlich, liest Folien vor und kuckt dann, wer dennoch mit exzellent besteht. Das wären oder sind dann die natürlich Guten.
Hier denkst (oder argumentierst) Du wieder in den selben Stereotypen wie vorher:
"Lehrende sind faul und sie haben keinen Bock, gute Lehre zu machen."

Du verkennst, dass bei der Berufung von Professuren immer mehr auch didaktische Fähigkeiten und Konzepte gefragt sind.

Zitat:
Zitat von quacksifax Beitrag anzeigen
So ist die Frage jetzt: Will man überhaupt den Lehrbetrieb an Schulen und Unis verbessern, und dann nur künstlich gute Leute produzieren, d.h., solche, die viel wissen und fähig sind, weil sie gute Lehrer hatten, oder verzichtet man an der Uni rigoros auf (gute) Lehre, weil man eben genau nur die will, die auch und gerade ohne didaktisch hochwertige Lehre gut und ausgezeichnet abschneiden?
Ich glaube, man begnügt sich heute mit Letzterem.
Deiner Argumentation nach:

* müssten alle Dozenten schlechte Lehre machen
* müsste es quasi eine geheime Absprache aller Dozenten geben (sonst klappt es nicht)
* alle Dozenten nur Interesse am Aussieben der Studenten haben
* dürfte es kein Eigeninteresse an guter Lehre zur Rekrutierung guter Studenten geben
* bedeutet gute Lehre v.a. das "Durchbringen" der schlechten Studenten bis zum Abschluss

All diese Punkte sind meiner Meinung nach falsch.
__________________
Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.05.2016, 16:38   #5   Druckbare Version zeigen
HNIW Männlich
Mitglied
Beiträge: 3.599
AW: Die didaktische Hand

Zitat:
Zitat von chemiewolf Beitrag anzeigen
Ob man später einen guten Job macht, hängt noch von vielem anderem ab, wie z.B. dem persönlichen Ehrgeiz und dem bzw. den Vorgesetzten. Um nur 2 vielen anderen Faktoren zu nennen.
sehr wichtig auch, ob einen das Gebiet selbst übermäßig interessiert, was aber teilweise mit dem schon angesprochenen Ehrgeiz überlappt. Bei stinklangweiligen Arbeitsgebieten kann es passieren, dass auch eine sehr gute Fachkraft keinen guten Job macht, weil sie es als notgedrungenes Übel ansieht und nebebei sich mit ganz anderen Dingen beschäftigt ....

Zitat:
Zitat von zarathustra Beitrag anzeigen
Hier vertrittst Du die Annahme, dass in jeder Position immer auch ein selbständig denkender Mitarbeiter erwünscht ist. Es mag zynisch klingen - aber das ist nicht immer gewünscht.
.... das kann einem in der Tat passieren ... vor allem wenn man neu und jünger ist, als die alteingesessene "Family". Jede Firma ist Spitzenklasse, hat die besten Leute (wenn man die Homepage ließt), die Realität kann anders aussehen .... dann können unangenehme Situationen entstehen ......
__________________
"Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen."
Kurt Tucholsky

"Nur wenige wissen, wie viel man wissen muss, um zu wissen, wie wenig man weiß."
Werner Heisenberg
HNIW ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.05.2016, 20:52   #6   Druckbare Version zeigen
Irlanur Männlich
Mitglied
Beiträge: 1.386
AW: Die didaktische Hand

Das ist doch ein frustrierter Troll.
Irlanur ist offline   Mit Zitat antworten
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Stichworte
intelektuell, künstlich gute studenten, natürlich gute studenten, selbstständig, universitärer status quo

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