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Alt 20.10.2018, 19:43   #1   Druckbare Version zeigen
Barcelonista Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 33
Quellenarbeit (Archaeen): Wie komme ich mit regelmäßig neuen Erkenntnissen klar/zurecht ?

Servus in die Runde,

ich beschäftige mich im Rahmen meines Studiums sehr intensiv mit Archaeen.
Genauer möchte ich da allerdings nicht drauf eingehen.

Worum es mir geht ist, dass sich im Bereich der Biochemie und Biologie besonders die Ansichten bezüglich der Archaeen quasi im Monatstakt ändern.

Ich finde ein Paper, welches mir etwas sagt, dann finde ich ein aktuelleres, welches das widerlegt und plötzlich habe ich ein noch älteres gefunden, welches das aktuelle Thema schon damals beschrieben hat.
Worum es mir geht ist, dass die wissenschaftliche Quellenarbeit eine ziemlich chaotische und anstregende Sache ist.

Gibt es eine Möglichkeit, vor allem in der Mikrobiologie und Biochemie bzw. Biogeochemie irgendwie eine zeitliche Einordnung der Entdeckungen und Erkenntnisse bezüglich der Archaeen, herauszufinden ?

Um es vereinfacht zu sagen: Wie finde ich heraus, wann die ersten Publikationen zu einem Thema gemacht wurden ?
Und wie finde ich heraus, was die aktuellste Meinung und der aktuellste Stand der Wissenschaft ist ?

Ich meine, ich könnte einen Break machen und sagen, dass ich mich auf keine Quelle nach (Beispiel) 2016 beziehe.
Aber das ist auch schwachsinnig, wenn ich mich auf aktuelle Thesen stützen will und meine Erkenntnisse belegen möchte.

Gibt es da eine Lösung ?
Im Moment füge ich jede Quelle in Mendeley ein und Ordne sie den Themen in verschiedene Ordner zu. Anschließend kann ich sie nach Datum sortieren. Aber ab einer gewissen Anzahl der wissenschaftlichen Arbeiten, Quellen etc. wird es einfach eine pure Qual.

Geändert von Barcelonista (20.10.2018 um 19:45 Uhr) Grund: etwas vergessen
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Alt 21.10.2018, 06:34   #2   Druckbare Version zeigen
imalipusram  
Mitglied
Beiträge: 6.572
AW: Quellenarbeit (Archaeen): Wie komme ich mit regelmäßig neuen Erkenntnissen klar/zurecht ?

Du hast eine Hypothese und suchst nach Argumenten, diese zu be- oder widerlegen. Dazu machst Du Experimente, wertest sie aus, erhältst Ergebnisse und diskutierst sie, d.h. Du setzt sie in Relation zu Deiner Hypothese und zu dem, was andere so tun und veröffentlichen. Andere machen das auch. Da gibt es durchaus Widersprüche, die man auch diskutieren muß. Vielleicht kann man sie mit einer detaillierteren Hypothese erklären oder man kommt zu Schluß, daß die Hypothese nicht für alle Archaeen gilt oder daß die eigene Hypothese letztendlich falsch ist. Schwieriger wirds natürlich, wenn man sich über einen Modellorganismus nicht einig ist.

Man kann jetzt einfach alle anderen, die nicht im Einklang mit der eigenen Hypothese argumentieren, für doof und inkompetent erklären oder gucken, warum Widersprüche auftreten und versuchen, diese aufzulösen. Irgenwann läßt sich aus den ganzen Hypothesen dann eine (neue) Theorie oder ein neues Modell formulieren.

Das geht dann solange gut, bis wieder irgendwelche neuen Erkenntnisse gefunden werden, weil neue Methoden und Geräte entwickelt werden oder jemand eine neue Idee hat. So bekommt man dann wieder Ideen und Argumente für den nächsten Forschungsantrag...

Wissenschaftler leben ja nicht davon, daß sie den Stein der Weisen finden, sondern daß sie ihn suchen
__________________
I solemnly swear that I'm up to no good!
伍佰 (WuBai - Run run run!) (ein Musikvideo mit dem Bambushaus und dem imalipusram unter den Statisten)
Noch ein nettes Video (nerdy, ein LIHA-Robot)
Und so gehts hier manchmal zu (sowas Ähnliches wie Fronleichnam, hier wird TuDiGong, dem Erdgott, tüchtig eingeheizt!) Oder so (auch ungeeignet für Gefahrstoffphobiker) und so und so.
imalipusram ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.10.2018, 10:46   #3   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.622
AW: Quellenarbeit (Archaeen): Wie komme ich mit regelmäßig neuen Erkenntnissen klar/zurecht ?

imalipusram hat dir schon geschrieben, dass es durchaus normal in den Wissenschaften ist, unterschiedliche Ansichten und Ergebnisse zu bekomen. Und während die Daten reproduzierbar sein sollten, kann sich die Interpretation der Daten natürlich ändern.

Dir geht es ja auch um das "wie" im Hinblick auf die Literaursuche und Ordnung. Ich glaube zwar nicht, dass man dir das eine Rezept geben kann, aber vielleicht ein paar Ansätze:

Natürlich kannst du Suchen in pubmed oder per google scholar durchführen, das wird aber nicht unbedingt helfen, gerade wenn es um alte Literatur geht.
Was dir helfen sollte ist, zunächst nach Übersichtsartikeln / Reviews zu deinem Thema zu suchen und diese durchzuarbeiten. Da haben sich Experten in deinem Bereich schon die Mühe gemacht, Artikel zu durchsuchen und zusammenzufassen. Oft findet man dort am Anfang auch eher historische Einordnungen ins Thema. Gerade wenn der Themenbereich groß ist, sucht man sich für Reviews einzelne Aspekte raus (und lässt andere wegfallen), so dass du schon ein paar Reviews durchlesen musst und nach interessanten Quellen darin schauen solltest.

Bei der Literatursuche sollten dir im Laufe der Zeit auch Namen der Letztautoren auffallen, die immer wieder auftauchen. Gerade Reviews werden oft von bekannte Größen in dem jeweiligen Feld geschrieben (oder von Leuten, die sich dafür halten).
Teilweise ist es spannend zu schauen, wo diese "Experten" eigentlich herkommen, also ältere Paper zu suchen, wo sie Mit-Autor oder Erst-Autor sind. Das wird dich im Idealfall zu früheren Gruppen führen, die auch schon in dem Themenbereich gearbeitet haben.

Mit solchen Ansätzen bekommst du eine große Menge Paper, die du noch einordnen musst. Auch hier hilft es, nochmals auf die Autoren zu schauen:
Gruppenleiter haben oft größere Themen, die sie über Jahre bearbeiten und immer einzelne Teilaspekte veröffentlichen. Da solltest du versuchen, das große Bild im Auge zu behalten, das ein Gruppenleiter vermutlich hat.
Du hast ja geschrieben, dass immer wieder gegenteilige Paper rauskommen. Gibt es da ein Muster? Also hast du da einzelne Arbeitsgruppen, die offenbar unterschiedliche Theorien haben und beide versuchen, ihre Ansichten mit Experimenten zu untermauern? Bzw. findest du mehrere Gruppenleiter, die früher gemeinsam in einem Labor eines bestimmten Gruppenleiters waren und offenbar dessen Denkweise weiterverfolgen? Das kannst du über Erst- bzw. Mitautorenschaften erkennen.

Persönlich finde ich es übrigens gerade bei komplexen Themen leichter, mir die Paper (oder erste Seite) auszudrucken und auf den Schreibtisch (Fußboden, wenn es zu viel wird) zu legen. Es hilft auch, sich vorher die wichtigsten Punkte/Aussagen auf die erste Seite zu schreiben oder zu markieren. Dann kannst du recht einfach von Hand sortieren. Sortiere nach Aussage oder Autorengruppen und suche nach Mustern. Danach kannst du die Dateien immer noch sortieren.

Um das grob zusammenzufassen:
Reviews sollten dir auf der Suche nach alten Papern helfen. Arbeite mehrere durch, da sie oft einen Fokus haben, der andere wichtige Paper vernachlässigt. Neben den reinen Aussagen schaust du unbedingt auch nach den (Letzt-)Autoren und aus welchen Laboren sie ursprüngich kommen. Dann solltest du schon Muster erkennen können. Für eine Arbeit ist es dann durchaus in Ordnung, wenn du bspw. erklärst, dass Gruppe A (die alle ursprünglich aus der Gruppe von X kommen), eine bestimmte These vertreten, während eine Gruppe B eine andere These vertritt. Wichtig ist dann, dir die einzelnen Experimente und deren Aussagekraft anzuschauen (und ggf. kritisch zu hinterfragen). Was kann man wirklich aus den Daten interpretieren, welche Experimente sehen nicht sinnvoll aus (fehlende Kontrollen, geringe Probenzahlen etc.). Da kommt dann wirklich der Teil, wo du selbst kritisch die Datenlage betrachten musst.
__________________
Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.10.2018, 20:48   #4   Druckbare Version zeigen
Barcelonista Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 33
AW: Quellenarbeit (Archaeen): Wie komme ich mit regelmäßig neuen Erkenntnissen klar/zurecht ?

Vielleicht klingt es blöd, aber dieser Satz hat mir wirklich enorm weitergeholfen:
Zitat:
Zitat von imalipusram Beitrag anzeigen
Wissenschaftler leben ja nicht davon, daß sie den Stein der Weisen finden, sondern daß sie ihn suchen
.
Ich war zu lange auf einer blinden Reise, wo ich den Überblick verloren habe, weil ich mich in Etwas verloren habe, was es so gar nicht gibt.
Manchmal braucht es eben einen scheinbar banalen Satz, um die Augen zu öffnen und sich selbst nochmal zu hinterfragen, daher danke an dieser Stelle.

Zu meinem aktuellen Vorgehen.
Ich habe einige Internetseiten gefunden, die eine enorm gute Quellenarbeit betreiben, dazu einige Paper, die recht frisch sind und Bezüge auf ältere Paper nehmen.
Das habe ich quasi als Standard bzw. den Nullpunkt genommen.
Die in diesen Arbeiten zitierten Beiträge und Autoren habe ich dann in meine Quellen aufgenommen und mir die Aussagen markiert, die für mich relevant und interessant sind.
Das führte dazu, dass ich einen groben Überblick darüber bekommen habe, was ich eigentlich will und suche.

Ich tue mich trotzdem extrem schwer, weil ich erstmals eine wirklich komplexere wissenschaftliche Arbeit auf Englisch verfasse. Das bedeutet mir natürlich viel und ich möchte Fehler vermeiden. Vor allem Behauptungen, die sich auf keine Quelle oder nachweisbare Experimente stützen. Man weiß ja scheinbar so viel, aber es richtig einzuordnen und zu wissen, wer einem diesen Wissen eigentlich bereitgestellt hat, das ist meine größte Herausforderung.

Als banales Beispiel: Ich weiß, dass Archaeen zu einer der drei Domänen des Lebens zählen, auch aufgrund der gefunden RNA-Sequenzen etc.. Ich weiß es, weil ich es oft gehört und gelesen habe. Aber herauszufinden, wo diese Behauptung eigentlich her kommt, das ist doch die eigentliche Aufgabe.
In diesem Fall ist es recht einfach, weil Woese und Fox natürlich recht bekannt in diesem Feld sind.
Aber bei dieser Art von Arbeit reicht es eben nicht einfach zu schreiben, dass Archaeen eine Domäne bilden. Das muss eben auch belegt werden.
Leider wurde während meines Studiums extrem wenig Wert darauf gelegt, weshalb ich mich jetzt extrem schwer damit tue.

Aber da hilft es dann einfach mal einen Schritt zurückzutreten, sich ein Paper zu schnappen und zu schauen, worauf sich dieses bezieht.
Daher finde ich den von mir zitierten Teil der Aussage von @imalipusram so unfassbar genial. Das beschreibt die Arbeit, die ich in den letzten Tag für mich entdeckt und revolutioniert habe (so blöd es klingt) unfassbar präzise.

Zitat:
Zitat von zarathustra Beitrag anzeigen
imalipusram
Reviews sollten dir auf der Suche nach alten Papern helfen.
Auch an dich vielen Dank.
Aber kannst du mir irgendwie einen Link zu solch einer Review reinstellen ?
Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich das Konzept der Review verstanden habe und weiß, was es eigentlich ist.
Wäre das z.B. eine Review ? https://www.nature.com/articles/nrmicro2482
Sorry für die blöden Fragen. Ich versuche mir gerade das beizubringen, was mir mein Studium nicht beibringen konnte. Finde ich lächerlich, wenn ich darüber nachdenke.

Naja. Vielen Dank für die Ansätze.
Barcelonista ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.10.2018, 22:01   #5   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.622
AW: Quellenarbeit (Archaeen): Wie komme ich mit regelmäßig neuen Erkenntnissen klar/zurecht ?

Zitat:
Zitat von Barcelonista Beitrag anzeigen
Als banales Beispiel: Ich weiß, dass Archaeen zu einer der drei Domänen des Lebens zählen, auch aufgrund der gefunden RNA-Sequenzen etc.. Ich weiß es, weil ich es oft gehört und gelesen habe. Aber herauszufinden, wo diese Behauptung eigentlich her kommt, das ist doch die eigentliche Aufgabe.
In diesem Fall ist es recht einfach, weil Woese und Fox natürlich recht bekannt in diesem Feld sind.
Aber bei dieser Art von Arbeit reicht es eben nicht einfach zu schreiben, dass Archaeen eine Domäne bilden. Das muss eben auch belegt werden.
Das ist tatsächlich ein Beispiel, das ich gar nicht so kritisch sehen würde. Bei "Lehrbuchwissen" muss man nicht unbedingt eine Quelle angeben, sonst müsstest du ja auch erklären, wie bspw. Proteine aufgebaut sind und dazu eine Referenz angeben...

Zitat:
Zitat von Barcelonista Beitrag anzeigen
Aber kannst du mir irgendwie einen Link zu solch einer Review reinstellen ?
Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich das Konzept der Review verstanden habe und weiß, was es eigentlich ist.
Wäre das z.B. eine Review ? https://www.nature.com/articles/nrmicro2482
Sorry für die blöden Fragen. Ich versuche mir gerade das beizubringen, was mir mein Studium nicht beibringen konnte. Finde ich lächerlich, wenn ich darüber nachdenke.
Das ist auf jeden Fall ein Review-Artikel, ist übrigens auch bei "Nature Reviews Microbiology" erschienen.

Wenn du dich für Geochemie interessierst, dürfte das hier die wahre Offenbarung für dich werden:
https://www.annualreviews.org/doi/abs/10.1146/annurev-micro-092412-155614
Falls du keinen Zugriff bekommst, mal die DOI bei unseren ukrainischen Freunden von SciHub eingeben, dann bekommst du den Artikel auch. Ist allerdings schon von 2013.
__________________
Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
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