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Toxikologie für Naturwissenschaftler und Mediziner
G. Eisenbrand, M. Metzler, C. Janzowski, J. Schuler, W.C. Tang
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Alt 17.01.2018, 00:26   #1   Druckbare Version zeigen
JohannaS weiblich 
Mitglied
Themenerstellerin
Beiträge: 6
Ängste

Schönen guten Abend :-)
Also eine Kommilitonin hat mir vor einiger Zeit etwas anvertraut. Sie studiert wie ich Chemie und sie hat mir davon berichtet, dass sie darunter leidet, in einem Praktikum unsachgemäß mit Schwermetallsalzen wie Cobaltchlorid, Cobaltnitrat, Nickelnitrat usw. (also KMR-Stoffen) gearbeitet zu haben. Zu meiner Überraschung leidet sie aber viel mehr unter der Angst, ihre Umgebung (also ihre Wohnung usw.) kontaminiert zu haben. Dadurch das sie ohne Handschuhe gearbeitet hat und sich nicht die Hände gewaschen hat, befürchtet sie, dass sie ihr Laborjournal und ihren Kittel kontaminiert hat und da sie dieses Laborjournal in ihren Rucksack gesteckt hat und ihren Kittel mit nach Hause genommen hat ihre gesamte Wohnung kontamiert zu haben.Ich habe ihr bereits gesagt, dass ich das für Unsinn halte, weil die beschriebenen Schwermetallsalze ja alle farbig sind und ihr es bestimmt aufgefallen wäre, wenn sie grünen Staub (wegen dem Nickelnitrat beispielsweise) an den Händen gehabt hätte oder am Laborjournal usw. So welche gravierenden Mengen kann sie doch nicht nach Hause geschleppt haben. Seh nur ich das so, dass das Unsinn ist? Ich würde ihr gerne helfen.
Liebe Grüße
Johanna
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Alt 17.01.2018, 01:02   #2   Druckbare Version zeigen
rettich Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.477
AW: Ängste

Also ohne Handschuhe arbeiten ist zwar irgendwie nachvollziehbar, sollte man aber trotzdem nicht.
Hände nicht waschen ist faulheit und kann ganz achnell ganz schief gehen.
Mit welchen Mengen an Chemikalien will sie denn die gesamte Wohnung verseucht haben?
Nickielnitrat ist z.B. auf grünem Teppichboden nur ganz achwer zu erkennen.
Das Beste wäre, die Freundin,die doch bestimmt einen PC zur Verfügung hat,
meldet sich selbst. Dann geht das alle nicht über drei Ecken, mit allen möglichen Fehlerquellen.
__________________
mfg: rettich

Man kann gar nicht so dämlich denken wie
andere Handeln.
Speziell im Strassenverkehr und im Labor.

Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens.
rettich ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.01.2018, 01:08   #3   Druckbare Version zeigen
JohannaS weiblich 
Mitglied
Themenerstellerin
Beiträge: 6
AW: Ängste

Ich werde ihr morgen mal Bescheid geben, dass sie das gerne erklären soll.

Naja soweit ich weiß, wurde ihr das von ihren Assistenten geraten. Diese meinten wohl, dass das besser sei, weil man dann vorsichtiger arbeiten würde. Ich kenne auch ihre Arbeitsweise im Labor. Sie arbeitet wirklich sehr vorsichtig. Außerdem hat sie sich immer nach dem Labor die Hände gewaschen.
JohannaS ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.01.2018, 02:13   #4   Druckbare Version zeigen
zarathustra  
Moderator
Beiträge: 11.616
AW: Ängste

Zitat:
Zitat von JohannaS Beitrag anzeigen
Ich habe ihr bereits gesagt, dass ich das für Unsinn halte, weil die beschriebenen Schwermetallsalze ja alle farbig sind und ihr es bestimmt aufgefallen wäre, wenn sie grünen Staub (wegen dem Nickelnitrat beispielsweise) an den Händen gehabt hätte oder am Laborjournal usw. So welche gravierenden Mengen kann sie doch nicht nach Hause geschleppt haben. Seh nur ich das so, dass das Unsinn ist?
Hallo Johanna,
ich sehe es genau so wie du: Die Mengen, mit denen man im Praktikum arbeitet, sind relativ gering und die wesentliche Gefahr ist tatsächlich das Einatmen der Stäube, wenn man diretk mit den Pulvern hantiert. Und auch da sind die Mengen in einem Chemie-Praktikum relativ gering.

Selbst wenn jemand Spuren eines Schwermetallsalzes über Hände, auf Kittel, in Rucksack etc. übertragen hätte, wären es im Endeffekt winzige Spuren. Die Sorgen und Stress, die sich deine Freundin macht, sind eher gesundheitsschädlich als die kleinen Mengen der Chemikalien.

Persönlich finde ich es auch gerade bei normalen anorganischen Verbindungen unnötig, Handschuhe zu tragen. Man arbeitet sauberer und die Substanzen kommen eh i.d.R. nicht durch die obersten (abgestorbenen) Hautschichten.

Wir haben gefühlt alle paar Wochen jemanden hier, der ähnliche Fragen stellt und völlig überzogene Angst vor Chemikalien hat. Im Gegensatz zu bspw. ätzenden Substanzen, wo man im Zweifelsfall nach kurzer Zeit einen Effekt sieht (oder auch nicht), haben KMR-Stoffe auch eine besondere Rolle. Es ist nicht einfach sich vorzustellen, was die Substanzen genau machen und ein potentieller Effekt würde erst nach Jahren auftreten, so dass eine gewisse, diffuse Angst bleibt. Da hilft es m.E. nur, sich mit Büchern der Toxikologie oder Zellbiologie über solche Wirkungen zu informieren und auch sonst mehr zu Krebs etc. zu lesen, zu sehen, welche DNA-Reparaturmechanismen Zellen haben und Mechanismen der Körper gegen Tumorzellen hat. Zumindest ich finde solche Sachen sehr beruhigend.
__________________
Ich habe zwar auch keine Lösung, aber ich bewundere das Problem!
zarathustra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.01.2018, 10:48   #5   Druckbare Version zeigen
JohannaS weiblich 
Mitglied
Themenerstellerin
Beiträge: 6
AW: Ängste

Ich bin die besagte Mitstudentin und möchte mich für die Antworten bedanken! Ich glaube es wäre wirklich eine gute Idee, mich mehr damit zu befassen, wie Krebs entsteht. Zarathustra, Empfehlungen zu Büchern vielleicht?
Zu der Situation damals im Labor: Meine Assistenten haben uns dazu geraten ohne Handschuhe zu arbeiten mit der Begründung, dann würde man sauberer arbeiten und weniger Staub aufwirbeln. Ich habe auf die Ratschläge der Assistenten vertraut. Inzwischen weiß ich, dass das ein Fehler war und mache mir Vorwürfe. Ich habe damals ganz sicher nicht kiloweise damit gearbeitet. Es waren vielleicht insgesamt wenige Gramm. Aber man muss die wenigen Gramm ja auch erstmal abwiegen und da arbeitet man ja mit einem Gefäß, wo zwar kein Kilo drin ist, aber sicherlich deutlich mehr. Ich weiß aber noch, dass wir kaum mit den Pulvern experimentiert haben, sondern mit Lösungen. Wir haben immer direkt aus den Pulvern Lösungen hergestellt. Nach jedem Labortag habe ich mir die Hände gewaschen und es waren vielleicht insgesamt vier Tage, wo ich überhaupt mit den Stoffen im Labor gearbeitet habe. Zuhause habe ich übrigens kein grünen Teppichboden, sondern Fließen und Parkett.
JohannaS ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.01.2018, 17:03   #6   Druckbare Version zeigen
cg Männlich
Mitglied
Beiträge: 1.270
... und nicht nur mit der Krebsentstehung, sondern auch mit der Wahrscheinlichkeit derselben. Ich war z.B. sehr überrascht, als ich mal las, dass ein normales Sonnenbad von 1 Stunde auf meiner Bauchhaut ca. 100 Millionen Chromosomenbrüche verursacht und die Reparaturmechanismen des Körpers alle wieder reparieren. Erst nach ca. 30 000 solcher Expositionen geht die Reparatur mal schief und ein Hautkrebs entsteht.
Allerdings gibt es noch andere Wirkungen auf die Gesundheit. Da ist man mit den Grenzwerten der WHO, dem ADI gut beraten oder mit unseren deutschen MAK-Werten, die für ein ganzes Berufsleben unter solcher Exposition gelten.

Das Wichtigste ist aber, sauber arbeiten zu lernen. Dass das durch handschuhloses Arbeiten gefördert werden soll ist ziemlicher Unsinn.
Das Arbeiten mit einer farblosen Substanz, deren Spuren sich über Nacht in stark färbende Stoffe verwandeln, wirkt da sehr erhellend. Z.B. Malachitgrün-Leukobase, Silbernitrat. Auch der Umgang mit farblosen, aber unter der UV-Lampe fluoreszierenden Substanzen (z.B. optische Aufheller, Coumarine) zeigt schnell, wo frau und man besser werden kann und sollte.

Meiner Ansicht nach sollten solche Arbeiten geübt werden bevor mit KMR-Stoffen umgegangen wird.
cg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.01.2018, 17:34   #7   Druckbare Version zeigen
imalipusram  
Mitglied
Beiträge: 6.485
AW: Ängste

Wir haben seinerseits (1986-90) fast alles ohne Handschuhe angefaßt, außer es war wirklich gefährlich. Nasse Handschuhe fördern Glasbruch, weil Glas Geräte damit fast unkontrollierbar durch die Gegend flutschen. Was kaum jemand berücksichtigt ist, daß Handschuhe nur einen zeitlich begrenzten Schutz gegen nicht alles bieten (Stichworte: Beständigkeit und Durchbruchzeit). Nix ist übler, als daß einem undefinierte Chemikaliengemische mit der Zeit auf durch von Schweiß aufgeweichte Hände diffundieren. Dazu kommt, daß manche Zeitgenossen meinen, stundenlang mit den gleichen Handschuhen rumzulaufen und währenddessen alles Mögliche (und Unmögliche) anfassen und so unbemerkt Kontaminanten im Lab verteilen und dann auch noch meinen, diese Handschuhe mehrfach verwenden zu müssen. Damit tut man weder sich noch anderen etwas Gutes.
__________________
I solemnly swear that I'm up to no good!
伍佰 (WuBai - Run run run!) (ein Musikvideo mit dem Bambushaus und dem imalipusram unter den Statisten)
Noch ein nettes Video (nerdy, ein LIHA-Robot)
Und so gehts hier manchmal zu (sowas Ähnliches wie Fronleichnam, hier wird TuDiGong, dem Erdgott, tüchtig eingeheizt!) Oder so (auch ungeeignet für Gefahrstoffphobiker) und so und so.
imalipusram ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.01.2018, 00:10   #8   Druckbare Version zeigen
kaliumcyanid Männlich
Mitglied
Beiträge: 18.988
AW: Ängste

Woher kommt dieses Aufflammen von Krebsängsten in den letzten Monaten?
Klassischer Satz: das gabs doch früher nicht.

Übrigens: Rauchen, Alkohol trinken und gegrillte bzw. gebratene Speisen zu sich zu nehmen ist auch potentiell krebserregend. Stress dito. Feinstaub, Autoabgase sind auch nicht gesundheitsfördernd. Und trotzdem setzt man sich dem tagtäglich aus, mehr oder weniger.

Vielleicht sollten sich die Betroffenen eher mit irrationalen Ängsten und deren Entstehung beschäftigen, anstatt sich mit Literatur über Krebs noch mehr Angst einzujagen und das ungute Gefühl zu versachlichen, mithin zu bestätigen? Tenor: es gibt einen begründeten KMR-Verdacht, also bin ich auch betroffen.
(eventuelle Untertöne bitte nicht falsch verstehen)
kaliumcyanid ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.01.2018, 00:26   #9   Druckbare Version zeigen
rettich Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.477
AW: Ängste

Man könnte ja ein eigenes Unterforum aufmachen. Im OT-Forum.
__________________
mfg: rettich

Man kann gar nicht so dämlich denken wie
andere Handeln.
Speziell im Strassenverkehr und im Labor.

Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens.
rettich ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.01.2018, 02:18   #10   Druckbare Version zeigen
pleindespoir Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.324
AW: Ängste

Zitat:
Zitat von rettich Beitrag anzeigen
Man könnte ja ein eigenes Unterforum aufmachen
Überschrift "Chemophobie" schlage ich mal vor ...
__________________
Schach is voll langweilig:
Immer die gleiche Map und die Charakter kann man auch nicht modden.
pleindespoir ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.01.2018, 09:50   #11   Druckbare Version zeigen
Tiefflieger Männlich
Moderator
Beiträge: 5.530
AW: Ängste

Zitat:
Zitat von cg Beitrag anzeigen
... oder mit unseren deutschen MAK-Werten....
Welche sich seit einigen Jahren AGW nennen.

Zitat:
Zitat von cg Beitrag anzeigen
... Das Wichtigste ist aber, sauber arbeiten zu lernen. Dass das durch handschuhloses Arbeiten gefördert werden soll ist ziemlicher Unsinn.....
Das sehe ich nicht so. Handschuhe verleiten zu nachlässigem Handeln, denn man hat ja noch eine Barriere.
Viele Tätigkeiten könnte man problemlos ohne Handschuhe durchführen, aber da müsste man sich ja Gedanken zu den Stoffen, deren Wirkungsweisen usw. machen. Da wird von so manchem Verantwortlichen einfach Handschuhe tragen vorgegeben, ohne darüber nachzudenken was dies für die Haut bedeutet.
Auch wird oft vergessen, dass die üblichen dünnen Einweghandschuhe schon ab Werk eine Lochrate von ca. 10% besitzen und nach EN 374 trotzdem als dicht gelten.
__________________
Vernünftig ist, dass die politischen Spitzen, wenn sie miteinander sprechen, darüber sprechen, wie mit der Sache umzugehen ist, wie ernst Vorwürfe zu nehmen sind und wie man damit umgeht, Vorwürfe zu besprechen, zu klären, zu verifizieren oder aus der Welt zu schaffen. (2013 Regierungssprecher Seibert)
Tiefflieger ist offline   Mit Zitat antworten
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