Organische Chemie
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Organische Chemie Fragen und Antworten zur Chemie der Kohlenwasserstoffe. Hier kann alles von funktionellen Gruppen über Reaktionsmechanismen zu Synthesevorschriften, vom Methan zum komplexen Makromolekül diskutiert werden.

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Alt 08.09.2014, 22:00   #1   Druckbare Version zeigen
Paradiso  
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 26
Warum geben Braunkohlekraftwerke so viel Quecksilber in die Luft ab?

Hallo,

deutsche Brankohlekraftwerke stossen über das Abgas jährlich 300 kg Quecksilber aus. Warum? Quecksilber müsste im Schlot doch eigentlich kondensieren und runterfallen. Oder während der Reinungsprozesse des Abgases herausgewaschen werden, weil es schwer ist, die Umgebung relativ kühl und Quecksilber bei Normaltemperatur flüssig ist. Das macht irgendwie nicht so viel Sinn..

Danke schonmal fürs Antworten,

Gruss!
Paradiso ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.09.2014, 22:09   #2   Druckbare Version zeigen
kaliumcyanid Männlich
Mitglied
Beiträge: 19.328
AW: Warum geben Braunkohlekraftwerke so viel Quecksilber in die Luft ab?

Ein Verdacht, mehr geraten als gewusst:

300 kg Hg sind eine große Masse, aber ein anderes Volumen - siehe Dichte. Verteilt auf 365 Tage im Jahr wird die Zahl schon kleiner. Wenn man dann noch bedenkt, dass kleinere Mengen sicherlich immer mitgerissen werden und selbst eine sehr gute Filteranlage nicht alles filtert, so halte ich die 300 kg nicht für völlig unplausibel. Bezogen auf das Rauchgasvolumen einer definierten Zeiteinheit ist sicherlich eine gewisse Senkung des Hg-Anteils möglich. Dafür fehlen mir aber konkrete Zahlen.
Wir sprechen ja nicht von 300 kg am Tag, die da durch den Kamin rauschen und eigentlich kondensieren und runterfallen "müssten".
kaliumcyanid ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.09.2014, 23:39   #3   Druckbare Version zeigen
rettich Männlich
Mitglied
Beiträge: 5.694
AW: Warum geben Braunkohlekraftwerke so viel Quecksilber in die Luft ab?

Ich habe jetzt nur mal eine Suchmaschine gefüttert und das als ein Ergebnis erhalten:
http://www.l-iz.de/Wirtschaft/Metropolregion/2014/08/Sachsens-Braunkohlekraftwerke-sind-Quecksilber-Schleudern-56877.html
Man sollte mal alle Kraftwerke im Netz suchen.
Vor dem Ergebnis , denke ich ,kann man sich fürchten.
mfg : rettich
__________________
mfg: rettich

Man kann gar nicht so dämlich denken wie
andere Handeln.
Speziell im Strassenverkehr und im Labor.

Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens.
rettich ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 09.09.2014, 09:00   #4   Druckbare Version zeigen
safety  
Mitglied
Beiträge: 1.664
AW: Warum geben Braunkohlekraftwerke so viel Quecksilber in die Luft ab?

Informationen zum Hg-Ausstoss von Großfeuerungsanlagen sind z.B. in den BVT-Unterlagen des UBA zu finden: http://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/beste-verfuegbare-techniken/sevilla-prozess/bvt-download-bereich
Zitat:
Schwermetalle
Die Emission von Schwermetallen resultiert aus ihrem Vorkommen als natürlicher Bestandteil in fossilen
Brennstoffen. Die meisten der in Betracht kommenden Schwermetalle (As, Cd, Cr, Cu, Hg, Ni, Pb, Se, V, Zn)
werden normalerweise in Form von Verbindungen (z. B. Oxide, Chloride) zusammen mit Staub freigesetzt.
Daher beinhalten BVT zur Minderung der Schwermetallemission in der Regel die Anwendung von
Hochleistungsentstaubungsanlagen wie sie elektrostatische Abscheider oder Gewebefilter darstellen.
Lediglich Hg und Se treten zumindest teilweise in der Dampfphase auf. Quecksilber weist bei den typischen
Betriebstemperaturen von Abscheidungseinrichtungen einen hohen Dampfdruck auf, und seine Abscheidung
durch Feinstaubminderungseinrichtungen schwankt sehr stark. Bei elektrostatischen Abscheidern oder
Gewebefiltern, die in Kombination mit Abgasentschwefelungsverfahren betrieben werden, wie z. B. der
Kalksteinwäsche, dem Sprühabsorptionsverfahren oder der Trockenadsorbens-Eindüsung, beträgt der
durchschnittliche Hg-Abscheidegrad 75 % (50 % bei elektrostatischen Abscheidern und 50 % bei
Abgasentschwefelungsanlagen), und bei zusätzlichem Vorhandensein einer selektiven katalytischen Reduktion
(SCR) in high-dust-Schaltung (Anordnung zwischen Kessel und Staubabscheider) lassen sich 90 % erzielen.
safety ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 09.09.2014, 09:11   #5   Druckbare Version zeigen
chemiewolf Männlich
Mitglied
Beiträge: 23.439
AW: Warum geben Braunkohlekraftwerke so viel Quecksilber in die Luft ab?

Zitat:
Zitat von Paradiso Beitrag anzeigen
Warum geben Braunkohlekraftwerke so viel Quecksilber in die Luft ab?
weil die gesetzlichen Auflagen so lax sind.
__________________
The State Senate of Illinois yesterday abandoned its Committee on Efficiency and Economy for reasons of 'efficiency and economy'.
De Moines Tribune, 6 February 1955
chemiewolf ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.09.2014, 11:44   #6   Druckbare Version zeigen
safety  
Mitglied
Beiträge: 1.664
AW: Warum geben Braunkohlekraftwerke so viel Quecksilber in die Luft ab?

Zitat:
Zitat von chemiewolf Beitrag anzeigen
weil die gesetzlichen Auflagen so lax sind.
Rollen Sie diesen Ansatz mal auf die 14 Mio. Kamine im häuslichen Bereich aus, die absolut keine Rauchgasreinigung haben.
safety ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 09.09.2014, 11:48   #7   Druckbare Version zeigen
chemiewolf Männlich
Mitglied
Beiträge: 23.439
AW: Warum geben Braunkohlekraftwerke so viel Quecksilber in die Luft ab?

Zitat:
Zitat von safety Beitrag anzeigen
Kamine im häuslichen Bereich
wird da Braunkohle verheizt? Oder ist in Steinkohle/Holz genau so viel drin?
Ausserdem rechtfertigt ein Versäumnis nicht andere... .
__________________
The State Senate of Illinois yesterday abandoned its Committee on Efficiency and Economy for reasons of 'efficiency and economy'.
De Moines Tribune, 6 February 1955
chemiewolf ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.09.2014, 12:48   #8   Druckbare Version zeigen
Cyrion Männlich
Mitglied
Beiträge: 6.653
AW: Warum geben Braunkohlekraftwerke so viel Quecksilber in die Luft ab?

Die 300 kg pro Jahr - oder wie viele es auch sonst wie sein mögen - sind total erschreckend. Zumal sie jeglicher Referenz entbehren.

Um auch nur einigermaßen abschätzen zu können, was es bedeutet, sollte man zumindest mal überschlagsmäßig wissen, wie viel Hg denn durch andere Prozesse und den Menschen im Allgemeinen im die Umwelt entlassen werden. Sollten 30% der deutschen Hg-Emssionen durch die Braunkohleverfeuerung in Kraftwerken entstehen, dann sind reduzierende Maßnahmen sinnvoll. Sind es nur 0,5%, dann sollte man seinen Fokus zuerst mal auf andere Bereiche legen.

Deswegen gehen wir mal in den Text der kleinen Anfrage hinein. da gibt es nämlich ein paar Zahlen:

Deutschlandweiter Gesamtausstoß 1992: 21,4 to, 2012: 10,4 to. (Erster Gedanke: Das Problem wird wohl mal größer gewesen sein.)
Die Energiewirtschaft trägt - nach Aussagen der "kleinen Anfrage" - den Hauptteil zur Emission bei. Eine Zahl wird hier nicht genannt. Bei einer Gsamtemission vom mehr als 800 kg in Sachsen, dürfte aber durchaus damit gerechnet werden, dass 30-70% der Hg-Emissionen durch die Verbrennung von Kohle entstehen.
Der Hg-Gehalt in der in Sachsen verfeuerten Braunkohle nimmt tendenziell eher zu.

Mal ganz nüchtern betrachtet: Es Hg-Problem in diesem Lande dürfte mal größer gewesen sein. Eine Ursache für eine hohe Sterberate wurde darin nicht gesehen. Trotzdem ist Hg in der Luft alles andere als spaßig. Die zu erwartende höhere Belastung sollte aber durch geeignete Maßnahmen zumindest ausgeglichen werden. Das Ansetzen bei der Verstrohmung ist sinnvoll. Zahlen zur Hg-Belastung von Kleinfeuerungsanlagen und die möglichen Maßnahmen zu einer Reduzierung dieser Belastung sollten mal angeshaut werden.
__________________
Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim: Allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.

Erfahrung: Wenn es so einfach wäre, hätte es schon längst jemand gemacht
Cyrion ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 09.09.2014, 13:13   #9   Druckbare Version zeigen
safety  
Mitglied
Beiträge: 1.664
AW: Warum geben Braunkohlekraftwerke so viel Quecksilber in die Luft ab?

Auf die Energieerzeugung (industriell) entfallen in Deutschland etwa 7,5 Tonnen Hg pro Jahr, die Verbrennung in Haushalten liegt bei etwa 0,4 Tonnen pro Jahr.

Braunkohle und Steinkohle: 0,3 bis 1,3 mg/kg TS, Nadelholz: 0,02 bis 0,05 mg/kg. Brennwertbezogen liegen Holz und Kohle näher beeinander so um 0,01 bis 0,04 mg/kWh.

Geändert von safety (09.09.2014 um 13:21 Uhr)
safety ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 09.09.2014, 17:07   #10   Druckbare Version zeigen
Florian98 Männlich
Mitglied
Beiträge: 867
AW: Warum geben Braunkohlekraftwerke so viel Quecksilber in die Luft ab?

Die Natur hatte schon vor Millionen von Jahren Quecksilber gebunden. Durch Verfeuerungsanlagen wird das Quecksilber wieder freigesetzt.

Deine Frage bezieht sich auf den Windofen - sofern dir das was sagt.
Einfach gesagt handelt es sich um die Schwerkraft - warme Luft steigt nach oben, kalte Luft strömt unten nach (Luft-Sog).
Diesen Effekt kann ich verstärken, in dem ich das Gas durch einen Schornstein in kältere Luftschichten ausströmen lasse, quasi, je höher der Schornstein ist, desto größer ist der Sog. Das gilt auch, je wärmer die Esse/Schornstein ist, desto hoher ist der Sog bzw. die Windgeschwindigkeit im Schornstein. Damit hatte man in alten Zeiten wunderbar Labore von Giftgasen freigehalten.
Im Schornstein selber entstehen nach dem Fuchs Temperaturen um die 360-380°C (bei einem nicht isoliertem Ziegelschornstein) - glaub ab 357°C geht Quecksilber in die Gasphase über. Damit kann man wunderbar (je nach Windrichtung) metallisches Quecksilber in die Umwelt verteilen.
Die Windgeschwindigkeit im Schornstein selber kann man durch die Temperaturunterschiede ausrechnen.

Flo

Geändert von Florian98 (09.09.2014 um 17:18 Uhr)
Florian98 ist offline   Mit Zitat antworten
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