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Alt 17.12.2002, 02:59   #7   Druckbare Version zeigen
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Schwarzer Phosphor

Zitat:
Wie sieht’s denn an den Unis aus – wird dort bei der Behandlung der HG-Elemente den Studenten nicht wenigstens schwarzer Phosphor demonstriert oder gar einige seiner Reaktionen (z.B. mit Säuren und Sauerstoff) oder überwiegt dort auch die „Kreidechemie“? Wäre schon traurig.
Hand auf's Herz - wer hat denn schon mal realen schwarzen Phosphor gesehen - "ihn in der Hand" gehabt?
PS: metallisches Eu (gran. 99,9 %) steht neben weiteren Lanthaniden in meiner Sammlung - zur Anschauung.
Sicher spielt in der heutigen universitären Chemikerausbildung die Theorie die herausragende Rolle - aber ist es haltbar, daß ein angehender Chemiker die Struktur des schwarzen Phosphors oder die Thematik der Lanthanidenkontraktion aus dem FF "herbeten" kann (so er denn kann), ohne auch nur ein einziges Mal beispielsweise die Metalle der Lanthaniden (mit Ausnahme des Pm nat.) in seiner Hand in Augenschein genommen zu haben? Die Abkehr von der guten alten "Stoffkunde" scheint mir zu abrupt - ich denke, viele große Chemiker der Geschichte würden in ihren Gräbern rotieren, wenn sie wüßten, wie praxisfern oft die Ausbildung gerade im Grundstudium abgehalten wird. Wenn sie früher nur nach dem praktischen Nutzen (u.a. Angebot - Nachfrage) gegangen wären, die meisten Entdeckungen wären nie gemacht worden. Davy interessierte in erster Linie die wahre Natur von Na, K, Ca, Mg und Ba auch ungeachtet der Tatsache, daß diese Metalle zu seinen Lebzeiten mehr oder weniger Laborkuriositäten blieben.
Liebe zur Chemie heißt m.E. auch Liebe zum eigentlichen Gegenstand der Chemie, also auch "Liebe zu den Stoffen" - ganz real und nicht nur Stoffkenntnis aus Büchern und von Fotos aus dem Web.
Ich weiß inzwischen aus eigener Erfahrung, wie Fluor aussieht (+ wie heftig es reagiert z.B. mit Al, C ...) und wie es riecht - und lebe noch! Jeder Student im Erstsemester sollte wenigstens einmal Ga in seiner Hand schmelzen gesehen (+ gefühlt) haben und Benzol auf Anhieb am Geruch erkennen - von einigen vorsichtigen Geruchsproben bekommt niemand Krebs! Auch gelbe Finger von Salpetersäure und weiße kribbelnde Hautareale von H2O2 gehören zu den unbedingten Erfahrungswerten - besser kann man die Xanthoproteinreaktion nicht "hautnah" erleben. Fächelt man sich vorsichtig die Luft über einer geöffneten NaCN-Flasche zu, kann man sehr gut den Geruch von Blausäure erahnen, ohne gleich in Lebensgefahr zu schweben ...
OK - es ist spät genug - habe bloß mal "laut nachgedacht".
Meine Ausgangsfrage war ja, wer schon mal schwarzen P "erlebt hat"? Erinnere mich gut daran, wie aufregend ich es fand, das erste Mal eine weinrote Lösung von Fullerenen in Benzol gewonnen zu haben und anschließend einen Teil eindunsten ließ bzw. einige Reaktionen mit ihr durchführte - parallel-vergleichend dazu dieselben Reaktionen mit käuflichem C60 in Benzol und Toluol.
PS Ende.
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