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Alt 28.10.2006, 01:04   #24   Druckbare Version zeigen
Godwael Männlich
Moderator
Beiträge: 12.173
Blog-Einträge: 12
AW: Nachweis von Brandbeschleunigern

Zitat:
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie meine Interpretation, die Sie als "extrem selektiv"
und "reichlich zurechgebogen" bezeichnen ein bischen an Detail erklären könnten.
Aber sicher doch.
Nur mal vorweg, das ist nicht als Anschuldigung gemeint.

Wenn man einen Standpunkt begründet, sucht man sich natürlich selektiv Indizien, die zu dieser Ansicht passen. Das ist generell ein großes Problem in der Wissenschaft, wenn man mit einem bestimmten Ergebnis im Kopf mit dem Sammeln von Fakten beginnt. Davor muss man sich sehr hüten.

Und ich habe den Eindruck, genau das passiert Ihnen hier zumindest teilweise.

Ich geh das mal nacheinander durch:
Zitat:
- die Substanzen 2-Butanon und 3-Methyl-2-butanon stammen vom Brand des Kiefernholzes, also sind sie Überall vorhanden
Plausibel, besonders wenn in der Wohnung viel Holz war.

Zitat:
- Ethanol stammt im EG vom Wein (2-3 Flaschen a 0,7 l ca. 12% vol. = 180 - 250 ml Ethanol) im OG Desinfektionsmittel SoftaSept
(1 l < 75% vol. = 700 - 750 ml Ethanol)
Da bin ich skeptisch, gerade im OG scheint mir doch reichlich viel von dem Zeug unterwegs gewesen zu sein. Und wenn sich der Ethanol im OG so weit verbreiten konnte, warum nicht auch im EG? Wie kommt der Alkohol in die Matratze, bzw in die Sofagarnitur?
Außerdem entnehme ich der Probennahme an Position 7 im Erdgeschoss, dass das WC neben dem Eingang ebenfalls vom Feuer betroffen war. In Toiletten findet man oft alkoholhaltige Kosmetika oder Reinigungsmittel, genau wie in der Küche. Ethanolspuren wurden dort nicht gefunden. War da nichts derartiges?

Zitat:
- Spurenbild ergibt, dass im EG Ethanol nur in der näheren Umgebung von der Stelle wo die Weinflaschen lagen und im OG da 3-4 Mal größere Menge von Ethanol vorhanden war fast überall.
Hier sehe ich halt einen Widerspruch: Wenn sich der Alkohol oben so gut verteilt hat, warum unten nicht?

Zitat:
- im Schlafzimmer im OG sind am Boden fast keine Spuren von Ethanol zu finden, da die Rauchgas- und Flammenströmung aus dem Krankenzimmer wo SoftaSept war die Richtung zum zerborstenem Fenster im Schlafzimmer annahm - über dem Boden.
Auch hier wieder die Frage: Der Alkoholdampf soll quer durchs Obergeschoss gezogen sein. Warum? Direkt neben der Flasche war doch ein Fenster. Und selbst wenn, so wäre der Dampf unter der Decke lang gezogen (genau wie Rauch) und keinesfalls auf dem Boden - warum findet man Ethanolspuren im Flur auf dem Fußboden, im Schlafzimmer wiederum nicht, dafür dann in der Matratze?

Hier wäre natürlich eine Möglichkeit, dass der Ethanoldampf tatsächlich mit dem Löschwasser zum Boden gewaschen wurde. Das erscheint mir aber angesichts der geringen Menge Alkohol im Vergleich zum Löschwasser ziemlich gewagt. Um als Dampf aus der Luft gewaschen zu werden, muss sich das Zeug ja erstmal im flüssigen Wasser lösen. Wir reden hier aber von tausenden Litern Löschwasser, in denen der Alkohol gelöst wäre und dann in den Boden geht. Dass Ethanol Spurenweise nach einer derartigen Spülung im "Bodensatz" verbleibt, weil er vorher im flüssigen Zustand da hin gekommen ist, kann ich mir gut vorstellen; dass der Alkohol aus einer extrem verdünnten Lösung in nachweisbaren Spuren in den Boden sickert, strapaziert meinen guten Glauben doch erheblich...

Ich kann mich da sicherlich irren, schließlich urteile ich nicht gerade in umfassender Kenntnis aller Fakten, aber die Ethanolgeschichte passt für mich hinten und vorne nicht zusammen.

Ich hoffe, ich konnte ihnen meine Vorbehalte gegenüber Ihrer Version verständlich machen.
__________________
Gruß,
Fischer


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