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Alt 27.10.2006, 14:50   #5   Druckbare Version zeigen
Schkopau weiblich 
Mitglied
Themenerstellerin
Beiträge: 4
AW: 'DAS' Polyacrylsäureester

Diese Suche nach 'DAS' fand ich eben auch nicht prickelnd.

Aber ich bin fündig geworden:

Im 'handbuch der plaste und elaste, VEB Chemische Werke Buna, 1967' steht folgendes:

Polyacrylat – Schkopau – Dispersionen

Begriff
Die verschiedenen Marken der Polyacrylat – Schkopau – Dispersionen sind weichmacherfreie, wäßrige Plast-Dispersionen auf Basis von Acrylsäure-ester. Sie enthalten einen anionaktiven Emulgator.
Die Dispersionen stellen milchartige Flüssigkeiten niedriger Viskosität dar und geben einen schwachen typischen Estergeruch. Durch Einwirkung von Frost werden sie zerstört und sind nicht mehr brauchbar.
Die Polyacrylat – Schkopau – Dispersionen werden in Holzdichtfässern mit Polyäthyleneinstellsack mit 100 kg Inhalt geliefert. Sie müssen, vor Frost geschützt, bei normaler Temperatur gelagert werden. Die Dispersionen sollen nicht mit Metallen, wie Aluminium, Zink, Eisen, in Berührung gebracht oder in solchen Gefäßen gelagert werden.

Typen
Das Sortiment an Polyacrylat – Schkopau – Dispersionen umfaßt folgende Typen:
Neue Bezeichnung alte Bezeichnung
Polyacrylat Schkopau D 310 Polyacrylsäureester Schkopau DA 40
D 312 DAS 40
D 313 DASS 40
D 314 DSR 40
D 320 DAJ 40
D 322 DAV 50
D 330 DASS 299

Eigenschaften
...
Die Typen D 312, D 313, D 314 enthalten Acrylsäure als Comonomer. Das Hauptmerkmal ist die Verdickbarkeit mit Ammoniak oder Triäthanolamin. Die Dispersionen werden erst in alkalischer Einstellung mit Füllstoffen verträglich.
Die Typen D 312 und D 313 unterscheiden sich dadurch, daß die Marke D 313 stärker verdickbar ist. Polyacrylat Schkopau D314 ist eine besonders stabiliserte Einstellung des D 313 und dadurch gegen mechanische Einwir-kung bei der Verarbeitung weniger empfindlich.
...

Filme
Die Dispersionen ergeben nach dem Verdunsten des Wassers durchsich-tige und farblose, bei D 322 z. T. schwach gelbstichige Filme, die je nach Zusammensetzung des Polymers weich und klebrig bis steif und nicht klebrig ausfallen. Die Filme der verdickbaren Typen nehmen nach der Neutralisation erheblich an Festigkeit zu. Die klebrigen Filme besitzen gute Hafteigenschaften. Die Filme der weichen Typen zeichnen sich durch gute Kältebeständigkeit aus. Acrylsäureesterpolymere verändern ihre Eigenschaften unter Einwirkung von Sonne und Licht nicht.

Verträglichkeit
Die Dispersionen lassen sich mit Wasser verdünnen. Mit Alkalien kann die Reaktion basisch eingestellt werden. Die Typen D 312, D 313, D 314 dicken bei Zusatz von Ammoniak bis zu pastöser Konsistenz an, die Type D 322 nur schwach. Die Stabilität wird durch Zugabe von Ammoniak ver-bessert.
Mit Kaseinlösung sind die Dispersionen gut verträglich. Sie sind empfindlich gegenüber dem Zusatz von Salzen. So werden Harze durch Lösungen von Calciumchlorid oder Aluminiumsulfat gefällt.
Von manchen Lösungsmitteln werden größeren Mengen aufgenommen. ...
Gegen Füllstoffe sind die Polyacrylat-Typen unterschiedlich empfindlich. ... Die Marken D 312, D 313 und D 314 sind nach der Neutralisation so gut mit Füllstoffen verträglich, daß über 600 Prozent Kaolin oder andere Füllstoffe eingetragen werden können. Pigmente sollten vor dem Zusatz angepastet werden. Die Füllstoffverträglichkeit wird durch den Zusatz stabilisierend wirkender Substanzen verbessert. Als solche sind nichtionogene Tenside, poly-acyrylsaure Salze oder Polyphosphate geeignet.
Mit Weichmacheremulsionen sind Polyacrylat - Dispersionen verträglich. Es ist jedoch nicht üblich mit Weichmachern zu arbeiten, weil die Acrylate durch Copolymerisation weich eingestellt werden. Eine wichtige Eigenschaft der Filme liegt darin, daß sie gegen die Wanderung von Weichmachern eine Sperrschicht bilden. Es kann zum Beispiel bei Leder die Abwanderung des Weichmachers aus einer Kollodiumdeckschicht durch eine Grundierung mit Polyacrylat – Dispersion verhindert werden.
Vielfach werden die Polyacrylat – Dispersionen, die Carboxylgruppen ent-halten, in Kombination mit Melamin- oder Harnstoffharzen verarbeitet. Die Carboxylgruppen reagieren mit den Methylolgruppen der Formal-dehydharzen bei entsprechender Härtung. Die Polymere werden auf diese Weise fest gegen Wasser und Lösungsmittel, vor allen Chlorkohlenwasser-stoffe.

Mischbarkeit
Die Polyacrylat - Dispersionen können ohne Störung miteinander gemischt werden. Es ist zweckmäßig den Säuregehalt der Typen D 312 und D 313 vor dem Mischen mit Ammoniak abzustumpfen. Die Kombination mit anderen Dispersionen erfordert Aufmerksamkeit. ...

Andicken
Für viele anwendungstechnische Zwecke ist es notwendig, die Viskosität zu erhöhen, d.h. die Dispersionen anzudicken. ... Polyacrylat Schkopau D 312 bildet eine dicke Paste bei Zusatz von Ammoniak oder Triäthanolamin. Ammoniak soll nicht als konzentrierte Lösung verwendet werden, weil sonst klumpige Verdickung sie Folge ist. Man gibt das etwa 1:1 bis 1:2 verdünnte Ammoniak langsam unter Rühren zu. Eventuell entstehende Klumpen zer-gehen beim Stehen. ....
Bezüglich des physiologischen Verhaltens werden die Polyacrylat Schkopau – Dispersionen als untoxisch beurteilt, sofern nicht beim Ansetzen Zusatzstoffe verwendet werden, die nach Art und Menge den Vorschriften des Lebensmittelgesetzes widersprechen.

Einsatz
Die hervorragenden Eigenschaften der Filme von Polyacrylat – Dispersionen (Weichheit, Haftvermögen, Kältebeständigkeit, Lichtechtheit, Alterungsbe-ständigkeit, Pigmentbindevermögen) erschließen zahlreiche Einsatzgebiete.
...
Auf dem Klebstoffsektor liegt der Einsatz von Polyacrylat – Dispersionen nahe, da die Filme der Typen D 310, D 312, D 313 und D 320 gute Klebrig-keit aufweisen. Auch im abgetrockneten Zustand lassen sie sich durch wärme gut siegeln. Die Type D 312 eignet sich für das Verkleben von PVC-Weich-Folien untereinander wie auch mit anderen Werkstoffen (Alumi-niumfolien oder Holz). Solche Kleber bieten für Folien den Vorteil, daß diese nicht wie von Lösungsmittelklebern angegriffen werden. Vorzüglich sind solche Klebdispersionen für das Verbinden von Schaumpolystrol mit sich selbst oder mit anderen Werkstoffen geeignet. Auch das Kaschieren von Acetatfolie oder Aluminiumfolie mit Papier ist mit solchen Klebstoffen möglich. ....

Standards
Für die Qualität der Polyacrylate Schkopau D310, D 312, D 313, D 314, D 320 ist der Werkstandard BN-P 4500 gültig. Für die Typen D 322 und D 330 liegen TLB vor.



Polyacrylat Schkopau D 312:
Trockenrückstand %: 39..41
Monomer – Gehalt % höchstens: 0,3
Viskosität cP (25°C: 5..20
pH-Wert: 4..6
Dichte (25°C): 1,04.1,06
Filmbeschreibung: gasklar, weich, klebrig, glänzend
Oberflächenspannung dyn/cm: ca. 35
Stockpunkt °C: unter 0
Film – Reißfestigkeit kp/cm²: ca. 10
Film – Reißdehnung %: üb. 2000
[/FONT]

Daraus ergeben sich für mich neue Fragen:

1. Was ist ein anionaktiver Emulgator? Ist das einfach nur ein Stoff, der in der Lage ist anionische Stoffe in einer Dispersion zu stabilisieren?

2. Durch Einwirkung von Frost sei das Material nicht mehr brauchbar. Bezieht sich das nur auf die Stand- und Verarbeitungszeit oder betrifft diese Aussage wohl auch das ausreagierte Endprodukt (nach Verdunstung des Bindemittels)? In Bezug auf mein Objekt scheint es sich nur auf die Stand- und Verarbeitungszeit zu beziehen. Ich weiß allerdings auch nicht, wie der Stoff als intakte Masse aussehen sollte.

3. Die Sorte D 312 (mein gesuchter Stoff) enthält 'Acrylsäure als Comonomer'. Was sagt mir das bezüglich der Anwendung und Reaktionsfähigkeit. Steht diese Acrylsäure im Zusammenhang mit der 'Verdickbarkeit mit Ammoniak oder Triäthanolamin'?

4. Eine Frage die sich aus 3. ergibt: Könnte durch eine IR-Analyse das Verdickungsmittel nachgewiesen werden? (Mein gesuchter Stoff wurde vermutlich verdickt angewendet. Ammoniak ist ein kritischer Stoff an diesem Objekt bezüglich der Pigmente und deren Bindemittel.)

5. Die Filmbildung sollte klebrig und farblos erfolgen. Meine Probe ist nur im Innern auch farblos. Kann die Verschwärzung der Oberfläche durch chemische Alterung erfolgt sein (entgegen der oben beschriebenen Alterungsbeständigkeit) oder können dies nur Verschmutzungen / Einlagerungen anderer Stoffe sein? Die Frage ist insofern wichtig für mich, da dieses Produkt auch zur Oberflächentränkung verwendet wurde und hier eine Verfärbung des Produktes ungelegen wäre.

6. Das Polyacrylat bildet eine Trennschicht gegenüber Weichmachern. Neue acrylbasierte Anstrichsysteme sind laut Beschreibung wasserdampfdurchlässig. Kann ich daher davon ausgehen, dass dieses Produkt wasserdampfdicht ist, wie es auch Weichmacher sperrt und die Acrylanstrichsysteme nur bis zu einer bestimmten Schichtdicke wasserdampfdurchlässig sind?

7. 'Die Dispersionen sollten nicht mit Metallen in Verbindung gebracht werden.' Gilt diese Aussage auch für das gealterte, ausreagierte Produkt? Und was wäre die Reaktion? Die Verarbeitungswerkzeuge (Kanülen, Spachtel usw.) sind aus Metall.

8. Was ist der 'Werkstandard BN-P 4500' und was ist 'TLB'?

Das sind einige Fragen, die ich gerne recht einfach beantwortet hätte. Mir geht es nur darum zu klären, was ich an der Wand bzw. hinter meinem Putz habe und wie ich damit umgehen muss bzw. kann. Gegebenenfalls, wie ich das DAS 40 / D 312 von der Wand bekomme ohne den historischen Putz zu schädigen (er sollte nicht mit Kunststoffen getränkt werden).

Damit wünsch ich mal wieder ein schönes Wochenende.

mfg Annegret
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