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Alt 03.01.2006, 15:13   #29   Druckbare Version zeigen
myxon  
Mitglied
Beiträge: 4
AW: Warum klebt Kartoffelstärke

Ich hab zum Thema natürliche Klebstoffe mehrere Fragen :

Glutinleime
Glutin wird aus den Kollagenen von tierischen Körpern durch fettfreies Kochen im Wasser gewonnen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Gelantie, Haut-, Knochen-, Leder-, Fisch- und Hasenblasenleimen. Der Rohleim entsteht durch Gelierung bei Abkühlung und durch Verdampfen des restlichen enthaltenen Wassers. Die trockenen Leimsorten werden unter ständigen Rühren bei etwa 60°C im Wasser langsam gelößt und müssen erst eine bestimmte Zeit aufquellen bevor sie verarbeitet werden können.

Was genau geschiet beim Aufquellen? Ich vermute mal, dass Glutin kolloidal lößlich ist und sich Wasser an den einzelnen Proteine anlagert. Warum hat es aber plötzlich einen klebrigen Charakter?? Oder ist dieser "Klebefähigkeit" des Glutins von Anfang an gegeben? Findet eine chemische Veränderung während des Herstellungsproesses statt?

Glutinleime können schon bei minimaler Abkühlung gelieren und besitzen deshalb eine ausgezeichnete Anfangshaftung.
Durch den Einfluss von starker Hitze (> 65°C), Säuren und Basen wird das Glutin zu Glutose , das keine Klebeigenschaften besitzt, abgebaut.

Findet beim Erhitzen über 65°C auch eine irreversible Denaturierung statt??

Stärke Klebstoffe
Stärke wird aus geeigneten Knollen, Wurzeln und Samen von Pflanzen, wie etwa der Kartoffel, gewonnen. Dabei unterscheidet man zwischen der Amylose, die kolloidial lößlich ist, und dem verzweigten unlößlichen Amylopektin, das im Wasser nur aufquellen kann. Die Phosphatestergruppen an dem verzweigten Ketten des Amylopektins ermöglichen die Verkleisterung und sind deshalb für die Klebstoffherstellung unabdingbar. Druch das Erwärmen bzw. durch Umrühren lößen sich die Wasserstoffbrücken zwischen den Molekühlen und die zu einer Art Micelle zusammengelagerten Makromolekühle werden durch Wassereinlagerung aufgequollen. Bei einer Temperatur von 50-80°C je nach Stärkeart beginnen sich die Makromolekühle nun zu verkleistern.

Was genau geschieht an diesen Phosphatestergruppen? Welche chemische Reaktion findet hier statt? Kommt es dabei zu einem "Kettenwachstum" im Sinne einer Polymerisation? Oder ermöglicht lediglich die "Mircellenauflösung" das bessere Ausbilden von sekundären Bindungskräften, so dass die Masse sich beim Abkühlen verfestigt?

Technisch werden der wässrigen Stärkelösung auch Kali- oder Natronlauge zugegeben um eine Verklebung auszulösen.

Was genau bewirken die Basen? Eine Deprotonierung der Seitenketten führt im möglicherweise zu einer Tertiärstrukturänderung. Aber eine Denaturierung ist doch eigentlich nur durch Säuren, nicht durch Basen, möglich !
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