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Alt 15.12.2005, 00:04   #30   Druckbare Version zeigen
belsan Männlich
Mitglied
Beiträge: 4.635
AW: Frage zum Atombau

Zitat:
Zitat von ehemaliges Mitglied
Immerhin behauptet hier ein Mitglied, dass das Blei exakt oktaedrisch von 6 Jodidionen umgeben sei und dies bei einem hohen Anteil an Kovalenz. Für mich lässt dies nur zwei Möglichkeiten. Entweder mache ich sechs Bindungsstriche oder keinen. Wenn ich keinen mache, ist PbI2 Verhältnisformel und die Bindung eben nicht kovalent, denn wenn sie es partiell wäre, müsste man ja wie beim HF u.s.w. Bindungsstriche machen. Dummerweise aber sechs und nicht zwei.
@Magnesiumchloride
Naja, es macht schon einen Unterschied ob man von Blei(II)chlorid oder Blei(II)iodid redet. Beim Iodid ist die Aussage der oktaedrischen Koordination richtig, beim Chlorid nicht. Das Chlorid kristallisiert in einer "3D"-Struktur, während das Iodid in einer Schichtstruktur kristallisiert, was ein recht typisches Merkmal für den Übergang in Richtung Kovalenz ist, was nicht heißt, dass Blei(II)iodid eine rein kovalente Verbindung ist.

Vielleicht können wir uns darauf einigen, das man bei Kristallstrukturen generell keine Lewisformeln angeben kann (Man würde bei Eis nie auf die Idee kommen), man kann allerdings etwas über die Koordination sagen. Dass man bei der Koordination auch Striche zur skizzenhaften Darstellung auf Papier verwendet, ist eher den damit verbundenen beschränkten Alternativen zu schulden.
Missverständnisse ergeben sich hier meiner Meinung nach nur wieder aus der unrichtigen Annahme, dass es sich bei festem, gelösten und PbCl2in der Gasphase um die selbe chemische Spezies handelt. Für die Spezies in der Gasphase kann man eine sinnvolle Lewisformel angeben (auch für NaCl) für die kristallienen eben nicht.

Zitat:
Vom Fernsehen und Ähnlichem möchte ich mir die Fachdidaktik nur ungern präjudizieren lassen. Ich höre schon hier im Forum so viel an hochtrabendem Unverstand über "Gott und die Welt". Es reden weiß Gott schon zu viele Schüler vollmundig von Dingen, von denen sie so gut wie nichts verstehen. Die Oberfläche ist ebenso riesíg wie dünn.
Dies Anmerkung war nicht in dem Sinne gemeint, dass Herr Bublath und Kollegen als "Lehrmeister" aufzufassen seien. Richtiger ist die Anmerkung, dass sowieso schon darüber geredet wird, mithin der Boden bereitet ist und die Schüler in ihren "diffusen" Vorstellungen schon weiter sind als mitunter die Fachdidaktik es ihnen zutraut. Also warum nicht diese Stimmung aufgreifen und richtig stellen.
Zitat:
Sie haben recht. Im Unterricht wird im Fall von Masse und Ladung unverfroren auf etwas aufgebaut, was sich scheinbar allgemeiner Bekanntheit erfreut, ja sogar als "natürlich" angesehen wird, gleichwohl es ein Konstrukt des Geistes ist wie alle anderen Begriffe der Naturwissenschaft.
Andererseits haben auch Sie schon abstrakte Dinge in unserer Diskussion veranschaulicht und "renaturiert".
Es geht mir nicht um die Ablehnung einer Veranschaulichung über „Renaturierung“. Im Gegenteil, ich mache mir lieber ein Bild von der Chemie, als sie in Formeln oder mathematischen Gleichungen zu denken. Der Punkt ist das was ich an anderer Stelle als Überanschaulichkeit bezeichnet habe. So hilfreich und notwendig Anschaulichkeit ist um Erkenntnisse zu verarbeiten und zu sortieren, so blockierend kann Überanschaulichkeit sein. Einen Atomkern kann man sich als Chemiker ohne weiteres als kleine, positiv geladene Kugel vorstellen, meinetwegen auch rotierend. Das tut nichts zur Sache, weil es für das Verständnis der „Physik der Elektronenhülle“ zumeist völlig hinrechend ist und nur sehr selten zu Komplikationen führt. Leider ist das bei der Elektronenhülle nicht ganz so einfach. Die Elektronenhülle verhält sich halt nicht so wie es die Didaktik gerne hätte.
Also was tun ? Sich so lange an die kleine rotierende Kugel klammern bis es überhaupt nicht mehr anders geht und doch irgendwann, und zumeist völlig unvermittelt, das Wort Elektronenkonfiguration, Aufbauprinzip, Schalen, Unterschalen, Orbital, Hybridisierung, Bändermodell (eher in der Physik) usw. usw. aus dem Hut gezaubert werden muss. Das führt wohl eher zur Konfusion denn zur Klärung.
Warum nicht frühzeitig die Welle wagen, die, ob nun das Ende aller Weisheit oder nicht, diesen Begriffen einen Zusammenhang und damit auch eine Anschaulichkeit liefert.
Es sei noch angemerkt, dass ein Schüler zu Beginn zumeist überhaupt keine Vorstellung vom Elektron hat. Die Vorstellung vom „Kugelteilchen“ ist zunächst so eine Art unbedingter Reflex, dem jeder unterliegt, ähnlich vielleicht der Vorstellung der Erde als Scheibe oder der Himmelskugel. Das Problem ist, dass dieser Reflex systematisch zu einem konditionierten Reflex gefestigt wird.

Zitat:
Da steht man vor einer Klasse und muss Dinge wie den Spin mit irgend etwas verbinden.
Auf die Gefahr hin „Prügel“ zu beziehen.
"Masse ist etwas was sich auf das Gewicht auswirkt.
Ladung ist etwas was sich auf die elektrischen Eigenschaften auswirkt. Wir symbolisieren es mit + und –
Spin ist etwas was sich auf die magnetischen Eigenschaften auswirkt (auswirken kann). Wir symbolisieren es mit „Pfeil rauf“ „Pfeil runter“.
Die Natur dieser Eigenschaften kennen selbst die berühmtesten Wissenschaftler nicht."

Damit kann man eine Vorstellung erzeugen und „schützt“ sich vor Nachfragen – nicht als Ausrede, sondern weil man es offenbar wirklich nicht weiß.

Zitat:
Dann kriegen Sie womöglich auch noch einen Unterrichtsbesuch von einem pädagogischen Besserwisser.
Leider ist es so, dass dann deren Regeln zählen, die mitunter jegliche physikalischen Gesetze außer Kraft setzen.

Zitat:
Wir haben nur das PAULI -Prinzip, das - selbst nicht gerade anschaulich - auch noch unzulässig auf den Spin verkürzt bei Schülern verankert bleibt.
Das ist nun etwas was ich überhaupt nicht verstehe. Sie möchten im Teilchenbild bleiben, wohl wissend, dass es im atomaren bereich nicht sehr weittragend ist, befürchten aber gleichzeitig eine unzulässige Verkürzung des PAULI-Prinzips, das im schulischen Bereich nun wirklich nicht viel mehr als „Pfeil rauf“ „Pfeil runter“ bzw. im Teilchenbild „dreht sich links rum“ dreht sich rechts rum“ ist.
Das Problem mit der Verkürzung ließe sich wohl überhaupt erst eingermaßen behandeln, wenn man etwas vom Teilchenbild abrücken würde.


Zitat:
Fragen Sie lieber Professoren. Die werden entweder ehrlich sein und "Rotation um die eigene Achse" sagen oder genau so ehrlich wie einst FEYNMAN :" Dass ich Ihnen diese Frage nur mit sehr viel Mathematik beantworten könnte, ist für mich ein Zeichen, dass ich selbst den Spin auch noch nicht richtig verstanden habe".
Kein Phänomen ist eine mathematische Formel, auch wenn es sich damit sehr genau beschreiben lässt. Daher ist eine Antwort mit einer Formel zwar u. U. richtig, aber weder sehr originell noch hilfreich. Das „Nichtwissen“ der Professorenschaft ist doch keine Schande (s. o.). Man geht das entweder offensiv und ehrlich an oder lässt die entsprechende Thematik ganz weg. Man kann auch ohne QM Chemie betreiben. Das hat ja lange wunderbar geklappt. Ist nur die Frage ob man auf dem Stand von 1920 verharren will oder nicht.

Zitat:
Die Sache ist doch einfach. Wenn sie überall dort, wo heute in der Schulbuchliteratur das Wort "Enthalpie" steht, das Wort Energie hinschreiben würde, so wäre dies nie ein Fehler. Enthalpie ist immer Energie, nur eben nicht umgekehrt.
In diesem Sinne, Zustimmung.
__________________
Gruß belsan

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Geändert von belsan (15.12.2005 um 00:54 Uhr)
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