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Alt 12.12.2005, 00:26   #27   Druckbare Version zeigen
belsan Männlich
Mitglied
Beiträge: 4.635
AW: Frage zum Atombau

Zitat:
"Die Chemie ist die Lehre vom Werden und Vergehen der Stoffe" und: Die Chemie ist die Lehre von der Veränderung von Teilchenstrukturen". Vermute ich richtig, wenn ich Ihr Verständnis von Chemie sehr viel näher bei der zweiten Definitionsversuch angesiedelt sehe?
Bei dieser Auswahl, Nr. 2. Wobei mir der Begriff „molecular entity“ lieber wäre als Teilchen.
(Der deutsche Begriff „molekulare Einheit“ ist leider verschiedentlich belegt.)

Zitat:
Es ist nicht sonderlich nützlich, wenn Sie bei mir einen, wie Sie sagen thermodynamischen Ansatz vermuten, und dann Ihre Replik auf dieser nun wirklich unzutreffenden Annahme aufbauen.
Daher fragte ich. Es ist auf Dauer etwas mühsam, eine hinführende Diskussion zu führen, bei der zwar die These im Raum steht „Dieses oder jenes ist besser“, aber auf den Unterbau dieser These und die möglichen Vorteile einer solchen Beschreibung wiederholt vertröstend hingewiesen wird.
Wir sind in der Diskussion auch noch nicht wirklich vom Fleck gekommen, die letztlich für mich darauf hinausläuft, ob man nun so genannte Dispersionskräfte, als ein Extrem, und Ion-Ion-Wechselwirkungen, als anderes Extrem, als chemische Bindung auffasst oder eben nicht. Mit allen Konsequenzen, die sich für Zwischenformen und die Sachlogik ergeben.

Sind Dispersionskräfte Bindungen, die sich qualitativ nicht von anders benannten Bindungen unterscheiden, ist sowohl das Schmelzen, wie das Verdampfen eine chemische Reaktion, ebenso wie das Umfüllen einer Flüssigkeit von einem Glas in ein anderes. Denn es passiert nichts weiter, als dass durch Zufuhr von Energie chemische Bindungen gebrochen und geknüpft werden und sich der energetische Zustand des Systems ändert, und damit auch einige andere Eigenschaften.

Betrachtet man die Dispersionskräfte nicht als chemische Bindung, sondern nur die Ion-Ion-Wechselwirkung, ist das Schmelzen und Verdampfen von Methan nicht als chemische Reaktion aufzufassen, weil keine chemischen Bindungen gebrochen werden. Beim NaCl wäre das anders. Denn beim NaCl kommt es durch „Schmelzen“ und schließlich „Verdampfen“ zur Depolymerisation bis schließlich im Dampf diskrete NaCl-Moleküle vorliegen. In diesem Fall hatte man es bei Methan mit selben chemischen Spezies in unterschiedlichen Zuständen zu tun während man es beim NaCl mit unterschiedlichen chemischen Spezies zu tun hat.

Beide Standpunkte führen - sagen wir mal - zu ungewöhnlichen Aussagen. Aber im Prinzip müsste man zwischen diesen Alternativen unterscheiden können, wenn man Reaktionen findet, die nicht alleine durch die erhöhte thermische Energie begünstigt werden, sondern auch durch die veränderte oder eben nicht veränderte Struktur der molecular entity. Hinweise darauf, dass im Falle der Depolymerisation von Gitterstrukturen in der Tat Spezies entstehen, die auch abzüglich des thermischen Faktors deutlich andere Eigenschaften haben als ein größerer Verband liefern z. b. die Chemie der Metallcluster. (Etwas weiter weg, aber bekannter: die Reaktivität von Li-Organylen in Abhängigkeit vom Oligomerisierungsgrad.; heterogene Katalysatoren).

Zitat:
Ihre Argumentation ist für meinen Geschmack zu sehr auf Stoffe mit molekularem Aufbau abgestellt.
Ihre Vorstellung von der stofftypischen, die Aggregatzusände übergreifenden Gemeinsamkeit steht und fällt mit der Existenz eines Bausteins, der zumindest in der schulüblichen Vorstellung in allen Aggregatzusänden unverändert existiert.
Richtig. Daher ist eine Aggregatszustandsänderung* wie sie bei Aggregaten molekularer Verbindungen vorkommt etwas anderes als das Schmelzen eines NaCl-Kristalls, weil zwar das diskrete Molekül in allen Aggregatszuständen existiert, aber nicht der Kristall.
Das mag man oberflächlich durch die Verwendung phänomenoligischer Begriffe (Schmelzen, Verdampfen) in einen Topf schmeißen, was in der Regeln nicht zu Komplikationen führt, genau betrachtet sind es aber zwei verschiedene Dinge.
Das könnte auch ein Schüler verstehen, wenn man es ihm auf molekularer Ebene erklärt.
Ein NaCl-Kristall ist halt ein Molekül (oder eine „molecular entity“), das sich beim Erhitzen zersetzt und von dem kein flüssiger oder gasförmiger Zustand existiert (es sei denn man schmeißt eine Hand voll Salz in die Luft). Das ist, abgesehen von der Größe des Moleküls, nichts besonderes, da man ein einzelnes Wassermolekül oder Methanmolekül auch nicht verflüssigen oder verdampfen kann, sondern nur zersetzen.

* Stelle gerade fest: Es gibt scheinbar doch noch einige Begriffe, die dem Wortsinn entsprechen - erstaunlich.
__________________
Gruß belsan

Fachfragen bitte im Forum stellen und nicht per PN.

Geändert von belsan (12.12.2005 um 04:46 Uhr)
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