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Alt 08.12.2005, 18:50   #23   Druckbare Version zeigen
belsan Männlich
Mitglied
Beiträge: 4.635
AW: Frage zum Atombau

Ui das ist aber viel.
Vorweg.
Zitat:
Zitat von zweiPhotonen
Die Schrödinger–Gleichung ist der Ansatz für die vollständige quantenmechanische Beschreibung eines Systems.
Sehe ich auch so und mir wäre es sehr recht, wenn dass auch im schulischen Bereich möglichst frühzeitig erwähnt würde.
Zitat:
Zitat von zweiPhotonen
Ich möchte damit vielmehr darauf hinweisen, dass mir die Standpunkte hier zu sehr Tunnelblick-behaftet sind und plädieren für die Suche nach dem größeren Zusammenhang, ...
Das klingt theoretisch gut, kann ich voll unterstreichen, ist meiner Meinung nach aber kaum hilfreich, weil nicht durchzuhalten. IMO muss die Frage eher sein, und so sehe ich diese Diskussion: Welche und wie viele Tunnel sind sinnvoll, wo sollte der Blick hingerichtet werden und wo liegen sinnvolle Querstollen ?
So weiß ich z. B. nicht ob es unbedingt hilfreich ist das Werfen eines durchgekauten Kaugummis an eine Wand, an der es haften bleibt, als chemische Reaktion zu bezeichnen. Dabei erfüllt es bisher alle "verallgemeinerten Kriterien". Man kann das im Prinzip sicher auch mit der SG berechnen, es tritt eine Wechselwirkung zwischen Kaugummi und Wand auf, die elektrostatischer Natur ist, mit einem Potententialminimum und einem Gleichgewichtsabstand, eine kinetische Betrachtung ist möglich und die Stöchiometrie ist auch einfach. (Ein Unterschied besteht vielleicht darin, dass man die Gravitation nicht mehr vernachlässigen kann). Ich gehe aber davon aus, dass dies nicht mit größerem Zusammenhang gemeint ist, wobei sich die Frage anschließt wo hört dieser größere Tunnel auf ?

Zitat:
Zitat von ehemaliges Mitglied
Es ist richtig, dass man in der Reaktiongleichung für das Verdampfen die Formel H2O als Verhältnisformel und nicht als Summenformel ansehen muss. Darin kann man für den Anfangsunterricht einen Nachteil sehen, der gegen die einfache Stöchiometrie abzuwägen wäre. Eine Isomerisierung mit ebenfalls einfacher Stöchiometrie kommt hier ja wohl nicht in Betracht.
So sehr ich Ihr Ansinnen verstehe und im Prinzip bereit wäre ihrer Argumentation zu folgen, sehe ich hier in der Auflösung einer Kategoriesierung (Aggregszustandsänderung - chemische Reaktion) die Einführung von mindestens zwei.
1.) Die Beschreibung von Aggregatszustandsänderungen erfordert die Beschreibung in Verhältnisformeln.
2.) Es muss zunächst die chemische Bindung geklärt sein, damit man vernünftigerweise annehmen kann, dass es sich bei der Verdampfung von Wasser nicht um eine Isomerisierung handelt. - Womit man eigentlich wieder am Anfang wäre.

Zitat:
Das verstehe ich nicht, sind es doch gerade die Änderungen der spezifischen Eigenschaften, ...
Man müsste vielleicht erst klären was man unter spezifischen Eigenschaften zu verstehen hat.
Ich verstehe darunter so etwas wie Schmelz- und Siedepunkt, Brechungindizes, spektroskopische Eigenschaften, spez. Volumen, spez. Wärmekapazität, spez. Viskosität usw.
Diese änderen sich bei Aggregatszustandsänderungen nicht. Der Siedepunkt von verdampften Wasser ist immer noch 100 °C bei Standardbedingungen, während sich der von Butadien und Cyclobuten unterscheidet.
Die Eigenschaftsänderungen, die Sie meinen, gehen mit der Änderung der Umgebung einher. Das also was man z. B. unter Temperatur- und oder Druckabhängigkeit, der von mir so genannten spezifischen Eigenschaften, versteht, aber auch diese Abhängigkeiten sind für Wasser immer gleich, während sie für Butadien und Cylobuten unterschiedlich sind.
Zitat:
Sehen Sie das Verdampfen von Diamant, seine Umwandlung in Graphit nicht als chemische Reaktion ? Ist das Kondensieren von Schwefeldampf zu plastischem Schwefel nicht sogar mehr eine chemische Reaktion als eine Isomerisierung ?
Das sehe ich sehr wohl als chemische Reaktionen, weswegen es mich auch nicht überrascht, dass die "Verdampfungsenergie" in der Größenordung derselben liegen. Immerhin werden im Diamanten prototypische kovalente Bindungen gebrochen und bei Metallen eben metallische Bindungen. Ich würde aus diesem Grund auch nicht von Verdampfungsenergien, sondern von Atomisierungsenergien bzw. "Zersetzungsenergien" reden, was den Geschehnissen auf atomarer (molekularer) Ebene näher kommt. Auch die Umwandlung von Diamant in Graphit ist eine "echte" chemische Reaktion, weil sich die "spezifischen eigenschaften" ändern. An der Interpretation der Synthese von Fullerenen aus Graphit als chemische Reaktion dürfte wohl weniger Zweifel bestehen obwol dies auch "nur" ein Allotrop des Kohlenstoffs ist (zumindest gibt es jede Menge Papers, die sich mit dem Mechnismus dieser Umwandlung befassen).

Zitat:
Ich möchte die Gemeimsamkeiten lediglich von Anfang an bewusst machen.
Dagegen ist nichts zu sagen und wenn es einen guten Ansatz dafür gibt bin ich dabei, jedoch sehe ich in Ihrer bisherigen Argumentation eher die Gefahr einer Vernebelung, wofür ricinus ein schönes Beispiel gegeben hat.

Zitat:
Zu meinen Ausführungen über die Bedeutung des Magnetismus in Zusammenhang mit der chemischen Bindung haben Sie sich bisher nicht geäußert. Ich hielte dies für sinnvoll, bevor wir weiter fortschreiten.
Ich bin mir der Tatsache bewußt, dass dieser in der üblichen Behandlung der chemischen Bindung keine Erwähnung findet und, wie zweiPhotonen bereits sagte, in der SG so nicht berücksichtigt wird. Ich sehe jedoch im Moment nicht wie uns dies hier weiterhilft.


Noch ein Ansatz bei dem man als Vertreter der Unterscheidung von chemischer und physikalischer Bindung wirklich ins Schleudern kommen kann.

Ionische Bindung:
Wie ist das Schmelzen oder Auflösen einer typischen ionischen Verbindung zu werten ?
Chemische Reaktion, weil "chemische Bindungen" gebrochen werden (würde kaum ein Chemiker behaupten, obwohl es von der Defintion so ist und auch die Energien in der Größenordung richtig sind).
Physikalischer Vorgang, weil sich die "spezifischen Eigenschaften" nicht ändern.

Wenn, dann wäre hier vielleicht die Tür offen, um die übliche Trennung von physikalischen und chemischen Bindungen zu überdenken.
__________________
Gruß belsan

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Geändert von belsan (09.12.2005 um 02:34 Uhr)
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