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Alt 08.12.2005, 13:02   #20   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.862
AW: Frage zum Atombau

Zitat:
Zitat von ehemaliges Mitglied
Das verstehe ich nicht, sind es doch gerade die Änderungen der spezifischen Eigenschaften, die eine Verdampfung mit den typisch chemischen Reaktionen gemeinsam hat. Das Problem ist doch gerade anders herum. Die Chemie ignoriert die an sich unübersehbaren Eigenschadtsveränderungen beim Verdampfen, wenn sie behauptet, dass es sich vor wie nach um den gleichen Stoff handelt.
Das stimmt zwar, aber Sie wissen bestimmt aus ihrer beruflichen Praxis, dass es didaktisch kontraproduktiv ist, die (etwas willkürlich gezogene) Grenze zwischen chemischen und physikalischen Vorgängen absichtlich zu verwischen...es gibt durchaus Schüler, die am Anfang die Gasentwicklung bei der Elektrolyse mit dem Verdampfen des Wassers verwechseln...Und es ist doch aber unstrittig, dass bei diesen Vorgängen etwas sehr fundamental verschiedenes passiert...wenn der Schüler versteht, dass chemische Bindungen bei der Elektrolyse gespalten werden und beim Verdampfen bloss intermolekulare Kräfte überwunden werden und die Moleküle als solche intakt bleiben, hilft ihm das viel mehr für das Verständnis der Chemie, als wenn wir alles in einen Topf werfen...auch wenn die Unterscheidung willkürlich findet.
Zitat:
Hier hilft im Grunde kein Kriterium : Metalle und auch Kohlenstoff verdampfen mit Verdampfungsenergien im Größenbereich chemischer Reaktionen, Die Eigenschaftsänderungen sind hier auch in Bezug auf die Leitfähigkeit gravierend.
Sehen Sie das Verdampfen von Diamant, seine Umwandlung in Graphit nicht als chemische Reaktion ? Ist das Kondensieren von Schwefeldampf zu plastischem Schwefel nicht sogar mehr eine chemische Reaktion als eine Isomerisierung ?
Es ist doch nicht allein eine Frage, als was wir nach unserem Gutdünken oder Dafürhalten diese Phänomene betrachten, sondern es läuft doch auch darauf hinaus, einige Definitionen zu respektieren, die die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern letztendlich vereinfachen sollen. So ist es völlig unerheblich, wie stark sich allotrope Formen ein und desselben Elementes unterscheiden, oder wie sehr verschieden die Eigenschaften von gasförmigen und festen Metallen sind - definitionsgemäss handelt es sich immer um eine Erscheinungsform ein und desselben Elementes, und die entsprechenden Phasenübergänge zählen einfach per definitionem zu den physikalischen Vorgängen...egal welche Enthalpien dabei umgesetzt werden....

Insofern ist die Erweiterung des herkömmlichen Begriffs der chemischen Reaktion, für die Sie zwar gute Gründe haben mögen, didaktisch einfach nicht sinnvoll, da sie bei Schülern (und auch Studenten) nur Verwirrung stiften würde...

Ab einem bestimmten Niveau ist es doch auch müssig darüber zu streiten, ob man das Verdampfen eines Metalls als chemischen Vorgang ansehen will, weil dabei die Metallbindung zerlegt wird, oder eher als physikalischen Vorgang, weil es bloss einen Phasenübergang ist...es läuft letztendlich darauf hinaus, wie man denn Chemie und Physik definiert : wenn eine Veränderung der Gefügestruktur eine chemische Änderung ist, dann ist eben meinetwegen auch die Umwandlung von grauem in weissen Zinn ein chemischer Vorgang...das hilft aber niemandem richtig bei Verständnis der Allotropie des Zinns, oder ?

lg
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"Old geochemists never die, they merely reach equilibrium." (Antonio C. Lasaga ?)
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