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Alt 21.11.2005, 10:19   #1   Druckbare Version zeigen
belsan Männlich
Mitglied
Themenersteller
Beiträge: 4.635
Sinn und Unsinn des Salzbegriffs

Zur Debatte steht folgende Anmerkung von ehemaliges Mitglied
aus dem Thread über den Salzcharakter des Silberjodids
Zitat:
Man kann es drehen und wenden, wie man will, auch mehrere Regeln nebeneinander helfen nicht wirklich weiter.

Hauptgruppen : HF müsste ein Salz sein, alle hoch chlorierten Metallhalogenide wie SnCl4 und PbCl4 müssten Salze sein. Überhaupt ist die Vorstellung schon fast abenteuerlich, dass ein Metall vier Elektronen wirklich abgibt. Ein vierfach positiv geladenes Metallion ist wesentlich elektronegativer als irgend ein Nichtmetallatom..So ist z.B. PbCl4 sogar Flüssigkeit.
In einem vorhergehenden Kommentar hatte ich auf auf diesen Aspekt bereits in Fettdruck aufmerksam gemacht. Offenbar mit wenig Erfolg, wie man sieht.

Statt dessen wird eine Regel auf die andere gesetzt, die alle nicht berücksichtigen, dass sich die Elektronegativität mit dem Ladungszustand dramatisch verändert.

Bei den Nebengruppenelementen soll man Salze am Metall/Nichtmetallchakter der Partner erkennen können. Auch diese Regel versagt bei vielen hoch halogenierten Verbindungen. Wie soll das Gas UF6 ein Salz sein? In vielen anderen Fällen ist es weniger offensichtlich. Dennoch handelt es sich bei keinem der hoch halogenierten Metalle um ein echtes Salz in dem Sinn, dass die Verbindung aus Ionen aufgebaut wäre.

Phänomenologisch ist z.B. die Farbe ein gutes Indiz. Wenn ein Stoff einen ionischen Aufbau hat, dann setzt sich seine Farbe additiv aus den "Farbwirkungen" der Ionen zusammen. Die meisten Ionen absorbieren nicht im sichtbaren Bereich, was man daran erkennt, dass die unstreitig ionischen Verbindungen farblos sind. sofern nicht ein Ion delbst im sichtbaren bereich absorbiert wie Permanganat und Chromat z.B.

NaI, KI sind farblos, AgF, AgCl sind farblos, AgBr ist leicht, AgI deutlicher gelb gefärbt. Der abnehmende Salzcharakter zeigt sich in der Farbenreihung. In der organischen Chemie würde man von einer Farbvertiefung sprechen.

Auch an der zunehmenden Schwerlöslichkeit der Silberhalogenide lässt sich der abnehmende Ionencharakter erkennen. Die außerordentliche Schwerlösichkeit des Iodids lässt sich mit einem rei ionischen Aufbau nicht erklären.
Dieser stellt nicht den Zustand niedrigster Energie dar. Der tatsächliche Zustand ist natürlich stabiler, sonst wäre ja der ionische der tatsächliche. Diese zusätzliche Stabilisierung durch die Abweichung vom ionischen Aufbau begründet die extrem geringe Löslichkeit.

Ähnlich bei den Sulfiden, deren außerordentlich niedrige Löslichkeitsprodukte auf die Abweichung vom ionischen Aufbau hinweist, der auch hier mit einer "Farbvertiefung" einhergeht. Alle farbigen oder gar schwarzen Sulfide absorbieren im sichtbaren Bereich. Na2S, K2S , denen man noch am ehesten einen rein ionischen Aufbau zuschreiben kann, sind farblos.

Bei den Oxiden ist es ähnlich wie bei den Sulfiden, wenn auch nicht ganz so deutlich, weil das Sauerstoffion weinger polarisierbar als das Sulfidion ist.

Die Farbigkeit von Verbindungen, deren vermeintliche Ionen in anderen Salzen keine Farbwirkung zeigen, sind ein starkes Indiz dafür, dass die Vorstellung von einem rein ionischen Aufbau nicht ganz zutrifft.

Nach meinem Verständnis ist bereits der Versuch einer Einteilung, "Salz" oder "nicht Salz", wenig nützlich. Man sollte von ausgeprägtem und weniger ausgeprägtem Salzcharakter sprechen. Alles andere führt nur zu müßigen, dem Verständnis wenig dienlichen Diskussionen über Grenzen, die es in der Natur nicht gibt.

Nicht nur im Fall der Salze, sondern auch anderswo kreist das Denken von Lernenden um "Sorten", in die man einteilen kann. Schüler nach irgend etwas gefragt, zählen in der Regel zuerst die "Sorten" auf, anstatt die allen "Sorten" gemeinsamen Eigenschaften zu beschreiben, die sich quasi "Schubladen übergreifend" in jeder Untergruppe finden.

Von der Chemischen Bindung bis zu den Alkoholen wissen viele Schüler nur, worin sich die "Sorten" unterscheiden, Was allen "Sorten" von Bindungen, allen "Sorten" von Alkoholen gemeinsam ist, tritt nicht selten dahinter zurück. Warum wohl ?

Wer nach den Würmern gefragt wird, zählt erst einmal auf : "Rundwürmer. Ringelwürmer , Plattwürmer.. oder so.
Wie wäre es bei Menschen? Würde man da auch....?
__________________
Gruß belsan

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Geändert von belsan (21.11.2005 um 10:24 Uhr)
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