Anzeige


Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 02.03.2005, 08:52   #5   Druckbare Version zeigen
Tiefflieger Männlich
Moderator
Beiträge: 5.445
AW: Was sagen mir MAK-Werte und Gefahrensymbole wirklich

Zitat:
Zitat von kuckida
Ich verzweifel wieder einmal, weil ich versuche über Gefahrensymbole und MAK-Wert herauszukriegen wie ich einen Stoff händeln soll.
...Styrol hat das Gefahrensymbol Xn. Gesundheitsschädlich halt. Auf den ersten Blick nicht weiter tragisch. Bei genauerer Betrachtung ist es auch noch mutagen, also doch tragisch. Jetzt der MAK-Wert: 20 ml/m3 .
Was sagt mir das jetzt? ...
Der MAK Wert ist ein Luftgrenzwert. Dieser ist natürlich abhängig von der toxischen Wirkung eines Stoffes. Für Styrol gilt z.B. 86 mg/m³ bzw. 20 ml/m³ bei einer Spitzenbegrenzung von 4, was grob bedeutet, dass der Grenzwert kurzzeitig bis zum Faktor 4 überschritten werden darf. Näheres, siehe TRGS (Technische Regel Gefahrstoffe) 402. Bei Arbeit im Abzug sehe ich keine Probleme, sofern diese korrekt und mit möglichst geschlossenem Frontschieber erfolgt. Hautkontakt sollte vermieden werden (eigentlich bei allen Chemikalien). Nun zur Mutagenität. Die DFG stuft Styrol in Kategorie 5 ein, was bedeutet: Stoffe mit krebserzeugender und genotoxischer Wirkung, deren Wirkungsstärke jedoch als so gering erachtet wird, daß bei Einhaltung des MAK-Wertes kein nennenswerter Beitrag zum Krebsrisiko für den Menschen zu erwarten ist. (Ethanol ist auch in diese Kategorie eingestuft!)
Die DFG gibt jedoch nur Empfehlungen ab, rechtsgültig werden diese erst bei Veröffentlichung in der TRGS 905. Dort ist aber Styrol nicht gelistet, was bedeutet, dass man formal keinerlei Maßnahmen ergreifen muß, wobei es natürlich gut ist, die DFG Empfehlung im Hinterkopf zu haben und entsprechend zu handeln.

Zitat:
Zitat von Muzmuz
...
oft wird eine substanz zur abschreckung als "giftig" bezeichnet, wenn sie unterschätzt wird
ich hatte schon mal ein gebinde von salzsäure, wo der totenkopf drauf war
überlicherweise ist dort nur das "ätzend" drauf

auch der bezug von giftsubstanzen ist eher rechtlich als wissenschaftlich begründet
so ist es ohne giftbezugslizenz nicht legal, benzol zu erwerben
...
bitte beachte die spezifischen MSDS-hinweise beim umgang, diese sagen weit mehr über die gefährlichkeit aus als simple MAK-werte
...
Wer Stoffe "zur Abschreckung" falsch kennzeichnet hat keine Ahnung und wird spätestens, wenn mit diesem Gebinde ein Unfall passiert erhebliche Probleme bekommen.
Der Erwerb von Giftstoffen ist nicht reglementiert, sondern die Abgabe! Siehe Chemikalien Verbots Verordnung. Das Benzol ist dort übrigens auch geregelt, daher oftmals die Bezugsprobleme, bis auf die Ausnahme in Kraftstoffen.
Bei MSDS würde ich äußerste Vorsicht walten lassen, denn es könnte sich um Datenblätter nach US Recht handeln, welche oftmals völlig unterschiedliche Einstufungskriterien besitzen. Relevant sind nur Sicherheitsdatenblätter nach der TRGS 220 bzw. nach der europäischen Richtlinie 1999/155/EU in aktueller Form. Sofern nicht auf die EU Richtlinie oder TRGS 220 im Sicherheitsdatenblatt verwiesen wird gilt äußerste Vorsicht. Gute Informationen zu Stoffen bekommt man auch in der GESTIS Stoffdatenbank der BGIA http://biade.itrust.de/biade/lpext.dll?f=templates&fn=main-h.htm
__________________
Vernünftig ist, dass die politischen Spitzen, wenn sie miteinander sprechen, darüber sprechen, wie mit der Sache umzugehen ist, wie ernst Vorwürfe zu nehmen sind und wie man damit umgeht, Vorwürfe zu besprechen, zu klären, zu verifizieren oder aus der Welt zu schaffen. (2013 Regierungssprecher Seibert)
Tiefflieger ist offline   Mit Zitat antworten
 


Anzeige