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Alt 21.08.2014, 04:29   #54   Druckbare Version zeigen
Catalytix  
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AW: Chemiker - Arbeitslosigkeit/Arbeitsmarkt - Fraglich

Hallo zusammen!

Schon zu meinem Studienbeginn 1990 hieß es immer wiede, der Arbeitsmarkt für Chemiker sei "im Augenblick" schlecht, würce sich aber sicher bessern... Dieser "Augenblick" dauert nun 24 Jahre. Fakt ist, daß nur 20 % aller Doktoranden nach ihrer Promotion einen Job in der chemischen Industrie finden, von denen wiederum nur 10 %, also insgesammt 2 % wirklich als Chemiker arbeiten!

Fakt ist, daß unter Berücksichtigung der kalten Progression die Löhne für Chemiker in allen Karrierestufen um ca. 1/3 bis 1/4 gesunken sind! Fakt ist, daß durch den propagierten angeblichen Fachkräftemangel gezielt für einen Dumpinglohn von ca. 1700,- Euro brutto (!) Chemiker und Chemieingenieure aus Osteuropa für zeilich befristete Projekte angeheuert werden. Fakt ist, daß viele Unternehmen meinen, F&E-Projekte auch nur mit Laboranten bewältigen zu können oder stellen Chemiker auch "nur" als Laboranten ein, lässt sie aber echte F&E-Arbeit leisten!

Tja, unsere Jungwissenschaftler sind ja auch gut "erzogen" und wissen ja noch von ihrer Promotion, daß man selbstverständlich für eine halbe Stelle ne 60-Stunden-Woche hinlegen muß, ach ja, da das Angebot so unbegrenzt ist, auch manchmal völlig unbezahlt - Keine Sorge, mein summa ist auch mit Blut, Schweiß und Tränen geschrieben! Wann merkt endlich einer, wie manipulativ dieses System ist?

Tatsache ist, daß bspw. BASF, Bayer, Lanxess, Clariant und Lonza nicht nur ihre Produktion, sondern auch ihre F&E-Aktivitäten kontinuierlich nach China auslagern. Fakt ist, daß die Grundstoffproduktion (Organika, Anorganika, Polymere) in Europa soweit abgesunken ist, daß man jetz durchaus von der Chemie- und Pharmaindustrie als "Reimportabfüllindustrie" sprechen kann.

Vergleicht doch einmal bitte die Anzahl der Stellenanzeigen in den "Blauen Blättern" über die letzten 20 Jahre - merkt Ihr etwas? Es gibt keinen Arbeitsmarkt für Chemiker, nach der Promotion beginnt die berufliche Neuorienteirung! Das Geld, Zeit und den Idealismus, den man in das Studium investiert hat, sind für die Katz!

Klar, Professoren werben für den Studiengang Chemie, denn wenn sich die Erstsemesterzahlen an dem realen Arbeitsmarkt orientieren würden, könnte in diesem Land der Lehr- und Forschungsbetrieb nicht aufrecht erhalten werden, und bei hohen Studienzahlen bekommt die Uni richtig Kohle vom Land! Kein Wunder, daß auch die GDCh für ein Chemiestudium wirbt, denn in den Gremien sitzen nur Professoren und die Großindustrie. Der Mittelstand und Otto-Normal-Chemiker sind nicht vertreten.

Daher mein Rat: Nur wer wirklich so "angefressen" und fasziniert von der Chemie ist, daß er/sie sich keinen anderen Beruf vorstellen kann, sollte Chemie studieren. Alle anderen, die ihr Glück auch in anderen Berufsfeldern sehen könnten, rate ich dringenst von einem Chemiestudium ab!

Ich hoffe, daß veilleicht auch andere den Mut haben, einmal der Realität in die Augen zu sehen und dies auch zu äußern. Veilleicht lässt sich ja auch damit die politisch gewollte Deindustrialisierung Europas ein ganz klein wenig aufhalten...
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