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Alt 01.10.2013, 01:20   #1   Druckbare Version zeigen
Godwael Männlich
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Nobelpreis für Chemie 2013 - meine Prognose: Einzelmolekülspektroskopie - Chemie

2010 habe ich ja richtig gelegen mit meiner Nobelpreis-Prognose, aber seitdem war meine Trefferquote leider nicht mehr so dolle. Zum Glück gilt das für alle anderen auch, nicht zuletzt für Thomson Reuters, die dieses Jahr immerhin eine spektakuläre Vorhersage dabei haben: Sie tippen auf einen zweiten Nobelpreis für Barry Sharpless, dieses Mal für die Klick-Chemie. Das kann schon mal vorkommen, aber dieses Jahr wohl nicht - zumal es durchaus unterschiedliche Meinungen (und heftige Diskussionen) darüber gibt, ob die Klickerei überhaupt mehr ist als gutes Marketing.

Aus der Biochemie kommen auch dieses Jahr einige heiße Kandidaten. Ganz nach vorne gehören mit Franz-Ulrich Hartl und Arthur Horwich zwei Wissenschaftler, die mit ihren Untersuchungen über Chaperone das das letzte grundlegende große Proteinchemie-Thema ohne Nobelpreis, die Proteinfaltung, abdecken. Das zweite große Biothema sind die Kernrezeptoren, die Kandidaten hier sind nach allgemeiner Ansicht Pierre Chambon und Ronald Evans. Das sind auch so Leute, die schon seit Jahren durch alle Listen geistern. Nun ging der letzte Chemie-Nobelpreis ja an die G-Protein-gekoppelten Membranrezeptoren, und ich vermute, dass deswegen diesmal ein etwas konventionellerer Chemie-Preis dran ist.

Das könnte zum Beispiel wegen ihrer besonderen Relevanz für die Industrie die Polymerchemie sein. Front runner ist da Krzysztof Matyjaszewski, der Entwickler der Atom Transfer Radical Polymerisation (ATRP), einer speziellen Variante der "lebenden" Polymerisationen. Bei so einem Preis würde man wahrscheinlich versuchen, möglichst viel des gesamten Feldes abzudecken, deswegen ist ziemlich unklar, wer da Nummer 2 und 3 sein könnten. Vielleicht Ezio Rizzardo, der auch in radikalischen Polymerisationen macht.

Am ganz anderen Ende der Skala, nämlich in der theoretischen Chemie, stehen auch ein paar Kandidaten bereit, und zwar die Leute, denen wir all die tollen Computermethoden verdanken. Zu allererst Martin Karplus, aber auch einige andere, die gemeinsam die modernen Molekulardynamik-Methoden entwickelt haben. Kenn ich alle nicht, da müsst ich mich überraschen lassen.

Im Grunde steht aber mal wieder ein Preis für Analytik an, und da gibt es ein paar mögliche Themen, zum Beispiel NMR, und Ashutosh bringt noch die Oberflächenplasmonenresonanz ins Spiel, mit der man Affinitäten von Molekülen zueinander messen kann.Die kenn ich ja noch von früher.

Bei Lichte betrachtet sind das alles eher halbherzige Spekulationen, denn gerade in dieser Ecke gibt es ganz klare Favoriten, von denen ich dieses Jahr auch denke, dass sie den bekommen, schon weil ihre Methode große Bedeutung in den Life Sciences gewonnen hat. Ich tippe also beim Nobelpreis für Chemie 2013 auf W.E. Moerner, Richard Zare und/oder Michel Orrit, für die Entwicklung der Einzelmolekülspektroskopie.

So, das ist mein Tipp. Jetzt seid ihr dran.



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Quelle: Fischblog - Wissenschaft für alle
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