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Alt 06.08.2010, 08:39   #16   Druckbare Version zeigen
Tiefflieger Männlich
Moderator
Beiträge: 5.445
AW: Handschuhe bei welchen Chemikalien tragen?

Ihr habt also einen Bigbag Bleinitrat in einen Kessel geschaufelt und Euch keine Gedanken um persönliche Schutzausrüstung gemacht?

Zitat:
Zitat von Equiseta Beitrag anzeigen
...Besonders hat mich beunruhigt, dass keiner von uns Handschuhe getragen hat. ...Sind diese Stoffe wirklich so ungefährlich, dass Handschuhe nicht zwingend sind? ...
Relevant zur Bewertung einer Gefahr ist zuerst einmal die intrinsische Gefährdung durch den Stoff selbst, also ob dieser eine Giftigkeit besitzt und auch, ob der Stoff flüchtig oder z.B. hautresorptiv ist. Dann ist die Umgangsmenge zu betrachten und auch die Art des Umgangs.
Im Labor geht man üblicherweise mit relativ kleinen Mengen um. Dann nimmt man nicht eine Prise Salz, wie ein Koch mit den Fingern, um es zu dosieren, sondern dafür verwendet man geeignetes Werkzeug (z.B. Spatel).
Viele Stoffe werden als verdünnte Lösung verwendet, was durch den Verdünnungseffekt primär eine Reduktion der Gefahr darstellt, allerdings kann es bei bestimmten Lösungsmitteln auch zu einer Verschleppung und verbesserten Hautresorption kommen. Das erwähnte Toluol wäre hier ein möglicher Kandidat, der in ihm gelöste Stoffe mitschleppen könnte. Über die Gefahren, welche von den einzelnen Stoffen ausgehen, gibt die Kennzeichnung schon mal erste Auskünfte. Dann noch die Betriebsanweisung, welche vor Ort zu den Produkten vorhanden sein muss. Weiterführende Informationen zu einzelnen Stoffen kann man in der GESTIS Stoffdatenbank finden. Dort findet man in der Rubrik "Arbeitsmedizin und Erste Hilfe" Hinweise zum Aufnahmeweg.
Das Bleinitrat ist wegen seiner reproduktionstoxischen Wirkung und der Gefahr der kumulativen Wirkung kritisch zu sehen, allerdings dürften hier die im Labor verwendeten Mengen recht gering sein. Bariumchlorid ist auch nicht ganz harmlos.
Was oftmals bei der Überlegung, Handschuhe zu tragen vergessen wird ist die Gefährdung durch die Handschuhe. Längeres Tragen von flüssigkeitsdichten Handschuhen belastet die Haut. Auch gibt es keinen vollkommen allergenfreien Handschuh.
Bei all den erwähnten Stoffen kann ich mir unter Laborbedingungen gut vorstellen, dass man auf Handschuhe verzichten kann. Entscheiden muss dies allerdings der Praxisanleiter vor Ort, denn der kennt auch die konkreten Umgangsbedingungen.
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Vernünftig ist, dass die politischen Spitzen, wenn sie miteinander sprechen, darüber sprechen, wie mit der Sache umzugehen ist, wie ernst Vorwürfe zu nehmen sind und wie man damit umgeht, Vorwürfe zu besprechen, zu klären, zu verifizieren oder aus der Welt zu schaffen. (2013 Regierungssprecher Seibert)
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