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Alt 26.04.2010, 09:30   #1   Druckbare Version zeigen
Godwael Männlich
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Erdbeben und leicht bekleidete Frauen - Allgemein

Es kommt ja nicht mehr allzu häufig vor, dass Priester sich trauen, eindeutig falsifizierbare Thesen in die Welt zu setzen[1]. Deswegen freuen sich Wissenschaftler allerorten über Einlassungen wie die des iranischen Predigers Kasem Sedighi, der die Geowissenschaften um eine sagenwirmal neuartige Theorie zur Entstehung von Erdbeben bereicherte.[2] Die geht so:
Viele Frauen, die sich nicht angemessen kleiden, verführen junge Männer zur Unkeuschheit und verbreiten Unzucht in der Gesellschaft, was letztendlich zu Erdbeben führt

Damit hat Gottesmann Sedighi eine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung postuliert, die sich prinzipiell sehr einfach überprüfen lässt. Jen von Blag Hag hat den Gedanken dann konsequent weiter gedacht, die Idee vom Boobquake hat sich verbreitet und deswegen werden heute sehr viele internetaffine Jungwissenschaftlerinnen in tief ausgeschnittenen Klamotten zur Arbeit erscheinen und gucken, ob sich der eine oder andere Tremor blicken lässt.

Gegen dieses Vorgehen gibt es diverse Einwände von mehr oder weniger humorloser Seite. Feministische Kreise fordern, dass auch gut gebaute junge Männer die These ausgiebig prüfen, andere feministische Kreise haben dagegen die Aktion Brainquake ins Leben gerufen, die zwar löblich ist aber in diesem Kontext überhaupt keinen Sinn ergibt. Und so weiter.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das ganze natürlich ein bisschen dünn. Von kontrollierten Bedingungen kann gar keine Rede sein, und eigentlich müsste man das ganze eh drei mal wiederholen und eine Trendlinie durch die Daten legen. Ich persönlich bin eh für eine ausführliche retrospektive Studie. Es gibt genug Orte, an denen Frauen leicht bekleidet herumlaufen – bebt die Erde zum Beispiel an Stränden häufiger? Oder der Unzucht-Faktor: Wie ist die Seismizität in St. Peter-Ording, verglichen mit der am Ballermann 6? Machen Badekappen einen Unterschied?

Ist der Glaube Schuld?
Bei näherer Betrachtung der Fakten drängt sich allerdings sowieso eine andere Theorie auf: Die Schauplätze der letzten zwei schweren Erdbeben waren Haiti und Chile, beides stark religiös geprägte Gesellschaften. Der Gottesstaat Iran gehört zu den Regionen mit dem größten Bebenrisiko der Welt, während man von Erdbeben bei den dezidiert gottlosen Skandinaviern praktisch nie etwas hört.

Das Muster[3] gilt auch innerhalb einzelner Staaten: In Deutschland rumpelt die Erde vor allem im katholisch geprägten Süden und Westen, während der säkuläre Nordosten tektonisch ruhig ist. In den USA blieb das verruchte und unmoralische San Francisco trotz geologisch prekärer Lage über ein Jahrhundert lang ruhig, dagegen fürchten Bebenforscher neuerdings für den gottesfürchtigen Bible Belt im Mittleren Westen das Schlimmste.

Die Zeichen sind eindeutig: Die Erde schüttelt sich angesichts des infamen Aberglaubens, der an ihrer Oberfläche praktiziert wird. Katastrophen wie Haiti und Chile sind ein eindringliches Signal, von den falschen Götzen zu lassen und sich der Wissenschaft oder wenigstens einem ordentlichen Fußballverein zuzuwenden.
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[1] Weil das meistens so ausgeht wie bei Mixa.

[2] Kann mir mal jemand sagen, warum diese gequirlte Kacke überhaupt überall verbreitet wird?

[3] Sollte irgendetwas nicht dazu passen, sind das statistische Ausreißer oder Erfindungen unwissenschaftlicher Ideologen.



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Quelle: Fischblog - Wissenschaft für alle

Geändert von Godwael (26.04.2010 um 10:14 Uhr)
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