Anzeige


Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 22.04.2010, 21:16   #4   Druckbare Version zeigen
magician4 Männlich
Mitglied
Beiträge: 6.880
AW: Wann ist ein Molekül stabil?

Zitat:
Wann ist ein Molekül stabil?
die begriffe "stabil/instabil" sind ausgesprochen kontextsensitiv...


denn es ist immer zu fragen "in bezug auf was"? die meisten organischen verbindungen sind ( in gegenwart von sauerstoff) z.b. instabil in bezug auf die bildung von kohlendioxid und wasser, das system "mensch/reiner sauerstoff" tendiert zum spontanen entflammen wenn da jemand nen streichholz schmeisst.

im engeren sinne unterscheidet man zwei arten von stabilitaet: die thermodynamische stabilitaet und die kinetische stabilitaet.

konventionsgemaess wird die kinetische stabilitaet relativ zur denkbar einfachsten alternative - den elementen aus denen ein stoff besteht (in deren stabilsten modifikationen bei normtemperatur)- ausgedrueckt: die sog. standardbildungsenthalpie.
ist diese positiv, so kann ein system energie gewinnen indem es in seine elemente zerfaellt (--> thermodynamisch instabil), ist sie negativ so hat das system energie gewonnen indem es aus den elementen urspruenglich die verbindung mal generiert hat (termodynamisch stabil).
[die elemente selbst werden in diesem system willkuerlich auf "neutral" gesetzt (was o.k. ist, denn letztendlich sind stets nur die differenzwerte interessant), haben mithin eine standardbildungsenthalpie von 0]

achtung: thermodynamisch "stabil" bedeutet nicht gleichzeitig auch "nicht mehr reaktiv"! H2O2 ist eine thermodynamisch stabile verbindung (H = - 188 kJ/mol), deren zerfall (ggf. explosionsartig!) in H2O + 1/2 O2 gleichwohl zu einem noch stabileren system, wasser und elementarer sauerstoff naemlich ( H = - 242 kJ/mol) fuehrt!

womit wir dann beim zweiten wesentlichen stabilitaetsbegriff waeren, der kinetischen stabilitaet.
eine thermodynamisch instabile situation muss naemlich nicht unbedingt sofort instant unter energiefreisetzung in die alternative uebergehen, sondern dies geschieht sehr oft nur verzoegert / nach menschlichen maßstaeben nicht mehr in endlicher zeit.
hier nun sind die konventionen nicht ganz so scharf wie bei der thermodynamischen stabilitaet. die definitionen gehen hier von "wenn das zeug drei normalschwindgungen ueberlebt" ueber "wenn ichs heute auf flasche ziehe und es auch morgen noch da ist" bis zu "lagerdauer praktisch unbegrenzt".


--> wichtig ist, dass vieles um dich herum zwar thermodynamisch (als gesamtsystem betrachtet) instabil ist, aber sich nur so langsam umwandelt (= kinetisch stabil ist) dass das keine rolle spielt

gruss

ingo
magician4 ist offline   Mit Zitat antworten
 


Anzeige