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Alt 12.03.2010, 01:33   #2   Druckbare Version zeigen
magician4 Männlich
Mitglied
Beiträge: 6.887
AW: Diverse Ladungen und Zahlen

Hi,

"echte ladung":
findest du eigentlich nur in (idealen) ionenverbindungen: das elektron ist vollstaendig von A nach B uebergegangen, A und B koennen als kugelsymmetrische, geladene teilchen aufgefasst werden
es existieren insbesondere keine konkreten einzel-bindungen zwischen den teilchen mehr, vielmehr wird der geasamtverbund durch optimierung der elektrostatischen wechselwirkungen des gesamtsystems zusammengehalten
beispiel NaCl: das hat (im regelfall, wie das bei einem einzelnen molekuel im vakuum aussieht ist dann wieder eine andere, aber grade irrelevante frage) KEINE diskreten Na-Cl bindungen, vielmehr hat jedes atom sechs nachbarn in tetraedrischer umgebung, OHNE dass es sechs "kovalentartige" bindungen ausbilden wurde
hinweis: A und B koennen durchaus "feindifferenziert" sein, zum beispiel nitrat, ammonium oder sulfat oder sowas, wobei dann INNERHALB von A und B durchaus wieder kovalente situationen auftreten koennen, und A und B sodann nur "nach aussen hin" als traeger der "echten ladung" anzusehen sind, intern kanns anders aussehen

"oxidationszahl": bezieht sich (a) auf atome in kovalenten verbindungen und (b)auf atomare ionen in ionischen verbindungen [hier ist dann oxidationszahl auch gleich echte ladung, die begriffe fallen zusammen]
da fall (b) trivial ist, einige weitere anmerkungen zu fall (a): in kovalenten systemen sind konkret lokalisierte bindungen strukturbestimmend, das bindende elektronenpaar (koennen auch mehrere sein) befindet sich "im besitz" mehrerer atome. in dieser situation kann von einer vollstaendigen ladungstrennung keine rede sein, weshalb man auch von "formalen" oxidationsstufen spricht: trotzdem es eben nicht zu einer ionischen situation kommt, tut man mal so als waere das ganze ionisch und berechnet sodann die daraus resultierenden oxidationsstufen
beispiel NH3: ammoniak ist nicht ionisch aufgebaut, es besteht nicht aus N3- ionen und 3 H+ ionen, stickstoff hat keine elektrische ladung von 3- usw...
zur unterscheidung der verhaeltnisse (wird leider im schrifttum nicht immer streng durchgehalten) schreibt man dann z.b. N(-III), also roemische ziffern

"partialladungen", also "delta positiv, delta negativ" befassen sich nicht mehr mit formalitaeten, sondern werden begrifflich im zusammenhang mit "tatsaechlichen" verhaeltnissen benutzt, z.b. um als trend, tendentiell zu kennzeichnen zu welchem partner einer kovalenten bindung hin die elektronendichte (oder der elektronenmangel) tatsaechlich konzentriert ist.
der begriff taucht haeufig im zusammenhang mit der diskussion dipolarer strukturen auf

komplexe sind nun wieder eine welt fuer sich (jeder nische ihre hermeneutik!), mit leicht anderen praktiken.
in der regel wird hier gedanklich so vorgegangen, dass das zentralion zunaechst als "echtes" ion mit echter freier ladung aufgefasst wird, und dass sich seine ladung auch i.s. einer formalladung nicht aendert ungeachtet der tatsaechlichen verhaeltnisse
so erhaeltst du aus Ni2+ (als chlorid) und ammoniak das hexamminnickel-II chlorid [Ni(NH3)6]Cl2, bei dem fuer das nickel eben die oxidationsstufe +II verzeichnet wird, obwohl sicherlich die bindende elektronendichte komplett von den freien elektronenpaaren des ammoniak stammt und man daher eigentlich irgendwie schon an redox denkt
im ergebnis ist das ganze dann aber doch wieder den kovalenten verbindungen verwandt, auch wenn man von echten ionen / teilchen kommend analysiert.

und, natuerlich, der komplex als ganzes kann dann wieder eine echte "aeussere" ladung tragen....

so, ich hoffe ich konnte das chaos etwas lichten?

gruss

ingo
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