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Alt 03.02.2010, 11:20   #1   Druckbare Version zeigen
Godwael Männlich
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Blog-Einträge: 12
Peer Review und der offene Brief der Stammzellforscher - Biologie

Man sollte vielleicht das etwas schiefe Bild zurechtrücken, das derzeit vom aktuellen offenen Brief der 14 Stammzellforscher zu entstehen scheint. Zumal es generell die große Mode zu sein scheint, Manipulationen in der Wissenschaft – oder auch nur Gerüchte darüber – ganz besonders hoch zu hängen, möglicherweise als Ausgleich für die unkritischen Jubelartikel über Homöopathen und andere Quacksalber.

Tatsächlich sind die Klagen über Probleme des Peer Reviews nichts überwältigend Neues und schon gar nicht stammzellspezifisch. Viele Wissenschaftler und Institutionen sind seit Jahren unglücklich über die Schwächen des Systems. Die Reviewer haben in dem System große Macht und, da sie selbst aktive Forscher sind, eigene Interessen. Oder sie haben zu viel zu tun und müssen mehrmals aufgefordert werden, ihren Job zu machen. Mir sind Fälle zu Ohren gekommen, in denen Reviewer erst auf Klagedrohungen durch Anwälte reagierten.



Wie sehr der Ärger mit dem Peer Review zum Running Gag unter Wissenschaftlern geworden ist, verdeutlicht das nachfolgende Video.



Dementsprechend diskutieren Wissenschaftler und Verlage über Möglichkeiten, das System zu verbessern. Dazu gibt es verschiedene Ansätze, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Nature hat zum Beispiel schon 2006 mit einem offenen Review in Form einer Kommentarfunktion experimentiert, es gibt Preprint-Server wie ArXiv, und Möglichkeiten, die ArXiv-Papers zu bewerten, die totale Transparenz des Review-Prozesses wie vom British Medical Journal praktiziert und so weiter. All das fasst man unter dem Schlagwort Open Peer Review zusammen.

Die 14 Autoren des offenen Briefs schlagen sich jetzt auf die Seite der Lösung, die wohl für alle Seiten momentan die praktikabelste Lösung ist und die bereits von einigen Zeitschriften praktiziert wird. Sie fordern, dass die Gutachten der Reviewer sowie der Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten als Anhang der eigentlichen Veröffentlichung publiziert werden. Wie das aussehen würde, kann man zum Beispiel in diesem Paper sehen, das ich vor einer Weile besprochen habe.

Das Modell löst natürlich nicht auf einen Schlag alle Probleme des Peer Reviews, aber es schafft Transparenz. Insofern wäre es eine wichtige Verbesserung. Nicht zu verachten ist auch der inhaltliche Wert der Gutachten, die zusätzlichen Kontext liefern und wichtige Aspekte noch einmal herausstellen. Der Peer Review als solcher ist im Grunde eine ganz großartige Erfindung, deren Wert bei allen Schwächen nach wie vor unbestritten ist, wie die Autoren des offenen Briefes auch explizit betonen.



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Quelle: Fischblog - Wissenschaft für alle
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