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Alt 10.07.2009, 20:50   #1   Druckbare Version zeigen
Godwael Männlich
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Tauchfahrt zu den ersten Amerikanern

Der Doppelkontinent Amerika war die letzte Landmasse, die von modernen Menschen besiedelt wurde. Während der letzten Eiszeit gelangten die ersten Siedler über die damals trocken gefallene Beringstraße nach Nordamerika und breiteten sich dann innerhalb kurzer Zeit bis nach Feuerland aus. Lange Zeit galt die etwa 13.000 Jahre alte Clovis-Kultur als erste menschliche Gesellschaft der neuen Welt und kann in ganz Nordamerika, Mexiko und an einigen Stellen in Südamerika nachgewiesen werden.

Doch diese "Clovis-first"-Hypothese blieb nicht lang unwidersprochen. Indizien für eine Besiedelung vor Clovis gibt es an diversen Orten, doch sie sind selten, unklar und umstritten. Durch neue Datierungen gesicherter Clovis-Funde konnte 2007 immerhin bestätigt werden, dass einige nicht-Clovis-Fundstellen wie Monte Verde in Chile oder Mud Lake in den USA definitiv älter sind als die Clovis-Kultur. Doch wie alt genau?



Solche Details dieser Prä-Clovis-Kultur sind noch weitgehend unbekannt. Von den Monte-Verde-Menschen weiß man immerhin, dass sie eine enge Beziehung zum Meer hatten. Die spärlichen Indizien deuten darauf hin, dass die ersten Menschen mit Booten von Alaska aus Richtung Süden wanderten und sich zuerst an den Küsten etablierten. Die ältesten Zeugnisse der ersten Besiedelung – und damit die Antworten auf die Fragen, wann das geschah und wer diese Leute waren – müssen demnach vor allem in der Nähe der damaligen Küsten zu finden sein.

Versunkene Spuren
Und das ist das große Problem. Der fragliche Zeitraum fällt in die Phase der größten Ausdehnung der kontinentalen Eisschilde, die mit dem Brandenburger Stadium der Weichsel-Eiszeit vor 24.000 Jahren begann und mit der Jüngeren Dryas vor 10.000 Jahren endete. Vor etwa 18.000 bis 15.000 Jahren zogen sich die Eiskappen am Nordpazifik zurück. Die Menschen hangelten sich entlang der Beringstraße nach Nordamerika und hinterließen zweifellos Spuren. Allerdings war der Meeresspiegel damals ein bisschen niedriger als heute. Viele frühe Siedlungsplätze der ersten Amerikaner liegen wahrscheinlich unter Wasser, in der Nähe der alten Küstenlinie.

Das kennt man unter anderem von der Ostsee, die heute Gegenden Bedeckt, in denen vor 10.000 Jahren noch Menschen lebten. Archäologen erforschen dort diese versunkenen Landschaften und entdecken erstaunliches. Doch die Ostsee ist ein flaches Binnengewässer. Die Hinterlassenschaften der ersten Amerikaner dagegen liegen bis zu 120 Meter tief im offenen Meer.

Unter diesen Umständen ist klassische Unterwasserarchäologie nicht möglich. Normalerweise untersucht man dabei auffällige Artefakte wie Schiffswracks oder auch mal eine versunkene Stadt, doch steinzeitliche Siedlungsplätze sind ungleich schwieriger zu entdecken, zumal in hundert Metern Tiefe. An einigen Stellen allerdings sind die Bedingungen dafür jedoch besonders günstig.

Verlorene Landschaften
Ein solcher Ort ist die Westküste Floridas. Dort kennt man an Land mehrere Fundstellen mit Radiocarbondatierungen älter als 10.000 Jahre, die mit Wasserlöchern und Flussbetten assoziiert sind. Diese geologischen Strukturen sind auch unter Wasser zu identifizieren und waren wahrscheinliche Anlaufpunkte früher menschlicher Siedler – dafür sprechen auch vergleichbare Unterwasserfunde in Küstennähe. Man weiß hier also bereits sehr genau, wo man suchen muss: An alten Wasserlöchern in der Nähe der tiefsten bekannten Küstenlinie. Es gibt Indizien dafür, dass sich solche Oberflächenmerkmale dort bis heute erhalten haben, auch weil die Sedimentation dort gering ist, verglichen mit anderen Küsten.

Im Jahr 2008 untersuchten US-Forscher einen Bereich vor der Küste Floridas und fanden dort tatsächlich untergegangene Flussläufe und Wasserlöcher, und in über 100 Metern Tiefe ausgedehnte Sandflächen mit typischen Wellenrippeln und Sandbänken, wie man sie aus Flachwassergebieten kennt: Die eiszeitliche Küste.

Die Flussbetten und Wasserlöcher sind mit mehreren deutlich erkennbaren Schichten von Sedimenten gefüllt, in denen sich Überreste aller Art verbergen können – möglicherweise eben auch menschliche Hinterlassenschaften. Von anderen Bereichen vor der Küste werden ähnliche Befunde gemeldet, bis hin zu Resten versunkener Wälder. Wären diese Fundstellen an Land, würden die Archäologen unverzüglich mit dem Graben beginnen. So aber bleibt es erst einmal bei einer Bestandsaufnahme aussichtsreicher Fundstellen.

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Quelle: Fischblog - Naturwissenschaft und mehr
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