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Alt 13.05.2009, 09:04   #20   Druckbare Version zeigen
juergen64  
Mitglied
Beiträge: 657
AW: schwefelsäureherstellung

Hallo,

ich denke, daß vieles eben historisch bedingt ist. Den "Holleman" gibt es schon seit vielen Jahrzehnten - die älteste Auflage, die ich antiquarisch daheim habe, ist von 1943, und das war nicht die erste. Kristallstrukturen untersucht man so richtig erst seit ungefähr 1950, und zur Routine wurde das erst mit dem Aufkommen der automatischen Vierkreisdiffraktometer und der computergestützten Strukturlösungsmöglichkeiten in den 1970ern.

Beim "V2O4" könnte man in früheren Zeiten noch an die Hauptgruppen/Nebengruppen-Analogie zum N2O4 gedacht haben, was sich bei diesem Thema sogar als Brücke zwischen Kontakt- und Bleikammerverfahren anbietet. Für ein modernes Lehrbuch halte ich das aber für antiquiert.

Bei Ihren übrigen Beispielen würde ich persönlich mir überlegen, was in der jeweiligen Reaktion tatsächlich vorliegt: Setze ich tatsächlich kristallisierten Schwefel (S8) ein, oder ist der Schwefel geschmolzen und enthält alle möglichen Spezies, so daß man besser der Einfachheit halber "S" schreibt? Wird tatsächlich farbloser Phosphor eingesetzt (nur der hat die Formel P4)? "P2O3" gibt es nicht; das einzige bekannte Phosphor(III)-oxid besteht aus P4O6-Molekülen, und die sollte man deshalb auch so formulieren. Beim Phosphor(V)-oxid gibt es wiederum mehrere Möglichkeiten: Nur eine Modifikation davon besteht aus P4O10-Molekülen; daneben gibt es mehrere, die aus einem unendlichen Netzwerk eckenverknüpfter PO4-Tetraeder bestehen, und die formuliert man sinnvollerweise als P2O5.

Aber wie gesagt kann man es einem Autor kaum zumuten, sich bei all den tausenden von Formeln in einem derart umfangreichen Lehrbuch immer derart ausführliche Gedanken zu machen - es liegt mir also fern, Herrn Wiberg da zu kritisieren, zumal es von mir ja kein vergleichbares Werk gibt. Gerade die jüngste Auflage des Buches finde ich schon wieder viel besser als ihre Vorgänger, nicht zuletzt wohl deswegen, weil an die hundert Fachkollegen mitgewirkt haben, die in der Danksagung auch namentlich aufgeführt sind.

Gruß,
Jürgen
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