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Alt 28.04.2009, 07:37   #3   Druckbare Version zeigen
juergen64  
Mitglied
Beiträge: 657
AW: Symbolik um 1840

Hallo,

das ist die Formelschreibweise von Berzelius, der in seinem 10-bändigen Lehrbuch ausführlich erklärt, wie sie zu lesen ist.

Die Punkte bedeuten Sauerstoffatome, d.h. ein S mit drei Punkten ist Schwefeltrioxid, SO3. Man hat das allerdings damals als "wasserfreie Schwefelsäure" bezeichnet, weil man noch nicht zwischen Hydrat- bzw. Kristallwasser und chemisch gebundenem H/OH unterscheiden konnte und deshalb aus der Bruttozusammensetzung sämtliches Wasser herausgerechnet hat.

Das Kalium mit einem Punkt wäre als KO zu lesen. Allerdings ist hier die Schwierigkeit, daß die Bestimmung der chemischen Zusammensetzung mittels quantitativer Analyse nicht die absoluten Atommassen, sondern nur Atommassenverhältnisse liefert. Ob in Kaliumoxid das Atomzahlverhältnis 1:1 oder 2:1 (mit dem halben Atomgewicht für Kalium) ist, konnte man damals noch nicht unterscheiden.

Sauerstoffverbindungen spielten für die Ermittlung von relativen Atomgewichten eine große Rolle, und da Sauerstoff zweiwertig ist (was man damals aber noch nicht wußte), traten viele Elemente in Verbindung mit Sauerstoff "paarweise" auf (z.B. Cl2O, Na2O...). Berzelius hat hierfür das "Doppelatom" eingeführt, symbolisiert durch einen Querstrich durch das Elementsymbol. Kaliumoxid (damals "wasserfreies Kali" genannt; da Wasser aus den Formeln herausgerechnet wurde, dürfte es sich um Kaliumhydroxid gehandelt haben) wäre nach Berzelius also durch ein K mit einem Querstrich durch den Buchstaben und einen Punkt obendrauf zu symbolisieren.

Salze sah man damals übrigens als "Additionsverbindungen" von "Säure" und "Salzbasis" an. Verbindet sich die "Salzbasis" wasserfreies Kali mit der "Säure" wasserfreie Schwefelsäure, erhält man nach Berzelius ein Salz, dessen Formel als KS mit einem Querstrich durch das K, einem Punkt über dem K und drei Punkten über dem S zu symbolisieren ist. Voll ausgeschrieben erhält man K2O*SO3, oder in heutiger Schreibweise K2SO4, also Kaliumsulfat (damals folgerichtig "schwefelsaures Kali" genannt).

Die Abkürzungsschreibweisen haben sich dann nicht durchgesetzt. Auch war es noch ein längerer Weg bis zur vollständigen Vereinheitlichung der Elementsymbole. Z.B. hat man Phosphor zuweilen mit "Ph" symbolisiert statt mit "P", und die Franzosen symbolisierten Stickstoff lange Zeit mit "Az" (für "azote") statt mit "N". Abgeschlossen wurde die Vereinheitlichung übrigens erst in unseren Tagen - ich habe früher noch das deutsche "J" für Iod (Jod) gelernt, das heute unüblich geworden ist.

Gruß,
Jürgen
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