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Alt 05.01.2009, 21:43   #22   Druckbare Version zeigen
ricinus Männlich
Moderator
Beiträge: 23.861
AW: Lagerfeuer "einfärben"

Es gibt wohl kaum ein Spurenelement, dessen Umweltverhalten so gut untersucht ist wie Blei. Deswegen weiss man auch gar nicht, wo man beginnen soll. Zunächst einmal soll niemand denken, dass das verbleite Benzin die einzige Verschmutzungsquelle gewesen ist. Metallverarbeitende Industriezweige und Batteriehersteller und Minenausbeutung steuerten schon immer einen bedeutenden Teil bei, und tun dies noch heute. Die vielen vielen Veröffentlichungen zum Thema zeigen auch nicht klar, ob Pb in der Umwelt als mobil oder eher immobil zu gelten hat : ob Blei in Böden z.B. wandert oder nicht, hängt sehr von der Beschaffenheit ab. Dasselbe gilt für Sedimente. Insgesamt fördert ein hoher pH Wert eher die Ausfällung des Bleis als schwerlösliche und damit ungefährlichere Verbindungen (Hydroxide, Phosphate, Carbonate). Man findet das Blei assoziiert an Tonminerale, aber auch an Mn und Fe oxide. Ein erheblicher Teil des Bleis kann aber durch natürliche Chelatbildner (Huminsäuren) komplexiert und mobilisiert werden.
Da die Autoabgase angesprochen worden sind : dem Benzin wurde Tetraethylblei zugesetzt. Im Motor ist dieses jedoch nicht vollständig zu Bleioxid verbrannt, sondern das Blei strömte als volatile Halogenverbindungen aus den Auspuffen : PbBr, PbBrCl, Pb(OH)Br und (PbO)2PbBr2. Diese sind dann relativ schnell in der Umwelt zu Oxiden, Sulfaten und Carbonaten umgesetzt worden. Man könnte meinen, dass Strassenstaub oder der Boden längs der Autobahnen etwa stark mit Blei verseucht sein müsste (es ist auch durchaus in messbaren Mengen darin vorhanden), aber landwirtschaftliche Nutzflächen, besonders in Ostblockländern, die mit Klärschlamm "gedüngt" worden sind, weisen oft Bleigehalte aus, die eine ganze Grössenordnung höher liegen. Pflanzen können das Pb direkt über die Wurzeln aufnehmen. Dem scheint ein passiver Mechanismus zugrunde zu liegen, und die Pb Gehalte, die in Pflanzen gemessen worden sind, sind in den Wurzeln immer am höchsten.
Für Herbert ist womöglich interessant, dass die einige der höchsten Bleigehalte in Getreide in seinem Heimatland gemessen worden sind

lg
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"Old geochemists never die, they merely reach equilibrium." (Antonio C. Lasaga ?)
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