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Alt 13.05.2008, 11:38   #8   Druckbare Version zeigen
Spektro Männlich
Mitglied
Beiträge: 952
AW: H-Brücken zwischen CH3-CO-CH3 und CHCl3

Hui, endlich mal was zu meinem Spezialgebiet... Sorry wenn es gleich ein wenig kompliziert wird...

Es gibt zwar Wasserstoffbrücken beim Chloroform-Aceton Komplex, aber das ist in Sachen H-Brücke schon nen Grenzfall. Die Wechselwirkung ist sehr schwach. Hier geht es um wenige kcal/mol.

Das sind keine "üblichen" Wasserstoffbrücken, die laufen unter "blue-shifting hydrogen Bonds". Bei dieser Art Wasserstoffbrücke spielen die Dipol-Dipol-WW nicht mehr die dominante Rolle.
Äußerliches Zeichen daß hier irgendwas anders ist: die CH-Streckschwingung ist nicht wie bei üblichen H-Brücken rot-, sondern blauverschoben (also zu kürzeren Wellenlängen), ihre IR-Intensität nimmt ab (normal nimmt sie zu), und es gibt Hinweise auf eine Bindungsverkürzung (normal wäre eine Verlängerung der Bindung).

Es gibt übrigens bisher keine "offizielle" Grenze, ab wann man von einer Wasserstoffbrückenbindung spricht: einige ziehen sie bei 1kcal/mol, andere beziehen sich lieber auf vorhandene Elektronendichte am "bond-critical-Point" zwischen den Molekülen. Aber die IUPAC will das demnächst vereinheitlichen.

Zurück zum Chloroform-Aceton-Komplex:
Die Struktur sieht übrigens so aus, daß das Chloroform-Molekül seitlich zum Aceton liegt: eine H-Brücke zum freien Elektronenpaar vom Sauerstoff des Aceton, gleichzeitig aber auch eine schwache Wechselwirkung eines H-Atoms der Methylgruppe mit einem Cl-Atom vom Chloroform.
(Quelle: Delanoye, Herrebout, van der Veken, J. AM. CHEM. SOC. 2002, 124, 11854-11855)
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